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Leseprobe 2
Dritter Sonntag der Osterzeit
Lesejahr C
Auf den Tod setzen oder das Leben

Beitrag zur Lesung

Einführung

Was trägt die Jünger und Jüngerinnen Jesu nach der Erfahrung seines schrecklichen Todes? Was stärkt sie gegen Anfeindungen und Verdächtigungen, in Verhörsituationen und Übergriffen staatlicher Gewalt?

Tragender Grund ihrer Standhaftigkeit und ihres Mutes ist die Überzeugung: Gott hat diesen Jesus, den Menschen ermordet haben, nicht im Tod gelassen. Gewalt und Tod haben nicht mehr das letzte Wort. Gott setzt seine Auferweckung, sein Leben dagegen: Hoffnung für alle, die unter Gewalt leiden, unter Terror, Todesgefahr und Vertreibung. Ein starker Grund, nicht aufzugeben, standhaft zu bleiben, aufzustehen gegen den Tod und alles, was Leben bedroht oder in Frage stellt.

Predigt

Zum Text: Apg 5,27b–32.40b–41 (1. Lesung)


Österliche Predigt in Jerusalem, …

das will der Hohe Rat nicht dulden. Die Jesus und seine Botschaft mit aller, ja, mit tödlicher Macht ablehnen, können eine Verkündigung des Sieges über den Tod nicht zulassen. Der Tod sollte gerade als Schlussstrich angewandt werden, sollte Ende des abgelehnten Auftritts Jesu sein. Der so oft bedrohlich als Krankheit unseres Lebens erlebte Tod sollte hier das gewaltsam gesetzte, endgültige Aus dieses für den hohen Rat ärgerlichen oder unverstandenen Lebens sein.

Der Tod sollte hier als Mittel gegen die Bedrohung der eigenen Lehre eingesetzt werden. Jedes Wort von Auferweckung muss den Hohen Rat aufbringen.

Es macht zumindest nachdenklich, wie sehr sich Menschen in die Sackgasse manövrieren können, so sehr, dass Tod willkommener ist als Leben.

Leben gegen den Tod

Hoffnung gegen die Ausweglosigkeit des tödlichen Abgrundes: Die Sehnsucht des Volkes ist freier! Die Menschen von Jerusalem nehmen die frohe Botschaft von der Auferweckung auf wie trockenes Land, wie »versiegte Bäche im Südland« (Ps 126,4). In kürzester Zeit »füllten [die Apostel] ganz Jerusalem mit ihrer Lehre« (vgl. Apg 5,28). Der Herr wendet das immer tödliche Geschick der Menschen! Die unter Tränen gingen, immer gehen mussten, sie können mit dieser Botschaft jubeln. Wie lange schon und wie oft hatten sie um eine Wende ihres augenscheinlich unabwendbaren menschlichen Geschicks gebetet (vgl. Ps 126).

Aber der Hohe Rat hat sich verrannt

Sie haben das Blut des Boten und Propheten dieses gewendeten Lebens vergossen. Sie wollten ihn an den Schandpfahl bringen, als den von Gott Verfluchten (vgl. Dtn 21,23) vor aller Augen präsentieren. Sollte jetzt das Gegenteil gelten? Sollte dieser der von Gott zu seiner Rechten Erhöhte sein (vgl. Apg 5,31) und also auch Gesandte und Gesalbte? Dann bedeutete sein Blut ihre Schuld! Das wollen und können sie nicht eingestehen. Sie wehren sich mit aller Macht.

Verheißung des lebendigen Gottes, ja! Aber sollte die menschliche Sehnsucht nach einer Wende des todgeprägten Geschicks so erfüllt werden, dass Tradition, Lehre und Lehrer ins Wanken geraten? Dann fiele sein Blut auf sie zurück. Das darf nicht sein. Sie verbieten, sie bestrafen, sie wollen erneut ein blutiges Ende setzen. Die immer wieder mit ihren Glaubensbrüdern um die Wende vom Tod zum Leben beteten, sie hatten sich längst mit dem Tod verbündet, ihn zum Handlanger gemacht.

Was sie von einem erneuten Blutvergießen abhält, ist nur noch ihre Unsicherheit oder Angst vor der Reaktion des Volkes.

Können wir solches Verbohrtsein, solches Verranntsein …


so einfach von uns weisen? Gibt es dieses Phänomen nicht auch unter uns, bei mir selbst? Dass wir uns so sehr verrennen, dass alles andere bedrohlich wird? Dass mir die anderen scheinbar immer etwas wegnehmen oder mir etwas verweigern wollen, nur weil sie ihre Wege anders gehen? Dass das alles viel zu sehr in meine lange gewachsenen Vorstellungen, meine mühsam errungenen Standpunkte, mein unsicher errichtetes Gedanken- und Lebensgebäude eingreift, als dass es noch gut sein oder tun könnte. Gibt es solches nicht auch bei uns, bei mir? Dass ich mich mit großer Beharrlichkeit am heftigsten gerade an das klammere, dessen Aufgabe ein Verschulden meinerseits offenbarte? Mich bloßstellte, der ich mich mühsam in Kleider hüllte, die Leute machen? Die Mitglieder des Hohen Rates hätten das Blut Jesu, obwohl sie es vergossen hatten, obwohl sie schuldig geworden waren, als Vergebung und Neuanfang annehmen können. Sie hätten sich die Wende vom Tod zum Leben ansagen lassen können. Aber sie wollen nicht. Sie wollen weder ihr jetziges Gesicht noch ihre Macht verlieren. Beides scheint ihnen wichtiger zu sein als alles andere, noch so Verheißungsvolle, noch so Heilsame, Erlösende, aber eben Verwandelnde.

»Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen« (Apg 5,29),

… sagen die Apostel. Aber war der Hohe Rat nicht felsenfest davon überzeugt, eben das zu tun? Gott zu gehorchen? Diese Frage reicht tiefer, als dass ihr eine Predigt gerecht werden könnte. Ein wichtiger Punkt dürfte aber die Frage sein: Wer ist dieser Gott, dem ich im Zweifelsfall mehr gehorchen soll als den Menschen und damit vielleicht sogar als mir selbst? Es ist der »Gott unserer Väter«. Es ist der Gott, der »Jesus auferweckt« hat. Es ist der Gott, der Jesus zum »Anführer [des Lebens (vgl. Apg 3,15)] und Retter erhoben, um … Umkehr und Vergebung zu schenken« gemacht hat (vgl. Apg 5,30). Das heißt, ihm zu gehorchen, ihm zu glauben, heißt, sich mit dem Leben zu verbünden, im Zweifelsfall immer auf das zu setzen, was Leben ermöglicht, Leben fördert, Leben heilt, statt auf das, was Leben verhindert oder abbricht oder krank macht. Diesem Gott gehorchen, glauben, heißt, im Zweifelsfall auf das Prinzip Hoffnung zu setzen, einem anderen eher Möglichkeiten zu öffnen, anstatt zu verschließen, der Versöhnung und der Vergebung größere Chancen einzuräumen als der Verurteilung und dem unversöhnlichen Nachtragen und Aufrechnen. Heißt, im Zweifelsfall dem neuen Anfang, der Wende zum Guten, der Lebensmacht Gottes zu trauen und Größeres zuzutrauen.

Gott, der Jesus auferweckt hat, …

»mehr gehorchen als den Menschen«: Eine mögliche Antwort ist die des Hohen Rates, der »ihn ans Holz gehängt und ermordet« hat (vgl. Apg 5,30). Eine mögliche Reaktionsweise ist, andere zu verfluchen, an den Schandpfahl zu bringen, öffentlich anzuklagen, auszusetzen, zu verurteilen, der Schmähung preiszugeben, auszustoßen, zu töten auf all die vielen möglichen, mehr oder weniger subtilen Formen und den Mächten des Todes angstvoll oder mächtig treu zu bleiben. Eine durchaus menschenmögliche und tagtäglich menschengeübte Antwort.

»Gott hat Jesus auferweckt … [und] als Anführer [des Lebens] und Retter an seine Seite erhoben, um … Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken« (Apg 5,30–31): Eine andere Antwort ist die der Apostel: »Zeugen dieser Ereignisse sind wir« (Apg 5,32). Zeugen, dass gerade die wie Jesus Geschändeten gerettet werden und gerade die wie Israel schuldig Gewordenen Vergebung geschenkt bekommen und Gott den Tod besiegt und auf der Seite des Lebens steht. Zeugen dieser Ereignisse in Wort und Tat, Gedanken und Worten, von »ganzem Herzen und mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft« (Dtn 6,5). Das meint Gott gehorchen, Gott glauben und seiner Lebensmacht. Das meint ganz theonom autonom werden, von Gott her frei werden, das meint frei aus unserem Ursprung von Gott und deshalb aus unserer innersten Mitte und Würde heraus auf diese Logik Gottes setzen, die an dem Ereignis Jesu Christi aufleuchtet, das alle Zeit und Welt zum Heil wendet und frei im Innersten macht.

Dafür geschmäht zu werden ist, zumindest für Lukas, eher Freude als Unheil, denn es bedeutet, meine eigene, Gott geschenkte Würde einzuholen und die Gott geschenkte Hoffnung auf die Macht des Lebens und gegen die Todesmächte am eigenen Leben zu bezeugen.

Fürbitten

Herr, unser Gott, in unseren Zweifeln und Fragen, in unseren Unsicherheiten und Erschütterungen fragen wir dich: Dürfen wird dem Leben trauen?

- Wir bitten dich für alle, die von der Macht des Todes erschüttert sind, dessen dunkle Macht in ihre Familien, ihr Leben eingedrungen ist: Herr, unser, Gott, ermutige sie durch deine Auferweckung Jesu!
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Wir bitten dich für alle, die Menschen im Sterben begleiten, da sind, beistehen, nicht allein lassen: Herr, unser Gott, stärke sie durch deine Auferweckung Jesu!
- Wir bitten dich für alle, die für das Lebensrecht, die Würde und das Ansehen von Menschen eintreten in den offenen oder schleichenden Gefährdungen menschlichen Lebens, menschlicher Würde und Freiheit: Herr, unser Gott, steh ihnen bei mit der Freude über deine Auferweckung Jesu!
- Wir bitten dich für alle, die mit dem Tod ringen: Stärke ihre Hoffnung und sei ihnen Halt mit dem Geschenk des Lebens im Tod durch deine Auferweckung Jesu

Herr, unser Gott, wir preisen dich für die Auferweckung deines Sohnes Christus Jesus und danken dir für dein Leben in Ewigkeit.
Amen.

Clemens Stroppel

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