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Leseprobe 2
Vierter Fastensonntag
Erhört Gott den Sünder nicht?
Lesejahr A
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Laetare, »Freue dich«, steht als Leitwort über dem vierten Fastensonntag: Freue dich, das Fest der Auferstehung rückt näher. Freue dich, dein Gott ist dir jetzt schon nahe. Wir hören im Evangelium von einem Menschen, dem die Augen geöffnet werden. Nun kann er sehen und im Herzen erkennen,dass Gott ihm in Jesus Christus nahe ist. Lassen auch wir uns in dieser Stunde von unserem Herrn die Augen öffnen, dass wir seine Gegenwart sehen, dass er unser Herz mit Freude füllt.

Kyrie-Ruf

Herr und Bruder Jesus Christus, du öffnest den Blinden die Augen.
Herr, erbarme dich.
Du befreist unser Herz von Verzagtheit und Angst.
Christus, erbarme dich.
Du führst uns den Weg des Lebens.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Großer Gott,
du bringst Licht und Klarheit in unser Leben, du gibst unserem Weg eine gute Richtung.
Öffne unsere Augen, wo die Gedanken und Sehnsüchte unseres Alltags und unsere selbstgemachten Bilder von Gott uns den Blick auf dich versperren.
Lass uns erkennen: Du bist da.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 269,1–4 »Du Sonne der Gerechtigkeit«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 37/1 »Der Herr ist mein Hirt« mit 37/2 (Psalm 23) oder
GL 428,1.3.5 »Herr, dir ist nichts verborgen« und
GL 176/5 »Lob dir, Christus«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 387,1–2.7 »Gott ist gegenwärtig«
Gesang zur Kommunion
GL 209 »Du teilst es aus mit deinen Händen«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 389,1–4 »Dass du mich einstimmen lässt«

Vorüberlegungen


Zum Text: Joh 9,1–41 (Evangelium)

Die Erzählung von der wunderbaren Heilung eines Blindgeborenen ist eine kunstvolle Komposition des Evangelisten Johannes, in der er verschiedene Inhalte miteinander verbindet: Da ist die Geschichte einer wunderbaren Heilung, da ist der Konflikt Jesu mit den religiösen Autoritäten seiner Zeit, da ist die Frage, woran man erkennt, dass ein Mensch im Namen Gottes handelt, da ist die Beschreibung eines inneren Sehend-Werdens im Glauben – oder auch eines selbstverschuldeten Verharrens in der Blindheit.

Im Rahmen der Predigtreihe in der Fastenzeit zum Thema »Gottesbilder« soll für diese Predigt die Auseinandersetzung zwischen dem ehemals Blinden und den Pharisäern (Joh 9,24–34) herausgegriffen werden.
Ist es ein Zeichen für die Gott-Verbundenheit eines Menschen, wenn sein Gebet erhört wird, wenn Heilung geschieht? Oder umgekehrt: Erhört Gott den Sünder nicht? Belohnt, bestraft Gott den Menschen für sein Verhalten?

Ausgehend von dieser Frage lädt die Predigt ein, das eigene Gottesbild kritisch daraufhin zu betrachten, wie wir selbst ihn sehen und ob dieses Bild der Tatsache standhält, dass die Guten nicht mit Glück belohnt und die Bösen mit Unglück bestraft werden. Und hinzufinden zu einer Haltung des Vertrauens, dass es gut ist, Gottes Wege zu gehen, auch wenn sie uns Menschen unverständlich sind.

Entsprechend ist auch die Übung für diese Woche eine Anregung, bewusster zu beten und die Bitte aus dem Vaterunser »Dein Wille geschehe« mehr und mehr zur inneren Haltung werden zu lassen.

Beim Vortrag des Evangeliums ist darauf zu achten, dass die hier besprochenen Verse Joh 9,24–34 in der Kurzfassung nicht enthalten sind. Wem die Langfassung zu umfangreich ist, der sollte diese Verse an der entsprechenden Stelle der Kurzfassung ergänzen

Predigt

Ein Gott, der lohnt und straft – gibt’s den?

»Da wird der liebe Gott aber sehr traurig sein, dass du so böse bist!« HabenSie in Ihrer Kinderzeit auch manchmal solche oder ähnliche Sätze von Eltern oder Großeltern gehört? Oder haben Sie selbst da oder dort bei der Erziehung Ihrer Kinder der Versuchung nachgegeben und haben sich Gott als Verstärkung an die Seite geholt, um den Nachwuchs auf den rechten Weg zu führen?

Tatsache ist jedenfalls: Vielen Christen ist das Bild eines Gottes, der wie ein menschlicher Richter das Leben eines Menschen ansieht und entsprechend belohnt und bestraft, tief in die Seele eingebrannt. Ganz menschlich ist dann auch manche Vorstellung von Lohn und Strafe: Die Guten ernten Gesundheit, Glück und Erfolg, die Bösen Krankheit, Unglück und Tod.

Wenige würden dies wörtlich so sagen, aber genau dieses Bild steckt dahinter, wenn etwa angesichts einer schweren Krankheit Fragen auftauchen wie: Womit habe ich das verdient? Was habe ich getan, dass Gott mich so straft? Erhört Gott meine Gebete nicht?

Der sehend gewordene Mann, dem wir im Evangelium heute begegnen durften, der den religiösen Führern so mutig und unerschrocken gegenübertritt, der scheint dieses Bild vom Richter-Gott zu teilen und zu bekräftigen: »Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er.«

Das heißt doch: Wenn das Gebet eines Menschen um Gesundheit, Glück und Wohlergehen nicht erhört wird, dann hat er es eben nicht verdient, denn dann ist er ein Sünder. Mit anderen Worten: Wenn du trotz Gebet krank wirst, dann deshalb, weil du ein Sünder bist. Also: Selbst schuld, ändere dich!

Und nun könnte es an dieser Stelle weitergehen mit einer donnernden Moralpredigt, um all die Sünder, die mit Krankheit, Unglück oder Misserfolg bestraft sind, wieder auf den rechten Weg zu führen.

Gott ist anders

Nein! Nein, so geht es nicht weiter. Denn Gott ist anders – Gott sei Dank.

Gott ist anders, ganz offenkundig: Denn in Wirklichkeit werden ja nicht die Guten mit Gesundheit und Glück belohnt. Und das Leid trifft nicht nur die Bösen. Wie oft ist es genau umgekehrt, jeder kennt genügend Beispiele. Um es deutlich zu sagen: Es gibt keinerlei Zusammenhang zwischen der Verteilung von Glück und Unglück und dem moralischen Verhalten von Menschen. So handelt Gott ganz offensichtlich nicht!

Angst, Schmerz, Grausamkeit sind keine Werkzeuge Gottes, um Menschen zu disziplinieren. Und alle, vor allem diejenigen, die nicht nur Erfolg und Glück in ihrem Leben haben, dürfen wissen: Nein, du wirst nicht bestraft mit deinem Leid. Und schon gar nicht bist du »selbst schuld« daran. Den strafenden Gott haben Menschen erfunden. Das Gegenteil ist wahr: Dein Gott hat den Tod am Kreuz auf sich genommen, um mit allen, die Leid tragen müssen, ihre Last zu teilen und ihnen besonders nahe zu sein. Er straft dich nicht

Biblische Begriffe brauchen Deutung: »Sünde …«

Was heißt das nun aber im Blick auf das Evangelium? Ist der Blinde doch nicht sehend geworden? Ist er menschen-gemachten Gottesbildern aufgesessen?

Um den Sehend-Gewordenen zu verstehen, gilt es zu klären, was»Sünde« in der Heiligen Schrift bedeutet: Sünde ist all das, was einen Menschen von Gott trennt, was ihn von seinem Weg mit Gott abbringt. Ein Sünder ist ein Mensch, dessen Beziehung zu Gott gestört ist. Die Sünde steht zwischen ihm und Gott. Solche Sünden können moralische Verfehlungen sein, aber auch Fragen, Zweifel, ein Glaube, der aufgrund zu großer Lebenslasten erschöpft oder erkaltet ist. Oft genug hat die so verstandene »Sünde« mit Schuld und bösen Taten nichts zu tun. Vieles kann einen Menschen von Gott trennen. Auch die Pharisäer im Evangelium sind ja keine bösen Menschen. Ihre Sünde ist, dass sie die Augen verschließen davor, dass ihnen in Jesus Christus Gott begegnen will.

Überwunden wird die Sünde dadurch, dass der Mensch sich wieder Gott zuwendet, seine Nähe sucht und sich Gott mit seinem Leben anvertraut. »Umkehr« nennt das die Bibel.

So können wir auch das Wort des Sehend-Gewordenen deuten: Das Gebet eines Sünders wird nicht erhört werden, weil dieser gar nicht aufrichtig beten kann. Er ist ja der Sünde zugewandt und nicht Gott. Es braucht Umkehr, er muss sich zu Gott hin-wenden, oder in der Bildsprache des Evangeliums: Der Sünder muss die Augen öffnen und Gott ansehen, dann kann Gott sein Gebet erhören, dann kann Gott heilsam in seinem Leben wirken.

… und »Erhörung«


Denn das ist neben dem Begriff des »Sünders« der zweite Begriff, der eine Deutung braucht: Was heißt es denn, wenn wir sagen, dass Gott einen Menschen »erhört«? Es heißt doch offensichtlich nicht, dass Gott einem Menschen alle seine Wünsche erfüllt. Es heißt vielmehr, dass Gott den rufenden Menschen hört, dass dieses Rufen Gott erreicht. Dass Kommunikation stattfindet, die keine Einbahnstraße ist: Ein Mensch ruft, Gott hört und reagiert. Aber er tut dies auf seine, auf göttliche Weise, nicht nach unseren begrenzten menschlichen Vorstellungen.

Doch dieses Rufen und Erhört-Werden, diese Kommunikation zwischen Gott und Mensch ist eine große Kraftquelle! Sie ist der Halt, der den Menschen fähig macht, sein Leben im Vertrauen auf Gott zu führen – an guten und an schweren Tagen, in der Freude und im Leid.

Ein neues Bild von Gott führt zu einer neuen Haltung: Dein Wille geschehe


Das Gottesbild des strafenden Richtergottes, es macht uns blind für die Wahrheit, blind für den Gott Jesu Christi, der liebt, hilft und führt, der Hirte ist und nicht Richter. Dessen Gegenwart Trost spendet und nicht Grauen. Der aber von uns erwartet, dass wir uns ihm ganz anvertrauen, auch wenn wir seine Wege und Entscheidungen nicht verstehen, auch wenn er uns das Leid der Welt nicht erspart. Vertrauen sollen wir, weil sein Blick und seine Pläne über die Höhen und Tiefen unserer Alltage hinausreichen, aber immer voller Liebe sind und erfüllt von Sinn.

Eine gute Schule in dieser Haltung ist für uns das Gebet Jesu, das Vaterunser. »Dein Wille geschehe«, beten wir da. Wie leicht fällt uns das, solange alles nach unserem Willen und Wünschen geht. Wie schwer, wenn es bedeutet: Dein Wille geschehe, auch wenn es jetzt nicht mein Wille ist. So beten können, das geht nicht von selbst. Für diese Haltung müssen wir uns entscheiden. Sie will errungen, erbetet sein, immer wieder von neuem.

Jedes Vaterunser, das wir beten, kann ein Schritt auf dem Lernweg sein, dieses Vertrauen mehr und mehr aufzubringen. Je mehr wir ohne Vorbehalt beten können: »Dein Wille geschehe!«, desto mehr werden uns die Augen geöffnet für Gott, wie er wahrhaft ist. Der uns liebend annimmt mit unserer Liebe und unserer Sünde, der uns führt und trägt in Freude und Leid.

Fürbitten
Großer Gott, du hörst unser Bitten, wenn wir zu dir rufen. Eine Welt ohne Leid gibst du uns nicht, doch du hast uns deinen Beistand und deine Hilfe verheißen. So höre und erhöre unsere Bitten:

- Stärke alle Bemühungen um Gerechtigkeit und Frieden.Öffne den Gewalttätern die Augen, dass sie umkehren und dem Leben dienen.
(V/A: Treuer Gott, erhöre unser Rufen!)
- Schenke den vielen Menschen, die ein Leid zu tragen haben, die Erfahrung, dass du nahe bist und hilfst. Segne ihre Helfer und ihr Tun.
- Öffne allen, die in deiner Kirche als Hirten Verantwortung tragen, die Augen, wenn sie blind geworden sind für deine Wege, für deinen Willen, für deine Menschenliebe.
- Sende den Verzagten und den Verzweifelten deinen Geist, dass sie dich in ihrem Leben entdecken und neue Hoffnung schöpfen.
- Befreie uns alle von Gottesbildern, die uns blind machen für dich und deine Liebe. Erfülle unsere Herzen mit neuer Freude an dir, an den Mitmenschen, am Leben.

Gott, du Freund der Menschen. Wir danken dir, dass du unser Rufen erhörst und uns den Weg des Lebens führst. Wir loben und preisen dich, heute und alle Zeit. Amen.

Stefan Möhler

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