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| Leseprobe 1 |
| Fest der Erscheinung des Herrn |
| Wem huldigst du? |
| Lesejahr A – B – C |
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Beitrag zum Evangelium
Einführung
»Weißt du, wie viel Sternlein stehen?« – Ein schönes Lied, das wir wohl alle aus unserer Kindheit kennen und vielleicht auch unseren eigenen Kindern vorgesungen haben. Ein Blick zu diesen unzähligen Sternen am Nachthimmel lässt uns demütig werden vor der Unendlichkeit, die wir nicht begreifen können – die aber in Gottes Händen liegt. Einer dieser Sterne führt uns heute ganz nahe zu Gott, zum Kind in der Krippe. Machen wir uns gemeinsam mit den Sterndeutern auf den Weg, ihm zu begegnen.
Kyrie-Ruf Herr, du bist es, der unser Leben hell werden lässt, wenn wir in der Dunkelheit zu versinken drohen. Herr, erbarme dich.
Christus, du bist es, der uns auf unserem Weg als treuer Freund begleitet und uns trägt, wenn uns die Kraft verlässt. Christus, erbarme dich.
Herr, du bist es, der als kleines Kind schutzlos in diese Welt geboren werden wollte, um zu sehen, was wir sehen, um zu hören, was wir hören, um zu fühlen, was wir fühlen. Herr, erbarme dich.
Tagesgebet
Gott, du bist es, vor dem wir jetzt stehen. Mit all unseren Gedanken, Sorgen und Nöten der vergangenen Woche. Dir wollen wir all dies anvertrauen und bei dir zur Ruhe kommen, neue Kraft schöpfen aus der Verbindung mit dir und untereinander. Sei du der Stern, der unsere Dunkelheit hell werden lässt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Liedvorschlag zur Predigt
GL 262 »Seht ihr unsern Stern dort stehen« (besonders Strophe 3)
Predigt Zum Text: Mt 2,1–12 (Evangelium)
»Deine Villa geschehe …«
Neulich ist mir ein Werbeplakat ins Auge gestochen, das mich schmerzlich ins Herz getroffen hat. Es war recht schlicht, aber die Worte hatten es in sich. Sie lauteten: »Deine Villa geschehe, auch ohne Vater im Himmel«. Es war das Plakat eines Finanzdienstleisters.
Spiegel unserer Gesellschaft
Eigentlich bräuchten mich die Worte nicht so zu erschrecken, sind sie doch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Bereits im Jahr 2021 gehörten in Deutschland weniger als 50 Prozent der Einwohner dem christlichen Glauben an – ein historischer Tiefpunkt. Das liegt einerseits an demografischen Faktoren, andererseits – und dies umfasst den größeren Anteil – ist der Rückgang auf das Tauf-, Austritts- und Aufnahmeverhalten zurückzuführen. Wir werden weniger – und weil wir weniger werden, höre ich in letzter Zeit häufiger die Aussage: »Früher, da war der Glaube selbstverständlich, da war man einfach in der Kirche – jetzt muss man sich eigentlich schon rechtfertigen dafür, dass man noch gläubig und in der Kirche aktiv ist.« Das frustriert. Da gehen einem in Diskussionen mit anderen Menschen die Argumente aus. Das ist anstrengend, nervenaufreibend. Das tut weh.
Gott kann offenbar fehlen
Unsere Epoche ist mehr als die früheren geprägt vom Zweifel an Gott, der Kritik an ihm, der Abkehr von Gott und der Enttäuschung von allen, die man für Gott–nahe hielt. Die Frage nach Gott ist aus vielen Gründen für viele keine aktive Frage mehr, weil man sie entweder ohnehin für unbeantwortbar hält oder weil mögliche Antworten als nicht relevant bewertet werden. Es zeigt sich eine Art Gleichgültigkeit gegenüber Gott in unserer Gesellschaft. Manchmal ist eine solche Gleichgültigkeit eine Konsequenz frustrierender Erfahrungen mit der Kirche und ihrem Personal, manchmal eine Folge von Schlaffheit, Trägheit oder Ermüdung.
»Gott fehlt also – und er kann offenbar auch fehlen; vielleicht niemals so stark wie heute« – so formuliert es der Pastoraltheologe Matthias Sellmann mit Blick auf unsere Gesellschaft.
Wer oder was nimmt Gottes Platz in meinem Leben ein?
Wenn Gott in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr hat, wenn er irrelevant geworden ist, dann stellt sich mir die Frage: Wer oder was hat dann seinen Platz eingenommen? Wer oder was hat einen so hohen Stellenwert? Ist es die Villa, der Luxus, das Reisen, das neue Smartphone, der neue Luxuswagen oder allen voran das Geld, das mir angeblich alles ermöglicht und so viel mehr wiegt? Oder ist es vielleicht mein eigenes Ego? Stelle ich mich selbst auf eine Stufe mit Gott? Geht es nur um die Erfüllung meiner Wünsche, meiner Vorstellungen, meiner Bedürfnisse?
Wem huldige ich?
Zugegebenermaßen ist »huldigen« ein Wort, das heutzutage selten verwendet wird. Aber es prägt und durchzieht unser heutiges Evangelium. Dreimal wird dieser Begriff verwendet. Zu Beginn finden wir ihn bei den Sterndeutern, deren genaue Anzahl übrigens gar nicht bekannt ist; sie haben sich auf den Weg gemacht, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen. Dann hören wir von Herodes, der den Sterndeutern sagt, dass auch er ihm huldigen möchte und deshalb wissen muss, wo er sich befindet. Und am Ende knien die Sterndeuter vor dem Jesuskind nieder und huldigen ihm. »Huldigen« – laut Definition meint es einerseits, dass sich ein Mensch durch ein Treuegelöbnis dem König bzw. Herrscher unterwirft, und andererseits, dass die Verehrung durch eine Handlung, ein bestimmtes Verhalten (wie zum Beispiel das Niederknien), sichtbar wird. »Huldigen« – also anbeten, sich niederwerfen, sich selbst klein machen, das eigene Ego hintanstellen, das ist genau das, was Herodes nicht will, denn er möchte nur herausfinden, wo das Kind ist, um es töten zu lassen. Er sieht nur sich selbst. Er möchte der Höchste sein, der Herrscher.
Inwieweit wissen wir von unseren Sterndeutern, dass sie auf ihren Traum vertrauen und einen anderen Heimweg wählen? Sie haben erkannt, wer da in diesem kleinen Kind auf die Welt kam: Gott. Daran erinnern wir uns heute, am Tag der »Erscheinung des Herrn«. Und das erkennen die Sterndeuter als Heiden, als jene, die einer anderen Religion angehören. Sie erkennen, wer würdig ist, dass man ihm huldigt, und sie werden – so heißt es – von einer »sehr großen Freude erfüllt«.
Wem huldige ich eigentlich?
Das heutige Evangelium regt mich – und vielleicht auch Sie – dazu an, einen kritischen Blick auf das eigene Leben zu werfen und sich zu fragen: Wem huldige ich eigentlich? Wen stelle ich in den Mittelpunkt meines Lebens, wem »verschreibe« ich mich? Aus wessen Geist heraus möchte ich leben und handeln? Und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann ist es nicht das Geld oder die Villa, sondern etwas – jemand, der mich von innen heraus mit unglaublicher Freude erfüllt, weil er mir mein Leben geschenkt hat und es in seinen Händen hält. Dann heißt es nicht mehr: »Gott fehlt und kann auch fehlen«, sondern »Gott ist da und wahres Leben«.
Fürbitten
Herr, du bist es, der unser Leben begleitet und an den wir uns immer wenden dürfen. So kommen wir mit unseren Bitten zu dir:
– Für alle Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Leben sind. – Herr, kleines Kind in der Krippe: (Wir bitten dich, erhöre uns.) – Für diejenigen, die wichtige Entscheidungen für das Leben anderer Menschen treffen müssen und die es mit Besonnenheit und Weitblick tun. – Herr, kleines Kind in der Krippe: – Für alle, die trotz der verletzenden Erfahrungen in den Kriegsund Krisengebieten unserer Welt an der Hoffnung auf Frieden und Versöhnung festhalten. – Herr, kleines Kind in der Krippe: – Für unsere Kirchenmitglieder, die an dir festhalten, aus deinem Geist heraus leben und das Leben ihrer Mitmenschen hell werden lassen. – Herr, kleines Kind in der Krippe: – Für all unsere Verstorbenen, die wir schmerzlich vermissen, und für diejenigen, an die keiner mehr denkt. – Herr, kleines Kind in der Krippe:
Herr, du bist es, zu dem wir unterwegs sind. Du stärkst uns bei der Suche nach dem wahren Ziel unseres Lebens. Dafür danken wir dir, heute und in Ewigkeit. Amen.
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Ramona Hettich |
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