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Leseprobe 3
16. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr A
In liebender Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen leben

Beitrag zur Lesung

Einführung

Das Bild von Gott und das Verhältnis zu Gott ist oft geprägt von Angst. Im Gottesbild vieler Menschen nimmt die »dunkle Seite« Gottes einen großen Platz ein. Auch die Bibel denkt über den strafenden Gott nach. Die Lesung aus dem Buch der Weisheit ist ein Lehrstück für jüdische Schüler im letzten vorchristlichen Jahrhundert. Sie lässt uns unwillkürlich aufhorchen, weil sie von Gott spricht, der verzeihen kann, ohne sich etwas zu vergeben; der Nachsicht üben kann in seiner souveränen Herrlichkeit.

Predigt


Zum Text: Weish 12,13.16–19 (1. Lesung)

In Gott sind Macht und Barmherzigkeit


Die Lesung beschreibt Gott mit gegensätzlichen Bildern. Sie scheinen einander auszuschließen. Da ist die Rede vom strafenden Gott, der alle zurechtweist, die seine Herrschaft nicht anerkennen. Gott – der »gestrenge Vater«, der mit fester Hand Grenzen setzt. Da ist aber auch die Rede vom milden Gott, der nach unseren Maßstäben manchmal unverständliche Nachsicht übt. Wie passt das zusammen? Die Worte Gerechtigkeit, Kraft und Schonung werden in ihrer inneren Zusammengehörigkeit gezeigt. In Gott sind Macht, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in ihrem Ursprung verbunden. Das Leitwort lautet »Stärke«. Gottes Kraft ist unbezweifelbar. Aber Gott setzt die Kraft, die ihm jederzeit zur Verfügung steht, nicht willkürlich und rücksichtslos ein, sondern mit Milde und Nachsicht. Hier wird das Bemühen sichtbar, aus dem Bild Gottes jeden Zug von Willkür und Grausamkeit zu entfernen. Das Buch der Weisheit betont Gottes Großmut, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Menschenfreundlichkeit.
Die Spannung, mit der Gottes Handeln beschrieben wird – auf der einen Seite seine Strenge, auf der anderen seine Milde –, spielt auch in unserem Gottesbild eine Rolle. Wir werden in unserem Denken und Handeln von einem solchen Gottesbild bestimmt. Wir wünschen Strenge für die, die sich falsch verhalten und andere verletzen; wir erhoffen aber Milde und Nachsicht für uns selbst in unseren Fehlern und Schwächen. Wäre Gott allein der strenge Richter, dann wäre unser Verhältnis zu ihm geprägt von Angst, etwas falsch zu machen und bestraft zu werden. Wäre Gott nur nachsichtig, wäre unser Verhältnis zu ihm geprägt von Unverbindlichkeit. Auf der einen Seite sind wir der »Willkür« Gottes ausgeliefert, auf der anderen Seite bleibt ein schales Gefühl von Schwäche. In beiden Fällen wird das Miteinander zwischen Gott und den Menschen belastet und das Vertrauen beeinträchtigt.

Gott begleitet unser Leben


Gott aber ist einer, der es nicht nötig hat, seine Macht zu missbrauchen, um daraus Stärke zu gewinnen. Genauso wenig ist Gott einer, der sich den Menschen in falscher Rücksichtnahme anbiedert. Die Lesung erkennt Gott als Gegenüber zum Menschen: Gott, der in sich ruht, der um sich weiß, der sich seiner eigenen Stärke bewusst ist. Und Gott geht einen Weg mit den Menschen. Er lässt sich auf Wachstums- und Lernprozesse ein. Im Gegenüber zum Menschen ist Gott Begleiter und Weggefährte, der wohlwollend die Schritte mitgeht; auf der anderen Seite ist Gott der, der uns an unsere Grenzen bringt, an dem wir uns reiben können, an dem wir zu uns selbst und zum richtigen Weg finden. Uns auf diesen Lern- und Wachstumsprozess mit Gott einzulassen, sind wir eingeladen.

Der Glaube empfängt seine Stärke aus der Kraft Gottes

Wer sich aber mit Gott auf den Weg begibt, kann selber zu einem befreienden Begleiter und Gegenüber für andere werden. Wer sich getragen weiß von der Menschenfreundlichkeit Gottes, der kann Milde und Nachsicht walten lassen gegenüber seinen Mitmenschen und auch gegenüber sich selbst. Aus der Stärke des Glaubens zu leben – das braucht keine weiteren Zeichen irdischer Macht. Wir empfangen unsere Stärke aus der Kraft Gottes. Das Urvertrauen auf Gott, den Spender allen Lebens, lässt uns gelassen werden. Wir erkennen unsere Begrenzungen und können sie annehmen. Das bewahrt uns vor Selbstgerechtigkeit und macht uns bescheiden und demütig.
Dieser Text aus dem Buch der Weisheit betont Gottes Menschenfreundlichkeit, Gottes Gerechtigkeit und Gottes Nachsicht gegenüber allen Menschen, auch gegenüber denen, für die wir oft kein Verständnis aufbringen können. Wir werden aufgefordert, selbst zu Gerechten zu werden – in unserer Menschenfreundlichkeit Gott ähnlich. Das Bild des allmächtigen Gottes, der nicht aus Schwäche, sondern aus Liebe zu seinen Geschöpfen seine Macht zurückhält, ist dem Glaubenden Vorbild für Menschenfreundlichkeit und Nächstenliebe. Denn Leben ist immer Leben in Beziehungen, in liebender Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen.

Fürbitten

Lasst uns beten zu Gott, der unsere Kraft und Stärke ist:

- Lasst uns bitten, dass Gottes Wort sich ausbreite auf unserer friedlosen Welt. (Weck Glauben, Herr!)
- Lasst uns bitten für die Zweifelnden und Fragenden, dass sie einen Grund unter den Füßen fühlen.
- Lasst uns bitten, dass die Glaubenden erfüllt werden mit der Weisheit, die von Gott kommt, und sie darin Freude und Stärke finden.
- Lasst uns bitten für uns selbst, damit wir lernen, gelassen zu sein und uns in Geduld zu üben im Miteinander-Leben.

Gott, nichts soll uns ängstigen und nichts uns erschrecken. Lass uns begreifen, dass du allein genügst. Amen.

Johannes Kreidler

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