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Leseprobe 3
Christi Himmelfahrt
Die Stärke und Macht Gottes
Lesejahr A
Beitrag zur Lesung

Einführung

Manche Mosaike in den frühen Kirchen und viele Ikonen stellen Jesus Christus im Himmel auf dem Thron sitzend und auf uns schauend dar. Als »Welten-Herrscher, Pantokrator« wird der Auferstandene bezeichnet und damit sein Gott-Sein in den Mittelpunkt gestellt. Der Epheserbrief beschreibt in der heutigen Lesung dieses Bild Jesu Christi. Was sagt es uns in unserer Zeit? Wie nahe ist und kommt uns Jesus Christus, der im Himmel lebt und herrscht?

Predigt

Zum Text: Eph 1,17–23 (2. Lesung)

Wie lässt sich »Christi Himmelfahrt«, »Himmelfahrt« vorstellen? Die meisten von uns kennen Bilder, in denen der Auferstandene auf einer Wolke entschwebt und die Jünger und Jüngerinnen ihm nachschauen. Aber dass es so nicht gewesen ist, wissen wir auch. Wer sich von kindlichen Vorstellungen gelöst hat und einen erwachsenen Gottes-und Christus-Glauben sucht, tut sich an manchen Festen des Kirchenjahres schwer. Christi Himmelfahrt gehört dazu, gerade weil die Vorstellung scheinbar so leicht in ein Bild gefasst werden kann. Doch Jesus Christus im Himmel, zur Rechten des Vaters erhoben, machtvoll herrschend, Haupt der Kirche anzusehen, passt für viele von uns heute nicht mehr. Wie viel näher ist uns da der Mensch Jesus als Bruder, Freund, Lehrer, Weggefährte und Wegweiser. Gott und Mensch, Himmel und Erde – wie geht das zusammen? Bedeutet das: dort die Distanz und Macht, hier die Nähe und Lebendigkeit? Wie gelingt eine Verbindung oder braucht es eine bleibende Unterschiedenheit zwischen Himmel und Erde? Die Lesung aus dem Epheserbrief geht mit uns einen Weg, um solche Fragen zu beantworten. Paulus bittet:

Er gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt Um Gottes Wirken auf der Erde, um Jesus Christus, den Auferstandenen als Gottes Sohn zu erkennen, bedarf es Gottes Geist. Er ermöglicht uns, in den Raum des Verstehens und Erkennens eintreten zu können. Anders gesagt: wir sind Bedürftige, die der von Gott gegebene Geist der Weisheit und der Offenbarung zur Erkenntnis führen kann. Manchmal merken wir, dass wir Dinge zwar sehen, lesen, wahrnehmen können, aber nicht wirklich verstehen. Manchmal ist ja Glauben mehr ein Ahnen, Hoffen oder Bangen denn ein Vertrauen und sich Überlassen – weit weg von Erkenntnis. Wenn aber Gott sich zeigt, spürbar, erfahrbar wird, Offenbarung sich ereignet – und wir merken schon an der Formulierung, dass sie nicht machbar oder herstellbar ist –, dann spüren wir in diesem Geist, dass es ein Geschehen ist, das nicht aus uns kommt, uns aber sehr wohl zutiefst eine neue Erkenntnis eröffnet. Der Geist der Weisheit und der Offenbarung führt uns in heilige Räume hinein: in ein Erkennen, das den Horizont überschreitet, ein Stückchen Himmel, das wir für einen Augenblick erkennen dürfen. Ein Raum öffnet sich für uns, zu dem wir so bisher keinen Zugang hatten.

Er erleuchte die Augen eures Herzens


… bittet Paulus weiter. Das klingt nach einem anderen Sehen, nach anderen Augen, mit denen wir das Geschehen betrachten. Herzensaugen schauen auf das, was der erste Blick nicht unbedingt offenbart. Sie verweisen auf das Glück, die Gnade, die uns immer wieder zuteilwird. Herzensaugen erleuchten das Dunkle, das Verborgene, das Schwierige und bringen es so ans Licht, dass es für uns Menschen erträglich, begreifbar und aushaltbar wird. Erleuchtete Augen des Herzens zeigen uns,

… zu welcher Hoffnung wir durch ihn berufen sind …

sagt Paulus. Berufen zur Hoffnung: Heißt das nicht, genau dort, wo niemand mehr denkt, dass es gut wird, doch noch einen Versuch zu wagen? Berufen zur Hoffnung: Bedeutet das, bis an die Grenzen und weit darüber hinaus zu sehen und den Weg in die Zukunft mutig zu beschreiten? Berufen zur Hoffnung: Ermutigt das, einmal eine andere Perspektive einzunehmen, die Dinge aus einer Distanz zu betrachten und so nicht mehr der Enge und den Ängsten ausgeliefert zu sein? Berufen zur Hoffnung führt in die Weite des Himmels und bringt so ein Stück Himmel auf die Erde. Gegen die Macht des Faktischen – wie wir heute sagen – wird die Stärke und Kraft der Hoffnung gesetzt, die aus dem Himmel bis auf die Erde hin reicht. Sie ist die eigentliche Macht, die Menschen und die Erde verändern kann und der sich die Mächtigen beugen müssen. Der Geist der Weisheit und Offenbarung, die Augen des Herzens bringen Himmel und Erde zusammen, weil sie uns in den Himmel hinein führen. Sie weisen uns in einen Raum, der mit bloßen Augen und dem Verstand nicht zu entdecken ist, einen Raum, in dem wir durch die Hoffnung erkennen, verstehen, was bisher nicht sichtbar war. Der Grund dieser Hoffnung liegt nicht in uns, sondern in Jesus Christus.

Er hat sie an Christus erwiesen


Für Paulus ist die Auferstehung und Jesus Christus selbst das Zeugnis dafür, dass Gott es ernst meint mit seiner Liebe zu den Menschen, die ewig währt. Er ist kein Herrscher, der von oben herab regiert, sondern einer, der mit den Menschen verbunden ist und diese Nähe sucht und schafft. Gott verbindet Himmel und Erde, das hat er in seinem Sohn offenbar gemacht, in dessen Worten und Taten, in seinem Tod, in seiner Auferweckung und indem er ihn in den Himmel zu seiner Rechten erhebt. Das ist das Bild für ein Geschehen, das sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Es ist auch ein Bild für Gottes ewiges Wirken, seine Stärke und Macht, die sich vor allem in der Hoffnung zeigt, die über den Tod hinaus reicht.

Wie also lässt sich Christi Himmelfahrt vorstellen?


Doch eher so, dass wir die Augenblicke wahrnehmen, wo wir dieses »Mehr« an Leben, an Kraft, an Stärke, an Erkenntnis erleben dürfen. Momente, in denen sich die Hoffnung als stärker erweist, wo sich der Himmel auftut und Gottes gütiger Blick uns erreicht. Augenblicke, wo Gottes Nähe spürbar wird. Gedanken und Sichtweisen, die über den eigenen Horizont hinausgehen und Grenzen überschreiten. Ich bin bei euch – sagt der Auferstandene zu den Jüngerinnen und Jüngern. Aus dieser Hoffnung dürfen wir leben, zu ihr sind wir berufen.

Fürbitten
Allmächtiger Gott, du schenkst uns deinen Geist, damit wir erkennen, welche Hoffnung mit Jesus Christus, deinem Sohn, dieser Welt geschenkt wurde. Dich bitten wir:

- Schenke deiner Kirche den Geist der Offenbarung, damit sie dich und deine Botschaft erkennt und in Wort und Tat bezeugt.
- Gib den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft den Geist der Weisheit, dass sie ihre Macht einsetzen, um den Menschen zu dienen und die Welt zu einem friedvollen Ort zu führen.
- Erleuchte die Augen des Herzens bei denen, die mit der Fürsorge von Menschen in Not betraut sind, dass nicht Paragraphen, sondern das Wohl der Menschen beherzigt wird.
- Lass die Verzagten verstehen, zu welcher Hoffnung sie durch dich berufen sind, damit sie nicht aufgeben, sondern mutig Grenzen überschreiten und ein Stück Himmel entdecken.
- Versammle unsere Gemeinde als deinen Leib, in dem alle ihre jeweiligen Gaben einbringen und so miteinander ein Zeichen des Glaubens bilden.

Dir, dem Gott Jesus Christi, unserem Vater danken wir, dass du uns berufen hast, Zeugnis zu geben von der Hoffnung, die stärker ist als alle Macht der Erde. Wir preisen dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.

Barbara Janz-Spaeth

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