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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Fest der Darstellung des Herrn
Die Geschichte unserer Begegnungen
Lesejahr A – B – C
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Ursprünglich wurden die vierzig Tage bis zur Darstellung des Herrn nicht ab Weihnachten (25. Dezember), sondern ab dem Fest der Erscheinung des Herrn (6. Januar) berechnet. So kam man auf den 14. Februar, den Valentinstag, der dadurch zum Fest der Liebenden geworden ist. (Vgl. Dietz-Rüdiger Moser, Bräuche und Feste durch das ganze Jahr, Freiburg 2002, 214.) Zuerst ging es freilich um die Liebe zwischen Israel und seinem Messias sowie um die Liebe zwischen Christus und der Seele eines jeden Menschen: »Zion, schmücke dein Brautgemach, nimm deinen König auf, der zu dir kommt: Christus, den Herrn.« (Antiphon zum 2. Psalm der 1. Vesper am Fest der Darstellung des Herrn.)

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist der Bräutigam und wir die Braut.
Herr, erbarme dich.
Du traust dich uns an und teilst das Leben mit uns.
Christus, erbarme dich.
Du schenkst uns deinen Geist, der uns tröstet und der uns hilft.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott,
du zeigst dich uns Menschen auf vielfältige Weise. Dein Wort gibt uns Orientierung im Leben. Dein Geist führt uns auf deinen Wegen. Dein Sohn kommt uns entgegen und will bei uns wohnen als unser Freund. Gib, dass wir die Zeichen deiner Gegenwart nicht übersehen und sie in unserem Leben bezeugen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 554,1–2 »Wachet auf, ruft uns die Stimme«
Antwortgesang und Ruf vor dem Evangelium
GL 551,1–3 »Nun singt ein neues Lied dem Herren« und
GL 174/7 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 477,1–3 »Gott ruft sein Volk zusammen«
Gesang zur Kommunion
GL 358,1–4 »Ich will dich lieben, meine Stärke«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 357,5–7 »Herr Gott Vater, mein starker Held«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 2,22–40 (Evangelium)

In einer kunstvoll gestalteten Episode legt Lukas die treibenden Kräfte hinter der Geschichte offen, die er in seinem Evangelium erzählt. Es ist die Geschichte des Volkes Israel, das in Jesus seinem Messias begegnet. Zugleich öffnet sich der Horizont und gibt den Blick frei für die Menschen aller Völker, zu denen der Christus Jesus gesandt ist. Hinter allem steht Gott als Herr der Geschichte: Er hat Israel am Sinai das Gesetz als Weisung zum Leben gegeben; er gibt auch den Geist, der es ermöglicht, ein Leben nach Gottes Weisung zu führen. Nur wo beides zusammenwirkt, bleibt Gottes Wort lebendig, statt toter Buchstabe zu werden: Es wird von den Alten vorgelebt und verjüngt sich in den Jungen.

Predigt

Begegnungen

Danach gefragt, was unser Leben als Menschen ausmacht, gab der geistliche Autor und Seelsorger Anton Kner (1911–2002) zur Antwort: »Unser Leben ist die Geschichte unserer Begegnungen.« Der Stoff, aus dem das Leben ist, wird aus vielen Fäden gewoben. Soll er tragfähig sein, sind die Knotenpunkte entscheidend. In ihnen verknüpft sich mein persönliches Schicksal mit dem der anderen Menschen. Mag jeder seines Glückes Schmied sein – sein Glück macht doch keiner allein. Für sich allein hat das Leben keinen Sinn. Wo aber Begegnung stattfindet, eröffnen sich Perspektiven, die dem Leben Sinn und Ziel geben. Im heutigen Evangelium schreibt Lukas eine Geschichte von Begegnungen. Sie ereignen sich auf unterschiedlichen Ebenen und bilden ein dichtes Netz von Beziehungen, in dem das Jesuskind und mit ihm alle Menschenkinder wachsen und gedeihen können.

Gesetz und Geist

An erster Stelle begegnen sich Gesetz und Geist. Das Gesetz wird durch die Eltern Jesu verkörpert, der Geist durch Simeon und Hanna. Das Gesetz bewegt Maria und Josef, sich in den Tempel zu begeben und das vorgeschriebene Opfer darzubringen. Jesus ist ihr Erstgeborener. Seit Gott beim Auszug aus Ägypten die Erstgeburt der Ägypter schlug, die der Israeliten aber verschonte, gehören die männlichen Erstgeborenen in Israel dem Herrn. Sie müssen durch ein Opfer im Tempel ausgelöst werden (Ex 13,2.12.15). Die Eltern werden daran erinnert, dass letztlich nicht sie ihrem Kind das Leben schenken. Alles Leben kommt von Gott, und sie empfangen es nur als Geschenk zu treuen Händen zurück.

Doch das ist nur die eine Seite. Das Gesetz schafft lediglich den Raum, in dem der Geist Gottes wirken kann. Das Gesetz gibt den Rahmen vor, in dem sich das Leben entfalten kann. Entscheidend ist nicht das Gesetz, sondern das Leben. Das Gesetz gleicht einer Leitplanke, die verhindert, dass man von der rechten Bahn abkommt. Es gibt bewährte Grenzen vor, in denen das Leben gedeihen kann. Der lebendig macht, ist aber der Geist, der Simeon und Hanna bewegt. Freilich darf man das eine nicht gegen das andere ausspielen. Simeon wird als Gerechter bezeichnet, und gerecht ist nur, wer das Gesetz befolgt. Die Treue zum Gesetz hat ihn aber nicht engstirnig, sondern weitherzig gemacht, offen für die Regungen des Geistes, der ihn zielsicher durchs Leben führt. Gesetz und Geist wirken zusammen. So kommt es zur Begegnung, die dem Leben neue Perspektiven eröffnet.

Jung und Alt

Gesetz und Geist bringen die Eltern Jesu mit Simeon und Hanna zusammen. Hier begegnen sich aber nicht nur Individuen, hier begegnen sich Jung und Alt. Oder besser gesagt: Die Alten begegnen ihrer eigenen Zukunft. Der greise Simeon nimmt den Säugling Jesus in seine Arme. Hier zeigt sich ein Urbild für die Begegnung der Generationen. In den Enkelkindern begegnen die Großeltern ihrer eigenen Zukunft. Mehr noch als der Stolz auf ihre Nachkommen erfüllt sie die Hoffnung, dass das Leben nicht stirbt. Mögen ihre eigenen Kräfte auch schwinden, aus ihrer Obhut ist neues Leben erwachsen und mit ihm neue Hoffnung. Sie mögen selbst am Ende sein, aber das Leben, das sie weitergegeben haben, ist nicht am Ende. Es erneuert sich in ihren Kindern und Kindeskindern.

Freilich kann dieser Hoffnung nur begegnen, wer mit dem Leben noch nicht abgeschlossen hat. Nur weil jemand alt ist, ist er mit dem Leben noch lange nicht fertig. Das meinen die Jungen manchmal, und es gibt ja auch Fälle, in denen es stimmt: Menschen, die das Alter so sehr niederdrückt, die in Depression derart gefangen sind, dass sie vom Leben nichts mehr erwarten. Das ist schlimm, und es gibt tausend Gründe, dass es so weit kommen kann. Aber es ist letztlich keine Frage des Alters, ob jemand vom Leben noch etwas erwartet. In Simeon und Hanna begegnen uns zwei alte Menschen, die noch voller Erwartungen sind. Simeon wartet darauf, dass das schwer gebeutelte Israel von Gott getröstet und aufgerichtet wird. Hanna erwartet die Befreiung Israels aus der Sklaverei durch fremde Mächte. Beide haben im Alter noch hohe Erwartungen. Das macht sie offen für die Eingebungen des Geistes und für die Begegnung mit ihrer Zukunft im Jesuskind und seinen Eltern.

Israel und die Völker

Gesetz und Geist wirken zusammen, Alt und Jung begegnen einander, und siehe da: Ihre Erwartungen werden nicht nur erfüllt, sondern bei Weitem übertroffen. Das ist die Erfahrung, die Simeon macht und die wir miterleben dürfen. Er, der auf den Trost für Israel wartete, muss bekennen, dass ihm weit mehr zuteil geworden ist: Im Jesuskind erkennt er das Heil für alle Völker, nicht nur für das Volk Israel. Damit überschreitet er eine Grenze, die für das Selbstverständnis Israels von grundlegender Bedeutung war: Als Gottesvolk bleibt Israel nur erkennbar, wenn es sich von den anderen Völkern unterscheidet. Freilich war Israel damit keineswegs allein. Auch die Griechen haben in der Antike unterschieden zwischen sich und den anderen Völkern, die sie Barbaren nannten. Im Grunde ist es ja immer so: Eine eigene Identität gewinnt nur, wer sich von anderen abgrenzt. Auch wir tun das, zum Beispiel als Christen, wenn wir uns den anderen mit ihren Wertmaßstäben überlegen fühlen.

Simeon lässt solche Grenzen hinter sich. Anscheinend hat er diese Art von Abgrenzung nicht mehr nötig, um als Mensch und Jude zu wissen, wer er ist. In Jesus begegnet er dem Sinn und Ziel seines Lebens. Sein Leben stand unter einer großen Verheißung: Er werde nicht im Zweifel darüber sterben müssen, ob all sein Hoffen vergeblich war. Er werde dem Messias begegnen, bevor er sterben müsse. Von dieser Begegnung her gewinnt er seine Identität. Er beginnt zu ahnen, dass seine Hoffnung grenzenlos war und dass auch ihre Bestätigung nicht an den Grenzen Israels Halt machen kann. Sein Lobpreis erinnert an den Propheten Jesaja, wo Gott spricht: »Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht für die Völker, damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht« (Jes 49,6).

Fürbitten
Gott, du gibst uns allezeit, was wir zum Leben brauchen. Und doch leiden viele Menschen Not. Höre unser Gebet für alle, die deine Hilfe brauchen:

- Für alle, die rechtlos und der Willkür der Mächtigen ausgeliefert sind.
(Herr, sieh an die Not der Menschen.)
- Für die Jungen, die sich nicht entfalten dürfen, und für die Alten, die keine Achtung mehr erfahren.
- Für die gesellschaftlichen und religiösen Gruppen, die in Streit und Zwietracht miteinander leben.
- Für die Sterbenden, die Ängste quälen, und für die Toten, deren niemand mehr gedenkt.

Gott, bei dir ist kein Mensch vergessen, jeder und jede ist dir wichtig. Sende deinen Geist des Lebens und der Liebe und lass uns Hilfe erfahren durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wilfried Eisele

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