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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
14. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Missionarische Kirche!?

Beitrag zum Evangelium

Einführung

»Missionarische Kirche« – dieses Stichwort ist nicht zufällig Thema vieler Bücher und Tagungen heute. Es klingt fast schon wie eine Beschwörungsformel, um der nachlassenden Kirchenbindung entgegenzuwirken. Bevor wir uns in der Kirche in Strategie-Debatten verlieren, ist es gut, sich auf Den zu besinnen, der am Anfang Menschen in seine Sendung gerufen hat. An Jesus Christus selbst und seinem Weg ist zuallererst abzulesen, was seine Gesandten tun sollen und mit welchen Erfolgsaussichten sie zu rechnen haben.

Kyrie-Ruf
GL 495/7 »Herr Jesus, du rufst die Menschen, dir zu folgen«

Tagesgebet
Guter Gott,
du rufst auch heute Menschen, die deine befreiende Botschaft leben und ausrichten.
Schaffe in deiner Kirche Raum für die Vielfalt deiner Gaben – für die Berufung von jungen Menschen, Frauen und Männern. Ermutige jede und jeden von uns, die eigene Sendung anzunehmen und zu erfüllen.
So bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 262,1–2 »Nun singt ein neues Lied dem Herren«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 641,1–2 »Gleichwie mich mein Vater gesandt hat« und
GL 531/4 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 241,1–4 »Komm, Heilger Geist, der Leben schafft«
Gesang zur Kommunion
GL 880 »Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch« (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart; ist auch im neuen Gotteslob aufgenommen)
Dankhymnus/Schlusslied
GL 644,5–6 »Gib den Boten Kraft und Mut«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 10,1–12.17–20 (Evangelium)


»Es geschah aber, als sich die Tage seiner Hinaufnahme erfüllten, hielt er das Angesicht fest auf den Weg nach Jerusalem gerichtet« (Lk 9,51 Übersetzung Fridolin Stier): Dieser Satz ist wie eine Überschrift über die folgenden Kapitel des Lukasevangeliums, also auch ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis unserer Perikope:

Die Sendung der Jünger ist Teil des »Weges Jesu nach Jerusalem«. Und ihre »Erfüllung« findet diese Sendung nicht in statistisch zählbaren Missionserfolgen, sondern im engen Anschluss an Jesu Weg, ja im Grund erst »im Himmel«. Darauf verweist auch der Vers 20: »Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.« Die Kirche ist in ihrem Wesen »missionarisch« – also nicht in erster Linie Agentur für Werte oder Fachmarkt für religiöse Bedürfnisse; sie ist vielmehr auf den Weg zu den Menschen gerufen, um das Wort des Friedens auszurichten, sich der Kranken (im weiten Sinn) anzunehmen und dem Reich Gottes den Weg zu bahnen.

Predigt


»Ite missa est!«, so endete im Lateinischen früher die »Messe« (sie hat ja davon auch ihren Namen). Auf deutsch: »Geht jetzt auf Sendung!« – ein Schlusswort, das etwas mehr Biss hat als das eher gemächliche »Gehet hin in Frieden!«

Unattraktive Kirche?

Jesus sendet seine Jünger aus: so der Bericht im Evangelium, und so auch sein Auftrag an uns als Kirche heute. Wir sind gesendet. Im Credo bekennen wir die »apostolische« Kirche. Kirche ist ihrem Wesen nach »apostolisch«: gesendete, missionarische Kirche!

Sind wir missionarische Kirche? In der Sicht des früheren Papstes Benedikt ist die deutsche Kirche gut organisiert, aber ohne missionarische Kraft. Hat er nicht recht? Viele in der früheren DDR glaubenslos Aufgewachsene leben unter uns; wen konnten wir für den Glauben und die Taufe gewinnen? Ganz zu schweigen von der missionarischen Ausstrahlung auf unsere eigene nachwachsende Generation! Sind wir nicht attraktiv genug? Zu wenig missionarisch? Zu bequem?

Der Auftrag

Es ist gut, auf das Evangelium heute genauer zu hören. Da ist von Attraktivität oder von Erfolgsaussichten nicht die Rede, sondern nur vom Auftrag. Und der heißt:
– Wenn ihr in ein Haus kommt, sagt als Erstes: Friede diesem Haus!
– Zweitens: Heilt die Kranken!
– Und drittens: Sagt den Leuten, das Reich Gottes ist euch nahe!
Dazu also sind die Jünger und wir als Kirche gesendet:
– Den Menschen den Frieden Gottes zu bringen: Zeichen des Friedens zu setzen, Brücken der Verständigung zu bauen,
– Kranke zu heilen, Belastete zu ertragen, Verletzte zu verbinden, Kraftlose zu stützen
– und schließlich: Die Nähe Gottes anzusagen – in jede, auch in die heilloseste Situation Gottes Gegenwart hineinzusagen.

Wider die Selbstbespiegelung

Es geht also nicht um die Frage, wie attraktiv wir als Kirche sind. Auch der Jüngerkreis Jesu war nicht die pure Attraktion! Es geht darum, die Sendung zu erfüllen, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Selbstbespiegelung, wie gut wir dastehen.

Allen Pastoralplanern und -strategen unserer Tage ist die Geschichte von Davids Volkszählung ins Stammbuch geschrieben, die im 2. Samuelbuch steht. Da gibt König David den Auftrag, aufzulisten, wie stark seine Kriegsmacht ist. Er will sich im Glanz seiner Erfolge sonnen. Zu spät schlägt ihm das Gewissen, dass er mit dieser Aktion ja nur seinen eigenen Ruhm sucht. Das Unternehmen endet in einer Katastrophe: Die Pest macht seinem Heer den Garaus.

Treue zum Auftraggeber

»Geht, ich sende euch wie Schafe unter Wölfe!« Das heißt nicht, dass wir Christen als Unschuldslämmer der ach so bösen Welt gegenüber stehen. Wohl aber ist damit gesagt: Wir haben nicht damit zu rechnen, dass eine Kirche, die Christi Sendung nachkommt, zur großen Attraktion der Welt wird, wenn sie es nur richtig anstellt.

Den Frieden bringen, Kranke heilen, das Reich Gottes ansagen: das ist die Mission, in die Jesus ruft. Die Treue, mit der jemand einen Kranken pflegt oder einen schwierigen Menschen erträgt oder Frieden stiftet, ist nicht weniger Werbung fürs Evangelium als der gelungenste Katholikenoder Weltjugendtag. Vorsicht also mit statistischen Erhebungen à la David – und mit pauschalen Urteilen über die missionarische Kraft der Kirche da oder dort!

»In Jerusalem findet ihr Trost!« heißt es in der Lesung (Jes 66,13). Vielleicht kann uns eine Kirche, eine Gemeinde gerade auch in ihrer Unvollkommenheit zum Trost werden. In eine Kirche, die die pure Glanznummer ist, würde ich jedenfalls nicht hineinpassen.

Kirche – nur Vorbote

In einem kleinen Nebensatz des heutigen Evangeliums steckt wohl die wichtigste Botschaft:
»Der Herr sandte sie voraus in alle Ortschaften und Städte, in die er selber kommen wollte«. Wir sind nur Vorboten für ihn. Kirche kann nur anbahnen, das Vorfeld beackern, damit es zur Begegnung mit Ihm kommen kann. Gut, wenn wir dieser Begegnung dienen und ihr nicht im Weg stehen.

Fürbitten
Jesus Christus, auch heute rufst du Menschen in den Dienst des Evangeliums und rüstest sie aus für deine Sendung. Wir bitten dich:

– Für die ganze Kirche: um Offenheit für die Zeichen der Zeit, um Führung durch deinen Geist, um Befreiung von Angst vor neuen Wegen.
(Herr, erhöre uns.)
– Für unsere Gemeinden: um Inspiration aus dem Evangelium, um Aufgeschlossenheit für Menschen, die suchen und fragen.
– Für Menschen, die sich in den Dienst am Evangelium senden lassen – als Priester, als Gemeinde- oder Pastoralreferent/innen: um Erfüllung in ihrem Beruf.
– Für die Kranken und Behinderten, die eine wichtige Sendung haben für unsere sich so perfekt gebende Welt – und für alle, die ohne Aufsehen und oft genug ohne Dank Zeugnis geben für dich.

So feiern wir deine verborgene Gegenwart in den Zeichen von Brot und Wein und preisen durch dich den Vater im Heiligen Geist. Amen.

Thomas Keller

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