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Leseprobe 2
Fest der Erscheinung des Herrn
Lesejahr A – B – C
Die Weisen aus dem Osten – Legende oder Geschichte?

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Noch einmal feiern wir Weihnachten. Aber in anderer Blickrichtung als vor zwei Wochen: Was in Betlehem geschehen ist, tritt jetzt in den Blick der Öffentlichkeit. Sterndeuter, Weise aus dem Osten kommen zur Krippe; Herodes, die Schriftgelehrten nehmen auf ihre Weise Notiz von dem Kind. Weihnachten hat weltweite Dimension: Das Licht ist erschienen für alle Völker und Zeiten. Es will jedem leuchten, der sich auf den Weg macht und offen ist für Gottes Führung.

Kyrie-Ruf
»Wir sind gekommen, ihm zu huldigen« sagen die Weisen, die von weit her kommen. Auch wir rufen zum Kyrios, zum Herrn der Welt und unseres Lebens:

GLn 159/GLa 129 »Licht, das uns erschien«

Tagesgebet
Großer, unfassbarer Gott!
In Jesus Christus ist das Licht deiner Wahrheit aufgeleuchtet für alle Menschen und Zeiten.
Wie du die Weisen aus der Ferne zu ihm geführt hast, so führe auch uns zu tieferer Begegnung mit ihm, Jesus Christus, deinem Sohn, unserem Herrn, der mit dir lebt und wirkt jetzt und in alle Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GLn 241/GLa 143 »Nun freut euch, ihr Christen«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GLn 635/4/GLa 149/3 »Heute erstrahlt ein Licht über uns« mit Versen aus
GLn 635/5/GLa 152/2 (Psalm 72) und GLn 174/4/GLa 532/3 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GLn 262 »Seht ihr unsern Stern dort stehen«
GLa 147 »Sieh, dein Licht will kommen«
Gesang zur Kommunion
GLn 256/GLa 141 »Ich steh an deiner Krippe hier«
Dankhymnus/Schlusslied
GLn 261 »Stern über Betlehem«
GLa 146 »Ein Kind geborn zu Betlehem«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 2,1–12 (Evangelium)

Ein Leserbrief in einer der großen Tageszeitungen gab zu denken. Der Autor, offenbar ein regelmäßiger Kirchgänger, beschwerte sich über die hinterwäldlerische Naivität, mit der unhinterfragt in Predigten biblische Texte als historisch bare Münze verkauft werden – vom »Durchzug durchs Rote Meer« über den »Stall von Betlehem« bis zur »Himmelfahrt Christi«. Er werde – so der Autor –, da man ja nicht dazwischenreden könne, künftig konsequent »den Saal verlassen«, wenn der Prediger auf diese Weise das Volk verdumme.

Man mag als mit der Predigt Beauftragte(r) darüber den Kopf schütteln und würde dem Mann vielleicht gern erklären, dass eine Predigt kein Bibelseminar ist, sondern die Botschaft »pro me« zu erschließen hat. Trotzdem sollte man nicht unterschätzen, dass bei nicht wenigen Hörer/ innen die kritische Frage nach dem »Factum« einer positiven Aufnahme der Predigt im Wege steht. Es ist sicher nicht verkehrt, dieser Anfrage ab und zu ausdrücklich Rechnung zu tragen, wie es die folgende Predigt versucht.

Predigt

Eine farbenfrohe Geschichte

Weihnachten steht uns heute noch einmal mit seiner ganzen Pracht und Farbigkeit vor Augen: Die »Weisen aus dem Morgenland« an der Krippe, aus denen die Tradition »Dreikönige« gemacht hat mit ihren königlichen Gaben, und ihr Gefolge, die orientalischen Glanz in unsere Krippen bringen (– so auch in unsere schöne Krippe hier). In Kunst und Literatur hat diese Geschichte alle Fantasien beflügelt – und bis in die Benennung von Straßen oder Bäckereien (wie in unserer Stadt) nachgewirkt.

Eine Quelle geistlicher Betrachtung

Darüber hinaus ist diese Geschichte eine tiefe Quelle geistlicher Betrachtung für Predigt und Meditation: vom Suchen und Finden, von dem Stern der uns im Leben führt, von dem Kniefall der Könige …

Wer bei dieser Betrachtung verharrt und sich fragt: Wo spielt die Geschichte in meinem Leben?, tut das mit vollem Recht – und folgt dabei wohl auch der Intention des Evangelisten Matthäus.

– aber auch historisch wahr?

Aber man darf auch die Frage nach der historischen Wahrheit stellen: Ist diese Geschichte nun Fakt oder Dichtung? Dass da ein Stern aufgeht, weil ein Königskind geboren ist; dass dieser Stern wie ein Navigator den Weg zeigt und am Ziel stehen bleibt; dass da Weisungen im Traum ergehen und dass da auf königlichen Befehl flächendeckend Neugeborene umgebracht werden, ohne dass es irgendwo dokumentiert ist – das sind doch sehr legendenhafte Züge. Ist das Ganze denn mehr als ein Ergebnis frommer Fantasie? Welche historische Wahrheit hat diese Geschichte?

Die erste Realität: Kirche wächst in allen Völkern

Für den Evangelisten Matthäus hat sie einen sehr realen Hintergrund. Sie fasst in freilich dichterischer Form, was sich in der frühen Christenheit historisch abgespielt hat – und was Matthäus ja zum Verfassen seines Evangeliums veranlasst hat:

Dass da Menschen aus aller Herren Länder weit über Israel hinaus zum Glauben an Christus kommen, ja dass über das ganze römische Reich hin sich Christengemeinden zusammenfinden – nicht durch große Propagandaaktionen, sondern weil Gott die Herzen der Menschen bewegt. Dieses reale Wunder, dass Kirche Christi in allen Völkern wächst, ist Thema seines Evangeliums.

Und die Botschaft für uns heute? Wenn bei uns der Rückgang der Zahlen beklagt wird und manchmal krampfhaft nach neuen Methoden der Evangelisation gerufen wird, ist es gut, sich bewusst zu machen: Es ist und bleibt letztlich das Wunder Gottes, wenn Menschen zum Glauben finden, und nicht menschliche Strategie

Die zweite Realität: Ablehnung und Annahme der Botschaft

Und eine zweite geschichtliche Realität steckt in der Erzählung von den Weisen: Sie zeigt, wo das Evangelium von Jesus Christus auf offene Türen traf und wo es auf Widerstand oder Ablehnung gestoßen ist:

Die Mächtigen (für die Herodes steht) waren von vornherein der größte Widerpart des Christentums – entweder weil sie um den Gehorsam ihrer Untertanen fürchteten (»man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen«) oder weil sie die Religion für ihre Zwecke benützten.

Die belämmerndste Tatsache freilich ist, dass das Evangelium ausgerechnet bei den religiösen Führern auf verstopfte Ohren traf, also bei den Frommen, deren Schriftkundigkeit und theologische Kompetenz sie offenbar für den Ruf Gottes unempfänglich gemacht hat.

Und schließlich berichtet die Erzählung von den Weisen die historische Wahrheit, dass gerade die Menschen sich für das Evangelium geöffnet haben, die von Ferne kamen, als »Magier« (wie sie die Bibel nennt), womit wohl Vertreter heidnischer Weisheit und Wissenschaft gemeint sind.

Ehrliche Suche findet zum Ziel

Und die Botschaft für heute? Sind nicht bis heute menschliche Machtansprüche der größte Feind des Glaubens, wie die Beispiele von Christenverfolgung gerade in unserer Zeit zeigen – aber auch die Versuchung der Macht in der Kirche selbst, wo sich die Kirche den Mächtigen angedient hat (wie etwa den autoritären Militärregimen in Südamerika!) und taub war für das Evangelium.

Dass theologisches Wissen oder gar Rechthaberei für den Ruf Gottes taub machen können, ist besonders uns Theologen und amtlichen Kirchenleuten ins Stammbuch geschrieben!

Am besten weg kommt im heutigen Evangelium das ehrliche Suchen und Forschen nach Wahrheit, ja auch die Wissenschaft, die so oft fälschlicherweise verdächtigt wird, den Glauben zu untergraben. Aufklärung kann nie gegen den Glauben sein. Es gilt vielmehr, wie der evangelische Theologe Thielicke eines seiner Bücher tituliert hat »Wer glaubt, denkt weiter!«

Die »Weisen« jedenfalls suchen und finden den Weg zum Ziel ihrer Sehnsucht. Und es heißt: »Sie wurden von übergroßer Freude erfüllt.« Etwas von dieser Freude des Suchens und Findens wünsche ich uns zum heutigen Fest!

Fürbitten
Gott, unser Vater, oft sehen wir den Stern nicht, der uns den Weg zeigt. Und wenn wir ihn sehen, tun wir uns schwer, uns deiner Führung anzuvertrauen. Wir bitten dich:

- Gib Rat und Kraft zur Tat in den weltweit drängenden Problemen der Klimapolitik und der Verelendung so vieler Menschen.
(Herr, erhöre uns.)
- Bewege die Kirche durch deinen Geist, dass sie nicht bloß schriftgelehrte Antworten gibt, sondern selber deinem Stern folgt.
- Erleuchte und inspiriere die in Kunst, Dichtung und Wissenschaft Tätigen, dass sie die Menschen anstiften können, nach der größeren Wahrheit zu suchen.
- Lass die Kranken und Bedrängten auch auf dunklen Wegstrecken deine Führung und Nähe erfahren.
- Führe die jungen Menschen bei ihrer Suche nach Wahrheit und lass sie in den Älteren nicht nur Weg-Weiser, sondern auch Weg-Begleiter finden.

So bitten wir durch Jesus Christus. Er ist der Weg, auf dem wir gehen, die Wahrheit, der wir trauen. Amen.

Thomas Keller

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