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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Sechster Sonntag der Osterzeit
Lesejahr C
Der Vater ist größer als ich

Beitrag zum Evangelium

Einführung

»Wir haben dich vermisst!« So auf mein Fehlen bei einem Treffen angesprochen, kann ich das als Vorwurf hören, aber auch als Ausdruck der Wertschätzung. »Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn«, sagt Martin Walser einmal. Ist vielleicht das »Vermissen« auch eine Form des Glaubens?

»Er ist auferstanden, er ist nicht hier« (Lk 24, 6). Das Wort aus dem Osterevangelium kennzeichnet die Situation des Christen in dieser Welt: an Gott zu glauben, ohne ihn zu »haben« und vorweisen zu können – ja, ihn zu »vermissen« und damit zugleich den Blick zu weiten für den je größeren Gott, der uns immer wieder herausruft aus unseren engen Be»greif«lichkeiten.

Rufen wir zu dem, der verborgen jetzt auch in unserer Mitte ist:

Kyrie-Ruf
GL 165 »Send uns deines Geistes Kraft«

Tagesgebet
Großer und guter Gott.
Du rufst uns zu einem Leben, das befreit ist von Angst und die Weite deiner Liebe atmet.
Sende uns deinen Heiligen Geist, der uns tiefer in die Wahrheit einführt und den Frieden schenkt, den die Welt nicht geben kann.
So bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 342 »Komm, Heilger Geist, der Leben schafft«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 643/3 »Jubelt ihr Lande dem Herrn« mit GL 46/2 (Psalm 67 – anderen Psalmton nehmen!) und
GL 176/1 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 479 »Eine große Stadt ersteht« (2. Lesung!)
Gesang zur Kommunion
GL 453 »Bewahre uns, Gott«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 551 »Nun singt ein neues Lied dem Herren«
GL 860 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Vertraut den neuen Wegen«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 14,23–29 (Evangelium)

»Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe« – das widersinnige Paradox, sich über das Weggehen des Geliebten zu freuen, gilt eigentlich für jede echte Liebesbeziehung zwischen Menschen. Man liebt einen anderen in Wirklichkeit nur, wenn man ihn nicht festhält und an sich binden will, sondern ihn »gehen lässt« – ihn also frei gibt für seinen Weg und seine Intention. Es gilt in einem besonderen Sinn aber für die Situation des Glaubenden in der Welt. Mit Christus verbunden sein heißt nicht, ihn festhalten (wie einen Talisman), vielmehr »sein Wort festhalten« und sich von ihm auf »den Weg zum Vater« rufen lassen. Sein Wort hält man aber nicht dadurch fest, dass man es in goldenen Büchern verwahrt und buchstabengetreu repetiert, sondern indem man sich vom »Beistand, dem Heiligen Geist« immer neu an seine Worte erinnern lässt und von ihm lernt, sie in die jeweilige Zeit hinein zu übersetzen.

Predigt


»Der Vater ist größer als ich«, sagt Jesus. Hören wir recht? Damit kommt ja die ganze Dreifaltigkeitslehre durcheinander! Rangunterschiede innerhalb der Dreifaltigkeit? Einer größer als der andere? Kann das sein?

Es ist gut, dass wir an diesem Satz anecken. Der Vater ist in der Tat größer als der Sohn. Allerdings nicht in dem Sinn, dass es in der Dreifaltigkeit Höher- und Tieferrangiges gibt, sondern in dem Sinn, dass man bei Jesus nicht stehen bleiben darf.

Nicht bei Jesus stehen bleiben …

»Der Vater ist größer als ich« – Jesus versteht sein ganzes Leben als »Weg zum Vater«. Bei Jesus bleiben kann deshalb nur, wer mit ihm geht. Jesus hat Menschen nicht an sich gebunden, als sei er das Ziel aller Wege – er hat sein Leben, sich selber vielmehr als Weg zu Gott verstanden. Zum Vater will er kommen und dorthin will er uns bringen. Deshalb sagt er: »Der Vater ist größer als ich.«

… sondern mit ihm »zum Vater gehen«


Hier ist auch die Brücke im Gespräch mit anderen Religionen, mit Menschen, die nicht Christen sind, aber Gott suchen. Im Letzten geht es nicht darum, alle Menschen davon zu überzeugen, dass Jesus der Sohn Gottes ist – wohl aber geht es darum, Weggefährten zu finden auf dem Weg, den er gegangen ist: den Weg der Liebe und Versöhnung, der der Gewalt und dem Hass widersteht. Es ist für eine gute Zukunft dieser Welt so wichtig, dass sich die Menschen, die auf dem Weg der Liebe und Versöhnung Gott suchen, miteinander verbinden über alle Grenzen hinweg.

Auch nicht bei der Kirche stehen bleiben …

»Der Vater ist größer als ich« – dementsprechend gilt aber auch: Das Reich Gottes ist größer als die Kirche! Gerade in heutiger Zeit, da die Kirche oft im Widerstreit steht, ist Klärung nötig: Die Kirche hat sich nicht als Endstation darzustellen, als Ziel aller Wege. Das Ziel ist vielmehr – wie die große Vision der Offenbarung des Johannes (Lesung!) eindrücklich vor Augen stellt – die »Stadt Gottes, die keinen Tempel mehr braucht, weil Gott selber ihr Licht ist und ihre Herrlichkeit« (Offb 21,22f).

… sondern Gottes Reich suchen

Auch wenn es im Lied heißt »aus ewgem Stein erbauet«, so ist Kirche doch nicht das Letztgültige. Darum sollen wir auch noch so ehrwürdige Traditionen nicht wie einen heiligen Gral verteidigen (ob es bestimmte Formen des Amtes oder der Liturgie oder bestimmte Rollenbilder von Mann und Frau in der Kirche sind). Sie sind vielmehr auszurichten daran, dass sie Weg zum Ziel sind, Wegführer in Richtung Reich Gottes. (Und es gibt wahrhaftig manche Traditionen in unserer Kirche, die zum schweren Ballast geworden sind.)

Sein Wort festhalten …

Aber woran soll man sich dann halten? Ist dann am Ende alles im Fluss, alles gar beliebig in der Kirche? »Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten«, sagt Jesus im Evangelium. Das ist der feste Anhaltspunkt, der uns auch für die Kirche heute gegeben ist. Es liegt aber im Wesen eines lebendigen Wortes, dass es nicht »festgehalten« und konserviert werden kann wie ein Museumsstück. Es will gehört werden, er-innert werden, ins Gespräch kommen, miteinander bedacht und als Ruf in unsere Zeit hinein übersetzt werden – nicht nur durch ein apodiktisches Lehramt, sondern durch die ganze Gemeinschaft der Glaubenden. Der »Resonanzraum« dafür, das ist lebendige Kirche!

… und auf Gottes Geist hören

Schließlich gilt die Zusage Christi: »Der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.« Es ist unverkennbar die Intention von Papst Franziskus, nicht von oben herab fertige Antworten auf offene Fragen (und Erwartungen!) zu geben, sondern zum offenen Gespräch in der Kirche zu ermutigen. Sein Vertrauen auf »den Beistand, den Heiligen Geist«, soll uns anstecken!

Fürbitten
Herr, unser Gott, die Welt ist verloren ohne deinen Geist, den Beistand. Wir bitten:

- Öffne Wege des Verstehens im Gespräch der Religionen – um des Friedens in der Welt willen.
(GL 342 »Komm, Heilger Geist, der Leben schafft«)
- Stärke Papst Franziskus in seinem Bemühen, die Kirche einzustellen auf die wahren Fragen und Nöte der Menschen.
- Schenke den Kranken Heilung, den Trauernden Trost und den Bedrängten und Überforderten Kraft.
- Gib Wegweisung, wo die alten Formen des Glaubens nicht mehr tragen und zum Ballast werden.
- Der Krieg im Nahen Osten führt zu immer neuen Exzessen der Zerstörung und Barbarei. Was muss noch geschehen!?

Überlasse die Welt nicht sich selbst – schaffe neues Leben, jetzt und für immer. Amen.

Thomas Keller

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