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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Weihnachten – In der Heiligen Nacht
Lesejahr A – B – C
»Wenn ihr nicht wie die Kinder werdet …«

Beitrag zum Evangelium

Einführung


Herzlich begrüße ich Sie in dieser Weihnachtsnacht zum Gottesdienst! Was auch immer Sie hergeführt hat: Ihr Glaube, Ihre Hoffnung, vielleicht alte Tradition oder auch nur Rücksicht – Sie sind hier am richtigen Platz und sollen sich willkommen wissen: katholische und evangelische Christen, Glaubende, Suchende, Fragende, Zweifelnde. Das Geheimnis dieser Nacht rührt an die tiefe Sehnsucht in uns nach dem Ja zu unserem Leben, das trägt – nach der Zusage, ohne Vorbehalt angenommen zu sein durch den Gott, der in Jesus Christus unser Bruder geworden ist.

Kyrie-Ruf
GLn 159/GLa 129 »Licht, das uns erschien«

Tagesgebet
Großer und guter Gott!
In dieser Nacht feiern wir die Geburt deines Sohnes, unseres Bruders Jesus Christus. Im Kind in der Krippe erkennen wir deine Zusage, dass du auch uns als deine Kinder angenommen hast.
Lass uns aus diesem Vertrauen leben und einander annehmen als Brüder und Schwestern.
So bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit.

Liedvorschläge
Zum Einzug in die noch dunkle Kirche
GLn 554,1–2/GLa 110,1–2 »Wachet auf, ruft uns die Stimme«
Festankündigung nach dem Römischen Martyrologium
Danach GLn 240,1–2/GLa 139,1–2 »Hört, es singt und klingt mit Schalle«
Gesang zur Eröffnung der Eucharistiefeier
GLn 247,1–4/GLa 134,1–4 »Lobt Gott, ihr Christen alle gleich«
Antwortgesang
GLn 635/3 (alt: 149/2) Kehrvers »Heute ist uns der Heiland geboren« und
Verse aus Kantorenbuch oder Münchner Kantorale
Gesang zur Gabenbereitung
GL 239n/GLa 140 »Zu Bethlehem geboren«
Gesang zur Kommunion
GL 256n/GLa 141 »Ich steh an deiner Krippe hier«
Schlusslied
GLn 249/GLa 145 »Stille Nacht«

Vorüberlegungen


Zum Text: Lk 2,1–14 (Evangelium)

Dass Weihnachten weit über den Kreis der kirchlich Glaubenden und Verbundenen hinaus die Herzen berührt, liegt nicht nur an der Weihnachts-Vermarktung, sondern nicht zuletzt an der Botschaft vom »Kind«. Das »Kind in der Krippe bringt Kindheitserinnerungen zum Schwingen, sicher auch illusionäre Kindheitsseligkeit. Das »Kind in uns« ist angesprochen.

Daran will die Predigt anknüpfen, aber auch darüber hinaus führen. Es geht ja an Weihnachten nicht um Kindheitsromantik, sondern um den Anfang einer neuen Welt, der »Welt Gottes« – um eine Umkehr, die nicht auf Größe und Macht, sondern auf Vertrauen und Liebe setzt: »Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen« (Mt 18,3).

Predigt

Möchten Sie noch einmal Kind sein?

Manchmal hat man ja solche Anwandlungen – zumal in diesen Weihnachtstagen, wenn man an die leuchtenden Kinderaugen denkt, an die ungetrübte Freude der Kinder auf das Fest. Sich wieder so unbeschwert freuen können …, so mit Haut und Haar in Weihnachtsseligkeit schwelgen…

Aber es ist doch wohl nur eine Illusion. Möchten wir so abhängig sein, wie Kinder es sind – von den Entscheidungen der Eltern, von ihrem Geldbeutel, von den Vorrechten und Vorschriften anderer? Nein, unsere Selbstständigkeit möchten wir nicht hergeben – all das, was man als Ausweis des Erwachsenenseins betrachtet und als Kind oder Jugendlicher ersehnt. Ganz abgesehen davon, dass auch Kinder ihre Sorgen haben …

Klein wie ein Kind …


Weihnachten ist jedenfalls zuerst das Fest des Kindes. Gott wird Kind – so sagt es das Evangelium. In einem Menschenkind kommt er zur Welt, so wie jede und jeder von uns: hilflos, angewiesen auf die Sorge seiner Eltern, abhängig vom Schutz, vom Wohlwollen anderer …

ER, der doch ganz anders auftreten könnte, wählt diesen Einstieg in unsere Welt, unbemerkt von der Weltbühne, sozusagen durch den Dienstboteneingang.

Freilich: es rührt unsere Herzen, das Kind, das da in so vielen Weihnachtsbildern auf dem blanken Boden oder in der Futterkrippe liegend uns entgegenstrahlt. Und es ist erstaunlich, wie auch in dieser Nacht hartgesottene Gemüter weich werden im Anblick des Kindes. Ja, kleine Kinder können in ihrer unschuldigen Unbefangenheit grölende Rüpel im Zugabteil besänftigen oder verbissene Streithähne milde stimmen.

abhängig wie ein Mensch –

Aber Gott bleibt nicht Kind. Es geht an Weihnachten nicht um Kindheitsromantik. Man kann nicht vom Kind Jesus sprechen, ohne zu bedenken, welchen Weg Jesus gegangen ist – den Weg bis zum Kreuz. Er bleibt nicht Kind, aber er bleibt ein Mensch, der abhängig ist – angewiesen auf Menschen, die auf ihn hören und sein Wort annehmen. Er ruft Menschen in seinen Jüngerkreis und sendet sie in seinem Namen und baut auf sie trotz ihrer Schwächen und Fehlern. Er hat keine Machtmittel und steht mit seinem Leben ein für den Gott der Barmherzigkeit und Vergebung – bis zum Kreuz.

Es ist der totale Widerspruch zu dem, wie wir Menschen uns das Wirken Gottes vorstellen: Gott soll doch das Heft in die Hand nehmen, soll seine Allmacht ausspielen …! – so kommt Gott: Anfang einer neuen Welt! Von Papst Leo dem Großen (aus dem 5. Jahrhundert) stammt das Wort: »Die Niedrigkeit Gottes ist für uns noch viel wunderbarer als seine Macht!« Die Angewiesenheit eines Menschenkindes, in die sich Gott in der Weihnachtsnacht begibt, ist nicht Kapitulation, sondern Anfang einer neuen Welt, Anfang des Reiches Gottes!

»Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen« – sagt der erwachsene Jesus (Mt 18,3). Das ist nicht Kindheitsromantik, sondern Gottes Wahrheit für uns:

Nicht auf dem hohen Ross zu sitzen, alles im Griff zu haben, alles beherrschen und bestimmen zu können, eröffnet uns das wahre Leben. Es ist nicht das Höchste im Leben, unabhängig zu sein und niemanden zu brauchen. Ein solches Leben endet in Einsamkeit und Kälte. In unserer Angewiesenheit aufeinander, ja, in unserer Bedürftigkeit liegt eine Verheißung, die uns offen und menschlich und genießbar macht.

Kind sein – wie Er!


Wo wir dazu stehen können, dass wir nicht selbst alles haben und können und wissen, können wir uns einander anvertrauen, können versöhnter mit uns leben – ja, wir können loslassen und aus der Hand geben, was in anderen Händen besser aufgehoben ist.

Möchte ich noch einmal Kind sein? Ja – so wie Er Kind war, nicht nur an Weihachten, sondern ein Leben lang!

Fürbitten
Großer Gott. Das Kind in der Krippe ermutigt uns, im Vertrauen der Kinder zu bitten:

- Für das Land, in dem Jesus zur Welt kam, und für die Menschen in Ägypten, in Syrien, in Afghanistan, die vom Frieden so weit entfernt sind. Gott, unser Vater:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für die Kirche, besonders für die Kirche Lateinamerikas, die gerufen ist, Anwalt der Gerechtigkeit zu sein und den Armen Stimme zu geben. Gott, unser Vater:
- Für die Kinder, die voller Hoffnung ins Leben gehen, aber von den Erwachsenen enttäuscht werden und allein gelassen sind. Gott, unser Vater:
– Für die Kranken, für Menschen, die durch Unglück und Verlust aus der Bahn geworfen sind und auf Hilfe hoffen. Gott, unser Vater:
- Für unsere Verstorbenen, die uns Wegbegleiter waren und denen wir vieles verdanken. Gott, unser Vater:

So bitten wir durch Jesus Christus, der auch unserer Zeit zum
Heil geboren ist. Amen.

Thomas Keller

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