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Leseprobe 3
Jahresschluss
Nimm dem Jahr nicht seinen Glanz

Beitrag II

Einleitung und Kyrie-Ruf

Am letzten Tag des Jahres stellen wir uns noch einmal vor Gott. So wie wir es viele Male miteinander getan haben. Wir bedenken die Zeit, die er uns gegeben hat und wir betrachten das Leben, das uns geschenkt wurde. Was wir erlebt haben und was wir geworden sind, bringen wir in diese Feier am Jahresschluss ein. Halten wir ein wenig inne, um dem nachzufühlen, was dieses Jahr für jeden von uns gewesen ist und rufen wir dann unseren Herrn um sein Erbarmen an [Stille]:

Herr, wir stehen vor dir mit der Erinnerung an wunderbare Tage, die uns geschenkt waren:
Geburtstag und Namensfest;
Feste des Glaubens in unserer Gemeinde;
Urlaubstage und Ferienzeiten;
Besuche und Begegnungen;
Tage voller Glück, Sonnenschein und Erfolg.

GL 155 »Kyrie eleison«

Herr, wir stehen vor dir mit der Erinnerung an schwere Tage, die wir bestehen mussten:
Tage von Krankheit und Erschöpfung;
Tage von Streit und Unverständnis;
Tage der Niederlagen und des Misserfolgs;
Tage der Trauer und des Abschieds.

GL 155 »Christe, eleison«

Herr, wir stehen vor dir mit der Erinnerung an den Alltag und die gewöhnlichen Zeiten:
mit den Aufgaben in Beruf und Familie;
mit den frischen oder müden Anfängen am Morgen und den ersehnten Feierabenden;
mit der Selbstverständlichkeit von Essen, Trinken, Schlafen und Gemeinschaft;
mit den vielen Banalitäten und den überraschenden Lichtblicken.

GL 155 »Kyrie, eleison«

Orationen
Zur Danksagung B; Präfation für die Sonntage III

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 258 »Lobpreiset all zu dieser Zeit«
Nach der Predigt
GL 554 »Wachet auf, ruft uns die Stimme«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 436 »Ach bleib mit deiner Gnade«
Gesang zur Kommunion
GL 245 »Menschen, die ihr wart verloren«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 380,1.6–7.9 »Großer Gott, wir loben dich«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 25,1–13 (Evangelium)

Die Losung des Evangelischen Kirchtages »Damit wir klug werden« hat mich zu meinen Silvestergedanken geführt. Dem Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen war die Bibelarbeit an einem Vormittag gewidmet. Ich habe das Gleichnis in ganz unkonventioneller Weise lesen gelernt. Die exegetische Grundlegung dafür habe ich im Matthäus-Kommentar von Ulrich Luz und in der Auslegung von Moisés Mayordomo, Kluge Mädchen kommen überall hin. In: Zimmermann, Ruben u. a., Kompendium der Gleichnisse Jesu. Gütersloh 2007, S. 488–503 nachgelesen. Einen Rückblick auf das Jahr kann ich nicht geben, zumal es beim Abfassen der Predigt noch gute drei Monate währt. Wichtig ist mir vielmehr, die Aufmerksamkeit des Hörers hin zu lenken auf die glanzvollen, lichten, hellen, erleuchteten, durchscheinenden Erfahrungen im Verlauf des Jahres. Dem Jahr seinen Glanz nicht nehmen, sondern ihm ehrlicherweise seinen Glanz geben und lassen, sei er ganz offensichtlich oder sei er auch nur leise durchschimmernd!

Predigt

Es war wirklich dumm, dass die Hälfte der zehn Jungfrauen kein Öl mitgenommen hat, als sie zur Hochzeit ging. Dumm gelaufen, könnte man sagen! Und man könnte mit diesem Gleichnis manches bedenken, was im vergangenen Jahr dumm gelaufen ist, aufgrund unserer eigenen Dummheit oder weil die anderen noch dümmer waren.

Es war wirklich schade, dass nur die Hälfte der zehn Jungfrauen, die Hochzeit mitfeiern konnte und die andere draußen bleiben musste. Wir könnten mit diesem Gleichnis dem nachsinnen, was uns an Schönem im verflossenen Jahr entgangen ist; worauf wir uns gefreut hatten und dann doch versäumt haben oder enttäuscht wurden.

Es war hart von den klügeren Fünf, dass sie ihr Öl nicht teilen wollten und konnten; und der Bräutigam, der die Tür nicht mehr öffnen wollte, war unerbittlich. Auch das könnte Thema sein an diesem Silvesterabend, und gewiss würde jedem von uns etwas Hartes einfallen, das er unerbittlich einstecken musste.

Aber die Dummheit, das versäumte Glück und die Härte des Lebens sollen uns an diesem Abend nicht allzu sehr beschäftigen. Ich möchte Sie auf den Glanz aufmerksam machen, von dem dieses Gleichnis erzählt. Vom Zug der Mädchen, die den Bräutigam mit dem hellen Licht ihrer Fackeln begleitet haben, und von den anderen, die dem Fest von seinem Glanz genommen haben, weil sie vergessen haben, Öl mitzunehmen. Das Gleichnis könnte sich nämlich so abgespielt haben:

Im Haus der Braut fand das Festessen statt: eine Hochzeitsfeierlichkeit mit vielen Gästen, großzügigen Speisen und reichlich Wein. Nach dem Festmahl zog man in feierlicher und nächtlicher Prozession zum Haus des Bräutigams. Der Bräutigam ist vielleicht schon vorausgeeilt, um seine Braut zuhause empfangen zu können. Und es erscholl in diesem Moment der Ruf: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! Die Mädchen entzündeten rasch ihre Lampen und Fackeln und begleiteten das junge Paar im festlichen Fackelzug bis an die Schwelle des Schlafgemachs. Es konnte nicht genug Licht sein, um dem Brautpaar in das gemeinsame Zuhause und in die Hochzeitsnacht zu leuchten. Je mehr Lampen und Fackeln es waren, umso heller wurde die Nacht und umso mehr Glanz und Ehre wurde dem Brautpaar zuteil. Schade für den, der den festlichen Zug verpasst hat; und schade für das Brautpaar, wenn Licht und Glanz spärlich ausfielen. Jeder kann wohl verstehen, dass der Bräutigam nachher nicht mehr bereit war, die Tür zu öffnen. Man kann doch die Intimität der Hochzeitsnacht nicht stören!

Das war in der Erzählung von dieser Hochzeit das eigentliche Verhängnis der fünf törichten Mädchen: Sie haben dem Fest etwas von seinem Glanz genommen. Und vielleicht haben sie damit sogar das Glück des jungen Paares gefährdet; was ist das denn für ein Omen, wenn schon der Brautzug bei spärlichem Licht stattfinden musste? Man darf dem Fest nicht seinen Glanz nehmen, nicht durch die eigene Dummheit und nicht durch mangelnde Aufmerksamkeit.

Dazu könnte uns dieses ein wenig beklemmende Gleichnis am heutigen Abend inspirieren: Über den Glanz nachzudenken, den dieses Jahr auch hatte. Für das Helle und Schöne dankbar zu sein, das die vergangenen zwölf Monate auch gebracht haben. Und uns auch dessen zu vergewissern, was hätte schön und glanzvoll werden können und dann doch eher trist und traurig geblieben ist, weil wir es verpasst haben; oder auch, weil wir es erlebt und doch entsprechend nicht gewürdigt haben!

Nimm dem Jahr nicht seinen Glanz! Ganz gewiss hatte dieses Jahr auch etwas von der Freude und Helligkeit des Reiches Gottes, um dessentwillen Jesus dieses Gleichnis erzählt hat. Ganz gewiss lässt sich der Schein der Gnade in jedem Leben finden, auch wenn es uns arg dunkel scheint, wir müssen nur aufmerksam genug dafür sein. Ganz gewiss ist es besser, den Glanz zu würdigen als das Trübe auszubreiten. Ganz gewiss wird auch im kommenden Jahr das Licht aus Gottes Himmel auf uns herabströmen. Und lassen wir das Licht leuchten, das Gott einem jeden von uns in die Hand gegeben hat. Es braucht dazu eigentlich nicht viel – nur die Aufmerksamkeit für den Augenblick und den Vorrat an Möglichkeiten, den Gott in jedes Herz und jeden Verstand gelegt hat.

Fürbitten
Gott. Deinem gerechten Urteil vertrauen wir dieses verflossene Jahr an. Wir selbst wissen noch nicht, was wir von diesem Jahr halten sollen, noch was uns davon im kommenden Jahr bewegen und beschäftigen wird. Sprich du dein gerechtes Urteil über die Probleme, Sorgen und Nöte, die wir zu dir tragen. Lenke unser Denken und stärke unser Handeln:

- Die Flüchtlinge an den osteuropäischen Grenzen, auf Lampedusa und den griechischen Inseln Kos und Lesbos, in den Sammelunterkünften unseres Landes, auf Bahnhöfen und in Zügen haben unsere Aufmerksamkeit beansprucht: das Schicksal der Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Libyen und dem Irak; die Armut der osteuropäischen Flüchtlinge, die nicht bleiben können; Menschen, die an allen Küsten des Mittelmeeres darauf warten, noch Europa überzusetzen. Wir gedenken der Ertrunkenen im Mittelmeer; der Erstickten in Lastwägen; und der Gedemütigten, die auch in unserem Land auf Ablehnung und Hass stoßen.
Wir tragen vor dich, Herr, die mangelnde Solidarität unter den euro päischen Staaten; und wir vertrauen dir die Hilfs- und Spendenbereitschaft vieler Menschen guten Willens an. (GL 182/1 »Du sei bei uns«)

- Die Finanzkrise in Griechenland, Hilfspakete und Schuldenschnitt waren über Monate Thema des öffentlichen Diskurses. Wir wissen von der Überschuldung vieler Länder; von der Sanierung der Staatshaushalte auf Kosten der Armen; von den schlimmen Konsequenzen dessen, was Globalisierung heißt. Das wirtschaftliche System, das auf Wachstum beruht, kommt an seine Grenzen und noch sind keine Auswege in Sicht.
Wir vertrauen dir, Herr, die Opfer unseres Wirtschaftssystems an und alle, die in ihrem ökonomischen Denken und politischen Handeln um Alternativen bemüht sind.

- Die Hitzewelle im Sommer machte vielen Menschen Freude und bereitete vielen anderen großen Kummer. Die Bauern fuhren schlechtere Ernten ein. Wasserknappheit und Überschwemmungen sind spürbare Folgen des Klimawandels.
Wir vertrauen dir, Gott, das Gefühl unserer eigenen Machtlosigkeit an; aber auch die mangelnde Bereitschaft zu wirksamer Umkehr unter den Völkern und ihren Regierungen. Wir bitten um Erfolg für alle, die um den nachhaltigen Schutz unserer Klimas ringen und bereit sind zu Achtsamkeit und Verzicht.

- Gewaltherde, Krisengebiete und Kriegsschauplätze sind nicht weniger geworden: Der Osten der Ukraine kommt nicht zur Ruhe; der Krieg in Syrien geht unvermindert weiter; Libyen und viele afrikanische Staaten sind zum Schauplatz bewaffneter Banden geworden; die Bewegung Islamischer Staat terrorisiert unvermindert Menschen und zerstört die Zeugnisse ihrer Geschichte und Kultur; die Länder des arabischen Frühlings erleben eine eisige Zeit von Zerfall, Gewalt und Willkürherrschaft.
Wir vertrauen dir, Gott, die Menschen an, die in ihrer Heimat nicht sein dürfen, wie sie sind, und die Terror, Gewalt, Zerstörung, Verfolgung, Vertreibung und Demütigung erleiden. Klagend bekennen wir, dass Menschen selbst die schlimmsten Dinge anrichten.

Gott. Wir danken dir, dass wir mit den Lasten des vergangenen Jahres und mit der Sorge um das kommende nicht allein sind. Wir preisen dich durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Anton Seeberger

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