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Leseprobe 1
29. Sonntag im Jahreskreis
Beten wie Mose
Lesejahr C
Beitrag zur Lesung

Einführung

»Sing, bet und geh auf Gottes Wegen …«, so heißt es in einem Kirchenlied (GL 424). Das Singen und Beten geht oftmals leichter, wenn wir es gemeinsam tun. Die biblischen Texte dieses Sonntags erzählen von der Wirkkraft des Gebetes. Als Gottesdienstgemeinde hören wir miteinander auf Gottes Wort und können einander im Beten und Singen unterstützen. So gewinnen wir Kraft und Ermutigung für unseren Alltag, für das »Gehen auf Gottes Wegen«.

Predigt

Zum Text: Ex 17,8–13 (1. Lesung)

Für den Sieg des eigenen Volkes in einer Schlacht zu beten – vielleicht finden Sie das auch befremdlich, denn damit betet man gleichzeitig für den Untergang, womöglich für den Tod eines anderen Volkes. Das verträgt sich nicht so gut mit unserer Vorstellung eines Gottes, der Frieden will, und schon gar nicht mit den bitteren Erfahrungen vergangener Kriege, in denen auf beiden Seiten Waffen gesegnet wurden und Christen aufeinander schießen mussten.

Aber so erleben wir Mose. Solange er wie magisch die Hände erhoben hat, das heißt, solange er betet, sind Josua und seine Männer im Kampf gegen die Amalekiter stärker. Zuletzt siegen sie. Das Handeln von Mose, seine körperliche Aktion, hat direkte, erkennbare Folgen.

Dass diese Geschichte sich nicht direkt zum Nachahmen eignet, versteht sich von selbst. Wir wissen, dass die Erzählung vom Auszug und der Wüstenwanderung des Volkes Israel einseitig aus der Perspektive der Israeliten erzählt ist. Ein kleines Volk behauptet sich durch Wirren, Kämpfe und auch eigenes Versagen hindurch – und führt dies immer auf die Hilfe seines Gottes zurück.

Beharrlichkeit bewirkt den Sieg

Dass wir heute diese Episode aus der Wüstenzeit Israels hören, hängt mit dem Evangelium zusammen, in dem es ebenfalls ums Beten geht, vor allem um die Beharrlichkeit beim Beten. Im Gleichnis von der hartnäckigen Witwe ermahnt Jesus seine Jünger, »dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten« (Lk 18,1).

Für die Beharrlichkeit im Beten ist Mose sicher ein Paradebeispiel. Einen ganzen Tag lang tut er nichts anderes, als die Hände zu erheben, als zu beten. Selbst als ihm die Arme schwer werden, lässt er nicht nach. Und er lässt sich einiges dafür einfallen. Das wird im biblischen Text ausführlich beschrieben, wie Aaron und Hur einen Steinbrocken unter Mose schieben, damit er sich darauf setzen und sie ihm die Arme stützen können. Diese Beharrlichkeit wird belohnt. Sein Gebet, verbunden mit dem Kampf Josuas, bewirkt den Sieg. Gott hat wieder einmal seinem Volk geholfen.

Beten wie Mose – auf das Leben schauen

Wir leben heute in völlig anderen Zusammenhängen als Mose. Dennoch kann der Blick auf ihn auch für unser Beten hilfreich sein. Da fällt zuerst auf, dass Mose sich entfernt und sich auf den Gipfel eines Hügels stellt. Aus einer Distanz und quasi »von oben herab« schaut er auf sein Volk und was da passiert. Damit ist er nicht extra weit weg, sondern eng mit dem Geschehen verknüpft.

Unser Beten braucht diese enge Verknüpfung mit dem Leben. Manchmal sind wir in Gefahr, dass wir beim Beten zu sehr um uns selbst kreisen. Dass es vor allem um uns und unser Befinden geht. Da tut es gut, wenn wir uns gleichsam auf einen »Hügel« begeben. Wenn wir auf die Menschen um uns herum und auf das Leben in dieser Welt schauen. Das kann beim Blick in die Nachrichten geschehen oder bei vielen anderen Gelegenheiten wie beim Überlegen am Abend, wer mir heute begegnet ist. Daraus wird ein Beten entstehen, das auch Menschen einschließt, mit denen ich nicht zurechtkomme. Und es wird mich selbst verändern.

Beten wie Mose – nicht nachlassen

Aber wie finden wir die Zeit zu beten? Wir sind oft eingebunden in ein enges Zeitkorsett von Terminen, Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten, dass die Zeit fürs Beten, das Gebet zu kurz kommt. Manchmal merken wir, dass uns ein Ruhepol fehlt, dass uns das fortdauernde Getriebe nicht gut tut. Dass wir uns mehr Zeit fürs Beten nehmen sollten, so wie es in dem Zitat des heiligen Franz von Sales heißt:

»Gib dir jeden Tag eine Stunde Zeit zur Stille, außer wenn du viel zu tun hast, dann gib dir zwei.« Ähnlich ist das auch von Martin Luther überliefert.

Freilich können wir uns aus unserem Alltag nicht herausnehmen wie Mose. Es geht auch nicht um die zeitliche Länge des Gebetes. Kurz und trotzdem innig können wir bei jeder Tätigkeit und an jedem Ort beten. Ein kurzes Stoßgebet, ein Vaterunser auf dem Weg zur Arbeit, ein kleines Innehalten in der Warteschlange, ein Blick auf den Tag am Abend können uns mit Gott verbinden – mitten im Tag und mitten im Leben. Oder wie es eine kleine Anekdote erzählt: »Ein Mann fragte einen Priester, ob er während des Gebets rauchen dürfe. Der Priester verneinte und antwortete: Aber während du rauchst, darfst du gerne beten.« (Aus: »Aus deiner Liebe leben«, Exerzitien im Alltag 2016, hg. von: Haus Werdenfels, Nittendorf, S. 15)

Beten wie Mose – zusammen mit anderen

Im Beten auf das Leben schauen – nicht nachlassen. Ein drittes können wir bei Mose abschauen: Er betet nicht allein. Er nimmt Aaron und Hur mit, die ihn unterstützen. Miteinander beten ist nicht nur bereichernd, sondern hilft auch, »dran« zu bleiben, beständig zu sein.

In Familien mit kleinen Kindern gelingt es oft noch, regelmäßig zu beten; schwieriger wird es mit älter werdenden Kindern oder wenn die Kinder aus dem Haus sind. Es ist ein Geschenk zu erfahren, wie eine betende Gemeinschaft Geborgenheit und Getragensein schenken kann und wie sich Perspektiven verändern und Räume öffnen können. Eine Gemeinde, die sich zum Gottesdienst versammelt, schafft den Rahmen dafür. Wir erheben unsere Hände und Herzen. Gott legt das Seine dazu.

Fürbitten
Gott hört auf uns und unsere Bitten. Zu ihm rufen wir:

- Wir bitten um deinen Geist für alle, die in der Kirche beten und arbeiten.
- Wir bitten um Frieden für alle, die unter Krieg und Terror leiden.
- Wir bitten um Umkehr für alle, die den Weg der Gewalt eingeschlagen haben.
- Wir bitten um Kraft für alle, die sich schwer tun, ihren Alltag zu bewältigen.
- Wir bitten um Nähe für alle, die sich von dir und den Menschen verlassen fühlen.
- Wir bitten um Trost für alle, die krank, verzweifelt oder in Trauer sind.

Gott, in deine Hände legen wir unser Leben. Dir sei Preis und
Dank von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Beate Jammer

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