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Leseprobe 3
Darstellung des Herrn
Lesejahr A – B – C
Zunehmendes Licht

Beitrag zum Evangelium

Einführung


Es ist ein Glück, dass die Tage wieder länger werden. Allmählich nur, aber doch unübersehbar. Wir sind Menschen des Lichts. Und wenn das Licht draußen zunimmt, hellt sich auch das Dunkel in unserem Inneren auf. Wir segnen heute Kerzen, wir entzünden Lichter, wir werden selbst zu Lichtträgern gemacht. Kerzen, Lichter und Lichtträger machen sichtbar, was zum Heil der Welt geschehen ist und unter uns geschieht: Wir empfangen Christus, das Heil der Welt, Licht für die Völker und Herrlichkeit für die Erwählten.

Kerzenweihe

Formular I aus dem Messbuch

Kyrie-Ruf
Herr, Jesus Christus, du bist das Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Herr, erbarme dich.
Du bist in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an dich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.
Christus, erbarme dich.
Du lässt unsere Augen das Heil sehen, das du vor allen Völkern bereitet hast.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott. Du Ursprung des Lichts.
In der Geburt deines Sohnes strahlt deine Herrlichkeit auf. Bei seiner Darstellung im Tempel erkennen wir: Alle deine Verheißungen machst du wahr.
Lass uns ihm vertrauen, den du gesandt hast als Licht gegen das Dunkel und als Herrlichkeit gegen das Geistlose:
Jesus Christus, unserem Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung/Prozession
GLn 251,1–2.5–6/GLa 144,1–2.4–5 »Jauchzet, ihr Himmel« oder
GLn 778/GLa 806 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg Stuttgart) »Zion öffne deine Pforte«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GLn 633/3/GLa 122/1 »Hebt euch, ihr Tore« mit GLn 633/4/GLa 122/2
(Psalm 24) und GLn 175/4/GLa 532/2 »Halleluja« oder
GLn 360,1–2.4 »Macht weit die Pforten in der Welt«
GLa 107,1-3 »Macht hoch die Tür«
Gesang zur Gabenbereitung
GLn 551,1.3/GLa 262,1.3 »Nun singt ein neues Lied dem Herren«
Gesang zur Kommunion
GLn 228 »Tochter Zion«
GLa 538,1.5–6 »O heiliger Leib des Herrn«
Dankhymnus/Schlusslied
GLn 500/GLa 660 »Nun lässest du, o Herr«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 2,22–40 (Evangelium)

Die Erzählung von der Darstellung Jesu im Tempel ist biblisch und theologisch sehr reich. Sie nimmt viele Stränge der alttestamentlichen Tradition auf und verarbeitet sie: Jes 51–52, in Simeons Lobpreis; 1 Sam 1–2 und Num 6, Jesus im Horizont der Nasiräertradition; Lev 12, die Reinigung der Wöchnerin; Ex 13, der Loskauf des Erstgeborenen; Mal 3, die Ankunft des Herrn in seinem Tempel. Die Perikope schlägt eine Reihe von existenziellen Themen an, die keinem Glaubenden fremd sind: Kind und Greis. Empfangen und Lassen. Tradition und Gegenwart oder Gesetz und Geist. Licht und Schatten. Prophet und Prophetin. Tempel / ein konkreter Ort oder Christus als Ort der Gegenwart Gottes. Die Predigt nimmt ein paar dieser existenziellen Themen auf, aber der Predigttext ist vielfältiger! Der Lukas-Kommentar EKK III,1 von Francois Bovon ist höchst inspirierend, der Stuttgarter Kleine Kommentar zu Lk von Paul-Gerhard Müller ein wenig dürftig.

Predigt

Am vierzigsten Tag nach der Geburt wird der kleine Jesus, der Erstgeborene seiner Eltern, in den Tempel getragen. Die Eltern Jesu sind fromme Leute. Sie achten auf das, was nach dem Gesetz des Mose vorgeschrieben ist. Aber in die Geste der Darbringung und der Auslösung ihres kleinen Jungen haben die Eltern Jesu vermutlich alles hineingelegt, was heutige Eltern auch tun: Das Staunen über die Geburt. Die Dankbarkeit für das neue Leben. Die Übernahme ihrer anspruchsvollen Lebensaufgabe als Eltern. Das Bewusstsein, dass jedes Kind durch seine Eltern in die Welt kommt, aber seinen Ursprung bei Gott hat. Das Hergeben und Freilassen ihres Kindes, das ihnen ihr Leben lang abverlangt sein wird; nämlich mit jedem winzigen Schritt, den ein Mensch in sein eigenes, selbst bestimmtes Leben macht.

Gesetz und Geist

Im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen geschieht eine vom Geist geführte Begegnung. Die jungen Eltern handeln nach dem Gesetz. Darum ziehen sie in den Tempel hinauf. Der alte Simeon ist Träger einer Verheißung und wird vom Geist geführt. Der spannende Horizont, unter dem das Leben dieses Kindes stehen wird, ist jetzt schon da: Die Größe, die Verbindlichkeit und die Tragfähigkeit des Gesetzes auf der einen Seite und die Führung durch den Geist, der verstörend Neues hervorbringt, auf der anderen. Sein Leben lang wird das Kind sich an dieser Spannung abarbeiten. Und wir selbst sind in diese Spannung auch hineingestellt: In die Treue zum Evangelium, in die Treue zur Kirche, die es bis heute überliefert. Wir sind hineingestellt in die Gegenwart mit ihrem Anspruch nach Lebensermöglichung und Lebensdeutung. Der Geist ist ja für keine Zeit fremd oder stumm. Aber es ist schon eine Zerreißprobe zwischen dem Anspruch des Überkommenen und dem Anspruch des Jetzt.

Empfangen und berühren

Der vom Geist geführte Simeon empfängt das Kind. Er nimmt es nicht! Er trägt es in seinen Armen. Die Begegnung geschieht im Sehen und im Berühren. Simeon hat lange warten müssen, bis dieses Kind in sein Leben kommt, bis er es empfangen und in den Arm nehmen darf. Wir wissen nicht, ob Simeon je zweifelnd war, ob er die Verheißung sein ganzes Leben lang glauben konnte, ob er sie hin und wieder vergessen oder gar verworfen hat. Er ist ein wartender Mann, offenbar war die Verheißung mächtiger als der Zweifel und die Ungeduld der Zeit. Auch das ist eine Konstante unseres Glaubens: Empfangende zu sein und damit unlösbar verknüpft Wartende und Erwartende zu bleiben. Die Erfahrung von Gottes Gegenwart kann sich keiner nehmen. Aber hin und wieder tritt Gott in unser Leben ein und wir können nur staunend und dankbar empfangen und berühren.

Zunehmendes Licht, abnehmendes Licht

Simeon erkennt – sehr zum Staunen dessen Eltern – in diesem kleinen Jungen den Messias. Er weiß, dass die ihm gegebene Verheißung jetzt in Erfüllung geht. Er kann nicht anders, als das Licht zu preisen, das mit diesem Kind in die Welt kommt: Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für Israel. Im Erkennen des Lichtes, das mit diesem Kind aufscheint, darf die Flamme seiner Hoffnung verlöschen. Sogar sein Lebenslicht darf ausgeblasen werden: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden. Es ist möglich, wie es diese Geschichte erzählt, die unbändige Kraft des Neuen zu erkennen und diese Kraft zu preisen; und sich zugleich zurückzunehmen, sein Eigenes und sich selbst versöhnt zu lassen. Beides geschieht hier mit derselben Kraft des Vertrauens und unter derselben der Verheißung.

Licht und Schatten

Der lebenserfahrene Simeon erkennt das Licht, er weiß auch um den Schatten. Das Große, das er in diesem Kind erkennt, kann nur lebendig werden um den Preis des Leidens. Wo Licht aufscheint, entstehen auch Schatten. Wo das Dunkel hell wird, sieht man auch das Verborgene und Versteckte. Das Wort des Simeon ist ehrlich und klar: Dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden. Und dann der scharfe Satz an Maria: Dir wird ein Schwert durch die Seele dringen. Simeon muss das Große sagen und auch den Preis benennen, den alles Große in dieser Welt hat: Das Leiden am Widerstand und Widerspruch, der Schmerz des Zerreißens. So kann nur ein alter und lebenserfahrener Mann sprechen und was er sagt, ist wahr: Nichts Großes wird hervorgebracht ohne das Leiden an seiner Entstehung und Hervorbringung. Das Heil wird immer noch in Geburtswehen erkämpft und die Wahrheit des Lebens schneidet und verletzt wie ein Schwert.

Versöhnung der Gegensätze

In Simeon tritt uns eine markante Glaubensgestalt entgegen: Gerecht und fromm wird er bezeichnet. Fromm kann gottesfürchtig bedeuten, aber auch vorsichtig, wartend, behutsam. So tastet sich Simeon, von der Verheißung auf den Weg gebracht, durch Glauben und Leben. Er weiß es nicht nur, er lebt es: Licht und Frieden sind ganz gewiss, aber auch Schwert und Leiden sind mit Gottes Verheißung verbunden. Das Kind weiß noch nichts davon; aber der Mann Jesus aus Nazaret wird diesen Gegensatz einmal im Geheimnis von Tod und Auferstehung auflösen.

Fürbitten

Herr, Jesus Christus, du bist der verheißene Bote des neuen Bundes.
Dich bitten wir:

- Für Menschen und Völker, die dem Christentum mit Vorbehalt, Ablehnung oder Gewalt begegnen: dass sie Menschenfreundlichkeit und Solidarität an uns Christen erkennen und schätzen lernen.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
- Für die Generation der Älteren und der Alten: dass ihr Interesse an der Gegenwart nicht vergeht und dass ihre Lebensleistung Wertschätzung erfährt.
- Für Menschen, die ihre Lebenspläne nicht realisieren konnten und deren Lebensträume leer geblieben sind: dass sie versöhnt und gelassen leben können.
- Für Frauen und Männer, die mit Ungeduld und Zorn, mit Kritik und Beharrlichkeit das prophetische Amt der Kirche wahrnehmen: dass sie innerhalb und außerhalb der Kirche gehört und ernst genommen werden.
- Für die Kirche, der das Licht des Evangeliums anvertraut ist und die es oft verdunkelt: dass sie es ohne Vorbehalt und Kontrolle zur Wirkung kommen lässt.

Herr, unser Gott, du bahnst dir den Weg zu den Herzen der Menschen. Du schaffst Umkehr und Heil. Wir danken dir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Anton Seeberger

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