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| Einführung |
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Liebe Leserinnen und Leser,
»Warum haben Sie nicht gegen die woke Politik der Grünen gepredigt?« So kam am Faschingssonntag ein mir bekannter Predigtzuhörer und -kritiker auf mich zu. Mehr Politik in der Predigt hätte dieser Mann gerne. Aber anders als ich mich oft positioniere. Politische Statements in Predigten sind heikel. Davon berichten mir auch Kollegen. Vor allem, weil es etliche Zuhörer gibt, die der Meinung sind: In einer Predigt hat Politik gar nichts verloren.
Seit der Äußerung der Bundestagspräsidentin ist die Diskussion wieder einmal aufgeflammt, wie politisch Kirche denn sein darf, ob sie sich in tagespolitische Debatten einmischen soll und was denn nun ihr Kerngeschäft sei. Von kirchlicher, theologischer und auch politischer Seite gab es da klare Entgegnungen. Kirche ist politisch und muss Stellung beziehen, weil das Evangelium und unser Glaube politische Relevanz haben. Der Ökonom und Leiter des Weltethos-Instituts in Tübingen, Nils Goldschmidt, hat dies in einem Interview in der Herder-Korrespondenz ( »Soziale Marktwirtschaft ist unsere Hoffnung«: Der Ökonom und Theologe Nils Goldschmidt im Gespräch, Heft 2 des Jahrgangs 2026, S. 19–22) bekräftigt. Goldschmidt, auch Mitglied im Deutschen Ethikrat, formuliert es so: »Natürlich sollte die Kirche nicht für sich in Anspruch nehmen, es besser zu wissen, oder gar den moralischen Zeigefinger auspacken. … [Kirche] gilt als verlässlicher Partner, der die Sorgen und Nöte der Menschen in den Blick nimmt und den Menschen zugewandt ist. Ich wünsche mir manchmal, dass sich die Kirche diesbezüglich noch stärker positioniert und dies als Teil ihres Kerngeschäftes ansieht. Wir sind umgeben von Krisen. Hoffnung ist der Urgrund des christlichen Glaubens. Am Ende wird alles gut. Genau diese positiven Narrative brauchen wir aus meiner Sicht.«
Was da von der Positionierung der Kirche in der Gesellschaft gesagt wird, gilt in entsprechender Weise auch für die Verkündigung in der Predigt. Viele biblische Texte, die wir auslegen, haben eine »politische« Botschaft. Nicht in dem Sinn, dass daraus Parteipolitik wird oder wir es »besser wissen« als die, die mit großem Einsatz und hoher Kompetenz um politische Lösungen ringen. Aber in dem Sinn, dass wir – ganz prophetisch – die Armen und Schwachen in den Blick nehmen, den Vergessenen eine Stimme geben, Ungerechtigkeit und Unterdrückung beim Namen nennen, gängige Logiken in Frage stellen und vor allem für die einzigartige Würde eines jeden Menschen eintreten. Vor allem aber auch in dem Sinn, dass wir nicht Hoffnungslosigkeit durch Religion verdoppeln, sondern die »Sprengkraft gelebter Hoffnung« aufzeigen, wie es die Würzburger Synode formuliert hat.
Wer in diesem Sinne politisch predigt, der muss natürlich immer auch konkret werden – und macht sich dadurch angreifbar. Aber wir verkünden eben keinen abgehobenen und unberührbaren Gott, sondern einen, der in Jesus Christus selbst Partei ergriffen hat für die Armen und Schwachen, der den Reichen und Starken ihre Verantwortung vor Augen geführt hat und der sich klar positioniert hat, wo es um das Heil der Menschen geht.
Wenn nach so einer Predigt mit politischen Statements ein Zuhörer auf mich zukommt und »aber völlig anderer Meinung« ist, bietet das meist die Gelegenheit zu einem spannenden Gespräch. Herzliche Grüße, auch im Namen von Beirat und Verlag. Ihr
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| Klaus Kempter |
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