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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Karfreitag
Lesejahr A – B – C
Ecce homo

Beitrag I zur Passion

Einführung

»Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land. Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani – das heißt: Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Mt 27,45f).
Wir begehen diese Stunde, die Stunde der Gottverlassenheit und der Todesnot unseres Herrn Jesus Christus und sehen darin inbegriffen das Leiden der Menschen und der Menschheitsgeschichte – aber auch den Glauben an die Überwindung des Todes.
Wir feiern das Erlösungswerk Gottes für uns Menschen.

Oration
Ewiger Gott,
dein Sohn Jesus Christus hat den grausamen Tod am Kreuz erlitten durch das blinde Urteil und die Selbstgerechtigkeit der Menschen. Du aber hast ihn aus dem Tod geholt und an deine Seite erhoben.
Lass uns ihn als Erlöser der Welt annehmen und als Zeichen der Hoffnung für alle, die in Finsternis und Todesschatten sitzen.
Der du lebst und wirkst in Ewigkeit.

Liedvorschläge
Antwortgesang nach der 1. Lesung
GLn 308/1/GLa 203/1 »Vater, in deine Hände«
Gesänge zur Passion
GLn 289,1–2/GLa 179,1–2 »O Haupt voll Blut und Wunden« (nach Joh 19,3)
GLn 291,1–6 »Holz auf Jesu Schulter«
GLn 289,6–8/GLa 179,5–7 »Ich danke dir von Herzen, o Jesu liebster Freund«
Gesang zur Kreuzverehrung
GLn 294,1–10/GLa 182,1–10 »O du hochheilig Kreuze«
Dankhymnus
GLn 297,1–4/GLa 178,1–4 »Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du für uns gestorben bist«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 18,1 – 19,42 (Passion)

»Die Feier vom Leiden und Sterben Jesu Christi« – ist die Karfreitagsliturgie im Messbuch überschrieben. Und jede Eucharistie»feier« ist ja eine »Feier« der Passion Jesu. Was kann man da »feiern«? Die Gefahr ist groß, dass wir durch die »feier«liche Liturgie den Abgrund des Todes und der Todesnot überspielen.
Und doch ist für unseren Glauben wahr: Im Kreuz ist Heil, im Tod ersteht das Leben.
Jede Karfreitagspredigt wird auf ihre Weise versuchen, das Grauen des Kreuzestodes Jesu und der Kreuzesmartyrien in dieser Welt zusammenzubringen mit dem Heil, das aus der Lebenshingabe Jesu kommt.

Predigt

»Ecce homo – Da, seht den Menschen!«

… sagt Pilatus, als er den erbärmlich zugerichteten Jesus im Spottgewand und mit der Dornenkrone dem Volk vorführen lässt: »Da, seht den Menschen!« Er will wohl damit sagen. Schaut euch diese erbärmliche Gestalt an – was will denn der ausrichten! Was macht ihr solch Aufhebens um ihn! Der wird doch die Welt nicht umstürzen!

Die Tiefe des Pilatusworts

»Seht den Menschen!« Beim zweiten Hinhören hat das Pilatuswort, von ihm ungewollt, plötzlich eine ungeahnte Tiefe:
Ja, seht den geschundenen, den so erbärmlich zugerichteten Menschen! Seht hin, wie Menschen andere niedermachen, sie bloßstellen, dem Spott ausliefern, sie verächtlich machen! Ecce homo! Schaut nicht weg! Der geschundene und gemarterte Jesus lenkt den Blick auf das ganze Ausmaß von Gemeinheit und Brutalität, das Menschen in dieser Welt erleiden und einander zufügen. »Ecce homo!« Schaut nicht weg wie sonst üblich, wenn Menschen unter die Räder kommen. Nicht hinglotzen wie bei einem Unfall auf der Straße – nein: sehen, wahrnehmen, es sich nahe gehen lassen, was Menschen durchmachen …

Das Leiden – Grund zum Feiern?

Die Kirche, wir Christen, gehen aber noch weiter: Wir begehen, wir feiern das Leiden – heute besonders ausdrücklich, wenn das Kreuz enthüllt wird und wir in die Knie gehen: »Seht das Holz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt!« Kann man das Leiden feiern?
Die Liturgie macht das Leiden Jesu nicht nur in den Kartagen zum Gegenstand feierlichen Lobpreises. Im Grund ist ja jede Messfeier eine Passionsfeier: »Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir …« Nur das Christentum wagt zu behaupten, dass uns das Heil aus einem Sterben und Leiden zukommen soll. Darin unterscheidet es sich von aller auf dem esoterischen Markt feilgebotenen Religiosität.

Der eine Kreuzestod und die vielen Martyrien

Man wird fragen: Was soll denn an einem Sterben Besonderes sein? Es sind viele für eine angeblich bessere Zukunft gestorben oder sogar geopfert worden. Es sind unzählig viele gekreuzigt und noch furchtbarer gequält worden wie der, dessen Kreuz uns heute neu vor Augen gestellt wird.
Der Glaube, den wir heute bekennen und feiern, sagt: Die Passion Jesu reiht sich nicht nur ein in die vielen Martyrien dieser Welt. Dieses Leiden ist erlösend nicht durch die dabei erlittenen Qualen, sondern durch den, der da leidet. Der vor Jahren viel diskutierte Film von Mel Gibson »Die Passion Jesu« mit seinen brutalen Szenen erweckt den Eindruck, das nicht mehr zu steigernde Maß der Qual sei es, die diese Passion für uns so wertvoll macht. Und vielleicht erinnert sich mancher der Älteren mit Schaudern an eine doch recht fragwürdige Passionsfrömmigkeit aus Kindertagen, als man uns sagte: Mit dieser Sünde hast du dem Heiland eine weitere Wunde zugefügt …
Ohne dem Regisseur Gibson seine religiöse Motivation absprechen zu wollen: Nicht das Maß der Qual macht diese Passion heil-sam für uns, sondern der, der da durch die Passion geht!

Die »Leiden«schaft Gottes für uns Menschen

Menschliches Leiden kann man nicht »feiern«. Daran kann man vielmehr verzweifeln oder mindestens zutiefst verstört oder abgestumpft werden. Die Kirche kann das Leiden Jesu nur feiern, weil sich in diesem Leiden, in dieser Treue bis zur letzten Konsequenz uns Gottes Hand entgegenstreckt. Es gibt Heil und Heilung, weil es eine Liebe gibt, an der sich Hass und Feindschaft totlaufen: die Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus gesucht und gefunden hat. Die Passion Jesu enthüllt die Passion, die »Leiden«schaft Gottes für uns Menschen!
Ecce homo! Seht den Menschen! So ist das Kreuz Christi für uns nicht nur Aufruf, hinzusehen; es ist auch Grund, vor ihm in die Knie zu gehen und Gott zu preisen.

Thomas Keller

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