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Leseprobe 2
Zweiter Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Die Gaben des Menschen in der Gemeinde und der Geist Gottes

Beitrag zur Lesung

Einführung

Die Texte des heutigen Sonntags lassen nicht gleich ihre verbindenden Aussagen erkennen. Eine aber legt sich zuerst nahe – die enge Bindung, die Gott mit denen, die er gerufen hat, eingeht. Das drückt die Lesung aus dem Buch Jesaja aus im Bild der Vermählung; der Abschnitt aus dem ersten Korintherbrief im Hinweis auf die von Gott im Menschen gewirkten Geistesgaben. Das Evangelium schließlich zeichnet Jesus als das Bild und Dasein Gottes im Alltag und Feiertag der Menschen. Wir wollen der Botschaft Gottes ein offenes Ohr und noch mehr ein offenes Herz schenken.

Predigt

Zum Text: 1 Kor 12,4–11 (2. Lesung)

Die sozialen Verhältnisse

Welche sozialen Verhältnisse setzt dieser Briefabschnitt unserer heutigen Lesung voraus?

Zur Zeit der Gemeindegründung in Korinth durch den Apostel Paulus um das Jahr 51 n. Chr. herrscht in der antiken Welt eine Sklavengesellschaft; und wie in der Antike überhaupt, eine Männergesellschaft und in diesem Fall eine Großstadtgesellschaft. Es gab in Korinth soziale Unterschiede, wie wir sie uns kaum vorstellen können. Aber es gab auch »schrille« Dinge, die in allen großen Hafenstädten, also auch in Korinth mit seinen zwei Hafenanlagen, anzutreffen waren. Dadurch gab es Verbindungen überall hin in die damals bekannte Welt. Aufgrund von archäologischen Funden wissen wir zum Beispiel, dass die Menschen bereits mit dem Fernen Osten Handel trieben. So war Korinth sicher ein Schmelztiegel von Gedanken, Einstellungen und religiösen Vorstellungen von überall her.

Erst 100 Jahre, bevor Paulus nach Korinth kam, ist die Stadt nach einer Zerstörung wieder aufgebaut worden. Die neuen Siedler waren römische Veteranen, Handelsleute, Sklaven und auch Menschen mit einer gewissen Mobilität. Es fehlte jedoch an gewachsenen Traditionen und an einer homogenen Bevölkerung. Was war das also für eine Zeit, die sowohl für Paulus wie für die Bewohner von Korinth Gegenwart war? Um zu verstehen, worum es Paulus in seinem Brief geht, ist nicht unser Zeithintergrund maßgebend, sondern der des ersten nachchristlichen Jahrhunderts und was von daher alles Einfluss nahm auf Paulus und die Korinther.

Die Berufenen


Schon am Ende des ersten Kapitels seines Briefes erinnert Paulus die Adressaten, wer denn die Berufenen in ihrer Gemeinde sind. Nicht viele Weise, Mächtige und Vornehme, sondern, wenn man sie mit den Augen der Welt sieht, vor allem eher Schwache, Niedrige und von andern Verachtete. Also im wesentlichen Menschen, die – in unseren Worten – mehrheitlich der Unterschicht angehören und weniger den Führenden der Gesellschaft. Und es gehörten Sklaven und Frauen zu der Gemeinde, die ja eigentlich entsprechend der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse bei Zusammenkünften nichts zu suchen hatten außer zu Diensten zu sein. Es gab aber durchaus auch Gemeindemitglieder, die zum Beispiel die griechische Philosophie ihrer Zeit kannten. Also, es geht wahrscheinlich in kaum einer Christengemeinde heutzutage so spannungsreich zu wie aufgrund ihrer Zusammensetzung und den damaligen Verhältnissen in der korinthischen.

Das Band der Geistesgaben


Wie gelingt es nun Paulus, dass eine solche Gemeinde nicht durch die sozialen Fliehkräfte einfach auseinanderfliegt? Oder vielleicht sollte man eher fragen: Welche Kraft des christlichen Glaubens ist es, die eine Gemeinde mit solchen Verhältnissen und den Problemen, die sich daraus ergeben, zusammenhält? Denn davon kann jede Gemeinde damals wie heute etwas profitieren. Sie kann sich dies bewusst machen und vertrauen, dass auch in heutigen Problemen eine bestimmte Gegebenheit des Glaubens in uns ihre Kraft hat. Im Briefabschnitt der heutigen Lesung geht Paulus darauf ein. Als erstes weist er die Christen darauf hin, dass jeder Mensch, jeder von Gott Berufene etwas mitbekommen hat – eine Gabe oder gar Gaben des Heiligen Geistes. Die entfalten im Menschen ihre Kraft und sie befähigen ihn zu einem Dienst in der Glaubensgemeinschaft. Aber selbst wenn der einzelne Mensch sie kultiviert hat, wenn er sie ausgebildet oder sie zur Entfaltung hat kommen lassen, es sind Gaben, Anlagen, Kräfte, die im Ursprung von Gott gegeben sind. Jedoch sind sie nicht »just for fun« gegeben, wie man heute gerne sagt, sondern damit sie den Mitmenschen etwas nützen. »Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.« Menschliche Gaben und Anlagen als Gaben des Geistes Jesu Christi haben in sich die Tendenz, die Dynamik und Zielrichtung, dass sie anderen nützen. Ihren Wert und ihren Rang haben sie als Gabe des einen Gottes, des einen und selben Heiligen Geistes, der in ihnen wirkt.

Nun zählt Paulus beispielhaft Gaben des Geistes auf, die es offenkundig in der korinthischen wie auch in anderen Gemeinden gab; Gaben die nötig sind, damit eine Gemeinde den Glauben leben kann. An ihnen macht er klar, dass sie nicht in erster Linie qualitative Unterschiede ausmachen, sondern allesamt das Gütesiegel des Geistes Gottes und der Berufung durch Gott tragen. Niemand hat also Anlass, sich für seine besondere Gabe und seinen besonderen Dienst innerhalb der Gemeinde vor anderen herauszustellen, sich wichtiger oder besser zu dünken. Und keiner hat mit seiner Gabe Anlass, sich minderer einzuschätzen. Denn, so schreibt Paulus: »Alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.«

Nun geht es darum, die Gaben des Heiligen Geistes einzusetzen, ihnen Raum zu geben, die spezifische Berufung durch sie zu erkennen gegen das Trägheitsmoment der Bequemlichkeit und Selbstsucht. Die Gabe wird zum Charisma, indem sie von den Schlacken, den Zäunen, den Zweifeln im Menschen gelöst wird. Es geht darum, die Glut, das Feuer, den Sturm des Geistes nicht zu behindern durch die Fehleinschätzung der eigenen Gabe.

Das ist es, worauf Paulus die Christen in Korinth aufmerksam macht. Er öffnet ihnen die Augen für das innere Band und lehrt sie eine Selbsteinschätzung aus der Kraft des Glaubens, den sie empfangen haben.

Das hat trotz aller Spannungen innerhalb der Gemeinde von Korinth diese schlussendlich zusammengehalten.

Geistesgaben heute

Was würde der Apostel Paulus uns heute in Bezug auf die Geistesgaben, in Bezug auf die Charismen schreiben oder mailen; in welchem sozialen Netzwerk würde er Freunde im Heiligen Geist suchen?

Mir scheint, er würde genug Beispiele von Gaben auch in unseren Gemeinden finden, die nicht nur zum Aufbau der Gemeinde dienen könnten, sondern die generell in der Kirche nötig sind. Alleine schon der Gedanke, dass bestimmt viele Charismen in der Kirche und in den Gemeinden nicht gehoben und nicht freigesetzt sind, könnte eine elektrisierende Wirkung haben. Der innerkirchliche Gesprächsprozess, der 2011 bei uns begonnen wurde, könnte ein Anfang sein, um Charismen in der deutschen Kirche und in den Gemeinden aufzuspüren. Alleine schon aus dem Gedanken heraus, dass jeder Getaufte und Gefirmte etwas beizutragen hat und darum ein Recht auf Gehör hat.

Paulus würde uns heute bestimmt dasselbe schreiben wie den Korinthern, dass nämlich die Gnadengaben, so unterschiedlich sie sein mögen, in sich die Qualität des einen Geistes Gottes haben und die Christen sich als Berufene auf gleicher Augenhöhe begegnen.

Fürbitten
Herr unser Gott, im Namen Jesu Christi tragen wir unsere Bitten vor dich und vertrauen, dass du uns hörst.

– Für alle Menschen in unserer Gemeinde, die in Jesu Wort nach Orientierung für ihr Leben suchen: dass sie den Mut haben, ihm zu folgen.
Gott, unser Vater: (Wir bitten dich, erhöre uns.)
– Für unsere Gemeinde, dass die Menschen ihre Geistesgaben erkennen und sie zu unser aller Wohl einsetzen.
Gott, unser Vater:
– Für die Kirche in unserem Land, dass sie im offenen Gespräch und Austausch Lösungen für die pastoralen Probleme findet.
Gott, unser Vater:
– Für die Verantwortlichen in der Kirche um den Mut, die Türen des Glaubens weit zu öffnen für alle, die in der Last Ihres Lebens die Zuwendung Gottes suchen.
Gott, unser Vater:
– Für alle in diesem Gottesdienst um die Freude über die Nähe Gottes in Jesus Christus und die Bereitschaft, Licht und Salz in der Welt zu sein.
Gott, unser Vater:

Doch nicht nur bitten wollen wir, sondern dir auch danken, heute und alle Tage und bis in Ewigkeit. Amen.

Staunend stehe ich vor Dir:

Mein Herz und meine Seele
kommen zur Ruhe in Dir.

Wie könnte ich erklären, was uns trägt?
Wie könnte ich verstehen, was uns treibt?

Vor Dir verbeuge ich mich:
vor dem Schweigen des Steines,
vor dem Fallen des Schnees am Morgen,
vor dem Regen auf den Blättern,
vor dem Lächeln unserer Kinder.

So bin ich in Dir in mir –
geborgen, nicht verborgen.

(vgl. Psalm 131)
Arndt Büssing

Johannes Jeran

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