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| Einführung |
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Liebe Leserinnen und Leser,
auch in der diesjährigen Fastenzeit fanden an jedem Freitag Wallfahrtsgottesdienste in der Salvatorkirche in Schwäbisch Gmünd statt. Die kleine Kirche, die einen aus dem Felsen gehauenen Ölberg in sich birgt, liegt – landschaftlich sehr reizvoll – auf einem Hügel westlich des Stadtkerns. Ein Kreuzweg führt hinauf, er ist nicht nur mit Tafeln gestaltet, sondern mit acht Kapellen, in denen das Leiden Jesu mit lebensgroßen Figuren dargestellt ist. Die Wallfahrtsgottesdienste werden von verschiedenen Priestern zelebriert und sind immer noch erstaunlich gut im Leben der hiesigen Gemeinden verwurzelt und angenommen. Damit die Gottesdienste einen inhaltlichen Zusammenhang haben, denken sich die Verantwortlichen alljährlich eine Themenreihe aus. In diesem Jahr hieß die Themenreihe »Synodale Haltungen«.
Zehn solche Haltungen wurden von den Verantwortlichen für den Prozess Kirche der Zukunft in unserer Diözese als geistliche Inspiration zur Verfügung gestellt. Mir war das Thema »Lass dir Zeit« vorgegeben und ich habe mich redlich darum bemüht, ein paar sinnvolle Gedanken zu formulieren. Aber je mehr ich mich darauf eingelassen habe, umso mehr spürte ich Widerstände. Sie rühren aus meiner Beschäftigung mit Paulus, seiner Biographie und Theologie, die mich mental und geistlich umtreibt. »Die Zeit ist kurz« (1 Kor 7,29) – das prägt sein Leben und seine Theologie. Auch die Besinnung auf die Osterzählungen hat mir das vorgegebene Thema verleidet. Die Ostererzählungen tragen eine große Eile – fast Hektik – in sich. Maria läuft (Joh 20,2); Petrus rennt mit Johannes um die Wette (Joh 20,4); noch in der Abendstunde gehen die beiden Jünger von Emmaus nach Jerusalem zurück (Lk 24,33); die Frauen flüchten vom Grab (Mk 16,8); sie sollen schnell zu den Jüngern gehen (Mt 28,7) … alle rennen! Die Botschaft duldet keine Verzögerung, keinen Aufschub!
Jesus hatte kaum Zeit, sein Evangelium in die Welt zu tragen; seine ersten Anhänger hatten wenig Lebenszeit, die Botschaft weiterzusagen und Paulus fühlte sich von der Botschaft ständig gedrängt und war immer in Eile. Was also ist mit der synodalen Haltung »Lass dir Zeit« gemeint? Natürlich ist es wichtig, einem Gesprächspartner nicht ins Wort zu fallen, eine festgefahrene Sitzung zu unterbrechen und sich Zeit zu nehmen fürs Beten und Nachdenken. Und trotzdem gilt: Das Evangelium drängt. Es duldet keinen Aufschub. Die Botschaft muss unter die Leute. Die Gefahr, sie zu verpassen oder gar zu vergeuden, ist zu groß.
Als Prediger stand mir wieder einmal die gewichtige und kritische Unterscheidung vor Augen: Was lese ich ins Evangelium hinein und was lese ich aus dem Evangelium heraus? Diese Unterscheidung ist Provokation für jede Predigerin und jeden Prediger – halten wir sie aus und halten wir sie durch!
Freundliche Grüße von den Herausgebern, der Redaktion und dem Verlag
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| Anton Seeberger |
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