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Leseprobe 1
Pfingsten - Am Tag
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Atemübungen

Beitrag II zum Evangelium

Einführung


Pfingsten – Pentekoste – der 50. Tag. Oder vielmehr: der sieben Mal siebte Tag plus eins. Die sieben steht in der jüdischen Tradition als Symbolzahl für Fülle und Vollkommenheit. Sieben mal sieben und einen Tag haben wir Ostern gefeiert. Wir haben gefeiert, dass uns das Leben neu und in Überfülle geschenkt wurde. Diese Überfülle soll Raum gewinnen in unserem Leben, soll uns ganz und gar lebendig machen und uns Kraft und Mut geben, die Welt im Sinne Gottes zu verändern. Dazu ist uns der Heilige Geist gesandt. Öffnen wir uns an diesem Pfingsttag für sein Wirken und bitten ihn um seine Gaben, dass sie uns siebenfach-vollkommen bereichern.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du trittst hinein in unsere Dunkelheiten.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du schenkst uns deinen Frieden.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du sendest uns, die Menschen zu versöhnen.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Messbuch: Pfingsten – Am Tag

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 20,19–23 (Evangelium)

Die Perikope des heutigen Sonntags ist Teil der nachösterlichen Erzählungen. In ihren Begegnungen mit dem Auferstandenen erfahren die Jünger hier eine neue Dimension: Sie erkennen ihn als Herrn, der nicht mehr zum Vater hin unterwegs ist, sondern von ihm her durch die Unmöglichkeit verschlossener Türen kommt und Licht in ihre von Angst und der Erfahrung des Todes verdunkelte Welt bringt. Jesus führt ihnen mit dem Zeigen der Wundmale vor Augen, dass sein und alles Leiden in den größeren Kontext Gottes hineingehoben und verwandelt ist. Die Verwundbarkeit und Gebrochenheit menschlichen Lebens hat nicht das letzte Wort. Gottes Frieden wirkt Heilung. Ihn zu den Menschen zu bringen, sind die Jünger gesandt. Jesus ermächtigt sie dazu, indem er sie anhaucht und ihnen seinen Atem mitteilt, der über den Lebensatem im Schöpfungsbericht hinausgeht: Es ist der Atem der Möglichkeiten Gottes, der trennende Barrieren niederreißt (Sündenvergebung) und das Antlitz der Erde erneuert.

Ausgehend von der ganz elementaren Erfahrung des Atmens entfaltet die Predigt das Thema in zwei Richtungen: die Reflexion auf den Lebensatem als Gebet und die »pfingstliche« Weise des Atmens als Empfang und Weitergabe des Heiligen Geistes.

Predigt

Übung 1: Atmung und Körper

Ein bulliger Kerl ist es, der da aus dem Hintergrund auf die Bühne tritt. Das Trikot spannt über Bauch und Muskeln. Ein Kraftpaket. Ein letztes Mal werden die Hände mit Talkumpuder bestäubt, damit ja nichts in Rutschen kommen kann. Langsam tritt er an die Hantel. Mehr als 250 kg sind aufgelegt. Der Augenblick höchster Konzentration beginnt. Schweißperlen sammeln sich auf der Stirn, die Adern treten hervor. Vier tiefe Atemzüge, die Muskeln spannen sich und mit gewaltiger Anstrengung bringt er das Gewicht auf die Brust. Für einen kurzen Moment, der sich ewig anfühlt, ruht es dort. Kein Mucks im Publikum. Es folgen sieben weitere Atemzüge, als wolle er die Muskeln mit Sauerstoff aufpumpen. Und dann presst er das Gewicht über seinen Kopf und hält es fünf lange Sekunden.

Auf die richtige Atemtechnik kommt es an. Das wissen neben den Gewichthebern wohl am besten die Mütter unter Ihnen. Immer wieder zwischen fasziniert und – wenn es mir, gern auch von den werdenden Vätern, demonstriert wird – amüsiert höre ich von Geburtsvorbereitungskursen, in denen Hecheln geübt wird, um den Schmerz der Wehen zu mindern und die Geburt zu erleichtern. Fügen wir uns ein in den natürlichen Rhythmus des Atmens, fällt uns die Anstrengung leichter. Gegen Atem zu arbeiten, macht selbst leichte Dinge schwer.

Übung 2: Atmung und Gebet


Der Lebensatem, so sagt es uns die Bibel, ist uns geschenkt. Der zweite Schöpfungsbericht öffnet die Tür zu Gottes Werkstatt einen Spalt und lässt uns kurz über seine Schulter schauen, wie er erst den Menschen aus Lehm formt und ihm dann seinen Atem durch die Nase einbläst, sodass er zu einem »lebendigen Wesen« wird. Gottes Atem durchströmt unseren ganzen Körper, dringt noch bis in die letzte Faser und lässt uns bis in die Haar- und Fußspitzen lebendig sein. Dieser Atem wird uns ein Leben lang durch die Welt lang tragen und unser Begleiter sein, wer und was und wo und wie wir auch immer sind: reich oder arm, angesehen oder belächelt, jung oder alt, krank oder gesund, heilig oder Sünder. Jeder Atemzug ist ein Zuspruch Gottes: Du sollst sein. Lebe! Wenn wir uns so auf unsere Atmung konzentrieren, kann sie zum Gebet werden. Viele Meditationstechniken nutzen es. Die Verbundenheit mit dem Körper, das bewusste Ein- und Ausatmen, lässt uns den Geist öffnen für die Gegenwart Gottes. Es ist vielleicht die einfachste und zugleich die schwerste Art des Betens. Denn ganz im Augenblick, im Jetzt zu verweilen, hält unser geschwätzig vor sich hin denkender Geist kaum aus. Immer sind wir mit den Gedanken woanders, wühlen in dem, was vergangen ist, oder sorgen uns um das, was in der Zukunft geschehen oder auch nicht geschehen mag. Die Besinnung auf das Atmen kann den ständigen Verkehrsfluss, die Gedankenautobahn in unserem Kopf für einen Moment stoppen und uns zur Ruhe bringen, damit wir hören können. Es ist eine Aufmerksamkeitsübung für das Wort und Wirken Gottes in unserem Leben; eine Aufmerksamkeit, die uns langsam verwandelt. Versuchen Sie es: eine Minute lang, fünf, zehn, eine halbe Stunde.

Übung 3: Pfingstliche Atmung

Geistes Gott lässt uns aber nicht in der Stille verweilen. Er treibt uns zum Handeln. Im Evangelium hören wir vom Auferstandenen, der völlig unerwartet und plötzlich in die Mitte der Jünger tritt, die nach der Kreuzigung Jesu auch um ihr Leben fürchten mussten und hinter verrammelten Türen vor Angst fast zu ersticken drohten. Sein Gruß und sein Geschenk für sie ist Frieden – ein Frieden, wie ihn die Welt nicht geben, aber den die Welt auch nicht nehmen kann: Das Leben hat den Tod in all seinen Facetten besiegt! Diese Botschaft ist zu groß, als könnte sie auf die kleine Gemeinschaft in Jerusalem beschränkt bleiben. Alle Menschen sollen sie hören und neu zum Leben kommen. Dazu sendet Jesus seine Jünger und ermächtigt sie, indem er sie den Geist atmen lässt, der ganz aus den Möglichkeiten Gottes kommt. Und er ermächtigt und sendet uns. Mit dem Pfingstereignis damals in Jerusalem sind wir durch Taufe und Firmung verbunden. Heute sollen wir neue Ermutigung und ein neues Gespür für die Schönheit dieses Auftrags bekommen: mit Gottes Atem die Welt um uns herum zu verändern. Das ist die Atemübung des Pfingstfestes. Und vielleicht wird es uns dann gehen wie dem Gewichtheber oder der werdenden Mutter: Je mehr wir uns Hineinüben in die Atmung des Geistes, desto größere Gewichte werden wir stemmen können und je leichter werden wir neues Leben schenken. Nicht mühelos. Aber mit Freude und Staunen.

Die Seele ist wie ein Wind, der über die Kräuter weht,
wie ein Tau, der auf die Gräser träufelt,
wie die Regenluft, die wachsen macht.
Genauso ströme der Mensch sein Wohlwollen aus auf alle,
die da Sehnsucht tragen.
Ein Wind sei er, indem er den Elenden hilft,
ein Tau, indem er die Verlassenen tröstet,
und Regenluft, indem er die Ermatteten aufrichtet
und sie mit der Liebe erfüllt wie Hungernde:
indem er ihnen seine Seele hingibt.
(Hildegard von Bingen)

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 245 »Komm, Schöpfer Geist«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 253/1 »Sende aus deinen Geist« mit 253/2 (Psalm 104) und GL 530/1
»Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
EH 153 »Unser Leben sei ein Fest« oder
GL 248 »Nun bitten wir den Heiligen Geist«
Gesang zur Kommunion
GL 281 »Danket dem Herrn, denn er ist gut«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 249 »Der Geist des Herrn erfüllt das All«

Fürbitten
Allmächtiger, ewiger Gott, an diesem Pfingsttag bitten wir dich:

– Für die Kirche: Erhalte und erneuere sie in der österlichen Freude, gib ihr den Mut, die Türen zu öffnen, wo sie aus Angst verschlossen sind, und lass sie immer neue Wege finden, dein Evangelium zu verkünden.
(EH 82 »Veni Sancte Spiritus«)
– Für die Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft: Leite sie in deiner Weisheit, schenke ihnen die Vision einer gerechteren Gesellschaft und gib ihnen Stärke und Durchsetzungskraft, wenn es um den Schutz der Schwachen geht.
– Für die Menschen in den Krisenregionen dieser Erde: Bewahre sie vor Verzweiflung und Resignation und lass sie schnell Hilfe in ihrer Not finden.
– Für die Kranken und Trauernden: Tröste sie, heile ihre Verletzungen an Leib und Seele und stärke sie mit deiner Lebenskraft.
– Für die Verstorbenen: Nimm sie auf in deine himmlische Freude, lass sie Frieden und Geborgenheit finden bei dir.

Barmherziger Gott, dein guter Geist begleitet uns, wo immer wir auch sind. Wir danken dir und preisen dich durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Sabine Schratz

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