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Leseprobe 1
Neujahr – Hochfest der Gottesmutter Maria
Lesejahr B

Warum ich keine guten Vorsätze mag

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Der Neujahrstag ist ein Tag der guten Wünsche. Vermutlich würden Sie ins Schleudern kommen bei der Frage, wie viele gute Wünsche Sie letzte Nacht und heute Morgen schon bekommen und selbst ausgesprochen haben. Glück, Gesundheit, Erfolg sollen uns alle 2015 begleiten. Die Liturgie brennt dazu ihr eigenes Feuerwerk ab: Wir feiern den Oktavtag von Weihnachten und nehmen das Licht der Heiligen Nacht mit ins neue Jahr. Wir feiern das Hochfest der Gottesmutter und stellen uns unter ihren Schutz. Wir feiern den Weltfriedenstag in der Hoffnung, dass 2015 ein Ende des Krieges in so vielen Regionen der Erde bringen wird. Und wir feiern die Namensgebung Jesu, des »Emmanuel«, des »Gott mit uns«, der uns immer zur Seite stehen wird. Begrüßen wir ihn in unserer Mitte.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, Anfang und Ende.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, Licht auf unserem Weg.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, starker Gott, Friedensfürst.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Herr, unser Gott,
im Kommen deines Sohnes hast du uns ewige Rettung geschenkt. Wie Maria, die uns den Urheber allen Lebens geboren hat, können wir über dieses Wunder nur staunen.
Am Beginn des neuen Jahres stellen wir uns unter deinen Schutz. Lass es für uns ein Jahr des Lebens und des Friedens werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 258 »Lobpreiset all zu dieser Zeit«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 46/1 »Lass dein Angesicht über uns leuchten, o Herr« mit
46/2,2–3.5.6.8 (Psalm 67) und GL 174/1 »Alleluia«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 188 »Nimm, o Gott, die Gaben, die wir bringen«
Gesang zur Kommunion
GL 251 »Jauchzet, ihr Himmel«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 453 »Bewahre uns Gott« oder
GL 243 »Es ist ein Ros entsprungen«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 2,16–21 (Evangelium)

Die Perikope des heutigen Festtages ist Teil der lukanischen Kindheitsgeschichte, die von starken Kontrasten geprägt ist: auf der einen Seite der schwache, hilflose Säugling, in ärmliche Windeln gewickelt, geboren in einem Stall – die himmlische Herrlichkeit Gottes im Lobgesang der Engel, die die Geburt des Retters verkünden, auf der anderen. In vielem finden sich hier Motive, die auf die Hilflosigkeit Jesu am Kreuz vorausweisen. »Die lukanische Kindheitsgeschichte lehrt uns auf ihre eigene Weise, worauf Paulus und Markus drängen: dass wir Gott Gott sein lassen müssen. Eine Krippe ist ebenso töricht wie das Kreuz.« Und doch zeigt sich in beiden die Weisheit Gottes. Der Mensch, der dieses zuerst geahnt und schließlich vollständig nach der Auferstehung Jesu verstanden hat, war Maria. (Vgl. Wilfrid J. Harrington OP, Luke: Gracious Theologian. The Jesus of Luke, Dublin 1997, S. 34–36; Zitat S. 36 (Übersetzung S. Schratz). )

Die Predigt orientiert sich an Maria und ihrem Nachsinnen über Gottes Weg mit ihr und uns und entfaltet den Gedanken des Segens, des Glücks und der Verheißung in allem Krummen und Schwierigen.

Predigt

Warum ich keine guten Vorsätze mag

Ich mag keine guten Vorsätze. Jedes Jahr das Gleiche: »Und was hast du dir vorgenommen …?« Jedes Jahr die gleiche Antwort: Ja, es besteht weiterhin Abnehmbedarf. Ich sollte mehr schlafen. Effektiver arbeiten. Öfter aufräumen. Eine Positivliste des Scheiterns. Die Frage nach den guten Vorsätzen kommt einer öffentlichen Beichte gleich. Dafür gehe ich lieber in die Kirche und kann wenigstens auf Absolution hoffen. Komplett läuft mir die Galle über, wenn mir jemand wohlmeinend sagt: »Ich hoffe, du kommst nächstes Jahr endlich dazu …« Ratschläge sind auch Schläge. Ich mag keine guten Vorsätze.
Wir sind noch in der Weihnachtszeit und die Weihnachtszeit ist keine Zeit der Reue und Umkehr. Dafür ist die Fastenzeit da. Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Freude. Und wenn ich mir schon etwas vornehmen will, dann das, was uns das Evangelium heute über Maria erzählt: Sie »bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach«.

Ein Jahr des Wechselbads der Gefühle

Maria hatte ein Jahr hinter sich, in dem sich die Ereignisse überschlagen hatten. Ihr vermutlich noch sehr junges Leben war völlig aus dem Ruder gelaufen. Sie war schwanger geworden, und der, mit dem sie ihre Zukunft geplant hatte, war nicht der Vater. Er wollte sie verlassen, um ihr öffentliche Schande oder Schlimmeres zu ersparen, entschied sich dann aber doch zu bleiben. Maria muss in der Zwischenzeit durch eine Hölle von Hoffen und Bangen gegangen sein. Sie ist darin vielen heute so nah, die sich vor der Herausforderung sehen, allein ein Kind großziehen zu müssen. Sie ist auch den vielen so nahe, die sich auf die Geburt eines Kindes freuen, die wissen, dass dort ein kleiner Mensch unterwegs ist, der ihr Leben komplett durcheinander werfen und unendlich reich machen wird.
Aber Marias Schwangerschaft stand unter einem besonderen Stern. Sie war verbunden mit dem Wissen, dass der Mensch, der in ihr heranwuchs, Träger aller Hoffnungen war, die Menschen nur mit dem Leben verbinden können. Wie muss sie sich mit diesem Wissen gefühlt haben? Was wird sie erwartet haben – von ihm, für sich, für alle? Wird sie, wie vermutlich alle anderen Eltern auch, darüber nachgedacht haben, was für ein Leben auf ihr Kind zukommen wird – aber mit solch einer Erwartung?
Als der Geburtstermin nach aufgezwungener und strapaziöser Reise näher rückt, stellt sich heraus, dass für sie und ihr Kind kein Platz ist, nirgends. Was für eine schreckliche Erfahrung. Maria teilt sie mit allen, die sich zurückgewiesen wissen, die das Gefühl haben, dass keiner sie braucht und will. Gibt es Schlimmeres? Sie findet schließlich einen Platz, sprichwörtlich am Rande der Gesellschaft, außerhalb dessen, was als akzeptabel gelten könnte, wo niemand anderes sein möchte.
Aber als der Tag der Geburt kommt, erlebt Maria, wie Himmel und Erde sich berühren, ja wie sie den Himmel in ihren Armen hält. Und wiederum ist das eine Erfahrung, die dieses Jahr sicher viele von Ihnen als Eltern, Großeltern, Verwandte, Paten oder Freunde machen durften. Wie muss sich Maria gefühlt haben, mit diesem Kind im Arm und dieser Verheißung im Rücken?
Das Wechselbad der Gefühle wird für sie weitergehen mit Sorgen, Enttäuschungen, Zurückweisungen und schließlich einem Schwert, das durch ihre Seele geht. Aber auch mit Stolz, Heiterkeit, Hoffnung und einer Freude, die alles Erdenkliche unendlich übersteigen wird.

Das Gewesene bedenken und alles Glück und alle Verheißung im Herzen bewahren

Die Tage nach der Geburt waren aber erst einmal Tage des Innehaltens. Marias Tage zwischen den Jahren, wenn man so will. Eine Zeit, das Gewesene zu bedenken und alles Glück und alle Verheißung in ihrem Herzen zu bewahren.
Das möchte ich für mein kommendes Jahr mitnehmen: die Momente der Freude, der Nähe, des Friedens, des Himmels – in und trotz allem. Und ich möchte mir heute von allen Gebeten, Schrifttexten und Liedern sagen lassen: Das Licht, das uns aufgestrahlt ist, wird auch im nächsten Jahr leuchten, und Gottes Angesicht wird mich und uns freundlich anlächeln und uns segnen.

Fürbitten

Allmächtiger Gott, am Beginn dieses neuen Jahres tragen wir unsere Sorgen, Nöte und Hoffnungen vor dich. Wir bitten dich:

- Für unseren Papst Franziskus, unseren Bischof N.N., für unsere Gemeinde und für alle, die an Christus glauben und sein Licht in der Welt bezeugen.
(GL 154 »Kyrie, Kyrie eleison«)
- Für alle Regierenden, Diplomaten, Verhandlungsführer und für alle, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.
- Für alle Notleidenden, Armen und Hungernden und für alle, die Opfer von Hass und Gewalt geworden sind.
- Für alle Kranken, Niedergeschlagenen, Trauernden und für alle, die sie pflegen und sich um sie sorgen.
- Für unsere Familien, Verwandten, Freunde und für alle, die uns nahestehen und besonders am Herzen liegen.
- Für die Verstorbenen aus unseren Familien und aus unserer Gemeinde, mit denen wir über den Tod hinaus verbunden sind.

Guter Gott, unsere Zeit steht in deiner Hand, in dir sind wir geborgen. Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.

Sabine Schratz

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