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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Heiliger Josef
Josef ist kein Traumtänzer
Lesejahr A – B – C
Einführung

Jeder Christ lebt in der Geschichte und von der Geschichte; er wird von den Gedanken und Verhaltensweisen anderer Menschen, in denen das Wirken des Geistes Gottes zum Tragen kommt, zum Guten geführt. Der heilige Josef lädt uns ein, von seiner Lebenswirklichkeit auf die unsere zu schauen. Das nüchterne »und er stand auf und tat …« aus dem Evangelium kann uns begleiten und stützen.

Kyrie-Ruf
GL 164 »Der in seinem Wort uns hält«

Tagesgebet
Messbuch – Fest des heiligen Josef

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 543 »Wohl denen, die da wandeln« oder
GL 905 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Manchmal schweigen wir« oder
GL 906 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Josef, dem die höchsten Güter«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 433/2 »Schweige und höre« und GL 176/3 »Herr Jesus« mit Vers
Gesang zur Gabenbereitung
GL 188 »Nimm, o Gott, die Gaben, die wir bringen«
Gesang zur Kommunion
GL 210 »Das Weizenkorn muss sterben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 542 »Ihr Freunde Gottes allzugleich« oder
GL 907 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Träumen gehorchen«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 1,16.18–21.24a (Evangelium)

Das Bild Josefs nach dem Neuen Testament enthält, dass er in Nazaret als Handwerker lebte und als »Gerechter« galt. Er ist der »Schweiger«, da kein Wort von ihm überliefert wird. Dennoch spielt er eine wichtige Rolle in den Kindheitsgeschichten. Sein Hören auf Gott; dass er zweifelt, träumt und handelt; wie er bei dem, was nicht in der Absicht seiner Lebensgeschichte lag, dennoch mitwirkt; das hat Menschen immer berührt. Aktuell erscheint heute, dass er mit seiner Familie das Schicksal der Flüchtlinge teilt. Josef – ein Mensch, an dem sich der Schutz des großen Geheimnisses Gottes erschütternd zeigt.

Predigt

Der heilige Josef ist ein »unterschätzter« Heiliger. In unserem Sprachgebrauch ist er der typische Vertreter einer Nebenrolle und doch – in dieser Nebenrolle spielt er in der Heilsgeschichte eine ganz wesentliche Rolle. »Diener des Heils« nennt ihn der heilige Chrysostomus. In den Evangelien ist kein einziges von ihm gesprochenes Wort überliefert. Josef ist aufmerksam für die Worte und Weisungen Gottes, horchend und gehorchend. In Träumen tut sich ihm der Wille Gottes kund, und doch, Josef ist keiner, der sich aus der Realität seines Alltags fortträumt. Josef, ein Träumer? Sicher kein Traumtänzer. Die Bibel schildert Josef als einen Mann, der fest auf dem Boden steht und der weiß, was zu tun ist. Matthäus spricht von Josef als einem, der »gerecht« war. Josef ist ein menschlicher, ein nobler Mann. Selbst in seiner prekären Situation vermag er auch noch Maria, ihr Leben und ihre Zukunft zu sehen. Einen menschlichen Blick hatte Josef sich für Maria bewahrt. Wir könnten Josef verstehen, wenn er nur noch sich gesehen hätte, versteinert in seinem Schmerz, vermeintlich hintergangen und betrogen worden zu sein. Sicher, tief verletzt muss Josef gewesen sein – welche Träume hat er doch von sich und dem Leben mit Maria gehabt. Er hatte von einem gemeinsamen Glück mit Maria in Nazaret geträumt. Josef der Träumer – ja, Josef hatte sozusagen von Anfang an seine Träume, aber die sind mit der Schwangerschaft Marias zunächst jäh geplatzt. Doch Gottes Handeln – die Engelerscheinung im Traum des Josef – weist einen neuen Weg: Josef nimmt Maria als seine Frau zu sich. Denn Josef wird von Gott gezeigt, dass das Kind, welches Maria erwartet, der verheißene Messias ist, verheißen seit David und seit Abraham. Gott selber steht also hinter dem geheimnisvollen Geschehen des neuen Lebens in Maria.

Josef hört auf die leise Stimme Gottes


Nach den Schilderungen der Bibel hat sich Gott den Menschen immer wieder in Träumen offenbart und gezeigt. Von Josef sind uns gleich drei Träume überliefert. Der, von dem wir gehört haben, und noch zwei weitere Träume, in denen jeweils ein Engel – also ein Bote Gottes – Josef zur Flucht nach Ägypten und später wieder zur Heimkehr bewegt. Josef vermag es, in seinen Träumen auf die leise Stimme Gottes zu hören. Josef, ein Träumer, der horcht, dann aber auf die Stimme Gottes hin handelt, also ge-horcht: Josef tut, was getan werden muss, um fürsorglich und familiär Leben zu schützen. »Der Mann der schweigenden Hilfe. Der Mann, in dessen Leben Gott dauernd eingreift mit neuen Weisungen und Sendungen« (Alfred Delp).

Aber Josef träumt sich nicht fort von dem, was ansteht, sondern lässt sich ganz tief von Gott in seine Situation hineinrufen. Ein Träumer, der auf seine Träume und die darin verborgene Stimme Gottes horcht, aber kein Träumer in dem Sinn, dass er träumerisch über das, was ist, hinwegginge. Josefs Antwort auf Gott ist sein Tun und seine Treue.

Wenn wir unsere Träume verlieren

Das Wort Träume hat noch eine weitere Bedeutung. Der heilige Josef als Träumer könnte uns anfragen, wie wir mit unseren Träumen – Träume jetzt nicht verstanden als Träume in der Nacht, sondern ganz weit gemeint als Träume vom Leben – wie wir also mit unseren Lebensträumen umgehen. Verlieren wir, je älter wir werden, so nach und nach und vielleicht ganz nebenbei, auch unsere Träume? Träume von unserer ganz persönlichen Zukunft, Träume vom Glück, Träume vom Gut-sein des Lebens, Träume von einer gerechten und friedvollen Welt.

Wir wissen es alle, unsere Träume von gelingendem Leben, für unser ganz persönliches Leben und für unsere Welt, müssen immer wieder den Härtetest des Lebens bestehen. Werden sie ihn bestehen? Gott selbst lädt uns ein – vielleicht in der Haltung des »dennoch« –, an unsere Träume zu glauben. Es muss doch auch heute noch so etwas wie »verrückte Hoffnungen« geben. Träume, die ansagen, dass das, was wir gegenwärtig erleben, nicht alles ist.

Vielleicht wird man uns eines Tages nicht nur fragen, was wir getan und was wir unterlassen haben. Wir sind auch dafür verantwortlich, welche Träume wir haben und was wir erhoffen. Was wird aus einer Welt, in der niemand mehr beschwört, dass die Völker zusammenkommen und zueinander finden können? Was wird aus einer Welt, in der niemand mehr von der Geborgenheit des Lebens mit Gott erzählt, in der niemand mehr davon erzählt, dass Gott den Menschen immer wieder – wie dem heiligen Josef – neue Wege und Auswege eröffnet? Müsste das nicht unsere Kirche tun? Sie müsste doch den Menschen und der ganzen Welt in ihren Visionen von Gott her den Weg weisen!

Der heilige Josef hat auf seine Träume hin gehandelt. Auch wir sollten unseren Lebensträumen etwas folgen lassen: Nämlich uns Zeit für sie nehmen und – wie Josef – zu handelnden Menschen und glaubensstarken Christen werden.

Fürbitten
Der Gott unserer Väter hat sich im Leben des heiligen Josef gezeigt als ein Gott, der begleitet und schützt. Wir wollen Fürbitte halten:

- Für Menschen, die durch ihr Leben hetzen und keine Ruhe finden, die am Wichtigsten vorbeilaufen. Herr, unser Gott:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für uns alle, dass wir erkennen, auf welche unerwartete Weise Gott uns entgegenkommt, uns anspricht. Herr, unser Gott:
- Für alle, die begreifen, dass Leben nach Gottes Willen Entscheidung fordert. Herr, unser Gott:
- Für alle, die darauf warten, dass sie in der Zuwendung von Menschen spüren, dass Gott uns liebt. Herr, unser Gott:

Du, unser Gott, gehst mit uns. Lass uns dir vertrauen, wie der heilige Josef dir vertraut hat, und zeige uns deine Wege. Amen.

Johannes Kreidler

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