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Leseprobe 2
17. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Vorgeschmack des Himmels

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Wie sehr Jesus den Jüngern Freund ist, das erfahren wir in den Evangelien: Er hört ihnen zu, er steht zu ihnen, er kommt ihren Bitten entgegen. Er lehrt sie beten und bringt ihnen mit Bildern aus ihrem Leben und mit Gleichnissen, die sie verstehen können, das Geheimnis des Reiches Gottes näher. Auch wir dürfen uns zu den Freunden Jesu zählen, wenn wir uns zur Eucharistiefeier versammeln. Öffnen wir uns seinem Wort und seiner erbarmenden Zuwendung!

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du hilfst deinen Jüngern, das Geheimnis des Reiches Gottes zu verstehen.
Herr, erbarme dich unser.
Du lehrst sie, zum Vater im Himmel zu beten.
Christus, erbarme dich unser.
Du bist uns Freund und liebst uns.
Herr, erbarme dich unser.

Tagesgebet
Messbuch – 17. Sonntag im Jahreskreis

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 270,1–3 »Kommt herbei, singt dem Herrn«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 752/1 »Vertraut dem Herrn« mit 752/2 (Psalm 121) und GL 531/6
»Halleluja« mit Vers aus dem Lektionar
Gesang zur Gabenbereitung
GL 277 »Singet, danket unserm Gott« oder
GL 842,1–3 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »O bester Vater, Herr der Welt«
Gesang zur Kommunion
GL 539 »Wir alle essen von einem Brot«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 264,1–3 »Mein ganzes Herz erhebet dich«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 11,1–13 (Evangelium)

Es schafft eine große Gemeinsamkeit, das Gebet, das Jesus seine Jünger gelehrt hat. Für alle Glaubenden bildet es einen vertrauten Rhythmus und eine Hilfe in Momenten des Lebens, wo wir nicht wissen, was wir sagen sollen.

Die knappe Fassung des Herrengebetes, die Lukas weitergibt, irritiert zunächst, gibt aber dadurch neu Zugang zum Beten. »Vater« steht ganz absolut da. Gott ist hörendes und fürsorgliches Gegenüber des glaubenden Menschen. Die Beispiele am Ende des Evangelienabschnitts legen nahe, dass das Beten im Geist sich ganz konkret zeigen kann in der Form des täglichen Brotes, in menschlicher Zuwendung oder einem glücklichen Ereignis. Lukas fügt dem Gebet einfache Lebensbilder hinzu, die den Jüngern helfen sollen, Jesus und das, was er meint, zu verstehen.

Predigt


Gott als Bezugspunkt des Lebens

Herr, lehre uns beten! Hier wird die Not des Betens angesprochen; eine Not, die sich anscheinend durch die Zeiten durchhält. Aber Jesus gibt keine äußerlichen Regieanweisungen zum Beten. Wer beten lernen will, dem empfiehlt er, Gott als den Heiligen, den ganz Anderen ernst zu nehmen und ihn dennoch ganz selbstverständlich als »Vater« anzureden. Jesus selbst hat dies gelebt. Meist wird Jesus uns ja vorgestellt als ein Mensch mit anderen Menschen und für andere Menschen. Das war er sicher. Aber vielleicht mehr noch war Jesus ein Mensch mit und für Gott. Diesen Gott nennt er zärtlich Vater. Ihn lehrt Jesus im Gebet zum Bezugspunkt unseres Lebens zu machen. Wie ein Freund sollen und dürfen wir Gott um alles Lebensnotwendige bitten.

Sich nicht selbst tragen

Leicht fällt der Kontakt zum Gegenüber Gottes den Menschen nicht. Ein göttliches »Du« kommt heute für viele gar nicht mehr in den Blick, weil sie besetzt sind von sich selbst. Das einzelne Subjekt schenkt sich selbst eine außerordentlich hohe Aufmerksamkeit: der eigenen Gesundheit, dem eigenen Leib, den eigenen Problemen, dem eigenen Wohlergehen. Und wenn man nicht mehr hat als sich selbst, sich selbst ständig den Puls fühlt, ist man sich allgegenwärtig. Aber überfordern wir uns in diesem Um-sich-selbst-Kreisen nicht? Wir müssen ja unser eigener Sinngeber, unser eigener Tröster, unser eigener Retter sein. Der Mensch braucht das Wort und den liebenden Blick eines Gottes, der ihn von der Tortur der eigenen Superlative befreit. Nur dann vermag der Mensch wirklich menschlich zu leben, nur dann wird er getragen und muss sich nicht ständig selbst tragen. Deshalb ist es notwendig, uns einzuüben in das Gebet. Beim Beten, das legt uns Jesus ans Herz, dürfen wir mit allem vor den Vater kommen. Beten heißt letztlich, die Liebe wahrnehmen, mit der wir zum Äußersten geliebt sind trotz unserer manchmal banalen und armseligen Geschichten.

Die Gemeinschaft im Beten erfahren

Noch ein anderer Gedanke, der im Zusammenhang des Herrengebetes wichtig ist: Jesus sieht Gott als Vater aller Menschen. Immer wieder hat er in seinem Auftreten und in seinen Worten, die Bande des Blutes und der Herkunftsfamilie relativiert. Alle Menschen sind Kinder eines Vaters, dazu berufen als Brüder und Schwestern miteinander zu leben. Hier wird es greifbar: Es gibt ein geschwisterliches Miteinander über alle Grenzen der Kultur, der Länder und Sprachen hinweg.

Vorgeschmack des Himmels, hier und jetzt? Wie evangeliumsnah kann die Welt der Betenden sein, verbindet sie uns doch untereinander, indem sie Gemeinschaft stiftet, und verbindet sie uns auch mit Gott, indem sie unsere Herzen zu ihm emporhebt.

Beten im Sinne Jesu hilft, die Ahnung wachzuhalten, dass diese Welt, so wie sie ist, nicht schon alles ist, sondern heil werden soll. Es hilft, den Geschmack an der Herrlichkeit des Himmels, an der Größe und Schönheit Gottes zu entwickeln und zu behalten. Freude an Gott, die im Beten zum Ausdruck kommt, zieht uns nicht weg von der Welt, sie gibt uns vielmehr Kraft, die Schwierigkeiten und Bedrängnisse mit Gott zusammen anzugehen.

Hineingenommen in das Gottesverhältnis Jesu


Mit der Einladung, Gott Vater zu nennen, werden wir hineingenommen in das Gottesverhältnis Jesu, werden wir zu seinen Brüdern und Schwestern. Gott der Vater, dem wir vertrauen können, soll sich seines Namens heilig erweisen; er soll seiner Herrschaft der Liebe und Gerechtigkeit, die in Jesus begonnen hat, zum Durchbruch verhelfen; er soll der Jüngergemeinschaft das tägliche Brot geben zum Überleben in der Welt; die Schwierigkeiten des Lebens, schuldig zu werden und in die Versuchung zu geraten, soll er in seiner Liebe und zuverlässigen Treue bergen. Das Gebet weicht dem Widerspruch mit der Realität nicht aus. Gott wird beim Wort genommen in seiner Verantwortung für uns Menschen. Gegen alle Erfahrung soll er sich als der Zuverlässige und Gütige erweisen. So öffnen sich die Betenden Gott und richten sich ganz auf ihn hin aus. Sie erhoffen, ja sie erwarten von ihm Zukunft und Leben. Sie bitten um die wesentlichen Dinge, die wir zum Leben brauchen: Brot, um den Leib zu erhalten, aber auch Vergebung, um frei zu werden für ein Leben in guter Gemeinschaft miteinander. Letztlich Bewahrung vor Versuchung, die weg von Gott, weg von anderen hin zum Kreisen allein um sich selbst führt.

Frieden und Gerechtigkeit, liebevolles Miteinander, Heilung an Leib und Seele – Jesus macht uns Mut, dass wir das nicht nur für Wunschträume halten, sondern gutes und gelingendes Leben schon jetzt erwarten. Er fordert uns sogar zur unverschämten Bitte auf. Sich vor Gott aus Scham zu verstecken, ist nicht mehr angesagt. Sagen, was dir fehlt; vor Gott sich öffnen, vorbehaltlos. Durch das Gebet werde ich Mensch im ursprünglichen Sinn: bedürftig und auf Gott angewiesen. Spüren wir, welche Herausforderung in diesem berühmtesten aller Gebete liegt?

Fürbitten
Herr Jesus Christus, du hast uns Gott als Vater offenbar gemacht, dem wir vertrauen dürfen. Mit deiner Einladung, ihn im Gebet anzurufen, ermutigst du uns, unser Leben in Gottes Hände zu legen:

– Wir beten für die Menschen, die den Kontakt zu Gott abgebrochen haben und Gott nicht mehr suchen. Sende ihnen den Beistand, den Heiligen Geist.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
– Wir beten für die Verzweifelten und die Suchenden, die mit ihrem Leben nicht mehr fertig werden. Stelle ihnen Menschen an die Seite, die sie wohlwollend begleiten.
– Wir beten für alle Menschen, die füreinander einstehen und uneigennützig Hilfe leisten. Stärke sie in ihrem Bemühen.
– Wir beten für die Kirche, die gesandt ist, die befreiende Kraft des Evangeliums für den Menschen spürbar werden zu lassen. Schenke ihr die Kraft des Glaubens.

Gott, unser Vater, vieles liegt unausgesprochen auf unseren Herzen. Lenke unsere Schritte auf den Weg der Liebe heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Johannes Kreidler

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