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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
31. Sonntag im Jahreskreis
Der Größte von euch soll euer Diener sein
Lesejahr A
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Begrüßungen bei Festakten sind ein wichtiges und unverzichtbares Ritual. Der Veranstalter kann sich darin sonnen, wer alles seiner Einladung gefolgt ist und ihm die Ehre gibt – und ebenso fühlen sich die Eingeladenen wahrgenommen und geehrt. Peinlich aber, wenn die Rangfolge missachtet oder gar ein Name vergessen wird.

Jede Messfeier beginnt mit der Begrüßung. Der Priester oder Vorstehende grüßt aber nicht im eigenen Namen – er richtet vielmehr den Gruß Gottes an alle Versammelten aus. Wir alle sind von Gott Gegrüßte und Gewürdigte! »Grüß Gott« – Gott grüße dich/euch! – ein guter Exportartikel aus dem Süden Deutschlands!

Kyrie-Ruf
GL 164 »Der in seinem Wort uns hält«

Tagesgebet
Gott, unser Vater.
Wie oft lassen wir uns beeindrucken von allem, was im Licht steht und Rang und Namen hat in dieser Welt. Bei dir aber und in deinem Reich hat der Kleinste wie der Größte seine Würde.
Lass uns nicht unter unserer Würde leben, da wir getauft sind auf Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, der mit dir lebt und herrscht jetzt und in alle Ewigkeit.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 144 »Nun jauchzt dem Herren, alle Welt«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 72/1 »Wie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter« mit GL 72/2 (Psalm 131) oder
GL 452,1–2.6 »Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen« und
GL 175/3 »Halleluja« mit Vers aus dem Messbuch
Gesang zur Gabenbereitung
GL 428,1.6 »Herr, dir ist nichts verborgen«
Gesang zur Kommunion
GL 210 »Das Weizenkorn muss sterben« oder
GL 825 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Strahlen brechen viele aus einem Licht«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 487 »Nun singe Lob du Christenheit«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 23,1–12 (Evangelium)

Dass man die Bibel, auch wenn sie »Heilige« Schrift heißt, kritisch lesen darf und muss, wird besonders am 23. Kapitel des Matthäus-Evangeliums deutlich. Matthäus zeichnet in den Worten gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten ein Zerrbild, das in seiner Pauschalität weder der Historie entspricht noch das Urteil Jesu wiedergibt (vgl. etwa Mk 12,28ff ) (Vgl. dazu Ulrich Luz, Die Jesusgeschichte des Mt, 137–141.) Dabei darf man Matthäus abnehmen, dass es ihm in seiner Schwarzmalerei letztlich nicht um eine Herabsetzung der Schriftgelehrten und Pharisäer geht, sondern um eine Mahnung an die eigene Gemeinde: Nichts kompromittiert sie so sehr wie der Widerspruch zwischen Reden und Tun, zwischen Lehre und Praxis. Nicht zufällig steht das Kapitel 23 im Zusammenhang mit der »Rede über die Endzeit« .Auch die Gemeinde hat sich vor dem Gericht des Menschensohnes zu verantworten. Vor ihm zählen nicht Rang und Namen, nicht die Worte, sondern die Taten. »Der Größte von euch soll euer Diener sein.«

Predigt

Titel in der Kirche?

Heiliger Vater! (Es wird berichtet, Papst Franziskus habe auf die Anrede »Heiliger Vater« einem Besucher geantwortet: »Heiliger Sohn« …) Exzellenzen, Hochwürdigste Herren Bischöfe! Ehrwürdige Mutter Oberin! Sehr geehrter Herr Superintendent, Konsistorialrat, Herr Prälat, Monsignore, Geistlicher Rat … – »Ihr aber sollt euch nicht Meister nennen lassen!«

Wir könnten jetzt stundenlang über die Titel in der Kirche lästern, und es gäbe wahrhaftig genug Stoff zum Thema »Ehrenkäs« auch in der Kirche. Nur wäre es ein wenig zu billig, nur über »die da oben« die Nase zu rümpfen. So einfach kommen wir nicht aus der Schusslinie des Evangeliums! »Ihr aber sollt euch nicht Vater, Lehrer, Meister nennen lassen«, sagt Jesus – »Ihr aber – wie haltet ihr es unter euch?«

… und in der Bibel?

Man muss nicht einen Titel haben, um sich über andere zu erheben. Dazu gibt es noch viel feinere und raffiniertere Mittel – etwa nach dem Motto: ›Meine Demut ist mein ganzer Stolz.‹ Und besonders in der Kirche – in puncto Frömmigkeit und Glaube – gilt es, auf der Hut zu sein. Nirgends im Evangelium schlägt Jesus so scharfe Töne an wie da, wo Menschen aus der Religion ein Mittel zum Zweck machen – wo man sich mithilfe der Frömmigkeit über andere erhebt.

Und am härtesten wird in der Bibel mit denen ins Gericht gegangen, die von Amts wegen Geistliche sind und durch ihre Amtsführung anderen den Weg zum Glauben verstellen. Die heutige Prophetenlesung ist eine saftige Lektion nicht bloß für Prälaten, sondern auch für uns Pfarrer und für alle, die für andere Verantwortung tragen und denen – Gottes wegen – Vertrauen entgegengebracht wird.

Es betrifft nicht nur »die da oben« Wie schnell ist man in Gefahr, sich selber zu erhöhen – mit dem Mäntelchen des Glaubens! Da werden Lesung und Evangelium heute für jeden Christen zur Gewissenserforschung:

Wenn ich ein Amt habe und mir die Menschen Vertrauen schenken, vielleicht ihr Innerstes anvertrauen – wie gehe ich mit der Macht um, die mir da gegeben ist?

Wenn ich in der Gesellschaft, in der Gemeinde an irgendeiner Stelle Mitverantwortung übernehme – leite ich daraus Erwartungen ab, besondere Achtung oder Vorrechte zu verdienen?

Und wenn ich eine entsprechende Bildung genossen habe, Theologie studiert habe, zu Vorträgen gehe, lese – dann wird mir das zum Fallstrick, wenn ich damit Überlegenheit ausspiele, auf andere und ihre Frömmigkeit herabschaue …

»Haben wir nicht alle denselben Vater? Hat nicht der eine Gott uns alle erschaffen? Warum handeln wir dann treulos (man könnte auch sagen: überheblich) einer gegen den andern und entweihen den Bund unserer Väter?« So der Prophet Maleachi (1. Lesung).

Ihr alle seid Gottes Kinder


Ihr alle seid Gottes Kinder, Kinder des einen Vaters! Einen größeren Namen, größere Würde kann es gar nicht geben. Ihr seid Geschwister, Brüder und Schwestern. Unter Geschwistern gibt es (idealerweise!!) keine Ränge – da kann man einander nichts vormachen, dazu kennen sich die Geschwister viel zu gut. Sie streiten, treten in Wettstreit – ja! Aber sie wissen letztlich doch, dass sie zueinander gehören.

Also: Spielt keine Rolle und kein Theater – ob die Requisiten nun Kleiderquasten heißen oder Gebetsriemen oder Doktorhüte oder Abstammung oder Geldbeutel … Seid »ihr selbst«, nicht in einer Rolle, sondern im Original!

Schaut nicht scheel auf andere, die Titel tragen, als wären sie euch voraus. Achtet vielmehr auf eure eigene Berufung, der gegenüber alle Orden verblassen: nämlich Brüder und Schwestern Christi zu sein, seinen Namen zu tragen, in dem das Heil der Welt beschlossen ist.

Sein Ehrentitel ist, der Gekreuzigte zu sein, den letzten Platz einzunehmen. Seinen Ehrennamen kann man nicht tragen, um vor anderen groß herauszukommen, sich von anderen abzusetzen, sondern nur, um sich ihnen an die Seite zu stellen.

»Der Größte von euch soll euer Diener sein!«

Fürbitten
Gott im Himmel, du bist unser Vater und hast uns Jesus Christus als Lehrer und Meister gegeben. Wir bitten dich:

- Für alle, die ein Amt in der Kirche haben: Lass sie nicht Amtspersonen sein, sondern Diener der Freude.
(Höre unser Gebet.)
- Für Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher: Gib ihnen Autorität zum Guten.
- Für Eltern und Großeltern: Hilf ihnen, gute Wegbegleiter der Kinder zu sein.
- Für alle, die in Staat und Gesellschaft in Ämter gewählt sind: Erinnere sie, dass sie Mandatsträger sind.
- Für uns selbst: Leite uns durch deinen Geist, damit wir mit geschenktem Vertrauen verantwortlich umgehen.

Auf dein Wort, Herr, lass uns vertrauen. Stärke unsern Glauben.
Amen.

Thomas Keller

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