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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
33. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Worauf es in der »Zwischenzeit« ankommt

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Unser Herr, der vollenden wird, was in unseren Händen immer nur Stückwerk bleibt – er sei mit euch.
Das Kirchenjahr geht seinem Ende entgegen. Die biblischen Texte dieses Sonntags sprechen von der Endzeit. Sie lenken unseren Blick darauf, was auf uns zukommt. Die Bilder können uns irritieren, können uns ängstigen. Dass wir aber bei allem, was geschieht, in Gottes Blick sind, und dass unser Leben trotz aller Gefährdung – unterm Strich sozusagen – zu einem guten Ziel führen kann, das ist die Botschaft, die uns durch alle Anklänge des Bedrohlichen hindurch erreichen will. In der Person Jesu Christi, in seinem Entgegenkommen, liegt das alles überwindende Versprechen Gottes an uns. Und zu ihm, dem Herrn der gegenwärtigen und der kommenden Welt, dürfen wir rufen:

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist Gottes Wort der Liebe, das uns inmitten derÄngste unseres Lebens erreichten will.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du bist in allen Wechselfällen an unserer Seite. Du gibst uns Kraft, Stand zu halten.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du trittst beim Vater für uns ein. Dir können wir uns anvertrauen mit aller Unfertigkeit und allem Versagen.
Herr, erbarme dich

Tagesgebet
Herr, unser Gott,
bedrückt von der Last unserer Tage kommen wir zu dir und bitten dich: Sieh auf die Nöte und Ängste so vieler Menschen in unseren Tagen und lass sie an ihrer Last nicht zerbrechen. Uns aber mach stark, dass wirlebendiger glauben, zuversichtlicher hoffen und herzlicher lieben. Handle du an uns in Gnaden, Herr, unser Gott, der du lebst und wirkst in alle Ewigkeit. Amen.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 568 »Komm. Herr Jesu, komm«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 119/1 »Hebt euch, ihr Tore, unser König kommt« mit Versen aus Psalm 98 (K 130 A oder B)
GL 269/3 »Hoch tut euch auf, ihr heilgen Tore« und GL 530/3 »Halleluja« mit Vers nach Lk 32,18 (GL 126)
Gesang zur Gabenbereitung
GL 264/3 »Herr, ob den Himmeln thronst du hoch«
Gesang zur Kommunion
GL 284,1–4.6 »Danket dem Herrn, denn er ist gut«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 473 »Im Frieden dein«

Vorüberlegungen


Zum Text: Lk 21,5–19 (Evangelium)

Die vorliegende Perikope ist Teil der synoptischen Apokalypse. Lukas greift dabei auf Mk 13 zurück, verändert sie jedoch im Sinne seines theologischen Konzepts. Dies ist schon deswegen notwendig, weil die Ereignisse, die Mk 13 für das Ende ankündigt, bereits geschehen sind: der Untergang Jerusalems; die Zerstörung des Tempels.

Lukas sieht das Ende nicht mehr unmittelbar bevorstehend und nicht mit den schrecklichen und erschreckenden Ereignissen verbunden (Lk 21,9). Er rechnet mit dem Ausbleiben des Herrn, mit der Verzögerung seiner Ankunft. Und so geht Jesus in seiner apokalyptischen Rede bei Lukas nicht auf die Frage nach dem »Wann« ein (Lk 21,7f ). An die Stelle von endzeitlichen Angaben treten Warnungen: Zum einen vor der Gefahr, auf falsche Propheten hereinzufallen, die im Namen Jesu auftreten (Lk 21,8). Zum anderen auf die Gefahr, sich in der Erwartung des Herrn auf bestimmte Zeichen zu fixieren. Selbst Zeichen am Himmel sollen nicht als Zeichen des sofortigen Endes aller Geschichte verstanden werden (Lk 21,9ff ).

Auch die Verfolgung der Christen bedeutet noch nicht das baldige Kommen des »Tages des Herrn« (Lk 21,12ff ).

Es ist jetzt Zeit des Wartens und der Erwartung. Dafür ist die Haltung des Vertrauens auf die stärkende Nähe des Herrn und sein ermutigendes Wirken nötig. Er wird in der Herausforderung das rechte Wort eingeben (Lk 21,14f ).

Diese Wartezeit verlangt freilich ein kräftiges Zeugnis (Lk 21,13). Das ist möglich im Wissen, dass durch alle Anfechtungen, Qualen und Zerwürfnisse hindurch auf die Getreuen die Rettung wartet (Lk 21,18). Allen, die sich an Christus halten und die mitten in der Verfolgung erfahren, dass Christus zu ihnen hält, winkt das Ziel des Lebens, des erfüllenden und ganzen Lebens, das die Welt selbst so nicht geben kann (Lk 21,19).

Predigt

Damals und heute: Was wirklich Angst macht


Ich empfinde: Was das Evangelium uns heute zumutet, ist harte Kost.

Alle lebensbedrohlichen Mächte und Geschehnisse werden aufgezählt. Nichts wird ausgelassen: Naturgewalten und kosmische Zeichen, Verfolgung und Denunziation, Zerstörung der Heimat und Flucht. Alles Elend der Welt wird beim Namen genannt! Epochale und persönliche Katastrophen!

Für uns klingt alles wie ferne Geschichte! Aber für die Zeitgenossen des Lukas, für die Christinnen und Christen, denen er das Evangelium zuerst gewidmet hat, war dies alles hautnah.

Und wir? Mühelos können wir Heutigen die Liste der Leiden und Bedrohungen fortsetzen – aus unserem aktuellen Erleben: Die Umweltereignisse im Zuge des gewaltigen Klimawandels, Flutkatastrophen und Wirbelstürme! Die nicht abreißende Serie der kriegerischen Auseinandersetzungen, der Terrorakte in manchen Ländern dieser Erde! Das Flüchtlingselend, das Monate, Jahre, Jahrzehnte dauert – ohne Aussicht! (hier eventuell Beispiele aus den aktuellen Nachrichten einfügen).

Menschen werden bis an die Grenze ihrer Leidensfähigkeit geführt! Und dieser Novembermonat: Er läßt uns zu allem hin am Volkstrauertag und beim Gedenken der Reichsprogromnacht an die Gräuel der Massenvernichtung und der Unmenschlichkeit denken, die auch wesentlich von unserem Land ausgegangen sind.

Und wie gehen wir damit um?

Wenn ich das so aufzähle, werde ich selbst ganz traurig! Fragen, Zweifel: Was ist das für eine Welt? Und Fragen an Gott: Hast du diese Welt wirklich so gewollt? Kann das dein Weg mit uns sein?

Unsere Antwort auf diese Welt der Düsternisse kann ja ganz unterschiedlich ausfallen. Entweder: Ich werde sarkastisch und bitter! Ich kann – vor lauter übler Eindrücke – das Gute gar nicht mehr sehen und wertschätzen. Ich verfalle in einen tiefen Pessimismus.

Oder: Ich schotte mich innerlich gegen alle Schreckensmeldungen ab. Ich ziehe die Hecke um mich herum dicht! Ich genieße mein kleines Glück allein! Ich überspiele alles Bedrohliche, hangele mich durch, vielleicht von Event zu Event, von Fest zu Fest! Was kümmert mich, was anderswo geschieht!

Diese Haltungen sind so vielleicht ein bisschen überzeichnet! Aber womöglich entdecken wir doch Züge davon auch in uns, in unserem Denken und Fühlen, in unserer Art, mit der Welt und dem Leben umzugehen!

Die vier Ausblicke Jesu

Das ist die Kernfrage, die das Evangelium heute aufwirft und an mich richtet: Wie begegnest du dieser so gegebenen Welt? Wie gehst du mit den Belastungen, den Unglückserfahrungen, wie gehst du mit dir in all deinen Ängsten und Bedrohungen um?

Ich höre heraus, dass uns der Evangelist Lukas im Wort Jesu vier Ausblicke eröffnen will.

Zum Ersten: Warum diese Welt so qualvoll ist, so voller Schmerzen und Leiden, das bleibt für uns im Letzten unergründlich. Es bleibt nur die Ahnung – eine ganz sachte Ahnung: Die Welt ist einfach noch nicht fertig. Sie ist im Werden! Und alle Werde- und Wachstumsprozesse sind nun einfach einmal begleitet von Umbrüchen und Veränderungen, von Schmerzhaftem und Leidvollen, von Geburtswehen einfach. Stehen wir mit dieser Welt womöglich in einem uns letztlich verborgenen Reifungsprozess, der für uns jetzt nur in seiner schmerzhaften Seite erfahrbar ist? Ist es womöglich so, dass das Entscheidende, das Große nur durch die Schmerzen dieser Zeit hindurch zur Welt kommt? Es bleibt das Rätsel! Es bleiben die Fragen!

Zum Zweiten: Die Worte Jesu sprechen schon sehr deutlich davon, dass wir in einer entscheidenden, herausfordernden Zeit stehen. Aber nüchtern und sachlich warnt Jesus vor aller Weltuntergangsstimmung: Lauft nicht den Propheten des Unheils nach! Nicht denen, die ein Geschäft mit den Angst- und Schreckensmeldungen machen wollen! Und auch nicht den falschen Messiassen, die euch den Himmel auf Erden versprechen. Auch nicht denen, die alles in ganz einfachen Formeln erklären können! Seid kritisch, wenn Menschen euch zuviel versprechen!

Zum Dritten: Bleibt standhaft! Wörtlich heisst es in der biblischen Botschaft: Bleibt drunter! Nämlich: Unter der Last dieser Welt, unter der Last Eures Lebens! Ihr braucht das Leidvolle nicht zu suchen, aber wo es euch berührt: Setzt euch damit auseinander! Flieht nicht davor! Wendet dem Leidvollen nicht den Rücken zu! Flüchtet nicht in ein selbstgebasteltes Wolkenkuckucksheim! Macht euch auch nicht innerlich davon! Fragt vielmehr, was Gott euch durch die Ereignisse hindurch sagen will! Prüft, was sich ändern läßt, vielleicht auch nur in kleinen Schritten! Seid aufmerksam dafür, was Ihr an Eurem Platz gut machen könnt! Und wenn es immer nur Weniges ist, wenn alles nur Stückwerk bleibt, dann: »Bleibt drunter«, unter der Last eines unfertigen und unvollkommenen Lebens.

Zum Vierten schließlich und das ist auch das Wichtigste: Diejenigen, die Jesus Christus folgen wollen, leben in einer ernsten, einer herausfordernden Zeit. Es ist nicht die Zeit, harmlos dahinzuleben und möglichst ungestört durchzukommen. Für sie ist es vielmehr die Zeit des Zeugnisses. Zu wissen: Der Christ steht – um mit einem Wort der Dichterin Gertrud von le Fort zu sprechen – immer auf verlorenem Posten, weil er dort steht, wo auch Jesus Christus hier auf Erden stand. Aber dann wird die Stunde der Herausforderung auch zu einer Stunde der großen Chance. Nämlich zu entdecken: Der Herr rettet uns, wenn wir standhaft bleiben. Und wir können standhaft bleiben, weil er uns rettet. Der Herr wird selbst unser Verteidiger und spricht uns zu: »Lasst euch nicht erschrecken! Ihr müsst nicht allein durchhalten! Nicht allein durch die Niederungen gehen! Nicht allein die Rätsel, die Anfeindungen aushalten! Ich bin bei euch! Ganz nahe! Ihr könnt mit mir rechnen!«

Und das lässt »leben«

Wer sich von Jesus zu diesem Ausblick einladen lässt, der kann wahrhaft einen weiten Blick gewinnen: Er wird die Zeichen am Weg sehen! Und ihm werden Kräfte zuwachsen, die er sich selbst nie zugetraut hätte. Das Dunkel, die Negativ-Seite unserer Lebenswelt wird er nicht verleugnen und nicht verharmlosen. Er wird nicht davor fliehen: Aber er wird diese Wirklichkeit mit seinem Herrn angehen. Und so ist er nicht Spielball eines anonymen Schicksals, sondern er gewinnt Leben, mitten in allen Infragestellungen, mitten in allen Umbrüchen und allen leidvollen Prozessen. Er wird sich nicht an dem festmachen, was jetzt ist, sondern in der Erwartung leben, dass es noch mehr gibt: Eine Zukunft, die Gott eröffnet! Ein Leben, das vielfältiger und reicher sein wird, als es heute vorstellbar ist! Und dieser Ausblick schenkt Leben, kraftvolles Leben, jetzt schon, in der »Zwischenzeit«.

Fürbitten

Gott, unser Vater, im Glauben daran, dass du letztlich die Geschicke der Welt in deinen Händen hältst, bitten wir dich:

– Für die Menschen, die heute unter Krieg und Gewalt leiden, für die Entwurzelten und Vertriebenen unserer Zeit: dass die politisch Verantwortlichen nicht müde werden, Wege des Friedens zu suchen und sie mutig zu gehen.
– Für die Menschen, die schwer unter den Naturkatastrophen, den Unglücksfällen, dem Hunger und den Krankheitsseuchen leiden: dass sie sorgsame Begleiterinnen und Begleiter finden und dass sie ihre Hilfe auch annehmen können.
– Für unsere Kirchen, für unserer Gemeinden hier am Ort: dass wir auch im Alltag den Mut finden, zu unserer Glaubensüberzeugung zu stehen, und dass wir die Hoffnung des Glaubens glaubwürdig ausstrahlen können.
– Für uns selbst, wenn wir dunkle Tage erleben und uns fragen: Wo bleibt denn der Sinn in unserem Leben und wofür soll das alles gut sein: dass wir im Glauben an deine Vatergüte nicht irre werden.
– Für unsere Verstorbenen, an die wir in diesem Monat besonders denken, für die Toten der Kriege und die Opfer der Verfolgung und Gewaltherrschaft, gestern und heute: dass sie in deinem Frieden sind.

Du, Herr, bleibe bei uns und stärke uns auf dem Weg zu dir. Der du lebst und wirkst in alle Ewigkeit. Amen.

Wolfgang Schrenk

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