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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Zweiter Fastensonntag
Lesejahr B

Glauben im Aufwärts und Abwärts


Beitrag zum Evangelium

Einführung und Kyrie-Ruf

Das grelle Licht ist für unsere Augen wie das tiefste Dunkel: Wir können nichts sehen! Wenn man nichts sehen kann, werden die anderen Sinne umso wacher und angespannter. Wir lauschen, wir achten auf jeden kleinen Luftzug.
Heute wird uns vom Licht erzählt, vom Aufleuchten der Herrlichkeit Gottes. Aber wir werden uns in dieser Fastenzeit auch die dunklen Geschichten von Verrat, Verleugnung und Flucht, von Leiden, Tod und Ende erzählen lassen. In beidem – im Licht des Verklärten und im Dunkel von Leid und Tod – geht Christus mit uns. Rufen wir ihn in unsere Mitte und um sein Erbarmen an:

Herr, Jesus Christus, du bist aus der Höhe des Himmels auf unsere Erde herabgestiegen.
Herr, erbarme dich.
Du hast die Gipfel und die Täler menschlichen Lebens ermessen.
Christus, erbarme dich.
Du bist aufgestiegen in die Herrlichkeit des Himmels und ziehst uns dorthin mit.
Herr, erbarme dich.

Gebet
Gott, du erscheinst im Dunkel und verbirgst dich im Licht.
Du gibst Antwort und stellst in Frage.
Du wirkst Begegnung und verweigerst das Bleiben.
Wir danken dir für Jesus Christus:
Ihm glauben wir in seiner Herrlichkeit;
Ihm vertrauen wir in seiner Erniedrigung;
Ihm folgen wir auf allen Wegen, die er uns führt.
In ihm sei dir Lobpreis und Ehre dargebracht,
jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 363 »Herr, nimm auch uns zum Tabor mit«
Antwortgesang und Ruf zum Evangelium
GL 629,3 »Ich gehe meinen Weg vor Gott« mit 629/4 (Psalm 116) und
GL 584,9 »Lob dir, Christus, König und Erlöser«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 188 »Nimm, o Gott, die Gaben, die wir bringen«
Gesang zur Kommunion
GL 359 »O selger Urgrund allen Seins«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 272 »Zeig uns, Herr, deine Allmacht und Güte«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 9,2–10 (Evangelium)


Nach den einschlägigen Kommentaren ist die Verklärungs-Szene eine endzeitlich geprägte Christusoffenbarung. Das Durchscheinen seiner Göttlichkeit ist entweder österlich geprägt – Verklärung als Vorgriff auf Ostern – oder weihnachtlich – Verklärung als Entfaltung der Inkarnation des Logos. Der innerbiblische Hintergrund ist vermutlich Ex 24. Der Evangelist Markus gestaltet aus dem Material einer Theophaniegeschichte die Erzählung einer Inthronisation. Nach dem Leitgedanken der Verkündigung in der Fastenzeit Vergewisserung im Glauben habe ich den Schwerpunkt auf menschliche Erlebnisweisen und schicksalhafte Erfahrungen des Aufwärts und Abwärts im Leben gelegt und die Begegnung mit dem Unerwarteten – ob es sich um die eine gleißende Lichterfahrung handelt oder um die Erfahrung größter Dunkelheit – gelegt. In beidem ist der Mensch zunächst wie blind. Er muss sich gläubig hineintasten in seine Erfahrungswelt und ihre religiösen Deutung. Er muss sich mitnehmen lassen, auch wenn er selbst noch gar nicht versteht, was sein Erlebnis bedeutet!

Predigt

Aufwärts und Abwärts

Wir sind Menschen, die im Aufwärts leben. Die Wirtschaft funktioniert nur dann richtig, wenn es aufwärts geht. Schon das Bleiben auf einem erreichten Niveau wirkt katastrophal. Kein Politiker wird eine Wahl gewinnen, wenn er wahrhaftig über die Abwärtstrends reden müsste. Jeder kranke Mensch wünscht sich nichts sehnlicher, als dass es wieder aufwärts geht mit seiner Gesundheit und Leistungsfähigkeit. In uns allen steckt dieser Aufwärts-Trend, glaube ich. Wer kommt schon leicht damit zurecht, wenn das eigene Leben stagniert; wenn die Kräfte nachlassen, wenn der Erfolg ausbleibt; wenn man erlebt, dass man die eigenen Kräfte für das Verkehrte vertan hat; oder wenn man merkt, dass kaum etwas wahr geworden ist von dem, was man sich erhofft und angestrebt hat. Wir sind Menschen im Aufwärts. Vielleicht hat uns der Schöpfer so ausgestattet, dass wir nicht im Vorhandenen bleiben können, dass wir hoch kommen wollen, dass wir in jeder erreichten Situation noch einmal höher hinaus wollen. Schön, wenn es gelingt und wenn wir in Hoch- oder Höchstform sind! Schön, wenn wir das erreichen, was wir uns als Höchstes vorgestellt und angestrebt haben.

Aufwärts-Erzählung


Das heutige Evangelium ist Aufwärts-Erzählung, im ganz konkreten Sinne. Jesus wandert mit seinen vertrauten Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes aufwärts – »auf einen hohen Berg«, vermerkt das Evangelium. Auf dem Gipfel angekommen, erleben sie etwas, das man sich größer und ergreifender nicht vorstellen kann. Der Meister, der Freund, der Bruder Jesus erscheint in seiner Hoheit – weiß, leuchtend, hell, sodass man in unserer Welt nichts Vergleichbares erleben oder herstellen könnte. Zur Lichterfahrung kommt ein Seh- und Hörerlebnis. Die beiden größten Propheten und Lenker Israels treten auf, Mose und Elija. Die Stimme Gottes ist zu hören: »Das ist mein geliebter Sohn.« Für einen Augenblick tut sich die Herrlichkeit Gottes auf. Für einen winzigen Moment ist Gewissheit entstanden: Jesus ist der Sohn Gottes. Wir haben ihn unbezweifelbar als solchen gesehen und erkannt.
Ein Moment der Gewissheit – wer von uns Glaubenden braucht und will den nicht? Einmal wenigstens oder immer wieder? Den Moment einer überwältigenden Herrlichkeit, wer wünscht sich das nicht? Es ist aufwärts gegangen. Der Gipfel ist erreicht. Die Jünger wollen bleiben.

Abwärts-Erzählung

Rasch ist der Augenblick von Gewissheit, Offenbarung und Erleuchtung vergangen. Eine Wolke hat den herrlichen Moment in sich aufgesogen und weggenommen. Jesus, Petrus, Jakobus und Johannes gehen wieder abwärts. Sie können nicht auf dem Gipfel bleiben. Sie müssen wieder absteigen. Dieser eine Moment lässt sich nicht toppen, es kann nur abwärts gehen. Auf dem Weg hinab verbietet Jesus den Dreien, etwas von diesem Moment zu erzählen. Sie müssen schweigen von dem, was das Höchste war in ihrem Leben und Glauben. Sie sollen das Erlebte so lange bei sich behalten – bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Aber sie wissen nicht, was das bedeutet. Sie wissen auch nicht, wann das sein wird und wie es geschieht. Noch haben sie eine weite Strecke des Weges miteinander vor sich, hinauf nach Jerusalem, hinab in das Elend von Kreuz und Tod. Der Abwärts-Weg Jesu lässt sich von uns kaum ermessen: Hinab in die Erfahrung, von niemand mehr verstanden zu werden. Hinab in das Erleben, allein gelassen zu sein, sogar von den Getreuesten. Hinab in die Erfahrung von Verrat, Unrecht, Folter und Tod. Hinab in dieses tiefste Loch des Lebens, in den dunkelsten Abgrund der Seele, wo die kalte Angst ist, dass auch kein Gott mehr für mich da ist. So weit abwärts führt der Weg Jesu! Ein weites Stück nimmt er seine Jünger mit, er braucht sie offenbar! Er nimmt die drei – Petrus, Jakobus und Johannes – mit in den Garten Getsemani. Sie erleben dort den Abgrund, aber wehren sich dagegen und schlafen ein. Wenig später, als die Häscher kommen, wird vom Evangelisten festgehalten: »Da verließen ihn alle und flohen« (Mk 14,50).

Sich dem Unerwarteten stellen …


… das bedeutet Glauben! Dieses Unerwartete kann die Gestalt des Lichtes haben. Manchmal scheint in einem selbst ein Licht auf, in dem das Leben Klarheit von Gott her bekommt. Vielleicht geschieht sogar manchmal Verklärung in uns, wenigstens in unserer Sichtweise auf das eigene Leben mit Gott. Das Unerwartete kann aber auch die abgründig dunkle Gestalt annehmen, die Lebenssituation, in der wir nichts sehen! In der wir nicht wissen, wozu etwas gut sein soll und wohin es uns führen wird. Wir Menschen sind, glaube ich, öfter Fliehende und Flüchtende, als wir zuzugeben bereit sind. In der Begegnung mit dem Unerwarteten, sei es glücklich oder furchtbar, strahlend oder düster, wandelt sich unser Leben, gewinnt unser Glaube Gestalt.

Gott im Abwärts-Trend


Man kann das Evangelium Jesu durchaus lesen als eine Aufwärts-Geschichte. Und es ist ja auch so, dass der Glaube uns über unsere Welt und unser eigenes Denken hinausführt, viel höher als wir es ahnen. Aber noch mehr muss man das Evangelium lesen als eine Abwärtsgeschichte. Immer weiter hinab steigt der Christus in unsere menschliche Existenz und in die Kehrseiten unseres erfolgsorientierten Lebens. Nur ist es so, dass wir im Abwärts-Trend leicht in Zweifel kommen. Kann es sein, dass Gott uns immer weiter hinabführt, dorthin wo es nichts mehr vorzuzeigen gibt, nichts mehr heil und schön ist, nichts mehr hell und licht? Es ist ja schon schwer genug, solche Erfahrungen menschlich bestehen zu müssen. Es ist für einen gläubigen Menschen ebenso unverständlich wie für alle anderen auch: Warum hält Gott uns nicht oben, wo es schön ist und leicht? Warum führt er uns hinab? Und wenn er es nicht selbst tut, warum lässt er zu? Diese Abgründe? Gott geht abwärts mit uns. Lassen wir es zu, wenn es abwärts geht mit uns und unserem Leben! Ganz unten, wirklich ganz unten erst, entsteht die Wandlung, wird es Ostern, geschieht das, wonach die Jünger und wir auch fragen: »Was das ist, von den Toten auferstehen?« (Mk 9,10) Wir wissen noch nicht, wie es gehen wird, dass unser Leben diese vollendete, österliche Gestalt erhält!

Übung für die zweite Fastenwoche


Wort

»Denn was Verklärung, ganz allgemein, ist, kann in seinen kleinen Verhältnissen Aller und Jeder erfahren. Und erfährt es. Wenn anders Verklärung des Eigentlichen durchs Schemenhafte, des Lebendigen durch die Schatten, des Geliebten durchs Ungeliebte und die Ankunft des Langeerwarteten ist, so weiß jeder, dass solche Momente es sind, um derentwillen wir leben. Verklärung ist Durchschein des Urbildes.« (Erhard Kästner, Die Stundentrommel vom Berg Athos. Insel Taschenbuch 1974, 34f.)

Übung

Ich gehe meinen Tag in Gedanken durch unter der Fragestellung: Wo oder wie wurde mir eine Ahnung vom Durchscheinen des Urbildes zuteil?
Gebet
Herr, nimm auch uns zum Tabor mit, um uns dein Licht zu zeigen!
Lass unsre Hoffnung Schritt um Schritt mit dir zu Gott aufsteigen.
Kv.: Du wirst auch uns verklären, Herr der Herren.

Lass leuchten deine Herrlichkeit, von der die Seher künden!
Mach uns für Gottes Reich bereit, wo alle Mühen münden.
Kv.: Du wirst auch uns verklären, Herr der Herren.

Dann geh mit uns vom Berg hinab ins Tal der Alltagssorgen
und sei uns Weg und Wanderstab durchs Kreuz zum Ostermorgen.
Kv.: Du wirst auch uns verklären, Herr der Herren.
GL 363

Fürbitten

Lasst uns beten zu unserem Herrn Jesus Christus, der uns den Weg des Lebens führt:

- Für die Nachdenklichen in Wirtschaft und Politik, denen das Prinzip des Wachstums fragwürdig geworden ist.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
- Für die Menschen, die seit Jahren kein normales Leben führen können, weil ihnen unter dem missbrauchten Namen Gottes Gewalt angetan wird.
- Für die Flüchtlinge, die in ihren Zufluchtsländern nur dann eine Zukunft haben, wenn sie sich auf deren Lebensbedingungen, Sprache und Kultur einlassen können.
- Für die Menschen, deren Glaube erloschen ist, weil sie ihn zu Glück und Erfolg nicht brauchen; und für viele andere, die durch Leid und Enttäuschung ihren Glauben verloren haben.
- Für unsere Kirche und für die Gemeinden, die mit dem Verlust von Ansehen und Erfolg, von Einfluss und Macht nur schwer umgehen können.

Gott, unser Vater. Du weißt, wie viel Licht wir brauchen und wie viel Dunkelheit wir bewältigen können. Mit Christus sind wir auf dem Weg und danken dir in seinem Namen, jetzt und in Ewigkeit.
Amen.

Anton Seeberger

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