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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Weihnachten – Am Tag
Lesejahr A – B – C
Ohne das Wort ist alles nichts

Beitrag I zum Evangelium

Einführung
Was mitten in der Nacht seinen Anfang nahm, das feiern wir am helllichten Tag: Himmel und Erde berühren sich, Gott und Mensch kommen zusammen. In der tiefsten Finsternis – des Jahres, der Welt, des Lebens – ist ein Licht entzündet worden, das alle Finsternis vertreibt. In unsere Ängste und Sorgen hinein wird uns das Wort der Zuversicht gesagt: Wir brauchen uns nicht zu fürchten, denn Gott ist mit uns. Er hat unter uns sein Zelt aufgeschlagen und teilt die Unbehaustheit unserer menschlichen Existenz. »Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt« (Joh 1,9). In diesem milden Lichte finden wir Erbarmen.

Tagesgebet
Gott,
du schenkst Licht und Leben. Die Welt und alles in ihr lebt von deinem schöpferischen Wort.
Du sprichst, und alles entsteht, und ohne dich kann nichts bestehen. In der Geburt deines Sohnes sagst du uns dein Wort auf ganz menschliche Weise: Du begegnest uns im Menschen Jesus von Nazaret. Hilf uns, dass wir Menschen werden wie er und leben in der Zuversicht, die alles von ihm erhofft.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 134,1–4 »Lobt Gott, ihr Christen alle gleich«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 135,2–3 »Freue dich, Jerusalem« und GL 531/4 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 140,1–5 »Zu Betlehem geboren«
Gesang zur Kommunion
GL 141,1–4 »Ich steh an deiner Krippe hier«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 143,1–4 »Nun freut euch, ihr Christen«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 1,1–18 (Evangelium)

Den Kern der Weihnachtsbotschaft und des Johannesprologs hat Karl Rahner unübertroffen zum Ausdruck gebracht: »Wenn wir sagen: Es ist Weihnacht, dann sagen wir: Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort im fleischgewordenen Wort in die Welt hineingesagt, ein Wort, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, weil es Gottes endgültige Tat, weil es Gott selbst in der Welt ist. Und dieses Wort heißt: Ich liebe dich, du Welt und du Mensch.« Die weltliche, menschliche und geschichtliche Tiefendimension dieses Worts erahnt aber nur, wer das letzte mit dem ersten Wort Gottes in Verbindung bringt. Hätte Gott nicht Welt und Mensch am Anfang bei der Schöpfung schon liebevoll angesprochen, so wäre nichts von dem geworden, was und worin wir leben. Der Anfang des Johannesevangeliums bezieht sich zurück auf den Anfang der Bibel. Er markiert den Neuanfang in Jesus Christus, der den ersten Anfang in der Schöpfung nicht hinter sich sich lässt, sondern im Tiefsten begreiflich macht. Konkret äußert sich die Zuwendung Gottes zur Welt und zum Menschen in den ersten Worten, die wir anlässlich der Schöpfung und Neuschöpfung von ihm vernehmen: »Es werde Licht!« (Gen 1,3) Und: »Fürchtet euch nicht!« (Lk 2,10) Angst und Furcht, die unser menschliches Leben immer wieder verfinstern und bedrohen, werden durch das Licht Christi ein für allemal erhellt. Das ist die hoffnungsfrohe Botschaft von Weihnachten, die Gott in unsere nicht selten dunkle Alltagswelt hineinspricht.

Predigt

Die Botschaft vom Anfang

»Im Anfang war das Wort«, so wird es uns feierlich im Evangelium vom heutigen Weihnachtstag verkündet (Joh 1,1). Es gibt wohl kaum ein Wort, es gibt wohl kaum einen Satz des Evangeliums, der zugleich so berühmt und so schwer verständlich ist. Alle Jahre wieder wird uns diese Botschaft an prominenter Stelle im Weihnachtsgottesdienst feierlich verkündet. Dabei will dieses Wort gar nicht so recht zur Weihnachtsidylle und zur Hirtenromantik passen. Es eignet sich auch nicht für die moralische Belehrung wie etwa die Geschichte von der Herbergssuche. Dieses Wort, das da am Anfang steht, ist allzu trocken und spröde, als dass es uns zum Weihnachtsbraten schmecken möchte. Es ist viel zu abgehoben und vergeistigt, als dass es unser Herz berührte. Und das ist kein Wunder. Denn was uns da am hochheiligen Weihnachtsfest zugemutet wird, nichts anderes als eine hochtheologische Spekulation. »Im Anfang war das Wort« – in diesem unscheinbaren Satz steckt eine ganze Weltanschauung, eine ganz bestimmte Lebensauffassung. In der Heiligen Nacht ist Gott als einfacher Mensch zur Welt gekommen – und am folgenden Weihnachtstag wird er ihr schon wieder enthoben? Stehen wir, bei Licht besehen, wie die Einfaltspinsel da und müssen mit dem Psalmisten eingestehen: »Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen«? (Ps 139,6)

Am Anfang unseres Lebens


Aber Vorsicht! Lassen wir uns den Schneid nicht zu schnell abkaufen! »Im Anfang war das Wort«, heißt es, und wenn wir schon keinen direkten Zugang zu dieser Weihnachtsbotschaft finden, dann vielleicht einen indirekten. So möchte ich den Spieß einmal umdrehen und fragen: Was wäre denn, wenn am Anfang kein Wort gewesen wäre? Lassen wir die Frage ruhig einen Moment auf uns wirken. Sie haben richtig gehört: Was wäre, wenn am Anfang kein Wort gewesen wäre? Um uns das auszumalen, müssen wir uns erst einmal an den Anfang zurückversetzen, und derlei Anfänge gibt es viele. Als wir geboren wurden, waren wir im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos. Wenn uns da nicht Mutter und Vater, Geschwister und Freunde mit guten Worten aufgenommen hätten, wären wir ein Leben lang sprachlos geblieben. Es wären keine mündigen Menschen aus uns geworden. Denn die Sprache ist ja etwas ganz Wesentliches, das uns von den übrigen Lebewesen unterscheidet. Aber auch nachdem wir das Sprechen gelernt haben, bleiben wir nicht selten sprachlos, und solcherlei Sprachlosigkeit verbaut uns manche Chance im Leben. Ich gewinne einen Menschen lieb, finde aber nie den Mut, ihm zu sagen, was ich für ihn empfinde. Ich habe mich mit einem Menschen zerstritten, fasse mir aber nie ein Herz, ein klärendes Wort mit ihm zu sprechen. Man könnte noch weitere Beispiele finden. Immer wieder muss ein gutes Wort den Anfang machen, wenn unser Leben als Menschen gelingen soll.

Am Anfang der Welt

Vielleicht können Sie sich jetzt auch ausmalen, was wäre, wenn am Anfang kein Wort gewesen wäre. Ich meine: ganz am Anfang. Die biblische Schöpfungsgeschichte schildert das eindrucksvoll. »Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde«, lesen wir da, und weiter: »Die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser« (Gen 1,1–2). Bis hierhin ist das Entscheidende noch nicht passiert, und es wäre auch nichts passiert, wenn nicht Gottes Wort gewesen wäre. Noch ist die Welt im Chaos gefangen, noch liegt die Zukunft der Welt im Dunkeln, wenn auch der Geist sie schon überschattet. Was wäre aus der Schöpfung geworden, wenn Gott sie jetzt nicht angesprochen hätte? Joseph Haydn hat dieser bangen Schicksalsfrage der Welt in seinem Schöpfungsoratorium einen unnachahmlichen Ausdruck gegeben. Nachdem das ungestüme Chaos die Gefühle den Zuhörer aufgewühlt hat, tritt plötzlich eine unheimliche Stille ein. Schlagartig wird einem klar, dass diese Pause über das Sein oder Nichtsein der Schöpfung entscheidet. Die Spannung steigt, man hört eine Stecknadel fallen. Dann spricht Gott sein erstes Wort überhaupt: »Es werde Licht!« (Gen 1,3) Die Spannung fällt ab. Wir sind erlöst. Alles wird gut. Denn dieses gute Licht fällt von nun an auf die ganze Schöpfung.

Am Anfang von Jesu Leben

Wir spüren immer deutlicher, was wäre, wenn am Anfang kein Wort gewesen wäre. Ich meine jetzt: am Anfang des Menschenlebens Jesu Christi, bei seiner Geburt. In der Weihnachtserzählung beim Evangelisten Lukas spricht ein Engel das erste Wort. Der Stall ist gefunden, das göttliche Menschenkind geboren. Aber bis dahin hat noch kein Mensch Notiz davon genommen, und das wäre auch so geblieben, wenn nicht ein Engel das Wort an lagernde Hirten gerichtet hätte: »Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll. Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr« (Lk 2,10f.). Das erste gesprochene Wort der Schöpfung heißt: »Es werde Licht!« Das erste Wort der neuen Schöpfung, die mit der Geburt Christi beginnt, heißt: »Fürchtet euch nicht!« Diese beiden Worte gehören eng zusammen, weil sie in dem tiefsten und schönsten Wort Gottes an uns Menschen gründen. Es lautet: Christus ist das Licht, das die Finsternis unserer Furcht vertreibt. Jetzt können wir in seiner ganzen Tragweite ermessen, was wäre, wenn im Anfang kein Wort gewesen wäre. Es lässt sich ganz einfach sagen: Wir müssten uns immer noch fürchten. Wir müssten uns vor dem Leben fürchten, wenn nicht Gottes ordnendes Wort das Chaos der Welt gelichtet hätte. Wir müssten uns vor dem Tod fürchten, wenn nicht Christus als ewiges Licht auch im Reich der Toten noch strahlte. Vor Gott müssten wir uns fürchten, weil wir nicht wüssten, ob er es gut oder böse mit uns meint. Vor den Menschen müssten wir uns fürchten, weil Gott die Menschheit nicht durch sein eigenes Menschsein geheiligt hätte. Bei dem Widersprüchlichen und Bösen in unserer Welt könnten wir nicht die begründete Hoffnung haben, dass alles zu einem guten Ende führt.

Im Anfang war das Wort

Nun aber ist im Anfang ein Wort, das tiefste und schönste Wort, das Gott jemals in die Welt hineingesagt hat, und dieses »Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt« (Joh 1,14). Das fleischgewordene Wort trotzt aller Furcht. So kann der Engel weitersprechen: »Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt« (Lk 2,12). Das Kind in der Krippe ist ein Zeichen Gottes und noch viel mehr. Es ist der Grund unserer menschlichen Zuversicht und das Sinnbild unserer christlichen Hoffnung. Nackt und wehrlos, arglos und ohne Furcht – wie dieses Kind – können wir als Christen in der Welt leben. Denn »das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt«(Joh 1,9). Es ist ein Mensch geworden wie wir. So strahlt es auch noch in die dunkelsten Winkel unserer Seele mit seinem milden Schein. Das trockene und spröde Wort hat Hand und Fuß bekommen. Das hochgeistige Wort ist ein Mensch aus Fleisch und Blut geworden: Jesus Christus. Er ist das erste Wort, und ich bin froh, dass er in unser aller Leben auch das letzte Wort sein wird.

Fürbitten
Gott, unser Vater, an Weihnachten hast du dein tiefstes und schönstes Wort in die Welt hineingesagt: Ich liebe dich, du Welt, du Mensch. So bitten wir dich:

– Ermutige die Menschen, die mit der Botschaft von Weihnachten nichts anfangen können, zu einem Leben aus deinem lebendigen Wort.
– Ermutige die Menschen, die in ihrem Leben keinen Anfang und kein Ende finden, den Faden ihres Lebens bei dir aufzunehmen.
– Ermutige die Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, mit dem Glanz von Weihnachten.
– Ermutige die Menschen, die von Angst und Furcht gequält werden, zu einem Leben in Zuversicht.

Gott, unser Vater, aus der Fülle deines menschgewordenen Sohnes empfangen wir Jahr für Jahr Gnade über Gnade. Lass diese Gnade immer mehr in uns wirksam werden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wilfried Eisele

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