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Leseprobe 3
Sechster Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B

Gott die Ehre geben

Beitrag zur Lesung

Einführung

»Alles meinem Gott zu Ehren«, singen wir im Lied – vielleicht etwas vollmundig. Denn vieles, was wir tun und lassen, geschieht wohl aus anderen Intentionen oder Rücksichten – oder Zwängen. Dabei käme tatsächlich eine befreiende Klarheit und Unabhängigkeit in unser Reden und Handeln, würden wir uns konsequent von Gottes Intention leiten lassen– Ihm also die Ehre geben. Sein Geist, der Geist der Freiheit, aber auch der Liebe, möge uns dazu helfen!

Predigt

Zum Text: 1 Kor 10,31 – 11,1 (2. Lesung)

»Mit dir ist man ja blamiert!«, sagen Eltern zu ihrem Filius, wenn er über die Stränge geschlagen hat. Natürlich möchten Eltern mit ihren Sprösslingen Ehre einlegen. Und elterliche Aggressionen, die Schule oder Kindergarten manchmal abbekommen – ob berechtigt oder nicht –, haben ihre Hitze einfach davon, dass man sich in den eigenen Kindern auch selbst ausgestellt und bewertet fühlt.

Will Gott geehrt werden?

»Alles, was ihr tut – tut es zur Verherrlichung Gottes!«, schreibt Paulus. Mit andern Worten: Wir sollen Gott Ehre machen – ein Gedanke, der mir immer etwas merkwürdig vorkam. Als ob Gott darauf angewiesen wäre, von uns geehrt und verherrlicht zu werden! Der umgekehrte Fall ist schon plausibler: Wenn wir uns auf Gott berufen, aber nicht in seinem Sinn leben, ist Gott mit uns blamiert! Aber »Gott ehren«, als wäre er ehrenkäsig?
Antwort gibt die Präfation im Hochgebet.

Es ist würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und deine Größe zu preisen.
Du bedarfst nicht unseres Lobes,
es ist ein Geschenk deiner Gnade,
dass wir dir danken.
Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren,
doch uns bringt er Segen und Heil
durch unseren Herrn Jesus Christus.

… also: Es ist uns zum Heil, wenn wir Gott ehren!

Uns bringt es Segen, wenn wir Gott ehren

Letztlich geht es um die wahre Motivation für mein Tun: Geht es mir etwa in einer Auseinandersetzung nur um meinen Sieg, meine Ehre – oder suche ich Gottes Ehre?
Engagiere ich mich oder verausgabe ich mich nur, um anderen zu gefallen und beliebt zu sein – oder will ich »Gott gefallen«, Ihn zur Geltung bringen?
Oder wenn meine Mühe umsonst ist, wenn ich nicht zum Zug komme und anderen den Vortritt lassen muss, wenn ich nicht mehr gefragt bin: Ziehe ich mich dann in den Schmollwinkel zurück – oder kann ich freien Herzens sagen: Dir sei die Ehre, Gott!
Ja: es ist uns zum Heil, wenn wir Gott die Ehre geben!

Die Ehre Gottes zu suchen, macht unabhängig …


»Ob ihr esst oder trinkt oder etwas anderes tut – tut alles zur Verherrlichung Gottes!« Paulus schreibt das an die Christen in der Großstadt und Hafenstadt Korinth im Blick auf ihre konkrete Situation:
Wie soll ich mich als Christ verhalten, wie kann ich Gott die Ehre geben in einer heidnischen Umgebung, die nach ganz anderen Maßstäben lebt – so in Korinth (und vielleicht auch bei uns)? Soll ich den Schwanz einziehen – oder zum Fundamentalisten werden?
Da wird man in Korinth etwa zum Geburtstag, zu einem Fest eingeladen – und es gibt ein tolles Fleischbüfett, das aber vom Opferfleisch am Götzentempel stammt und einer heidnischen Gottheit geweiht war. Soll ich mitessen – oder absagen und den Spielverderber machen?
Paulus sagt: Dem Reinen ist alles rein! Auch Speisen und Getränke, die von einem heidnischen Kult stammen, sind nicht vom Teufel, sondern von Gott – ist er doch der Schöpfer aller Dinge! Ich kann also in aller Freiheit essen und trinken und meinen Gott loben, der solche Gaben gibt!

… aber nicht rücksichtslos


Es bleibt freilich ein Problem: Es gibt Menschen in der Gemeinde, die an meiner Freiheit Anstoß nehmen, ja in ihrem Glauben angefochten werden. Da sagt Paulus klar: Gebt niemand Anlass zu einem Vorwurf! Sucht also nicht nur euren Nutzen, sondern den Nutzen aller, damit sie gerettet werden! Wenn ein anderer durch mein Verhalten, durch mein freies Wort in seinem Glauben ins Wanken kommt, habe ich Rücksicht zu nehmen.
Das kann nicht bedeuten, dass Skrupulanten in einer Gemeinde den Takt zu bestimmen haben. Aber ich muss mich schon fragen, ob ich durch mein freies und vielleicht provozierendes Wort andere in die Irre führe oder gar bloßstelle; ob ich vielleicht doch nur mich in Position bringe, anstatt Gott die Ehre zu geben?
»Nehmt mich zum Vorbild!«, sagt Paulus ungeniert. Aber immerhin fügt er hinzu: »… wie ich Christus zum Vorbild nehme!« Das Wort Johannes des Täufers liegt mir näher: ER muss wachsen, ich muss abnehmen! Vielleicht kommt Gott gerade dort zu Ehren, wo ich nicht auftrumpfen muss, wo ich nicht Sieger bin und das letzte Wort habe. Wenn nur in allem Gott verherrlicht wird!

Fürbitten
Gott, unser Vater, als deine Kinder sind wir so frei, zu dir zu rufen und dich zu bitten:

- Gib deiner Kirche und denen, die sie leiten sollen, den Geist der Weisheit, der Weite und Klarheit deines Evangeliums. (GL 312,2 »Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu«)
- Erleuchte die in Politik und Gesellschaft Führenden und doch oft Ratlosen; schenke ihnen Weitblick und Weisung für gute Entscheidungen.
- Schütze und stärke alle, die menschlicher Willkür und Schikane ausgeliefert sind und keine Stimme haben.
- Nimm die Menschen, die in Ängsten und Zwängen gefangen sind, hinein in die Weite deiner Liebe.
- Gib dich den Jugendlichen, die auf dem Weg zur Firmung sind, und den Kindern, die auf die Erstkommunion zugehen, als Freund des Lebens zu erkennen.

So bitten wir und berufen uns auf Jesus Christus, deinen Sohn und unseren Bruder. Amen.

Thomas Keller

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