Liebe Leserinnen und Leser,
»Warum haben Sie nicht gegen die woke Politik der Grünen gepredigt?« So kam am Faschingssonntag ein mir bekannter Predigtzuhörer und -kritiker auf mich zu. Mehr Politik in der Predigt hätte dieser Mann gerne. Aber anders als ich mich oft positioniere. Politische Statements in Predigten sind heikel. Davon berichten mir auch Kollegen. Vor allem, weil es etliche Zuhörer gibt, die der Meinung sind: In einer Predigt hat Politik gar nichts verloren.
Seit der Äußerung der Bundestagspräsidentin ist die Diskussion wieder einmal aufgeflammt, wie politisch Kirche denn sein darf, ob sie sich in tagespolitische Debatten einmischen soll und was denn nun ihr Kerngeschäft sei. Von kirchlicher, theologischer und auch politischer Seite gab es da klare Entgegnungen. Kirche ist politisch und muss Stellung beziehen, weil das Evangelium und unser Glaube politische Relevanz haben. Der Ökonom und Leiter des Weltethos-Instituts in Tübingen, Nils Goldschmidt, hat dies in einem Interview in der Herder-Korrespondenz ( »Soziale Marktwirtschaft ist unsere Hoffnung«: Der Ökonom und Theologe Nils Goldschmidt im Gespräch, Heft 2 des Jahrgangs 2026, S. 19–22) bekräftigt.
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