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Leseprobe 1
29. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B

Gott gibt den Geschundenen und Elenden Zukunft

Beitrag zur Lesung

Einführung
Auch wenn wir gerade nicht ganz hautnah von Leid und Tod betroffen sind, so tritt uns fast ununterbrochen in den Medien das Leiden und Elend anderer Menschen vor Augen. Ob direkt betroffen oder nicht, wir können uns nicht ganz heraushalten. Unsere Feier der Eucharistie gibt uns einen Vorgeschmack davon, was Gott gerade den Leidenden und Elenden dieser Welt in Aussicht stellt. Lassen wir uns durch sein Wort ermutigen und in seinem Mahl stärken.

Predigt

Zum Text: Jes 53,10–11 (1. Lesung)

Hintergrund des vierten Gottesknechtsliedes


Wie verträgt sich das Bild vom liebenden Gott mit dem Leid, das unzählige Menschen auf der Welt erdulden müssen? Die Vorstellung von einem barmherzigen Gott und das Leid der Menschen. Diese Frage gehört zu den schwierigsten, die die Theologie zu bearbeiten hat. Die Antworten sind meist unbefriedigend, auf jeden Fall aber vorläufig und bruchstückhaft, weil es die endgültigen Antworten einfach nicht gibt. Die vielen Fragen um das Leid in der Welt sind häufiger Anlass für Zweifel, die ja ständige Begleiter unserer Glaubensversuche sind. Die zwei Verse aus dem Buch Jesaja geben wenigstens eine Teil-Antwort auf die Frage, wie Gott mit dem Leiden der Menschen umgeht. Zunächst zum Hintergrund des Jesaja-Textes:
Es ist bis heute unklar, wer mit den Versen aus dem Buch Jesaja gemeint ist. Die Verse gehören zum vierten der sogenannten Gottesknechtslieder. Die Frage, wer mit diesem Gottesknecht ursprünglich gemeint war, bleibt geheimnisvoll. Ist es ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen? Ist es der Prophet, der von sich selbst spricht? Ist es das Volk Israel, das mit der Zerstörung seiner Hauptstadt und dem Exil schwerstes Leid ertragen hat? Oder ist es eine messianische Gestalt? Es erzählt von einem, der stellvertretend leidet und sein Leben für andere hingibt. Er wird von Gott darin bestätigt und darf als Gerechter das Licht schauen und reiche Erkenntnis besitzen. Auch wenn einiges um diesen Text, der in der Zeit des Exils geschrieben wurde, rätselhaft ist, so ist klar, dass diese Verse für die ersten Christen hilfreich waren. Sie übertrugen die Aussagen des Gottesknechtsliedes auf Jesus, den Geschundenen und Gekreuzigten. Das half ihnen, den Tod Jesu am Kreuz zu verstehen und zu deuten. Was über den Gottesknecht gesagt wurde, traf ihrer Meinung nach genau auf den Leidensweg des Herrn zu. Noch wichtiger jedoch finde ich, dass das Ende des Gottesknechtsliedes Auskunft darüber gibt, wie Gott mit dem Leidenden umgeht. Der eigentlich Handelnde in diesen Sätzen ist Gott.

Gott findet Gefallen an dem Zerschlagenen

Durch das Handeln Gottes bekommt das Leben des Leidenden eine neue Wendung: Der Herr heilt ihn und stellt ihm Erfreuliches in Aussicht: Er wird Nachkommen sehen und lange leben. Nach der Mühsal seiner Seele wird er Licht schauen und reiche Erkenntnis besitzen. Wie Gott sich zu diesem geschundenen Gottesknecht verhält, so verhält er sich zu den leidenden Menschen. Er wendet sich nicht nur den Leidenden zu, sondern leidet selber, wenn man davon ausgeht, dass Jesus als der leidende Gottesknecht zugleich der Sohn Gottes ist. In Jesus hat sich Gott zwar nicht als der offenbart, der Leiden zu verhindern vermag, aber als der, der Leiden überwindet und dem Leidenden Zukunft gibt. Gott wendet sich nicht nur im Sinne einer Vertröstung dem Leidenden zu, sondern durchleidet in seinem Sohn selber die tiefsten Abgründe bis hin zur finsteren Sterbestunde am Kreuz. Er ist bis zum bitteren Ende solidarisch mit dem leidenden Gottesknecht und stellt ihm letztlich eine gute Zukunft in Aussicht. Dies trat für Jesus ein, indem er aus dem Reich des Todes auferweckt wurde.

Gott gibt den Elenden eine Zukunft

Wenn Gott der ist, der mit den Leidenden solidarisch ist, der sie zur Heilung und in eine gute Zukunft führen will, dann kann er nicht gleichzeitig der sein, der Leiden und Tod als Strafe oder als Prüfung für den Menschen will. Ein solches Bild von Gott gibt es immer noch in verschiedenen Köpfen. Einen solchen sadistischen Gott würde ich mich weigern zu verkünden; denn es wäre ein Gott der Willkür. Ein liebender Gott quält nicht und er will auch das Leiden nicht. Sein Weg mit den Menschen hat zum Ziel, Leiden zu überwinden und nicht neues Leid zu schaffen. Solange dieser Weg Gottes mit uns Menschen noch nicht zu Ende gegangen ist, solange das Reich Gottes noch nicht in vollem Umfang errichtet ist, solange gibt es Leiden und Böses, das uns Menschen schwer zu schaffen macht.

Unser Auftrag

Das Gottesknechtslied stellt eindeutig klar: Gott steht nicht auf der Seite derer, die den Menschen Leid zufügen, sondern auf der Seite der Leidenden selbst. Diese Botschaft bleibt eine theoretische, solange die, die an diesen Gott glauben, nicht bedingungslos an der Seite derer stehen, die leiden, die erniedrigt und entrechtet werden, die in Armut und Elend gestoßen werden. Viele zweifeln an Gott, weil er scheinbar zum Leid der Menschen schweigt. Ein verständlicher Zweifel. Wir können dieses Schweigen relativieren oder gar überwinden, wenn wir uns vorbehaltlos an die Seite Leidender stellen und uns mit ihnen solidarisieren. Dadurch vermitteln wir sehr konkret die Botschaft, dass es für alle, die im Leid stehen, eine Zukunft gibt. An Gott zu glauben und Jesus nachzufolgen muss nicht heißen, so zu leiden wie der Gottesknecht, aber es heißt auf jeden Fall, so zu lieben wie er. Solidarisch und barmherzig zu sein wie er.

Fürbitten
Gott, unser Vater, du hast dich in deinem Sohn Jesus Christus an die Seite der leidenden und geschundenen Menschen gestellt. Daher wenden wir uns voll Vertrauen an dich und bitten dich:

– Wir bitten dich für die Menschen in unserer Stadt, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, für die jeder Tag ein Leidenstag ist, sei es durch Krankheit oder andere Erfahrungen
– Wir bitten dich für Menschen, die auch heute wieder unschuldig Opfer von Kriegen sind.
– Wir bitten dich vor allem für Frauen und Kinder, die mitten unter uns in Familien Opfer körperlicher und seelischer Gewalt sind. Wir bitten für uns um den Mut und die Kraft, dich als den barmherzigen Gott in Wort und vor allem in der Tat zu verkünden.

Guter Vater, dir vertrauen wir, dir danken wir und dich preisen wir für deine Güte und Barmherzigkeit. Amen.


Josef Birk

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