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Leseprobe 1
28. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr A

Eine Einladung ist keine Postwurfsendung

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Freundlich, wie wir in unserer Kirchensprache sein möchten, reden wir von der »Einladung« zum Gottesdienst – wobei ja der eigentlich Einladende Christus ist. Eine Einladung ist keine Verpflichtung und ist doch verbindlicher als eine Postwurfsendung: Als Eingeladener sollte man mindestens Antwort geben. Das Problem ist freilich, dass viele sich nicht persönlich angesprochen fühlen und auch den Wert dieser Einladung gar nicht empfinden – und den Gottesdienst, wenn überhaupt, höchstens als Pflichtveranstaltung sehen (man sollte eigentlich …).

Nun sind wir ja der Einladung gefolgt, aus welchen Motiven auch immer. Und wenn Gott uns das Herz aufschließt, spüren wir vielleicht auch: Es ist gut, dass ich gekommen bin.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du hast Menschen in deinen Schülerkreis gerufen;
du rufst auch uns.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du lädst ausdrücklich die Mühseligen und Beladenen
ein und lässt sie zur Ruhe kommen.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du sprichst von der großen Einladung im Reich Gottes
am Ziel der Zeiten.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott, unser Vater,
du hast uns gerufen und eingeladen an deinen Tisch. Wir aber sind oft gefangen in uns selbst und in unseren Sorgen und Pflichten. Schließe unser Herz auf und lass uns die Freude der Gemeinschaft mit
dir erfahren.
So bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GLn 148 »Komm her, freu dich mit uns, tritt ein«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GLn 37/1 »Der Herr ist mein Hirt« mit 37/2 (Psalm 23) und
GLn 174/7 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GLn 146 »Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch«
Gesang zur Kommunion
GLn 209 »Du teilst es aus mit deinen Händen«
Dankhymnus/Schlusslied
GLn 482 »Die Kirche steht gegründet«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 22,1–14 (Evangelium)


Dass Jesus in seiner Reich-Gottes-Botschaft von der großen Einladung Gottes an die Menschen bei den Führenden seines Volkes auf Ablehnung stößt, bleibt letztlich ein unbegreifliches Geheimnis. Im Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl (und in dem bei Matthäus vorangehenden von den »bösen Winzern«) geben Jesus beziehungsweise die Gemeinde eine Deutung dieser dunklen Realität. In aller erschreckenden Dramatik der Gleichniserzählung bleibt es aber – das ist die entscheidende Botschaft – bei der Einladung!

Die Verse Mt 22,11–13 mit der ja weit überzogenen Strafaktion des Königs gegen den Gast ohne Hochzeitsgewand sind wohl eine spätere Einfügung und spiegeln die Situation der schon »etablierten« Gemeinde: Sie (also auch wir heute!) soll sich bewusst sein, dass das bloße Dazugehören nicht genügt; es geht darum, der Einladung entsprechend zu leben!

Predigt

Die Provokation der Einladung Dieses Evangelium ist eine Provokation. Die große Einladung Gottes – in der Lesung aus dem Prophetenbuch Jesaja in bunten Farben geschildert – wird im Gleichnis vom Hochzeitsmahl fast zur Drohung. Was ist daran »Frohe Botschaft«?
Wir wollen nicht vergessen: Es geht um eine Einladung. Gott lädt den Menschen ein – zur Gemeinschaft mit ihm. Im Grund ein ungeheurer Vorgang. Ein Top-Evangelium, das sich außerhalb der jüdisch-christlichen Offenbarung kaum findet. Ist es uns schon so gewohnt und gewöhnlich, dass wir gar nicht mehr darüber staunen: Gott legt Wert auf das Zusammensein mit uns Menschen. Nicht seine Marionetten oder Befehlsempfänger, seine Kreaturen sind wir, sondern Eingeladene, mit denen er Gemeinschaft haben und das Leben feiern will!
Bei Franz Kafka gibt es eine Geschichte, die wie ein Gegen-Gleichnis ist:
Zu dem Türhüter kommt ein Mann und bittet um Einlass. Aber der Türhüter sagt, dass er ihn jetzt nicht einlassen könne. Später dann?, fragt der Mann. Vielleicht, sagt der Türhüter. Der Mann setzt sich seitwärts vom Tor nieder und wartet und wartet. Aber er wartet vergeblich. An dem Türhüter ist nicht vorbeizukommen und hinter dem Türhüter sieht der Mann, dass auch vor der nächsten Tür ein Türhüter steht. Sein ganzes Leben wartet der Mann, ohne dass sich etwas tut. Als er seine letzten Atemzüge tut, schließt der Türhüter das Tor vor dem Sterbenden und geht.

Jesus – die Einladung Gottes in Person


Jesus ist in Person das Gegenbild – die personifizierte Einladung Gottes. Er verkündet nicht nur, er praktiziert in vielen Zeichen und Begegnungen, dass der Mensch zur Gemeinschaft mit Gott berufen ist. Das Bild vom Festmahl vermittelt am deutlichsten, was es heißt, nicht draußen zu stehen, sondern dabei zu sein. Unsere Lebensgeschichten sind von Gott so angedacht, ja die ganze Weltgeschichte ist von Gott so angelegt, dass sie auf Empfang bei ihm zulaufen. Jeder Tag ist eigentlich eine Einladung, mit ihm Kontakt aufzunehmen, seinen Rat einzuholen, ja sich geradezu seiner zu bedienen.

Einladungen können ausgeschlagen werden

Aber – und damit beginnt der dunkle Teil des Evangeliums: Die Eingeladenen schlagen die Einladung aus. Sie haben anderes zu tun: Ihr Geschäft, der Betrieb, die Karriere – ja, auch die religiöse Tradition wird zum Grund, die Einladung Gottes abzulehnen und den Boten der Einladung sogar ans Messer, ans Kreuz zu liefern. Der Evangelist Matthäus sieht in der Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Römer im Jahr 70 die Konsequenz dieser Ablehnung – und überdehnt das Gleichnis dabei gewaltig …
Jedenfalls gibt es das dunkle Geheimnis, dass man die Einladung Gottes zum Fest des Lebens verscherzen kann. Das geht uns nur schwer hinunter. Es kann ja von so vielem abhängen, ob ein Mensch zu Gott findet, seine Einladung hört. Das Evangelium aber sagt: Der hat Gottes Einladung angenommen, der dem Ruf Gottes zur Liebe folgt. Vielleicht erschließt sich von daher die Dringlichkeit des Gleichnisses:
»Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde …«, heißt es in einem bekannten Lied. Wer nur sich selber sucht, lebt am Lebensglück vorbei und versäumt das Fest, das Gott ihm bereiten will.

Es gibt ein Zu-Spät

Es gibt ein Zu-Spät im Leben. Der Dichter Twardowski schreibt einmal: »Eilen wir uns, die Menschen zu lieben, sie gehen so schnell.« Ja, es gibt »Eilsachen« in unserem Leben, an denen sich entscheidet, ob wir Gottes Einladung annehmen oder ausschlagen: Ein lang nicht gesagtes Wort, für das jetzt die Zeit reif ist; Schritte auf andere zu, für die jetzt die Tür offen ist; ein Brief, ein Besuch, ein Mantel-Teilen jetzt … »Eilen wir uns, die Menschen zu lieben, sie gehen so schnell!« Es gibt ein Zu-Spät im Leben – aber es gibt bei Gott immer noch die Gnade des Jetzt und Heute!

Kirche – die offen gehaltene Einladung


Unsere Kirche (mit ihrem markanten Fingerzeig nach oben) ist eine unübersehbare Einladung Gottes ohne Worte mitten unter den Häusern, Geschäften, Betrieben – eine Einladung, innezuhalten und auf Gottes Ruf in unser Leben hinein zu hören. Und die Türen unserer Kirchen stehen ja offen für jeden. (Verschlossene Kirchen sind eine Ausladung!).

Und nicht zufällig steht der Tisch in der Mitte: Zeichen für die große Einladung Gottes, der die Gemeinschaft mit uns Menschen sucht. Und wenn die Gemeinde, die sich Sonntag für Sonntag hier versammelt, auch noch so klein ist und viele meinen, Wichtigeres zu tun zu haben: Sie sorgt durch ihr Gottes-Lob dafür, dass Seine Einladung nicht ins Leere geht.

Fürbitten
Lasst uns im Fürbittgebet Gott, unseren Vater, um Erbarmen und Wegweisung bitten:

- In den weltweiten Krisen ist verantwortliche Politik gefragt. Gib Mut und Kraft zu zukunftsweisenden Entscheidungen.
(Herr, erhöre uns.)
- Auch die Kirche ringt um ihren Weg und Auftrag in dieser Zeit. Wandle sie immer neu von der Instanz zur Botschafterin deiner Einladung.
- Die von immer neuen Katastrophen dieser Tage Betroffenen hoffen auf Hilfe. Wecke Solidarität und wehre der Abstumpfung.
- Oft versinkt unser Leben in Routine und Betrieb. Öffne Ohren und Herz für den Ruf deiner Einladung. Wir empfehlen dir die Kranken und die, denen viel aufgeladen ist. Mache sie stark durch deine Nähe.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Thomas Keller

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