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Leseprobe 3
Dritter Sonntag der Osterzeit
Lesejahr A
Du zeigst mir die Wege zum Leben

Beitrag zur Lesung

Einführung

Wir feiern heute bereits den dritten Sonntag in der Osterzeit. Kein anderes Fest in unseren Festkalendern, weder ein kirchliches noch ein weltliches, hat einen so langen Nachklang wie das Osterfest – insgesamt sieben Wochen. Ist das nicht etwas übertrieben? Die Lesung präsentiert uns heute einen Petrus, der die Botschaft von Ostern aus der Enge des Versammlungsraums der Jünger hinaus in die Welt ruft. Ostern ist ein Fest, das weitergeht. Es bleibt nicht beschränkt auf unsere Kirchen und auf unsere Feiertage. Es geht weiter in unsere ganze Existenz, das ganze Jahr hindurch, nicht nur in den sieben Wochen nach Ostern, und will uns schließlich so zum Leben führen.

Predigt

Zum Text: Apg 2,14.22b–33 (1. Lesung)

Lebenswege

Wenn wir unser Leben betrachten und mit denen anderer Menschen vergleichen, dann können wir verwundert sein über die Unterschiedlichkeit dieser Lebenswege. Beim einen scheint das Leben wie am Schnürchen zu verlaufen. Beruf, Familie, Karriere, alles scheint geplant, die Kinder sind gesund, die Ehe ist glücklich. Bei anderen dagegen scheint das Leben eine einzige Suchbewegung zu sein. Den richtigen Beruf scheint es nicht zu geben, den richtigen Partner auch nicht, Beziehungen und Freundschaften sind schwierig und irgendwie dreht sich alles im Kreis. Betrachten wir noch eine dritte Variante von einem Lebensweg, dann entdecken wir vielleicht Menschen, die vom Pech verfolgt scheinen. Gerade als die Kredite bei der Bank geregelt sind, finden sie sich in der Arbeitslosigkeit wieder; kurz nachdem die pflegebedürftigen Eltern verstorben sind, werden sie selbst schwer krank. Eine Last folgt der anderen, ein Unglück kommt selten allein.

Die Wege unseres Lebens sind so unterschiedlich wie wir Menschen selbst. Manchmal sind wir diejenigen, die gestalten. Manchmal sind wir Getriebene und können nur auf das reagieren, was von uns gerade verlangt wird. Manchmal fühlen wir uns souverän und manchmal auf verlorenem Posten. – So ist das Leben eben, oder nicht?

Leben

Das Leben ist mehr als der mehr oder weniger gerade Verlauf unserer Biografie. Es ist auch mehr als die Sicht, die Außenstehende auf uns haben können. Wenn wir sagen: »Das ist doch kein Leben«, dann meinen wir damit, dass das doch kein gutes Leben sei. Was zu einem guten Leben gehört, könnten wir folgendermaßen umschreiben:
Leben ist das Gefühl und die Gewissheit, geliebt und gebraucht zu werden. Leben ist, in guten Beziehungen zu anderen Menschen zu stehen. Leben ist, mit Freud und Leid bewusst und angemessen umgehen zu können. Leben ist zu spüren, was unsere menschliche Natur ausmacht und wie wir uns im Laufe der Jahre verändern.
Zum Leben gehört sicher auch eine gewisse finanzielle und soziale Absicherung dazu, ebenso wie ein gewisses Maß an Gesundheit. Doch auch das Spüren, das Begegnen, das Aufnehmen und das Loslassen sind Elemente, die zu einem guten Leben dazu gehören.

Wege zum Leben

Die Apostel hatten es nach dem Tod Jesu schwer. Ihr Lebensweg schien gescheitert. Sie hatten geglaubt, den richtigen Weg gefunden zu haben. Doch mit dem Tod Jesu brach dieser Weg plötzlich ab. Was sollten sie tun – neu anfangen, womit auch immer? Zurück in ihre alten Berufe, so als ob es die Zeit mit Jesus nie gegeben hätte? Das wären normale und verständliche Reaktionen gewesen. Das war sicher auch das Kalkül der Sadduzäer und der Römer: Wenn der Anführer der Bewegung erledigt ist, löst sich die Gruppe von selbst auf, dachten sie. Doch es kam anders. Die Jünger machten die Erfahrung, dass Jesus auferstanden ist. Sie spürten, dass sein Geist bei ihnen ist und ihnen Kraft gibt. Und mit dieser Kraft fassten sie den Entschluss, nicht aufzugeben, sondern weiterzumachen. Sie gingen ihren Weg weiter und verkündeten die Botschaft Jesu. Sie traten in seinem Namen auf, verkündeten seine Auferstehung von den Toten und berichteten seine Worte und Taten. Das war nicht der einfache und auch nicht der logische Weg. Es war ein Weg voller Widerstände und Anfeindungen. Wir haben heute in der Lesung Petrus gehört, wie ihn die Apostelgeschichte bei seinem ersten mutigen Auftreten vor den Menschen von Jerusalem zeichnet. Die Erfolge der ersten Jünger waren zunächst überschaubar, doch die Rückschläge waren enorm, wie die ersten Märtyrer zeigen. Doch den Jüngern war bewusst: Das ist der richtige Weg, es ist der Weg zum Leben.
Ein Merkmal für diesen Weg zum Leben war, dass die Jünger von der Auferstehung Jesu, von der Überwindung des Todes berichteten. Doch das Leben beginnt nicht erst nach dem Tod. Der Weg zum Leben beginnt mit dem ersten Schritt.

Ostern – Die Wege zum Leben gehen

»Du zeigst mir die Wege zum Leben«, lässt Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte, Petrus sagen. Interessant ist, dass es nicht den einen Weg zum Leben zu geben scheint. Es gibt mehrere und bestimmt so viele, dass jeder Mensch den passenden Weg finden kann. Aber es ist unsere Entscheidung, uns auf diesen Weg zu begeben, so wie sich die Jünger in der Kraft des Geistes auf den Weg gemacht haben. Es ist ein Weg in der Nachfolge Jesu.
Wir können Jesus auf verschiedene Arten nachfolgen. Zum Beispiel in der Art, wie wir unseren Mitmenschen begegnen, offen und unvoreingenommen, mit einem liebenden Blick und wertschätzend. Wir können Jesus nachfolgen durch die Weise, wie wir unser Leben deuten – im Lichte des Glaubens an den Gott, den er Vater genannt hat. Wir können Jesus nachfolgen, indem wir hören, was er gesagt hat, und versuchen zu tun, was er getan hat. Vielleicht kann daraus manche heilsame Begegnung entstehen.
Wenn wir Jesus nachfolgen, dann wird das vermutlich kein geradliniger Weg. Ob es nach menschlichen Maßstäben ein Erfolgsweg wird, bleibt dahingestellt. Die verschiedenen Windungen, die Hochs und Tiefs des Lebens treffen uns auf diesem Weg genauso wie auf jedem anderen. Und doch wird dieser Weg unser ganz persönlicher Weg zum Leben. Denn der Weg Jesu macht auch an der letzten Grenze, dem Tod, nicht halt, sondern geht weiter ins ewige Leben.
Ostern geht weiter. Durch die Verkündigung der Jünger bleibt Ostern keine einmalige Geschichte. Gott zeigt jedem von uns die Wege zum Leben. Und dieses Leben soll spürbar werden vom ersten Schritt des Weges an und bis weit über unseren letzten Schritt hinaus.

Fürbitten
Leben spendender Gott, voll Vertrauen kommen wir zu dir und bitten dich:

- Es gibt Menschen, die sich leer und ausgebrannt fühlen. Hilf ihnen zu spüren, was das Leben für sie bereithält. Du Leben spendender Gott:
(Zeige uns den Pfad zum Leben.)
- Viele Menschen sind verzweifelt, weil sie Krankheiten und Not zu tragen haben. Lass sie Hilfe erfahren, die sie durch diese schwere Zeit geleitet. Du Leben spendender Gott:
- Steh den Menschen bei, die sich schwer damit tun, dir zu vertrauen und an dich zu glauben. Begleite sie als ein Gott, der Leben schenkt und möglich macht. Du Leben spendender Gott:
- Lass uns immer wieder erkennen, dass du in unserem Leben bist und das Leben für uns willst. Mach uns zu glaubwürdigen Zeugen deiner Botschaft. Du Leben spendender Gott:
- Lass alle Menschen, die ihr Leben lang auf dich vertraut haben, am Ende ihres Lebens spüren, dass du ein Gott des Lebens bist. Du Leben spendender Gott:

Ja, Gott, zeige uns die Pfade, die zum Leben führen, damit wir schon hier erkennen, dass du ein Gott des Lebens bist und dass wir mit Jesus Christus einst zur Auferstehung gelangen. So bitten wir dich durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.

Stefan Lepre

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