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Leseprobe 3
19. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Fremde suchen Heimat

Beitrag zur Lesung

Einführung

Beim Abschied hört man oft den Wunsch: »Komm gut heim!« Wenn Jugendliche abends das Haus verlassen, rufen die Eltern nicht selten hinterher: »Kommt nicht zu spät heim!« Es gehört zum Schlimmsten, was einem zustoßen kann, wenn so ein lieber Mensch schwer verletzt oder gar nicht mehr heimkommt. Jemandem eine glückliche Heimkehr wünschen, heißt eigentlich: ihn segnen. Denn dahinter steht der Wunsch: Was immer auch passieren mag, es soll am Ende gut ausgehen. Wir Menschen sind alle noch nicht am Ziel; aber es gibt einen, der jedem von uns eine glückliche Heimkehr verheißt: Jesus Christus, der Weg zum Vater im Himmel.

Predigt

Zum Text: Hebr 11,1–2.8–19 (2. Lesung)

Heimatlosigkeit


Urlaubszeit ist Reisezeit. Viele von uns suchen den Tapetenwechsel. Fremde Länder versprechen da eine Abwechslung vom Altbekannten. Wie anders geht es Menschen, die gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen! Denken wir nur an die Kriegsflüchtlingen im Nahen Osten oder die Arbeitssuchenden aus den Euro-Krisenländern. Für sie birgt die Fremde zwar manche Verheißung, sie verspricht Frieden und Wohlstand. Aber nicht wenige Erwartungen werden enttäuscht. Am Anfang stehen oft große Gefahren, und am Ende bleibt ein Gefühl der Heimatlosigkeit. Solche Menschen teilen die Erfahrung Abrahams, der »sich als Fremder im verheißenen Land wie in einem fremden Land« aufhielt. Sie erfahren schmerzlich, was es heißt, dass wir nur »Fremde und Gäste auf Erden sind«, wie der Hebräerbrief es ausdrückt (Hebr 11,9.13).

Heimweh

Es ist die Erfahrung der Glaubenden von altersher, dass wir Menschen auf Erden nie ganz zu Hause sind, sondern immer noch Heimweh haben. Die Sehnsucht nach Heimat wurzelt tief in unseren Herzen. Wo wir uns auskennen, fühlen wir uns geborgen: in den eigenen vier Wänden, in den wohlvertrauten Gassen, bei den altbekannten Menschen. Wer immer unterwegs ist, will endlich ankommen, sich niederlassen und zu Hause sein. So stark ist diese Sehnsucht, dass sie uns zu falschen Abkürzungen verleitet. Wir richten uns in den Verhältnissen ein. Wir suchen nicht mehr das Größere, das Gott mit uns noch vorhat. Wir geben uns mit dem Kleinkarierten zufrieden und fragen nicht mehr nach dem Sinn des Ganzen. Dabei genügen wir uns nicht, und die ganze Welt genügt sich nicht. Sie verlangt nach dem Himmel, ohne den sie nicht vollkommen werden kann. So streben die Glaubenden aller Zeiten »nach einer besseren Welt, nämlich der himmlischen« (Hebr 11,16). Und von Abraham, dem Vater des Glaubens, heißt es: »Er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat« (Hebr 11,10).

Heimkehr


Abraham wird uns zum Vorbild im Glauben, weil er die Vordergründigkeit dieser Welt durchschaute und ihren oberflächlichen Glücksverheißungen misstraute. An ihm können wir ablesen, was Glauben bedeutet: »Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht« (Hebr 11,1). Wer glaubt, ist überzeugt davon, dass man die wesentlichen Dinge im Leben weder sehen noch herbeizwingen, sondern nur erhoffen kann. Ein schönes Eigenheim muss einem nicht zwangsläufig zur Heimat werden. Eine langjährig gepflegte Beziehung ist vor Entfremdung nicht gefeit. Wer glaubt, macht sich wie Abraham auf den Weg, ohne zu wissen, wann und wo genau er ankommt. Freilich erkennen wir im Glauben, dass unsere Heimat letztlich im Himmel und nicht auf dieser Erde ist. In der Hoffnung vertrauen wir darauf, dass wir diese Heimat mit Gottes Hilfe erreichen werden. Und in der Liebe haben wir bereits einen Vorgeschmack dieses verheißenen Landes, in dem wir einmal ganz zu Hause sein werden.

Heimweg


Auf dem Weg dahin gibt es aber manches, was uns am Glauben hindert, vor allem Selbstzufriedenheit und Resignation. Die einen macht der Wohlstand träge: Sie genießen, was sie erreicht haben, und werden stumpf gegenüber dem Ruf des Lebens, das im Stillstand nicht gedeihen kann. Die anderen sind müde geworden vom vielen Kämpfen: Sie haben die Hoffnung begraben, weil sie zu oft enttäuscht worden sind. Zwischen diesen Extremen finden sich alle Schattierungen von Glauben und Unglauben, von Hoffnung und Verzweiflung. Dazwischen kann jeder von uns sich selber finden. Dabei hat der Glaube Abrahams nichts mit weltfremder Schwärmerei zu tun, sondern ist ausgesprochen nüchtern. Er zeigt sich im Gehorsam Gott gegenüber, wann immer sein Ruf an mich ergeht. Ein solcher Glaube trumpft nicht auf, sondern bleibt sich bewusst, wie selten und wie wenig wir Menschen Gottes Anruf verstehen. Er öffnet Räume, die uns bisher verschlossen geblieben sind; er will uns in die Weite und nicht in die Enge führen. Er weiß: Es gibt ein Ziel, aber ich erreiche es nicht heute und nicht morgen und aus eigener Kraft niemals. Aber es gibt auch einen Gott, der mich führt und der mir hilft und am Ende bei sich aufnimmt: in seiner ewigen Heimat.

Fürbitten

Gott, unser Vater, solange wir auf Erden leben, sind wir Fremde auf dem Weg in ihre Heimat bei dir. Dich bitten wir um dein Weggeleit:

– Für die Menschen, die vertrieben werden und auf der Flucht sind: Lass sie eine neue Heimat und das zum Leben Notwendige finden.
– Für die Menschen, die Angst vor der Zukunft haben: Schenke ihnen Vertrauen ins Leben und den Mut, neu aufzubrechen.
– Für die Menschen, die sich vom sichtbaren Reichtum der Welt blenden lassen: Gib ihnen ein Gespür für die menschlichen Werte im Leben.
– Für die Menschen, die verstorben sind: Gib ihnen Heimat bei dir.

Gott, du selbst musst Glaube, Hoffnung und Liebe in uns wecken. Schenke uns allezeit die Fülle deiner Gaben durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wilfried Eisele

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