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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
29. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B
Vertrauen auf Gott, nicht auf Vergeltung

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Zwei Jünger begegnen uns heute im Evangelium, die eine Frage stellen, die wir wohl alle verstehen. Was bringt es uns eigentlich, wenn wir alles verlassen und Jesus nachfolgen? Was haben wir davon, wenn wir auf seinem Weg mitgehen, der doch kein Weg ohne Leid und Kreuz sein kann? Warum sind Sie heute da? Warum sind Sie in der Kirche, wo doch so viele andere austreten? Was bringt Ihnen Ihr Glaube? Wie Ihre persönliche Antwort auch heißen mag: dass wir da sind, bringt uns die Begegnung mit unserem Gott. Er wartet nur darauf, uns zu beschenken mit seiner Gegenwart, mit seinem liebevollen Erbarmen, mit seinem Heiligen Geist. Öffnen wir uns für die Begegnung mit ihm.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist Mensch geworden, damit wir Leben in Fülle finden.
Herr, erbarme dich.
Du hast dich ganz für uns gegeben und willst, dass auch wir einander dienen.
Christus, erbarme dich.
Alles, was wir sind und haben, ist dein Geschenk. Wir brauchen keine
Angst zu haben, zu kurz zu kommen.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Großer Gott,
du bist da. Deine Menschenliebe ist groß, du hast Freude daran, wenn Menschen ein erfülltes Leben finden. Dafür hast du deinen Sohn gesandt
und deinen Heiligen Geist ausgegossen.
Wir bitten dich: Gib uns Mut und Orientierung durch die Worte deines Sohnes. Erfülle und heile uns durch deinen Geist, damit wir leben ohne Angst als deine geliebten Söhne und Töchter.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 543,1.4–5 »Wohl denen, die da wandeln«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 362 »Jesus Christ, you are my life« oder
GL 365 »Meine Hoffnung und meine Freude« und
GL 174/3 »Halleluja« mit Vers aus dem Münchener Kantorale S. 421
Gesang zur Gabenbereitung
GL 184 »Herr, wir bringen in Brot und Wein«
Gesang zur Kommunion
GL 210 »Das Weizenkorn muss sterben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 418,1–3 »Befiehl du deine Wege«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 10,35–45 (Evangelium)

Der Evangelist Markus schließt die heutige Perikope an Worte zur Nachfolge und an eine Leidensankündigung auf dem Weg nach Jerusalem an. Für Markus ist der Zielpunkt des Textes die Lebenshingabe des Gottessohnes als »Lösegeld für viele«. Er greift hier die Tradition des leidenden Gottesknechtes Jes 53,10–12 (vgl. Erste Lesung) auf. Der Rangstreit der Jünger zeigt, dass sie die Tragweite des Handelns Jesu nicht verstehen – umso weniger, je näher der Kreuzestod Jesu rückt (vgl. J. Gnilka, Das Evangelium nach Markus, EKK II/2, S. 98–107).

Im Kern geht es hier also nicht um Rangfragen oder einen Aufruf zur Bescheidenheit. Jesus will verdeutlichen, dass Nachfolge heißt, sich ganz von der Frage: »Was habe ich davon?« zu lösen. Wer Jesus von ganzem Herzen folgt, fragt nicht mehr nach Nutzen oder Entgelt; er hat gelernt, ganz Gott zu vertrauen, keinen Eigennutz zu brauchen. Dadurch kann sein Leben zum Segen für die Mitmenschen werden. Diese Haltung der vollkommenen Hingabe ist eine große Herausforderung, ja Zumutung Jesu an seine Jünger – und damit auch an uns.

Die Frage: »Was habe ich davon?« ist weit verbreitet, auch im Umgang mit Glauben und Kirche. Die Predigt setzt bei der aktuell hohen Zahl der Kirchenaustritte an und soll zum Nachdenken anregen, ob und wo es den Hörern gelingt, sich vom Kosten-Nutzen-Denken wenigstens ansatzweise zu lösen und dadurch Platz zu schaffen für das unverdiente, gnadenhafte Heilshandeln Gottes.

Predigt

Was bringt mir das? – Eine häufige Frage an die Kirche unserer Zeit

»Was bringt mir das?« – Diese Frage kennen wohl alle Eltern, die ihre halbwüchsigen Kinder dazu bewegen wollen, sie am Sonntag in den Gottesdienst zu begleiten. »Was bringt mir das?« – das scheinen sich in unserer Zeit aber auch insgesamt immer mehr Menschen zu fragen, wenn sie über die Kirche nachdenken. Viele, bedrückend viele, finden keine Antwort auf diese Frage und ziehen ihre Konsequenz – Kirchenaustritt. Die Kirche bringt mir nichts. Warum dann noch dazu gehören und auch noch dafür zahlen?

Und doch versuchen viele engagierte Christen in unserer Kirche mit ihrer Aktivität genau auf diese Frage zu reagieren, eine überzeugende Antwort zu geben: Sei es in den Gemeinden; da gilt es, die Gottesdienste so attraktiv zu gestalten, dass jeder begeistert ist, etwas mitnehmen kann. Angebote für Kinder und Jugendliche müssen der Konkurrenz von Sport- und Musikvereinen standhalten können, ja sie möglichst übertreffen, damit die Jugend wieder in der Kirche sichtbar wird.

Auf der Ebene der Diözesen und der gesellschaftlichen Öffentlichkeit geht es ebenfalls darum, zu zeigen: Wir machen es gut, es bringt der Gesellschaft etwas, uns zu unterstützen. Auch wer nicht glaubt, soll doch sagen: Es ist sinnvoll, dass es die Kirche gibt. Ihr karitatives Engagement, ihr Eintreten für Werte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Wenn wir diese Dinge nur richtig machen, wird wieder jedermann sagen: »Ja, die Kirche bringt mir etwas, bringt uns etwas, sie ist wertvoll, da bin und bleibe ich gern dabei!«

Immer mehr dämmert uns allerdings, dass diese Strategie nicht aufgeht. Viele, zu viele, gehen trotzdem. Nicht nur wegen kirchlicher Skandale und menschlicher Unzulänglichkeiten. In der Kirche geschieht viel Gutes. Doch das allein kann die Menschen offenbar nicht halten.

»Was bringt mir das?« – fragen auch die Apostel

Was bringts? Mit dieser Frage sind wir in bester Gesellschaft. Das ist genau die Frage, die auch Jakobus, Johannes und die anderen zehn Apostel auf ihrem Weg mit Jesus bewegt. Warum hatten sie wohl den Schritt gewagt, hatten Beruf, Familie, Haus und Hof zurückgelassen und waren Jesus gefolgt? Waren sie fasziniert von diesem Jesus und seinen Worten, von seinen Wundertaten? War es eine Ahnung, dass da Gott selbst am Werk ist? War es Abenteuerlust, die Sehnsucht, aus dem Alltagsmief herauszukommen?

Im Evangelium heute jedenfalls begegnen wir den Jüngern einige Zeit später, auf dem Weg nach Jerusalem. Gerade haben sie Worte über den Ernst der Nachfolge gehört und dann auch noch die Ankündigung Jesu, er werde in Jerusalem seinen Gegnern ausgeliefert und von ihnen hingerichtet werden. Da sind sie wohl noch einmal ins Nachdenken gekommen, und schon ist sie da, die Frage: Was bringt mir das Ganze überhaupt? Was habe ich denn davon? Und wenn es schon hier hart auf hart kommen soll, kann ich mir dann wenigstens für das künftige Leben nach dem Tod einen guten Platz ausrechnen? Jakobus und Johannes wollen da offenbar schon einmal vorsorgen, sehr zum Missfallen ihrer Apostelkollegen, deren Gedanken wohl um ganz ähnliche Fragen kreisten.

Jesus will Gottvertrauen statt Vertrauen auf Vergeltung

Und Jesus? Der nimmt seine Apostel in eine harte Schule. Bei euch soll es nicht so sein wie bei den üblichen menschlichen Machtspielen. Die Frage soll nicht heißen: Was bringt mir das? Sondern: Wer braucht mich? Nicht: Was bekomme ich dafür? Sondern: Was soll ich loslassen, hergeben? Und dadurch eigentliche, bleibende Größe erlangen. Weil dann, wenn Menschen dienen, anstatt zu herrschen, Gott selbst wirkt und göttliche Größe schenkt.

Mit anderen Worten: Wer fragt: »Was bringt mir das?«, macht seine Rechnung letztlich ohne Gott. Er bleibt im menschlichen, irdischen Spiel des Gebens und Nehmens, von Leistung und Vergeltung. Ich tue Gutes und erhalte dafür meinen Lohn. Der Handel ist abgeschlossen, für Gottes unverdiente Liebe und Gnade ist kein Platz.

Ja, auch wer mit Gott sein Leben auf diese Weise aushandelt, bleibt beim menschlichen Rechnen und Aufrechnen. Ich führe ein Leben nach den Geboten – dafür wird Gott mir lange Gesundheit schenken und mich vor Schicksalsschlägen verschonen. Das wäre doch nur gerecht, oder? Wie viele Menschen hadern damit, dass diese Rechnung nicht aufgeht!

Jesus möchte etwas anderes. Keinen Kuhhandel zwischen Gott und Mensch. Keine göttlichen Zeugnisnoten und Wohltaten fürs christliche Wohlverhalten.

Jesus möchte, dass wir Gott vertrauen. Dass wir ihm unser ganzes Leben anvertrauen. Dass wir uns bewusst sind: Alles, was ich bin und habe, verdanke ich Gott. Völlig unverdient, aus reiner Liebe hat er es mir geschenkt. Welch verrückte Idee, Gott könnte irgendetwas wollen oder tun, was mir, was uns nichts bringt. Und weil Gottes Weg zu einer heileren, besseren, lebendigeren Welt der Weg des Loslassens, der Hingabe für uns ist, soll das auch unser Weg sein: dienen, geben – nicht weil wir sehen, was es uns bringt, sondern weil wir zutiefst überzeugt sind, dass dieses Dienen und Geben allen etwas bringt. Weil dies der Weg ist, wie Gott heilsam in dieser Welt wirkt. Für uns und alle.

Kirche »bringt« nichts, außer gelebtem Glauben an Jesus Christus

Vielleicht liegt hier auch der Grund dafür, dass es uns nicht gelingt, den Menschen unserer Zeit zu beweisen, dass ihnen die Zugehörigkeit zur Kirche etwas bringt. Dass sie immer etwas davon haben und mitnehmen können, wenn sie unsere Gottesdienste und Veranstaltungen besuchen. Das ist nicht so. Zur Kirche gehören, heißt genauso oft genug, zu geben, ohne einen eigenen Nutzen davon zu haben. Zeit, Ideen, Energie, Engagement, Geld. Und unser Gebet.

Zur Kirche gehören heißt: Ich gebe, weil ich glaube, dass in dieser Kirche Gott selbst wirkt. Und dass er mit dem, was ich gebe, für die sorgt, die es brauchen. Wenn nötig, auch für mich.

Deshalb frage ich nicht: Was bringt mir das? Sondern: Wofür brauchst du mich? Denn als Gottessöhne und -töchter brauchen wir keine Angst zu haben, zu kurz zu kommen.

Die Kirche ist kein religiöser Erbauungs- oder Bespaßungsverein. Sie erfüllt ihren Zweck, wenn sie das Gesicht Jesu trägt. Und dieses Gesicht trägt sie, wenn viele Christen in ihr nach den Worten Jesu leben: Vertrauen statt Berechnung, loslassen statt festhalten, Dienen statt Machtverteidigung.

Ob eine solche Kirche mit dem Gesicht Jesu für mehr Menschen in unserer Zeit attraktiv ist, ob die Austritte so weniger werden, das wissen wir nicht. Aber das dann nicht die entscheidende Frage. Es ist ja seine Kirche, nicht unsere.

Fürbitten
Großer Gott, alles verdanken wir dir. Auf deine Liebe dürfen wir vertrauen. Du beschenkst uns reich mit deinen Gaben, so dürfen wir wagen, großzügig zu geben ohne Angst. Du willst, dass wir einander dienen, wie Jesus uns dient. So bringen wir dir unser menschliches Tun und bitten dich um deinen Beistand und deine Hilfe.

- Wir beten für alle Länder, wo die Mächtigen ihre Völker unterdrücken und ausbeuten, wo sie durch Krieg oder Terror unendliches Leid verursachen. Stärke alle, die ihrem Land dienen durch selbstlosen Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden. (Herr, erhöre unser Gebet.)
- Wir beten für alle, die in deiner Kirche Verantwortung tragen, als Papst oder Bischof, aber auch als Leitende in unseren Gemeinden. Bewahre sie vor der Versuchung der Macht, gib ihnen den Mut, voller Gottvertrauen dir und den Menschen zu dienen.
- Wir beten für alle, die in der Kirche keinen Sinn mehr sehen, keinen Platz für ihren Glauben, und die deshalb aus der Kirche austreten. Geh du ihnen nach und sorge für sie. Zeige uns Christen, wo wir ihnen von neuem die Tür öffnen können.
- Wir beten für alle, die in helfenden Berufen tätig sind: für Ärzte und Pflegekräfte, Sozialarbeiterinnen und Entwicklungshelfer. Erfülle sie mit Zufriedenheit über ihren Dienst, auch wenn ihnen die Menschen, denen sie helfen, nicht immer Dankbarkeit zeigen.
– Wir beten auch für unsere Paare und Familien, für diejenigen vor allem, die sich schwer miteinander tun. Ermutige alle, die Machtspiele zu durchbrechen und selbstlos gemeinsame Wege zu suchen.

Gott, bei dir ist Leben in Fülle. Wir danken dir, dass du uns den Weg zum Leben weist und für uns da bist, heute und immer. Amen.

Stefan Möhler

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