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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
17. Sonntag im Jahreskreis
In meiner Haut
Lesejahr C
Einführung

»Gott, deine Liebe reicht weit. Du hüllst sie ein in ein Kleid aus Bäumen, Blumen und Ähren, die schön sind und uns ernähren.« So singen wir in einem neueren Lied. (Vielleicht kann dieses Lied zum Eingang gesungen werden - siehe  Erdentöne – Himmelsklang, Nr. 116.) Und bringen damit zum Ausdruck, dass Gott uns so vielfältig berühren kann: durch die Farbenfreude der Natur, die Schönheit der Musik, die Zuwendung von Menschen. Jetzt – so hoffen wir – berührter uns durch sein Wort, die Stille, das Mahl und die Gemeinschaft, die wir hier wieder erfahren.

Predigt

Zum Text: Kol 2,12–14 (2. Lesung)

»Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut«

»Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut.« Wer das sagt, hat entweder etwas angestellt oder er hat ein Problem. Vielleicht hat er einen anderen angelogen, einen schlimmen Schaden angerichtet, ein Versprechen nicht gehalten. Vielleicht fühlt er sich überfordert mit einer beruflichen Aufgabe, steckt mitten in einer Ehekrise, ist in einen Rechtsstreit geraten. Wann haben Sie das letzte Mal gesagt: »Ich fühle mich gar nicht wohl in meiner Haut.«

»Ich kann nicht aus meiner Haut heraus«

Schlimmer noch ist es, wenn einer sagt: »Ich kann nicht aus meiner Haut heraus.« Er hat resigniert. Er weiß um seine Grenzen, seine Schattenseiten, seine Charaktereigenschaften, seine Prägungen und spürt: Die kann ich nicht abschütteln, die werde ich einfach nicht los. Damit muss ich leben. Manche verzweifeln daran. An dem, wie sie sind, was sie getan haben. An dem, was sie immer wieder zu Fall bringt, in Versuchung führt. Das kann existentiell bedrückend, ja sogar bedrohend werden, wenn Menschen daran zu zerbrechen drohen. Außenstehende sagen dann vielleicht: »In deiner Haut möchte ich nicht stecken.«

»In deiner Haut möchte ich stecken«

»In deiner Haut möchte ich stecken.« Das hat Gott zu uns Menschen gesagt. So könnten wir auf den Punkt bringen, was wir mit der Menschwerdung Christi bekennen. Darum geht es auch Paulus im Kolosserbrief. Er betont, dass in ihm, in Jesus Christus, »die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig« gegenwärtig ist. In ihm ist Gott uns ganz nahe gekommen. In ihm hat er unser Leben geteilt, sogar das Leiden und den Tod. Damit wir erlöst werden, befreit von dem, was der Grund ist, dass wir uns in unserer Haut nicht wohl fühlen. Das ist eben unsere menschliche Begrenztheit, die so sehr mit unserem Fleisch zusammenhängt, wie es der Kolosserbrief sagt, mit unserem Sosein, das manchmal so schwer anzunehmen ist. Das ist unsere Schuld, all das, was wir im Laufe des Lebens an Lieblosigkeit, Unaufmerksamkeit, Unehrlichkeit, Misslungenem, Unvollkommenem angesammelt haben. Das kann einem wie ein großer Schuldschein vorkommen, wie es der Kolosserbrief bildlich ausdrückt.

Ein befreiender Glaube

Diesen Schuldschein hat Gott »durchgestrichen« und »an das Kreuz geheftet«, schreibt Paulus. Ein Bild für die Versöhnung, die Gott schenkt, für seine Liebe, die auch am Kreuz, durch keine Sünde der Welt totzukriegen ist. »Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt«, schreibt er zuvor. Ein weiteres Bild, dafür, dass wir im Glauben schon aus unserer Haut herausgekommen sind. Dass die Begrenztheit unseres Leibes uns nicht mehr ängstigen oder verzweifeln lassen muss. Beide Bilder sind bei Paulus im Grunde ein Seitenhieb gegen andere, gegen Irrlehrer, wie er sagt. Gegen eine philosophische Strömung, die die Überwindung des Fleisches als Selbsterlösung propagiert. Gegen eine religiöse Praxis, die allein in der Erfüllung der Gesetze den Weg zum Heil sieht. Der christliche Glaube, so wie er ihn versteht, befreit davon. Vor allem von dem Druck, den Menschen sich da machen.

… wenn er unter die Haut geht

Befreit dieser Glaube Sie, wenn Sie sich mal wieder gar nicht wohl in Ihrer Haut fühlen und spüren, dass Sie nicht aus Ihrer Haut herauskommen? Wenn das, was Paulus im Kolosserbrief sagt, nur Glaubensformeln oder gar Floskeln sind, wohl eher nicht. Aber wenn mir das wirklich unter die Haut geht, kann das ganz schön befreiend sein. Wenn der Blick auf das Kreuz mir zu Herzen geht und ich sagen kann: »Sieh, wie sehr Gott die Welt geliebt hat!« Wenn Geschichten, die erzählen, wie Jesus Sündern, Kranken und Suchenden begegnet, mich trösten und ermutigen. Wenn die Lossprechung in der Beichte mir einen Stein vom Herzen fallen lässt. Wenn ich im Gebet in die liebenden Augen Jesu blicke, die mir sagen: Es ist gut, dass du da bist und dass du dich immer wieder auf den Weg machst. Wenn ich mich mit Weihwasser bekreuzige und daran denke, dass ich getauft bin, Kind Gottes, gewollt und geliebt. Wenn der Glaube so unter die Haut geht, kann er immer wieder befreiend wirken. Dann hilft er mir, dass ich mich in meiner Haut trotz allem wohl fühle und auch nicht aus meiner Haut heraus muss. Denn ich stecke ja in der Haut, in die auch Christus sich gehüllt hat, damit Gottes Liebe uns zu Herzen geht, uns frei macht von Angst und Mut zum Leben schenkt.

Fürbitten
Gott, damit deine Liebe uns unter die Haut geht, bist du in Jesus Christus Mensch geworden. Er ermutigt uns, mit allem, was uns umtreibt, zu dir zu kommen:

- Für alle, die als Getaufte im Dienst an anderen deine Liebe hautnah spüren lassen. – Stille – Befreiender Gott:
(Höre unser Gebet.)
- Für Menschen, die sich in ihrer Haut nicht wohl fühlen, weil eine Schuld sie bedrückt. – Stille – Befreiender Gott:
- Für jene, die am liebsten aus ihrer Haut heraus wollen und doch mit ihren Prägungen, ihren Verletzungen, ihren Schattenseiten leben müssen. – Stille – Befreiender Gott:
- Für Menschen, die in kriegerischen Auseinandersetzungen und bei Naturkatastrophen nur ihre nackte Haut retten konnten.– Stille – Befreiender Gott:
- Für alle, die in dieser Sommer- und Urlaubszeit die Wärme der Sonne und die Frische des Wassers auf ihrer Haut spüren und genießen. – Stille – Befreiender Gott:

Du, Gott, bist uns in Jesus, deinem Sohn, ganz nahe gekommen, der durch den Heiligen Geist in unserem Herzen wohnt. Dir danken wir, heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Klaus Kempter

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