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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Fünfter Fastensonntag
Lesejahr A
Sie kamen zum Glauben an ihn – Im richtigen Namen beten

Beitrag zum Evangelium


Einführung


Manche Erfahrung, vielleicht gerade auch aus der vergangenen Woche, spricht gegen die Hoffnung des Liedes, mit dem wir diesen Gottesdienst begonnen haben: »Was Gott tut, das ist wohlgetan«. Das eine oder andere war eben nicht wohlgetan und die Klage ist verständlich: Wo warst du, Gott? Unser Glaube ist immer ein Glaube, der angefragt, angefochten, immer unterwegs ist und neu gelernt werden muss. Das heutige Evangelium stellt uns Jesus als Lernbegleiter zur Seite, der uns in dieser Stunde begegnen will. Ihn rufen wir in unsere Mitte.

Kyrie-Ruf

(nach GLn 422/GLa 621 »Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr«)

Herr und Bruder Jesus Christus,
immer wieder stehe ich vor dir mit leeren Händen und fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Herr, erbarme dich.

Immer wieder ist mein Leben von Zweifeln geplagt, mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Christus, erbarme dich.

Immer wieder bist du mir fremd und ich kann dir uns deinem Wort nicht glauben.
Herr, erbarme dich.

Herr und Bruder Jesus Christus, sprich du das Wort, das tröstet und befreit und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt und lass mich unter deinen Kindern leben. Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst. Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete. Amen.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GLn 416,1–4/GLa 294 »Was Gott tut, das ist wohlgetan«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GLn 365 »Meine Hoffnung und meine Freude« mit Vers Joh 11,25a–26b
GLa 293,1 »Auf dich allein ich baue« und
GLn 176/4 »Ruhm und Preis und Ehre«
GLa 173/1 »Lob sei dir, Herr«
Gesang zur Gabenbereitung
GLn 423/GLa 291 »Wer unterm Schutz des Höchsten steht«
Gesang zur Kommunion
GLn 211/GLa 483 »Wir rühmen dich, König der Herrlichkeit«
Dankhymnus/Schlusslied
GLn 425/GLa 300 »Solang es Menschen gibt auf Erden«

Tagesgebet
Lebendiger Gott,
durch dein Wort hast du die Welt geschaffen.
Dein Wort hat uns ins Leben gerufen.
Du wirst auch das letzte Wort behalten
Über dieser Welt und unserem Leben.

Durch dein Wort, das im Anfang bei dir war,
bist du uns nahe gekommen, in Jesus, deinem Sohn.
Er wurde uns Bruder und teilte unser Menschsein.

Im Dunkel des Lebens und des Sterbens leuchtet das Licht deiner Barmherzigkeit und deines Lebens auf.

Öffne unsere Herzen, dass wir dein Wort bewahren und danach leben, dass wir deine Herrlichkeit preisen und deine Barmherzigkeit verkünden.
Alles auf Erden vergeht.
Aber du bleibst als unser Leben in Ewigkeit.
Amen.
(Nach Klaus W. Müller, in: Kathrin Buchhorn-Maurer (Hg.), Denn bei dir ist die Quelle des Lebens. Gebete, Schwabenverlag 2009.)

Oder:
Tagesgebet aus der Sonntagsliturgie

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 11,1–45 (Evangelium)

Nach dem Evangelienabschnitt des vierten Fastensonntages von der Heilung des Blindgeborenen folgt mit der Auferweckung des Lazarus wieder ein Text, der den Zuhörerinnen und Zuhörern schon von der Länge, erst recht aber von dem komplizierten Wechsel der Gesprächsebenen zwischen Jesus und den Schwestern Maria und Marta einiges abverlangt. Und das in der »Hochtheologie« des Johannes, der die Blindenheilung jetzt noch überbieten will, um seine zentrale Verkündigungsaussage zu verdeutlichen: Jesus bringt nicht nur das Leben, er ist das Leben.

Nach der Beschäftigung mit dem Text mithilfe des für mich sehr anregenden Beitrags von Rudolf Schnackenburg in Herders theologischem Kommentar zum NT »Das Johannes-Evangelium 2. Teil« und einigen Kapiteln in »Wer’s glaubt, wird selig … wer’s nicht glaubt, kommt auch in den Himmel« von Ottmar Fuchs (Echter-Verlag 2012) habe ich mich entschieden, den Faden des Johannes-Evangeliums für die Predigt durchzuziehen: Glaube wird gelernt und geschenkt in der Auseinandersetzung mit dem, was ich schon glaube, und dem, was ich noch nicht erkannt habe.

Die Predigt will zum einen zu dieser Lernbewegung ermutigen, zum anderen die Glaubenspraxis Jesu, wie sie sich in seinem Gebet zeigt, aufzeigen als Grundlage für ein aus dem Glauben erwachsendes Leben schaffendes Handeln. Dieser Gedanke wird dann auch in der »Fastenübung« aufgegriffen.

Trotz der Länge des Textes empfehle ich die Langfassung.

Predigt

Glaubst du das?

Warum reagiert Jesus so auf die Nachricht vom Tod seines Freundes Lazarus und auf die Tränen der Maria? Er, der mit ihm und den beiden Schwestern eng befreundet ist, wirkt ziemlich distanziert. Angesichts des Verlustes des Bruders befremdet diese kühle und sachliche Auseinandersetzung, die wenig menschliches Mitgefühl erkennen lässt. Man kann den Eindruck gewinnen, dass Jesus die Lebenssituation der Frauen, ihre Trauer und Verzweiflung gar nicht ernst nimmt. Dabei könnte doch seine eigene Betroffenheit über dieses Sterben die Brücke sein zwischen den Tränen der Schwestern und seiner eigenen Trauer. Schon die erste Reaktion Jesu auf die Todesnachricht und dann erst recht das Gespräch nach dem Zusammentreffen mit Maria machen deutlich: Jesus und die Umstehenden bewegen sich und empfinden auf verschiedenen Ebenen: die eine in ihrem menschlichen Leid und der andere gleichsam abgehoben auf der Ebene eines fast unmenschlich vorgelegten Glaubens. Der alte Vorwurf und die Kritik am Glauben und die daraus entstehende Not: Glaube und Leben fallen auseinander. Die eine: Wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Der andere: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Die eine: Ich weiß, dass er auferstehen wird am jüngsten Tag, später im Jenseits. Der andere: Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Die eine: Ich glaube an die Auferstehung – später. Der andere: Auferstehung ist jetzt. Glaubst du das?

Die Geschichte von der Auferweckung des Lazarus …

und die Begegnung der Schwestern Maria und Marta und der Umstehenden mit Jesus zeigt exemplarisch einen Lernweg des Glaubens und im Glauben, den Jesus mit ihnen gehen will als ein vertieftes und die menschlichen Möglichkeiten übersteigendes Zum-Leben- und Zum-Glauben-Kommen. Erst in der Auseinandersetzung mit den eigenen bekannten Einstellungen und denen der festgefügten Traditionen, der gelernten Glaubenssätze und Glaubensdogmen eröffnet sich eine neue Perspektive, in der in der Begegnung mit Jesu Wort Leben und Glauben zusammenkommen. Glaubst du? – Ja, ich glaube – erst indem sich Maria und Marta der Fragen und der darin enthaltenen neuen Orientierung stellen, wird ihnen eine neue Erfahrung, ein tieferes Verständnis von Leben und Glauben eröffnet und geschenkt. Wärst du hier gewesen, wäre unser Bruder nicht gestorben, also: Warum warst du nicht da, wo warst du? Das ist der menschlich verständliche Vorwurf und die Klage vieler Menschen auch heute. Und die Reaktion Jesu darauf: sein erregter und harscher versteckter Vorwurf: Warum glaubt ihr noch immer nicht, dass dem, der glaubt, Leben geschenkt ist, weil ich nicht nur Leben gebe, sondern das Leben der Welt und der Menschen bin. Und wieder: Lasst uns zum Grab gehen und dann sehen, der eine. Aber es ist doch schon der vierte Tag, die andere. Er riecht schon, tot ist jetzt eben tot. Ihr Glaube wird angefochten durch Jesus selber und sie ringen und streiten mit ihm und riskieren dabei, vertraute Sichtweisen aufgeben zu müssen. Das wiederum befremdet ihn und die, die schon immer alles wussten und meinten verstanden zu haben – eben: Wer tot ist, lebt nicht mehr – werden von ihm entfremdet.

Aber Jesus beschenkt sie mit neuem Leben.


Johannes schreibt: Viele der Juden, die zu Maria und Marta gekommen waren und diese Auseinandersetzung erlebt hatten, kamen zum Glauben an ihn. Viele folgten ihm nach.

Die Lernerfahrung, die sie machen, das Neue, das sie an Jesus und durch Jesus lernen, ist ein neues, vertieftes Verständnis ihres Glaubens und ihres Lebens.

Jesus stellt es nicht als Lehrgebäude vor, in dem Gott dann eingreift, wenn der Mensch meint, es verdient zu haben. Jesus zeigt, wie Gott ist und wer er den Menschen sein will, indem er in seinem Lob- und Danklied dem Gott die Ehre gibt und ihn zum Vorschein bringt, der in der Menschwerdung und im Leben und Handeln seines Sohnes zeigt, dass er schon immer das Leid und die Not seines Volkes gesehen hat, ihr Elend kennt und ihr Schreien und Weinen zu ihm gedrungen ist. So stellt er sich schon dem Mose vor und so stellt er sich in Jesu heilendem und befreiendem Handeln neu vor. Auch wenn es keine heile Welt ist, in der wir leben und in der gestorben wird und auch wir sterben werden, es ist eine heilige, eine von Gott geheiligte und geheilte Welt. Eine Welt, die in jeder Situation, auch in der letzten Ohnmacht des Todes, mit Gott in Verbindung bleibt. Nichts und niemand fällt heraus aus dieser in ihrer Gnade unendlichen Beziehung Gottes. Denn geheiligt sein heißt, niemals aus der Hand des lebendigen Gottes herausfallen zu können. Nichts und niemand ist gott-los, seit er sich selber mit der Menschheit und dem Menschsein verbunden hat. Nicht das Grab und der Tod sind die letzten Aussagen über den Menschen. Sondern: Lazarus, komm heraus. Ich lebe und auch ihr sollt leben.

Dieses Bekenntnis legt Jesus in seinem Gebet ab

Weil er mit Gott eins ist, betet er, und indem er betet, ist er eins mit Gott2. Sein Gebet dankt Gott dafür, dass er der Gott des Lebens ist und dass es deshalb, auch im Sterben und im Tod, nicht um gottlose und heillose Situationen menschlichen Lebens geht. Der Mensch ist aufgehoben in Gott – im Leben und im Sterben. Er steht nicht erst jenseits des Lebens auf, sondern er ist im Leben, ins Leben gerufen und im Leben gehalten: Lazarus, komm heraus. Nicht der Glaube und auch nicht das Gebet bewirken das Wunder. Vielmehr bekennt, lobt und feiert der Glaube das Wunder, das allen geschenkt ist, denen, die glauben, und denen, die nicht, nicht mehr oder nicht glauben können: Ihr habt das Leben.

Wenn es heißt, …


dass viele zum Glauben gekommen waren, dann heißt das, dass sie diesen Lernschritt gegangen sind: Das Leben mit seinen tödlichen Grenzen und Begrenzungen ist und wird überschritten auf eine die menschlichen Möglichkeiten übersteigende Tiefenerfahrung hin, die nicht im Tod und seiner Verwesungsmacht endet. Dafür steht der Gott, den Jesus glaubt, den er aufscheinen lässt in seinem Handeln und in seinen Worten und von dem er sagt: Vater, ich danke dir. Ich weiß, dass du uns erhörst und keinen verloren gehen lässt, selbst wenn wir das Leben in dieser Welt, selbst wenn wir den Glauben an dich verlieren.

Möge es uns geschenkt sein, dass auch wir so im Namen Jesu beten können: Vater, ich danke dir.

Übung für die fünfte Fastenwoche

Evangelium: Joh 11,1–45

Zum Üben


»Vater, ich danke dir …« -

Nehmen Sie sich für diese Woche vor, den Tag so zu beenden und dabei in den Blick zu nehmen, wer und was Ihnen heute begegnet ist, an wen oder was Sie besonders denken und wofür Sie Gott danken möchten.

Zum Beten

GLn 633,9/GLa 154 »Dankt dem Vater mit Freude«
oder jeweils ein Lied aus den Gotteslobliedern zum Loben und Danken.

Fürbitten
Herr Jesus Christus, Gottes-Sohn und Menschen-Bruder, wir vertrauen deinem Glauben, dass Gott, dein und unser Vater, der Gott des Lebens, unsere Bitten hört und erhört, und kommen zu dir in den Anliegen unserer Tage:

- Wir beten für alle, die einen lieben und ihnen nahe stehenden Menschen verloren haben und nicht mehr wissen, wie sie ohne ihn ihr Leben bewältigen können.
Du Herr des Lebens:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Wir beten für alle, die Menschen im Sterben begleiten und oft an die Grenzen ihrer Kräfte kommen, zu Hause, in den Hospiz- und Pflegediensten, in den Krankenhäusern und Altenheimen.
Du Herr des Lebens:
- Wir beten für alle, die sich einsetzen für die Würde des Menschen am Ende des Lebens und die beraten und entscheiden müssen über rechtliche Regelungen beim Thema Sterbebegleitung und Sterbehilfe.
Du Herr des Lebens:
- Wir beten für alle, die an ihrem Leben verzweifeln und sich selbst das Leben nehmen, und für ihre Angehörigen, die darunter schwer zu tragen haben, die sich Vorwürfe machen und sich schuldig fühlen.
Du Herr des Lebens:

Herr Jesus Christus, du bist die Auferstehung und das Leben. Wer an dich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jede und jeder, der lebt und an dich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Dir sei Lob und Dank für diese Verheißung, die uns geschenkt ist für heute und für alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. Amen.

Wolfgang Tripp

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