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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
33. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B
»… bis du kommst in Herrlichkeit«

Beitrag zum Evangelium

Einführung
In welche Zukunft gehen wir? Wohin führen die weltweiten Krisen, denen niemand Herr wird? Viele – auch unter uns – treiben diese Fragen um; und unser Glaube deckt sie ja nicht zu, sondern fasst sie klar ins Auge. Was ist, wird nicht so bleiben. Wir leben im Vorläufigen und gehen einer Zukunft entgegen, die wir Menschen nicht beherrschen.
So wenig wir wissen, was auf uns zukommt – dem Evangelium ist gewiss, wer auf uns zukommt. Die Zukunft trägt ein persönliches Gesicht: Jesus Christus. Und so feiern wir schon immer die Eucharistie, »bis du kommst in Herrlichkeit«. Im Blick auf ihn erwarten wir die Vollendung des Reiches Gottes. Aber er wartet auch auf uns: Er erwartet von uns, dass wir in seiner Nachfolge das heute Mögliche und Notwendige tun.

Kyrie-Ruf
GL 485 »Der in seinem Wort uns hält«

Tagesgebet
Guter Gott!
Die Not in der Welt ist groß. Viele sehen die Zukunft nur dunkel und resignieren angesichts so vieler ungelöster Fragen.
Du aber verkündest uns durch Jesus Christus, dass dein Reich nahe ist – auch heute. Du willst nicht, dass wir uns abfinden mit dem, was ist. Du rufst uns zur Umkehr.
Stärke unseren Glauben, dass du auch heute Neues schaffst und mit uns gehst.
Wir danken dir für deine Treue, die du uns für immer versprochen hast in Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 565 »Komm, Herr Jesus, komm zur Erde«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf GL 527/1 »Behüte mich, Gott, denn ich vertraue auf dich« mit Versen aus Psalm 16 /Münchner Kantorale) und GL 530/1 »Halleluja« mit Vers (Münchener Kantorale)
Gesang zur Gabenbereitung GL 614 »Wohl denen, die da wandeln« (v. a. Strophen 2 und 3)
Gesang zur Kommunion GL 110,2–3 »Zion hört die Wächter singen«
Dankhymnus/Schlusslied GL 257,9.11 »Sieh dein Volk in Gnaden an«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 13,24–32 (Evangelium)

Die endzeitlichen Texte im Evangelium sind uns in ihrer Bilderwelt teils fremd, teils wiederum so erschreckend nah (Kriege, Hungersnöte, Aufstände …), dass sie leicht von fundamentalistischen Sektierern »genützt« werden können. Das Markusevangelium liefert aber selbst Schlüssel zu seriöser Auslegung, wenn es da heißt: »Lasst euch nicht irreführen (Mk 13,3), oder »Wer bis zum Ende standhaft bleibt …« (Mk 13,13) oder »Jenen Tag und jene Stunde kennt niemand« (Mk 13,32). Und die Einbettung dieses »Endzeit«-Kapitels ins Gesamte des (Markus-)Evangeliums macht klar: »Eschatologisch leben« heißt: Sich nicht beirren lassen, wenn so vieles im Leben und in der Welt Stückwerk bleibt, und trotzdem in der Nachfolge Jesu das jetzt Mögliche tun – in der Gewissheit, dass Gott der Vollender ist.

Predigt

So ganz ernst nehmen wir das Untergangs-Szenario im heutigen Evangelium ja nicht, auch wenn der naive Fortschrittsglaube früherer Jahrzehnte längst einer Skepsis oder Besorgnis im Blick auf die Zukunft gewichen ist. Sind es nicht überholte Vorstellungen aus einer Zeit, da man das Weltende bedrohlich nahe sah und sich in düstersten Farben ausmalte?
Und doch sollten wir diese alten Bilder nicht zu schnell abtun oder sie nur religiösen Sektierern überlassen. Im Letzten geht es darin um eine Wahrheit unseres Glaubens, die uns fremd ist, obwohl wir sie stets im Credo bekennen: Jesus Christus wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten und seiner Herrschaft wird kein Ende sein!

Eine meist vergessene Perspektive unseres Glaubens …

Am Ende des Kirchenjahres werden wir auf diese meist vergessene oder verdrängte Perspektive unseres Glaubens und Lebens gestoßen: Diese Welt, so wie sie ist mit ihren scheinbar festliegenden Mustern von reich und arm, von oben und unten, von Gewinnen und Verlieren – sie geht einer wahrhaftig umstürzenden Vollendung entgegen, die Gott ins Werk setzen wird. »Seht, ich mache alles neu!«, heißt es auf der letzten Seite der Heiligen Schrift.

… und zugleich eine befreiende Botschaft -

und zwar im doppelten Sinn: Wer aus diesem Glauben lebt, muss nichts für endgültig und sakrosankt erklären, was doch in Wirklichkeit fehlbar und erneuerungsbedürftig bleibt – ob es eine bestimmte Tradition oder ein politischer Standpunkt ist oder die eigene Meinung. Ja, auch die Kirche ist vorläufig und kann sich in ihren Vertretern oder Verlautbarungen nicht göttliche Endgültigkeit anmaßen.
Wer aus dem Glauben lebt – das ist das Zweite –, wird nicht auf Termine starren oder sich von irgendwelchen Unheilspropheten ins Bockshorn jagen lassen. Das Evangelium sagt: »Jenen Tag und jene Stunde kennt niemand.« Wir brauchen nicht wie der Sprinter, der im Startloch sitzt, wie gebannt auf den Startschuss warten, sondern sollen das, was jetzt und heute zu tun ist, mit besten Kräften tun - ganz im Sinn der Martin Luther zugeschriebenen Antwort auf die Frage, was er täte, wenn er wüsste, dass morgen die Welt untergeht: Ich würde ein Apfelbäumchen pflanzen.

Was es heißt, aus der Hoffnung zu leben

Leben aus der Hoffnung: Das ist auch das Fundament unserer Partnerschaft mit den Brüdern und Schwestern in Peru. Man kann ja mit Recht fragen: Was hat unsere Hilfe bewirkt? Ist die Not unserer Partnergemeinde nicht ein Fass ohne Boden? Die Armut der Menschen dort ist eher noch größer geworden und die neuerliche Bedrohung durch die Goldmine macht ihnen das Leben noch schwerer … Was bringt es also, was wir tun?
Unsere Partner leben uns die Antwort vor: Aus der Hoffnung leben und handeln, dass Gottes Reich im Kommen ist! Unser Engagement, auch unser finanzielles, wird keine wirtschaftliche oder politische Wende bewirken. Aber den Menschen dort gibt die Solidarität im Glauben, die sie spüren, Kraft, ihren harten Alltag zu bewältigen, zusammenzuhalten und im Kampf um Gerechtigkeit nicht zu resignieren.
Und wir werden davon geheilt, von Wirtschafts- und Konjunkturdaten, von Renten- und Finanzmarktreformen das Heil zu erwarten. Mit besten Kräften und ganzem Einsatz das jetzt Mögliche tun und zugleich darauf bauen, dass auch Enttäuschungen und Misserfolge Gottes Reich nicht aufhalten: Aus diesem Glauben lebt unsere Partnerschaft.
Ja, Herr, deinen Tod – deinen scheinbar vergeblichen Einsatz bis zum Äußersten – verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!

Fürbitten
Lasst uns beten zu Gott, dem Herrn über Gegenwart und Zukunft:
– Für die Versammlung der Vereinten Nationen und für die Regierenden der Länder der Erde: dass sie die Zeichen der Zeit erkennen und ihrer Verantwortung gerecht werden.
(GL 118/4 »Komm, o Herr, und bring uns deinen Frieden«)
– Für die Kirche und ihre Sendung in dieser Zeit: dass sie zur Einheit und zum Frieden unter den Menschen beitragen kann.
– Für alle, die weltweit in Katastrophengebieten Hilfe und Aufbauarbeit leisten: dass ihr Einsatz trotz aller Rückschläge Früchte trägt.
– Für die Kranken, für die Verunglückten – und für so viele, die ums tägliche Leben kämpfen müssen: dass ihre Tapferkeit Ansporn und Ermutigung für uns ist.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Thomas Keller

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