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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Weihnachten – Am Tag
Von der Kraft, die im menschgewordenen Wort Gottes steckt
Lesejahr A – B – C
Beitrag II zum Evangelium

Einführung und Kyrie-Ruf


Wir feiern heute weiter, was am gestrigen Abend und in der Nacht schon festlich aufgeklungen ist. Wir feiern das Geschenk Gottes an uns: seine Menschwerdung, sein Kommen an unsere Seite! Wir feiern, dass er, der Große, der Unendliche, der Unfassliche, sich auf uns einlässt, auf unser Geschick, auf die Berg- und Talfahrten unseres Lebens.
Womöglich erscheint uns diese Botschaft unglaublich! Von fern ahnen wir, wie reich wir dadurch sind. Wir können nur staunend davor stehen und bitten, dass ein Funke Hoffnung, Lebensmut, Trost und Freude auf uns überspringt.

Zum Herrn rufen wir! Ihn feiern wir! Ihm vertrauen wir uns an:

GL 159 »Licht das uns erschien«
oder:
Herr Jesus Christus, du Sohn des ewigen Vaters.
Herr, erbarme dich.
Du Licht vom ewigen Licht.
Christus, erbarme dich.
Du Menschensohn aus Maria geboren.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Herr und Gott,
du hast deinen Sohn Jesus von Nazaret zu uns gesandt als ein Wunder der Menschlichkeit und Liebe, als ein Wort, das weit und frei macht. Wir danken dir. Denn wohin du kommst, wird das Leben hell. Da weicht die Angst.
Wir bitten dich, dass Jesus Christus lebendig werde in unserem Leben und dass er uns erfülle mit Glaube und Mut, mit Freude und Friede.
Darum bitten wir dich durch ihn, Christus, unseren Bruder und Herrn.
(Nach: Huub Oosterhuis, Ganz nahe ist dein Wort, Herder Wien 2. Auflage 1968, S. 75.)

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 237,1–3 »Vom Himmel hoch, da komm ich her«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 55/1 »Jubelt ihr Lande dem Herrn« mit 55/2,1–8 (Psalm 98) und
Gl 174/4 »Halleluja« mit Vers
Gesang zur Gabenbereitung
GL 243 »Es ist ein Ros entsprungen«
Gesang zur Kommunion
GL 241 »Nun freut euch, ihr Christen«
Schlusslied
GL 238 »O du fröhliche«

Vorüberlegungen


Zum Text: Joh 1,1–18 (Evangelium)

Wir feiern das Fest der Geburt Jesu Christi. Das Evangelium nach Johannes öffnet uns in einem hymnischen Text den Blick dafür, dass dieses Ereignis tief verankert ist in der langen Liebesgeschichte Gottes mit seiner Schöpfung. Die Welt gründet von allem Anfang an in dem liebevollen und kraftvollen Schöpfungswort Gottes (Joh 1,1). Allem Geschaffenen wohnt sein Wort, sein Liebeswort, inne. Es ist Gott aber nicht genug, mit seinem Wort schöpferisch und wirksam hinter allem Geschaffenen zu stehen. Er will mit seinem Wort selbst in die Menschenwelt eingehen: Sein Wort wird Fleisch, es bekommt Hand und Fuß, Leib und Seele, Stimme und Herz in Jesus von Nazaret (Joh 1,14). Der ist in der Welt nicht nur ein Botschafter des Gotteswortes. Er ist vielmehr tiefer und grundlegender selbst Gottes Wort in Person. In seinem Leben, in seinem Sprechen und im heilsamen Handeln, in seiner grenzenlosen Liebe tritt Gott selbst zu Tage. In ihm wird er spürbar, greifbar, hörbar, sichtbar.

Gott nimmt es durch seine Präsenz in einem zerbrechlichen Menschen auf sich, anfechtbar zu sein; er nimmt es auf sich, abgelehnt und verworfen zu werden, wie es auch in der Lebensgeschichte Jesu Christi geschieht (Joh 1,10f ). Vor diesem Wunder der hingebungsvollen Liebe unseres Gottes stehen wir. Warum sich Gott darauf einlässt? Es geht ihm um unsere freie, liebevolle Antwort. Er wirbt darum. Unsere Antwort ist, dass wir dem Wort Gottes Raum geben in unserem Leben, dass wir uns von seiner Macht und Kraft erfassen lassen und sein Wort weitergeben. Wo immer das Urwort der Liebe Gottes bei uns seine Antwort findet, da kommt die Feier der Weihnacht zu ihrem eigentlichen Ziel.

Predigt

Die Kraft eines guten Wortes

Auf die Weihnachtspost freue ich mich, auf die Zeichen einer guten, oft jahrzehntelangen, herzlichen Verbundenheit. Vor allem spüre ich auch immer, wie viel Kraft in einem guten Wort steckt, das es mit mir ernst meint. Wenn mir ein solches Wort zu Herzen geht, dann geschieht manchmal so etwas wie eine Verwandlung mit mir. Ich weiß: Ich bin nicht vergessen! Ich bin geachtet und geschätzt! Ein rechtes Wort zur rechten Zeit. Ich hoffe, dass meine Worte, die ich anderen schreibe, auch eine solche Wirkung haben. Immer wieder geht mir auf: Ein einziges Wort, ein gutes, menschliches Wort, hat so viel Kraft in sich.

Die Kraft des Gotteswortes in Jesus Christus


Unvergleichlich mehr: das Wort, das von Gott kommt! Das Wort, das Gott in diese Welt hineingesprochen hat durch Jesus Christus! In der Sprache des Evangelisten Johannes: »Und das Wort ist Fleisch geworden!« Will sagen: Jesus Christus hat nicht nur göttliche Worte an uns weitergegeben. Er war nicht nur der prophetische Bote des Wortes Gottes. Er ist selbst Gottes Wort. In ihm will Gott unter uns Menschen wohnen. In ihm, nicht in einem Gesetzeskodex, nicht von oben herab, nicht mit einem Himmelsgrollen an uns Menschen, sondern in einem lebendigen Menschen, in einem Menschen mit verwundbarem Herzen. Gott will kein Gott jenseits der Sterne sein; er will mit uns verbunden sein. Hier und jetzt anrufbar!

Das bekennen wir, das feiern wir heute. Gott hat sein Wort Fleisch und Blut werden lassen. Er hat seinem Wort menschliche Hände und Füße gegeben. Der russische Dichter Dostojewski hat das so wunderbar ausgedrückt: Es gibt in dieser Welt nur eine einzige wirklich schöne Gestalt: Christus. Ein einfacher Mensch kann weder Erlöser noch Quelle des Lebens sein. Rettung aller Menschen von der Verzweiflung ist in diesen Worten enthalten: »Und das Wort ist Fleisch geworden!«

Dass in Jesus Christus das entscheidende Wort aufklingt, das bezeugt uns das Evangelium zum heutigen Festtag in ganz besonderer Weise. Es sagt uns: Das Wort Gottes, das uns in Jesus Christus begegnet, ist kein anderes Wort als das Wort der Schöpfung. Es ist das Wort der Liebe, in dem Gott alles ins Dasein gerufen hat. Es ist das schöpferische Wort, das die ganze, große, unfassliche Welt trägt und lebendig hält. Und jetzt tritt dies Wort des Anfangs zu Tage in Jesus Christus, in seiner Person, in seinem Wort und Wirken.

Gott geht das Wagnis ein – mit seinem Wort

Davor können wir nur staunend und dankbar stehen. Staunend vor allem, weil Gott das Wagnis eingeht, so wehrlos auf seine Welt und seine Menschen zuzugehen. Einfach nur – in einem Menschen, schwach und zerbrechlich! Dass er in Kauf nimmt, überhört zu werden, verleugnet, ausradiert zu werden. Es ist sein Risiko. Gott gibt sich diese Schwäche!

Unser Evangelium weiß um dieses Risiko. »Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.« So heißt es dort. Da liegt also über unserer heutigen Feier des Wortes Gottes, das Mensch geworden ist, ein düsterer Schatten. Wird sein Wort gehört? Wird es ernst genommen? Oder wird es abgelehnt?

Gerade das hat Jesus zu seiner Zeit erlebt. Und gilt das nicht bis heute, dass seinem Wort die Antwort verweigert wird? Auch bei uns?

Warum Gott diesen risikoreichen Weg gewählt hat? Ich verstehe es nicht.

Von ihm zur Ant-Wort ermächtigt

Doch heute stehen wir erst einmal vor dem Geschenk unseres Gottes: »Das Wort ist Fleisch geworden!« Heute feiern wir das Entgegenkommen unseres Gottes. Heute feiern wir den Gott, der eine Freude hat an seiner Schöpfung und an uns Menschen und der uns zu zeigen will: Ihr seid mir wichtig! Ihr liegt mir am Herzen!

Und dieses Wort trifft einen Nerv bei mir. Ich fühle mich gedrängt, ermutigt und befreit dazu, es weiterzutragen. Es ist die Kraft, ein Kind Gottes zu sein, wie es das Evangelium sagt. Wo habe ich dieses Wort weiterzutragen? Erlauben Sie mir, es ganz persönlich zu sagen:

Ich sehe mich aufgerufen, zu dem jungen Paar zu gehen, das ich im zurückliegenden Jahr bei der kirchlichen Trauung begleitet habe. Es drängt mich, den beiden zu sagen: Euer Ja-Wort, das ihr euch gegeben habt, es ist von Gottes Ja-Wort getragen! Und das gilt auch für die Stunden, wo es holprig wird! Ich möchte zu dem Ehepaar, das in diesen Wochen nach langem Warten endlich ein Kind empfangen durfte, sagen: Auch wenn jetzt vieles in eurem Lebensrhythmus durcheinander gekommen ist und das laute Schreien eures Kindes euch nervt, schaut doch, wie toll eure Chance ist, das Wort der Liebe, dieses Leben stiftende Wort, in das Leben eures Kindes hineinzulegen. Es drängt mich hinzugehen zu der Frau in mittleren Jahren, die vor einigen Wochen die Diagnose »Krebs« erhalten hat und sich jetzt durch die mühsamen Wochen der Therapie hindurchquält. Zu ihr und ihrem Mann will ich sagen: Ihr sollt wissen, dass euer Zusammenhalten, euer Ringen um Geduld und das Aushalten von Enttäuschungen von Gottes unendlich liebevollem Wort getragen ist. Und ich denke an eine gute Bekannte, deren Partner verstorben ist und die erstmals Weihnachten allein feiert. Die Worte fallen da schwer. Aber ich kann zu ihr sagen: Sieh doch auf die vielen Worte und Zeichen der herzlichen Zuwendung, die du jetzt gerade geschenkt bekommst. Sie wollen dir in menschlichen Worten das »Ja« Gottes ausrichten. Ich denke an meine Nachbarn, die keinen Zugang zum Glauben finden. Ich werde ihnen keine Predigt halten. Aber ich werde auf sie zugehen und gesegnete Tage wünschen. Und ich hoffe, dass auch durch die bescheidenen, herzlichen Worte hindurch Gottes Wort aufklingt und sie anspricht. Und ich begegne in diesen Tagen sicher auch wieder den jungen Männern aus fremden Heimatländern, die vor unserem Rathaus sitzen und auf ihren Smartphones herumschreiben. Ich weiß nicht, was sie über unser Weihnachtsfest wissen. Ein herzlicher Blick, ein Gruß soll ihnen das Wort Gottes weiterschenken.

Meine Versuche, das Wort Gottes weiterzusagen! Ich bin dazu ermächtigt und ich vertraue, dass das fleischgewordene Wort Gottes auch durch meine Worte hindurch Kraft entfalten kann. Wohin führt Sie Ihr Weg?

Weihnachten ist reich durch das schöpferische, wirksame, gute Wort Gottes, Gottes Liebeswort, das Gott in Jesus Christus hineingesagt hat in unser Fleisch, in unser Leben. Gratis – geschenkt! Feiern wir das! Wir haben allen Grund dazu! Und wir haben die Freiheit, darauf unsere Antwort zu geben.

Fürbitten
Zu Jesus Christus, dem lebendigen Wort Gottes, dem Wort der Liebe, rufen wir:

– Dein erstes Zuhause auf dieser Erde war der Stall von Betlehem, draußen vor der Tür. Das macht dich zum Bruder aller, die heute auf der Flucht sind und sich nach Frieden sehnen: Erhalte und wecke in uns den Geist der Solidarität und die Bereitschaft, Haus und Herz zu öffnen. Christus, höre uns.
(Christus, erhöre uns.)
– Du kommst als ein Kind zu uns. Du hast alles Menschliche mit uns geteilt: Sei bei denen, die sich nicht freuen können, weil sie einsam sind oder weil sie ein schwerer Schicksalsschlag getroffen hat. Christus, höre uns.
– Du bist gekommen, um der Welt einen Weg des Friedens zu eröffnen: Sei bei den Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Erde. Und schreibe den politisch Verantwortlichen die Sorge um sie ins Herz. Christus, höre uns.
– Du bist zu den Menschen auf der ganzen Erde gekommen. Und du verbindest uns heute mit allen: Stärke die Kirche in Lateinamerika, der unser Adveniat-Opfer gilt, in ihrem Dienst an der Gerechtigkeit, am Frieden und am Wohl der Menschen auf diesem Kontinent. Christus, höre uns.

Herr Jesus Christus, wir sind froh, dass uns in dir das Wort der Liebe unseres Gottes erreicht hat. Lass dieses Wort in uns Raum gewinnen, dass wir wirklich Kinder des einen Vaters werden. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

Wolfgang Schrenk

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