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Leseprobe 2
Dritter Adventssonntag
Lesejahr A
Weihnachtswünsche werden wahr – zu schön, um wahr zu sein?

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Gaudete – freut euch!, steht als liturgisches Leitwort über diesem Adventssonntag. Freut euch – Weihnachten ist nahe, das Fest der Ankunft Jesu. Fragen wir uns heute, was wir von seinem Kommen erwarten – und hören wir seine Frohe Botschaft darüber, was wir von ihm erwarten dürfen. Öffnen wir uns für ihn und sein Wort, für seine heilsame Ankunft in unserem Leben.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du Quelle der Hoffnung und der Freude, du lässt dich berühren von unseren Sorgen und Nöten.
Herr, erbarme dich.
Du kommst in unser Leben, um Wunden zu heilen.
Christus, erbarme dich.
Du schenkst eine Freude, die trägt auch im Leid.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Großer Gott,
du lässt uns nicht ohne Hoffnung: Du hast deinen Sohn gesandt, die Menschen zu befreien aus Verzweiflung und Angst. Auch wir warten auf sein Kommen und sein Wirken im Leben der Menschen unserer Zeit. Erfülle unsere Erwartung. Und mach uns aufnahmebereit, dass wir ihn bei seinem Kommen erkennen und uns ihm ganz anvertrauen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GLn 220,1.3–4/GLa 111 »Die Nacht ist vorgedrungen«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GLn 365 »Meine Hoffnung und meine Freude«, evtl. kombiniert mit
Psalmversen aus dem Lektionar und GLn 175/2 »Halleluja«
GLa 107,1.3 »Macht hoch die Tür« und GLa 530/2 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GLn 221,1–5/GLa 106 »Kündet allen in der Not«
Gesang zur Kommunion
GLn 554/GLa 110 »Wachet auf, ruft uns die Stimme«
Dankhymnus/Schlusslied
GLn 228,1–3 »Tochter Zion, freue dich«
GLa 107 »Macht hoch die Tür«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 11,2–11 (Evangelium)

Der Evangelist Matthäus fasst im 11. Kapitel Überlieferungen über Johannes den Täufer zusammen, die er mit Lukas aus der Logienquelle Q übernimmt. Im Mittelpunkt steht die Frage: Ist Jesus der Messias? Und grundsätzlicher: Was können die Menschen von dem kommenden Messias konkret erwarten und woran erkennt man folgerichtig, dass er es ist? Offenbar war das auch noch zur Zeit des Evangelisten eine strittige Frage in der Gemeinde, und dieser überliefert eine eindeutige Antwort Jesu. Sein Messiasverständnis unterschied sich von dem des Johannes: Johannes‘ Predigt war stark vom Gerichtsgedanken geprägt, für ihn gingen Umkehr und Gericht dem göttlichen Heil voraus, sodass der Messias eher als strafender Richter begegnet. Jesus dagegen verkündete, dass die Heilszeit schon angebrochen sei, mit seinem Wirken als Messias, das ohne »Vorleistung« geschenkt wird. So verkündet er auch den Messias eher als Heiler und Erlöser (vgl. zu diesem Gedankengang z. B. J. Gnilka, HThKNT I, 1, S. 405–410).

Die Frage, was Menschen sich von Gott und ihrem Glauben an Jesus erwarten und wie sie damit umgehen, dass Gott oft anders ist und wirkt, ist auch heute aktuell. So lädt die Predigt zum Nachdenken über die eigenen Erwartungen ein, mit denen wir auf Weihnachten zugehen.

Predigt

Advent – Zeit der Wünsche

Wann wäre sonst so viel von Wünschen die Rede wie jetzt, im Advent? Nicht nur die Kinder schreiben ihre Wunschzettel, auch viele Erwachsene hegen ihre eigenen Weihnachtswünsche oder wenden viel Zeit und Mühe auf, geliebten Menschen ihren Wunsch zu erfüllen. Die Geschäfte umgarnen uns mit der glitzernden Verheißung, dass unsere Wünsche erfüllt werden können. Wer hätte keine Wünsche, keine unerfüllten Sehnsüchte? Weihnachten ist nicht mehr weit, da werden Wünsche wahr. So lautet zumindest die werbende Botschaft, die uns in glänzenden Prospekten immer wieder vor Augen geführt wird.

Ja, wer hätte keine Wünsche? Oft genug sind es ja gar nicht zuerst materielle Dinge. Da gibt es die viel dringlicheren Wünsche, die unser Leben im Innersten betreffen: Liebende wünschen sich einen guten Weg für ihre Partnerschaft und Ehe, Einsame sehnen sich nach Begegnung. Eltern und Großeltern wünschen sich ein gelingendes, glückliches Leben für ihre Kinder. Kranke wünschen sich Heilung oder zumindest die Kraft, ihr Geschick anzunehmen und zu bestehen. Und viele wünschen sich einen Sinn für ihr Leben, für den es sich zu leben lohnt, von dem sie wissen, dass er in keinem Geschäft für kein Geld der Welt zu kaufen ist.

Ja, mit diesen Wünschen gehen wir nicht auf Einkaufstour. Für sie ist Gott der richtige Adressat. Seine Ankunft ist es ja, auf die wir eigentlich warten in dieser Adventszeit. So treffen wir den tiefsten Sinn dieser Tage, wenn wir neben aller vorweihnachtlichen Geschäftigkeit innehalten zum Gebet und unsere Lebenswünsche vor Gott tragen. Weihnachten, das Fest seiner Ankunft als Kind im Stall, steht vor der Tür. Da werden Wünsche wahr – nicht wahr?

Jesus ist der Messias, kein »Wunschonkel«

Nein: zu schön, um wahr zu sein, so haben nun vielleicht schon manche von Ihnen gedacht. Nein, an Weihnachten werden nicht alle Wünsche erfüllt. Jedes Kind muss irgendwann in seinem Aufwachsen diese Erfahrung machen: Manche Wünsche bleiben unerfüllt, auch wenn ich sie noch so sehnlich ausspreche. Nicht anders ist es mit unseren Wünschen bei Gott: Manches Herzensgebet bleibt anscheinend ungehört, und oft wirkt er so ganz anders, als wir uns das wünschen. An Weihnachten kommt nicht ein Gott wie eine Märchenfee, die uns alle Wünsche erfüllt. An Weihnachten kommt Gott, der ist, wie er ist, der so wirkt, wie es seinem Willen entspricht. Und der richtet sich nicht unbedingt nach unseren Wunschzetteln.

Erwartungen an den Messias bleiben unerfüllt – schon in biblischer Zeit

Schauen wir in die Heilige Schrift, dann merken wir bald: Diese Erfahrung ist nicht neu. Auch zur Zeit Jesu und des Täufers Johannes waren die Menschen voller Erwartung. Viele Nöte prägten ihr tägliches Leben und ihnen war ja der Messias, der Gesalbte, der Befreier von Gott verheißen. So waren die Herzen voll von Wünschen an diesen kommenden Erlöser und sie waren nur zu bereit, an Menschen zu glauben, die diese Wünsche erfüllen könnten. Wir haben heute gehört: Viele sahen in Johannes dem Täufer diesen Erlöser, und sie wurden enttäuscht: Was habt ihr denn sehen wollen? Ein Schilfrohr im Wind, mit anderen Worten: einen, der euch nach dem Mund redet? Einen Mann in feiner Kleidung, also einen Superstar zum Bewundern? Johannes war ganz anders. Er war der Vorläufer des Messias.

Doch selbst dieser Johannes scheint sich von Jesus, den er doch bei seiner Taufe als den Messias erkannt hatte, anderes erwartet zu haben: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? Was hat er sich wohl vom Messias gewünscht? Dass der wie Johannes selbst die Menschen durch mahnende, ja drohende Worte über das kommende Gericht aufrüttelte? Oder wünschte er sich wie so viele seiner Zeit einen politischen Führer, der einen Aufstand gegen die römische Herrschaft anführte?

Jesus kommt nicht, um Wünsche zu erfüllen, sondern um die Menschen zu befreien

Jesus versucht nicht, es allen recht zu machen. Er beginnt nicht zu argumentieren, dass er ja doch die Antwort auf alle Wünsche sei, oder warum er bestimmte Wünsche nicht erfüllen könne. Jesus sagt, wozu er gekommen ist: dass Blinde sehen, Lahme gehen, dass Kranke geheilt werden und Tote nicht im Tod bleiben. Dass den Bedürftigen die Frohe Botschaft verkündet wird. Mit anderen Worten: dass Menschen befreit werden aus der Aussichtslosigkeit ihrer Not und neue Hoffnung schöpfen. Dass sie erfahren: Gott ist bei dir und schenkt neue Perspektiven und neue Kraft. Nicht einmal im Tod bist du ohne Hoffnung. Das ist die Befreiung, die Jesus als Messias verheißt: die Befreiung von Hoffnungslosigkeit, von Sinnlosigkeit und Todesangst zu einem erfüllten Dasein, für das es sich zu leben lohnt – auch und gerade dann, wenn Nöte und Leiden dazu gehören. Das und nichts anderes ist von Jesus zu erwarten. Selig, so sagt er, wer an ihm keinen Anstoß nimmt, wer nicht seine Wünsche zum Maßstab aller Dinge macht, sondern diesen Messias Jesus willkommen heißt und sich befreien lässt zu einem neuen Leben. Er und kein anderer ist es, den wir an Weihnachten erwarten dürfen.

Weihnachten: Jesus, der Messias, kommt in unser Leben und führt uns zur Freiheit


So müssen auch wir uns entscheiden, ob wir Jesus willkommen heißen – so wie er ist, mit dem, was er auch uns anbietet. Vielleicht ist die Befreiung, die er uns verheißt, etwas ganz anderes als die Wünsche, die Sie im Herzen tragen? Natürlich dürfen wir ihm unsere Wünsche bringen. Aber er fordert uns eben auch heraus, diese unsere Wünsche und Vorstellungen hintanzustellen und unser Leben zu öffnen für Jesus, wie er tatsächlich ist. Wenn uns das gelingt, dürfen wir uns auf Weihnachten freuen, ob uns Wünsche erfüllt werden oder nicht. Die Weihnachtserfahrung heißt dann: Ja, Gott kommt auch in dein Leben. Und er führt auch dich zur Freiheit und Zuversicht der Kinder Gottes. Er schenkt dir ein Leben voller Sinn und Hoffnung. Ist es das, was Sie sich zu Weihnachten wünschen? Es ist das, was Sie von Gott zu Weihnachten erwarten dürfen.

Fürbitten
Herr und Bruder Jesus Christus, Du willst in unserer Zeit ankommen bei den Menschen. Deine Worte an Johannes den Täufer machen auch uns Mut, mit unseren Erwartungen und Bitten zu dir zu kommen.

- Du sagt: Blinde sehen. Wir bitten dich für deine Kirche und alle Christen, die nicht sehen, wohin du uns führst, wie unser Glaube auch in Zukunft lebendig bleiben kann.
(V/A: Komm, befreie sie zum Leben!)
- Du sagst: Lahme gehen. Wir bitten dich für alle Völker, die gelähmt sind durch Krieg, Gewaltherrschaft oder Naturkatastrophen, die sich sehnen nach Schritten zu mehr Frieden, Gerechtigkeit und Sicherheit.
- Du sagst: Aussätzige werden rein. Wir bitten dich für alle Menschen, die ausgegrenzt werden wegen einer Behinderung, wegen ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihres Lebensstils.
- Du sagst: Taube hören. Wir bitten dich für alle, die auf der Suche sind nach Sinn und Hoffnung, aber deine Frohe Botschaft nicht hören.
- Du sagst: Den Armen wird das Evangelium verkündet. Wir bitten dich für alle, denen es am Notwendigsten fehlt, die mutlos und verzagt geworden sind.

Ja, wir vertrauen auf deine Verheißungen. Wir erwarten, dass du der kommende Messias bist auch heute, auch für uns. So preisen wir dich voll Dankbarkeit. Amen.

Stefan Möhler

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