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Leseprobe 2
Ostermontag
Ein österlicher Weg – ökumenisch gesehen
Lesejahr A – B – C
Thematischer Beitrag

Einführung


Heute feiern wir noch einmal Ostern. Und das ist gut so, denn die österliche Frohbotschaft lässt sich gar nicht an einem Tag erfassen. Nochmals hören wir die gewaltige und überraschende Nachricht von der Auferstehung Jesu Christi. Nochmals lassen wir unser Herz berühren von dieser Hoffnungsbotschaft.

Traurig ist es für mich und für viele allerdings, dass wir das Osterfest nach Konfessionen getrennt feiern. Das wird uns in diesem Jahr des Reformationsgedenkens noch deutlicher bewusst. Dabei ist es ist doch dieselbe Botschaft, die wir empfangen! Es ist derselbe Osterglaube, der uns hoffen lässt! Es ist dieselbe Einladung des auferstandenen Herrn, der uns das Brot bricht und bei uns sein will. Warum feiern wir Ostern getrennt voneinander? Ich finde: Das passt nicht. Und deswegen wollen wir uns dazu Gedanken machen über das, was uns gerade an Ostern gemeinsam verbindet und wie wir zueinander finden können. Wir hoffen auf ein gemeinsames,österliches Halleluja.

Predigt

Zum Text: Lk 24,13–35 (Evangelium)

Mit Enttäuschungen unterwegs

Die Jünger im heutigen Evangelium sind nicht leichtfüßig unterwegs. Die Last ihrer Enttäuschung ist groß. Ihre frühere Hoffnung haben sie verloren. Bitter ist der Nachgeschmack der zurückliegenden Zeit!

Was uns heute lebenden Christinnen und Christen mit den Jüngern der ersten Stunde verbindet? Unsere Enttäuschungen! Es scheint: Unser Glaube findet keine Resonanz mehr. Wir finden die Sprache nicht, die Gottesbotschaft ins Heute zu übersetzen. Unsere Kirche bleibt so unbeweglich und ist so wenig überzeugend. Wir sind enttäuscht.

Und dann kommt in diesem Jahr noch hinzu: Wir begehen das Reformationsgedenken. Erstmals geschieht dies konfessionsübergreifend. Das ist ja eigentlich eine gute Nachricht. Aber auf der anderen Seite scheint im Bereich der Ökumene die Zeit der großen Hoffnungen auch vorbei zu sein. Es lag schon einmal mehr Aufbruch in der Luft. Heute werden Positionen eher wieder festgemauert. Das eigene Profil wird geschärft. Es gibt zwar eine Menge von Konsenspapieren, auf hoher, kompetenter Ebene formuliert – nur: sie haben keine Wirkung im Leben der Kirche. Enttäuschung – auch da!

Eine Geschichte des Aufbruchs


Aber machen wir uns doch mit den Emmausjüngern auf den Weg. Vielleicht finden auch wir am Ende mit ihnen zusammen zur Hoffnung, zum neuen Aufbruch.

Die beiden Jünger sind auf dem Weg. Das ist schon etwas. Sie sind beweglich. Sie lassen sich bewegen. Sie igeln sich nicht ein. Sie sprechen miteinander. Sie stellen sich Fragen. Und sie sind offen für den Wegbegleiter, der zu ihnen stößt.

Und dann finden sie durch die Fragen ihres Begleiters und durch dessen Erklärungen zu einem neuen Blick. Das ist mühsam, es gelingt nicht sogleich. Aber die beiden sind bereit, ihre eigenen Erlebnisse im Zusammenhang mit der langen Geschichte Gottes mit seinem Volk zu betrachten. Ihnen gehen die Augen auf. Die Worte der Propheten, der Botschafter Gottes, bringen eine neue Ahnung in ihr Leben. Nein, es war kein einfacher Spaziergang. Es war der große Lernweg ihres Lebens, eröffnet vom Wort ihres verborgenen, aber doch ganz nahen Wegbegleiters! Von seinem einfühlenden, überraschenden, aufweckenden und hoffnungsvollen Wort!

Aber dies genügte nicht. Der Blick der Jünger war noch gehalten. Der Weg führte sie an einen gemeinsamen Tisch. Und erst im Brechen des Brotes, im wunderbaren und starken Zeichen des Jesus Christus, wird ihr Blick ganz weit. Sie erkennen im gebrochenen Brot das Denkzeichen seiner Liebe. Ihnen geht jetzt erst seine Liebe auf, in der er sich hingegeben hat, bis in den Tod. Sie erahnen den Sieg Gottes über die Mächte der Zerstörung, die Mächte des Todes.

Und so weist die Erzählung von den beiden Emmausjüngern uns Heutige hin auf die beiden nötigen, hoffnungsvollen Heilmittel – gegen Enttäuschung, Mutlosigkeit und Lähmung: auf das Wort, das die Herzen glühen lässt, und auf das Brot, das die Augen öffnet für die liebevolle Nähe des Herrn.

Die beiden Gaben – uns gemeinsam anvertraut: das Wort und das Brot

In den zurückliegenden Jahren ist es uns in unseren christlichen Gemeinden bewusster geworden, dass diese Gaben uns gemeinsam geschenkt sind – als Quellen der Kraft und der Hoffnung.

Die Gabe des Wortes: Im selben Buch des Lebens lesen wir; aus derselben Quelle schöpfen wir. Vielleicht haben wir Katholiken das Hören des Wortes Gottes allzu ausschließlich mit dem sonntäglichen Gottesdienst verbunden. Und wir meinen, damit hätten wir »unsere Pflicht« getan. Für mich als katholischen Christen war es immer wieder wohltuend und auch herausfordernd zu erleben, wie evangelische Christinnen und Christen in ihrer protestantischen Tradition aus dem Wort Gottes leben, wenn sie in großer Treue ihre tägliche Schriftlesung halten: ernst, gründlich, auch ohne amtliche Begleitung. Ich wünsche uns allen mehr Ausdauer im Hören auf das Wort und mehr Wagemut, den Weg zu gehen, auf den das Wort uns ruft.

Die Gabe des gebrochenen Brotes, diese Urgeste Jesu: dass er sich zerbrechen ließ aus Liebe, dass er sich hingab. Wir spüren: In jedem Brechen des Brotes, in jeder Versammlung an seinem Tisch leuchtet er auf und wird die Verbundenheit mit ihm und untereinander vertieft. Da gewinnt die Zugehörigkeit zu ihm an Innigkeit.

Wir in unseren katholischen Gemeinden feiern dieses Brotbrechen ja fast täglich. Es ist für uns etwas so Selbstverständliches. Fragt sich, ob wir noch darüber staunen können, wie groß die Herablassung Gottes in Jesus Christus ist, seine geschenkte Nähe, sein Freundschaftsdienst? Mit Freude dürfen wir auf der anderen Seite sehen, dass die Abendmahlstradition in den allermeisten evangelischen Gemeinden enorm gewachsen ist. Dass das Abendmahl aus der bescheidenen Nische des evangelischen Gemeindelebens hervorgetreten und zu einer frohen, gemeinschaftlichen Feier geworden ist.

Freilich erwächst aus diesem Wandel fast zwangsläufig die Frage: Warum sollten wir das nicht auch gemeinsam feiern? Warum nicht gemeinsam sich beim Herrn einfinden und sich von ihm das Brot reichen lassen?

Ich sehe zweierlei: Zum einen ist es gut, wenn wir an dieser Stelle noch die Trennung spüren! Dass wir noch leiden am Schmerz der verlorenen Einheit und dass wir uns nicht vorschnell mit dem Status quo des friedlichen Nebeneinanders zufrieden geben! Ich finde: Es ist gut, dass es diesen Leidenspunkt noch gibt und zugleich auch die ungestillte Sehnsucht nach Einheit: bei der Kirchenleitung, bei den Theologen, aber auch bei uns allen in den Gemeinden.

Zum anderen aber: Was hindert uns, einander in den Schwestergemeinden öfter, ganz selbstverständlich und mit Freude Weggefährtinnen und Weggefährten zu sein bei der Feier des Abendmahls? Was hindert uns, einander einzuladen, zum gegenseitigen Besuch und zum Kennenlernen der jeweiligen konkreten Praxis des Abendmahles? Wird da nicht etwas wachsen, besonders auch für die unter uns, die einer konfessionsverbindenden Ehe und Familie angehören? Wird da nicht etwas wachsen, was uns die innere Erlaubnis gibt, bei der gastgebenden Gemeinde am Mahl teilzunehmen, bevor die große »Erlaubnis von oben« eintrifft?

Wir sind auf dem Weg


Mit den Emmausjüngern sind wir auf dem Weg! Für sie wurde es damals zu einem Weg der Befreiung, der neuen Lebenskraft – ja, der Begeisterung aus dem Glauben. Sie trugen das Feuer weiter. Und ich bin sicher: Wenn wir uns mit ihnen auf den Weg machen, können auch wir österliche Hoffnung gewinnen. Dann wird uns auch auf unseren manchmal enttäuschungsreichen Wegen der Herr begegnen. Unterwegs wird er unsere Herzen entflammen. Unterwegs wird eine Gemeinschaft des Glaubens wachsen, und wir können die ärgerlichen und schmerzlichen Grenzen überwinden. Und unterwegs wird unser Christuszeugnis in der Welt klarer und deutlicher werden.

Fürbitten
Lasst uns beten zu Jesus Christus, dem auferstandenen Herrn.
Wir rufen zu ihm mit der Bitte der Emmausjünger: Herr, bleibe bei uns.

- Schenke allen Wachstum im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, die sich in deinem Namen um den Tisch des Wortes und des Brotes versammeln.
(Herr, bleibe bei uns.)
- Erfülle die Verantwortlichen in der Leitung der Kirchen und die theologischen Lehrerinnen und Lehrer mit deinem Geist, dass sie uns Wege zeigen, die zu tiefer und erlebbarer Gemeinschaft im Glauben führen.
- Uns allen schenke den Mut, zu österlichen Wegen aufzubrechen, um Resignation und Mutlosigkeit zu überwinden.
- Wir empfehlen dir die Kommunionkinder, die Jugendlichen der Firm- und Konfirmationsvorbereitung: Lass sie in unseren Gemeinden ein bestärkendes und freundliches Zuhause finden.
- Sei unterwegs mit allen, die in Politik, in Kultur und Wirtschaft Verantwortung tragen, und zeige ihnen in allen Konflikten Wege des Friedens und der Aussöhnung.

Ja, Herr Jesus Christus, bleibe bei uns und führe uns auf Wege des Lebens. Mit dir und mit allen, die zu dir gehören, stimmen wir ein in den Lobpreis des heiligen und liebenden Gottes, der da war und ist und sein wird in alle Ewigkeit. Amen.

Wolfgang Schrenk

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