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Leseprobe 1
Neujahr - Hochfest der Gottesmutter Maria
Lesejahr C
Neu anfangen

Beitrag zum Evangelium


Einführung
Wir kommen zusammen und feiern den ersten Gottesdienst im neuen Kalenderjahr. Niemand weiß, was das neue Jahr bringen wird. Unser Glaube aber sagt uns, dass unsere Zeit in Gottes Händen ruht und er uns mit seinem Segen an jedem neuen Tag begleiten wird. Zugleich feiern wir an diesem 1. Januar das Hochfest der Gottesmutter Maria. In Maria hat Gott einen einzigartigen Neuanfang gemacht und uns durch sie Christus, den Erlöser, geschenkt. Ihn rufen wir in unsere Mitte.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du warst schon vor dem Beginn der Zeiten. Durch dich ist alles erschaffen.
Herr, erbarme dich.
Als die Zeit erfüllt war, wurdest du aus Maria, der Jungfrau, geboren.
Christus, erbarme dich.
Du bist unsere Zukunft. In dir wird sich alles vollenden.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Ewiger Gott, durch die Geburt deines Sohnes aus Maria, der Jungfrau, hast du der Welt einen neuen Anfang geschenkt und uns den Weg zum Leben neu erschlossen.
Lass uns auf die Fürbitte der Gottesmutter Maria auch im neuen Jahr immer und überall deine Hilfe erfahren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 158 »Lobpreiset all zu dieser Zeit«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 555,1.4–5 »Morgenstern der finstern Nacht« und
GL 531/7 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 583,1–3 »Ave Maria zart«
Gesang zur Kommunion
GL 144,1.4–5 »Jauchzet, ihr Himmel«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 577,1–3 »Maria, Mutter unsres Herrn«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 2,16–21 (Evangelium)

Der Neujahrstag steht in einem besonderen Spannungsgefüge, da sich an diesem Tag ganz unterschiedliche Aspekte und Erwartungen verbinden. Nach der liturgischen Ordnung ist er als Oktavtag von Weihnachten Hochfest der Gottesmutter Maria. Im Empfinden der Gottesdienstteilnehmer dürften jedoch die Eindrücke der Silvesternacht und der Zauber des Neuanfangs des neuen Kalenderjahres mit all den damit verbundenen Hoffnungen, vielleicht aber auch Befürchtungen im Vordergrund stehen. Zugleich wird der 1. Januar als Weltfriedenstag begangen. Die Predigt versucht, zwischen dem Reiz des Neuen, das sich mit dem neuen Jahr verbindet, und dem Neuanfang, den Gott in Maria gemacht hat, einen Bogen zu spannen. Als Bindeglied dient ein Wort von Eberhard Jüngel, der das »Anfangen können« als eine Qualität versteht, die Gott und Mensch verbindet.

Predigt

Mit guten Vorsätzen ins neue Jahr

Haben Sie für das neue Jahr einen besonderen Vorsatz gefasst? Für viele ist es zur guten Gewohnheit geworden, am Ende eines Jahres noch einmal innezuhalten, eine persönliche Zwischenbilanz zu ziehen, um dann nach einiger Selbstkritik zu beschließen: Ja, nächstes Jahr, da wird alles anders! Die Zeit des Jahreswechsels, sie ist gefüllt, manchmal auch überfrachtet mit Hoffnungen, Erwartungen und Wünschen. Oft halten die guten Vorsätze jedoch nicht lange an. Die meisten lösen sich wie die Feuerwerkskörper schon in der Silvesternacht in Schall und Rauch auf. Es war gut gemeint, aber »gut gemeint« allein, das reicht eben doch nicht. Die Chance zum Neuanfang, sie ist schnell vertan.

Die Chance für einen Neuanfang

Wir stehen am Beginn eines neuen Kalenderjahres. 365 Tage stehen uns zur Verfügung, die wir gestalten können. 365 Tage, an denen wir neu anfangen können. Die Fähigkeit, anfangen zu können und etwas Neues zu beginnen, zeichnet uns Menschen aus. Anders als die Tiere, die sich von Trieben und Instinkten leiten lassen, und anders als die Abläufe in der Natur, die den gleich bleibenden Gesetzmäßigkeiten von Werden von Vergehen folgen, sind wir Menschen in der Lage, unser Leben und unser Lebensumfeld aktiv und kreativ zu gestalten. Wir können Akzente setzen, Entscheidungen treffen, einen Neuanfang wagen. Wir hoffen im neuen Jahr auf Veränderungen, Reformen und Verbesserungen, weil wir selbst zur Veränderung fähig sind. Wir wissen sogar mit Blick auf die Herausforderungen in Politik und Gesellschaft, dass nicht alles wie bisher bleiben kann, sondern dass sich manches ändern muss. Weder in der Politik noch in unserem eigenen Leben können wir uns einen Stillstand erlauben. Auf neue Herausforderungen und sich ändernde Lebensbedingungen müssen auch wir immer neu reagieren. Darin liegt die eigentliche Größe und zugleich die Herausforderung unseres Menschseins: dass wir nicht nur nach festgelegten Mustern funktionieren, sondern eben auch für Überraschungen gut sind.

Gott und Mensch als Anfänger

Der Mensch ist in gewisser Hinsicht frei und unabhängig. Ohne einen Antrieb von außen kann er etwas von sich aus beginnen, kann er einen Zustand von selbst anfangen. Er ist deshalb, nach einem Wort des evangelischen Theologen Eberhard Jüngel, ein »Anfänger«. Mit dem Begriff »Anfänger« verbinden wir zunächst etwas Unvollkommenes. Dem Anfänger fehlt noch die Erfahrung, die Übung, das Können. Was der Anfänger probiert, geht vielfach daneben. Jüngel dagegen macht uns darauf aufmerksam, dass das »Anfangen können« etwas Positives, eine Begabung, ja, eine Auszeichnung ist. Wir brauchen nur an Kleinkinder zu denken, die in vieler Hinsicht »Anfänger« sind. Doch wie sehr freuen sich die Eltern schon über die zaghaften Anfänge des Kindes, das Aufstehen, die ersten Schritte oder die ersten Worte. Die Gabe des Anfangen Könnens haben wir von Gott erhalten, der noch in ganz anderem Maß als wir selbst Neuanfänge setzen kann. Während wir an Vorgegebenes anknüpfen müssen und dieses umgestalten können, kann Gott noch aus dem Nichts etwas machen. Er ist der Ursprung, der Anfang schlechthin. Mit unseren Uhren und Kalendern zählen wir lediglich die Zeit, die er überhaupt erst erschaffen und uns zugeteilt hat. Von diesem Schöpfergott kann deshalb Jüngel sagen: »Er ist der ursprüngliche Anfänger. Er ist der Anfänger schlechthin.« (E. Jüngel, Anfänger, Radius-Verlag, Stuttgart 2003)

Gottes Neuanfang in Maria

Heute vor acht Tagen haben wir Weihnachten gefeiert. Dieses Fest steht für einen ganz entscheidenden Neuanfang, den Gott mit uns Menschen gemacht hat. Die Geburt Jesu im Stall kennzeichnet nicht bloß den Beginn seines menschlichen Lebens. Mit der Geburt des Retters im Stall beginnt die Erlösung der ganzen Menschheit: Gottes Liebe wird in Jesus unter den Menschen sichtbar. Was Gott von allem Anfang an für die Menschen wollte und ihnen durch Propheten und andere Boten verkünden ließ, kann nun in dem Kind geschaut und später von dem erwachsen gewordenen Jesus erfahren werden.

Acht Tage nach der Geburt Jesu feiert die Kirche das Hochfest der Gottesmutter Maria. Wir erinnern uns daran, dass am Anfang dieser Erlösungsgeschichte eine Frau steht: die Mutter Jesu. Maria ist mehr als nur ein Werkzeug Gottes, dessen er sich für die Geburt seines Sohnes bedient hätte. Maria ist eine eigenständige Persönlichkeit, die von Gottes Botschaft überrascht wird und sich seinem Anspruch schließlich öffnet. Maria wagte das Neue und sprach ihr Ja zu einem ungewöhnlichen Weg. So wurde auch Maria zur »Anfängerin«: eine Frau, die einen Neubeginn wagt.

Zeit für den Neuanfang

Anfangen können, das zeichnet uns Menschen aus. Wir würden uns sogar Chancen vergeben, wenn wir von den Möglichkeiten, die Gott für uns bereithält, keinen rechten Gebrauch machten. Nicht umsonst sprechen wir im Schuldbekenntnis zuerst von dem, was wir »Gutes unterlassen« haben. Damit gestehen wir ein, dass wir den Neuanfang oft nicht gewagt, eine Chance, die sich ergeben hat, nicht genutzt haben.

Vor uns liegt nun ein neues Jahr, das die Gelegenheit zu vielen Neuanfängen bietet. Und bestimmt fallen Ihnen einige Beispiele ein: Da wäre es nötig einen Kontakt wieder aufzunehmen, einen lange hinausgeschobenen Brief zu schreiben, ein klärendes Gespräch zu suchen. Es wäre vielleicht an der Zeit, für sich selbst etwas zu tun, am eigenen Lebensstil etwas zu ändern, einen lang gehegten Traum zu verwirklichen. Wir könnten unsere Mitmenschen in den Blick nehmen, uns selbst und unsere Talente für sie einbringen. Vielleicht trauen wir uns, die eine oder andere Veränderung in Angriff zu nehmen. Dabei muss ja nicht alles sofort zu einem sichtbaren Erfolg führen. Es ist das Privileg des Anfängers, etwas ausprobieren, etwas versuchen zu dürfen. Auch Gottes Neuanfang mit uns Menschen war ein großes Wagnis. Unverständnis, Ablehnung und Verfolgung haben Jesus ein Leben lang begleitet. Vertrauen wir darauf, dass Gott auch unsere Anfänge mit seinem Segen begleitet und selbst vollenden wird, was wir begonnen haben.

Für dieses neue Jahr wünsche ich Ihnen den Mut und die Kraft, solche Neuanfänge zu wagen. Gelegenheit dazu haben wir reichlich: 365 Tage lang.

Fürbitten

Mit Maria und im Vertrauen auf ihre Fürsprache wenden wir uns mit unseren Bitten an Gott, den himmlischen Vater:

– Wir beten für die Verantwortlichen in Kirche, Politik und Gesellschaft: Hilf ihnen, den Frieden auf Erden zu fördern, den Engel bei der Geburt Jesu verheißen haben.
– Wir beten für die Christen in der weltweiten Gemeinschaft der Kirche: Lass uns aus dem Geist geschwisterlicher Nähe einander annehmen und Gottes Wort in unserem Leben befolgen.
– Wir beten für alle Menschen, die sich in diesem neuen Jahr auf den Weg machen, Gottes Spuren neu zu suchen und zu entdecken: Öffne ihnen die Augen für die Schönheit der Schöpfung und unseres christlichen Glaubens.
– Wir beten für alle, die Not leiden oder einsam sind: Lass sie die Hilfe erfahren, die ihnen hilft, neue Schritte zu gehen.
– Wir beten für alle, die in diesem Jahr an das Ende ihres irdischen Pilgerweges gelangen: Führe sie zum ewigen Leben bei dir.

Gott und Vater, dir sei Lob und Dank im Heiligen Geist, durch Christus unseren Herrn. Amen. 

Adrian Warzecha

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