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Leseprobe 2
Fünfter Sonntag der Osterzeit
Lesejahr B
Wachsen durch die Hilfe des Heiligen Geistes

Beitrag zur Lesung

Einführung
Wir brauchen keine Angst zu haben, wenn wir auf Gott und auf Jesus Christus vertrauen. Jesus sagt uns das immer wieder zu – auch heute. Die ersten Christen, allen voran der frisch bekehrte Saulus, sind unerschrocken vor die Menschen getreten und haben von ihrem Glauben und ihrer Überzeugung berichtet. Sie fühlten sich von Gott getragen – auch in schwierigen Situationen und auch, wenn die Dinge anders liefen, als sie es sich vorstellten. Wir können heute von diesem Gottvertrauen einiges lernen – für unser Leben und nicht zuletzt auch mit dem Blick auf unsere Kirchen und Gemeinden. Gott ist es, der uns hält.

Predigt

Zum Text: Apg 9,26–31 (1. Lesung)

Zunächst einmal wächst nichts

Man kann der Kirche in Deutschland sicher viele Attribute zuschreiben, aber nicht, dass sie ein Wachstumsunternehmen sei, im Gegenteil. Die Kirchenaustritte und Sterbefälle übertreffen seit Jahren die Taufen und Wiedereintritte, von einer Glaubwürdigkeitskrise ist die Rede, von Mängeln in der Struktur und im Aufbau. Gemeinden werden zu größeren Einheiten zusammengebunden. Die Zahl der Priester sinkt stetig und viele Gemeinden müssen lange Jahre warten, bis sich wieder ein Priester zu ihnen gesellt. Eine aufstrebende und wachsende Kirche scheint anders auszusehen.

Früher war alles besser…

Die ersten Christen schienen da wirklich weniger Probleme zu haben. Sie fürchten sich zwar anfangs noch vor Saulus, denn sie können ihm noch nicht recht glauben, dass er die Christen nun nicht mehr verfolgt, ja, dass er sogar selbst Christ geworden ist. Doch er überzeugt sie mit seinem Verhalten. Und sie lassen sich überzeugen von Barnabas, der den jungen Saulus, der sich noch nicht Paulus nennt, unter seine Fittiche nimmt. Doch dieser Saulus war nicht nur ein überzeugter, sondern ein sehr streitbarer Christ. Und so wird er nicht nur angefeindet, sondern gerät in Lebensgefahr. Erst als er außer Reichweite ist, kehrt in der Jerusalemer Gemeinde Frieden ein.
Die Art und Weise, in der Lukas in der Apostelgeschichte jetzt die Situation in der frühen christlichen Gemeinde beschreibt, hat unser Bild von dieser Zeit nachhaltig geprägt. Da ist von Frieden die Rede, davon, dass die Gemeinde gefestigt ist. Sie lebt in der Furcht vor dem Herrn und sie wächst durch die Hilfe des Heiligen Geistes.

… oder auch nicht

Lukas stellt in der Apostelgeschichte die Entwicklung der frühen Kirche als Erfolgsgeschichte dar. Gleichzeitig entwirft er ein Idealbild von Kirche und christlicher Gemeinde. Die Erfolgsgeschichte ist durchaus nachvollziehbar. Als Lukas die Apostelgeschichte schreibt, war der christliche Glaube bereits im ganzen römischen Reich vertreten. Doch das Idealbild einer christlichen Gemeinde hat es so wohl nie gegeben. Die Christen waren immer – und sind es bis heute – Kinder ihrer Zeit. Die Urgemeinde in Jerusalem musste sich schon früh vom Judentum abgrenzen – ein Prozess, der sehr weh tat und bei dem es neben dem Beispiel des Saulus in der heutigen Lesung auch das Beispiel des Stephanus gibt, der seinen Einsatz mit dem Tod bezahlt hat. Die Ausbreitung in andere Kulturen hinein warf immer neue Fragen auf, die auf eine Antwort warteten. Müssen Christen zuerst Juden werden? Wie feiern wir richtig und angemessen Gottesdienst? Brauchen wir irgendwelche Ämter und Funktionen oder sind wir nicht alle gleich? Wie viel Freiheit im Umgang mit den heidnischen Gebräuchen ist erlaubt? Das sind alles Probleme, mit denen sich Paulus später auseinandersetzen musste. Zudem zog die römische Staatsmacht die Christen immer mehr als Sündenböcke für alles heran und verfolgte sie. Es war wirklich keine heile Welt, in der die ersten Christen lebten.
Trotzdem: Wachsen mit der Hilfe des Heiligen Geistes
Wir brauchen also nicht zu verzweifeln, wenn wir unsere heutige Situation ansehen. Zu allen Zeiten haben die Christen mit den Schwierigkeiten ihrer Zeit gekämpft. Auch die Zeiten, »als die Kirchen noch voll waren«, hatten ihre Kehrseite. War es wirklich gut, den Kirchenbesuch als gesellschaftliche Konvention zu etablieren und Zweifel und Unstimmigkeiten unter der Decke zu halten, nur um des Bildes nach außen willen, nur um die gesellschaftliche Stellung zu halten? Kirchlichkeit war noch vor fünfzig Jahren in der Gesellschaft weit verbreitet, doch war sie bei vielen Menschen auch oberflächlich und hohl geworden.
Wenn wir auf unsere Situation heute schauen, dann sehen wir, dass eine Umwälzung in der Kirche begonnen hat, von der wir noch nicht sagen können, in welcher Form sie mündet. Wichtig ist, dass wir dabei auf eines Vertrauen: dass der Geist Gottes bei allen Umbrüchen mit dabei ist.

Ein neues Verständnis von »Wachsen«

Vielleicht müssen wir uns von unserem bisherigen Verständnis lösen: Es kommt nicht in erster Linie darauf an, dass möglichst viele Leute in die Kirchen strömen. Es kommt darauf an, dass die Menschen, die kommen, es ernst meinen. Wir können alle noch wachsen: in unserer Beziehung zu Gott, in unserem Glauben, darin, wie wir unser Christsein im Alltag umsetzen. Dazu brauchen wir die Stärkung und die Festigung durch den Heiligen Geist – ohne geht es nicht.

Die Gemeinde wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes – ein neues Idealbild

Was könnte das denn für uns heute heißen: »Wachsen mit der Hilfe des Heiligen Geistes«? Wie könnte das Idealbild einer Gemeinde für uns heute aussehen? Vielleicht folgendermaßen: Eine christliche Gemeinde ist eine Gruppe überzeugter Christen, die verwurzelt in ihrem Glauben sind und mit beiden Beinen im Leben stehen. Sie sind füreinander da und für die Menschen, die um sie herum leben. Sie treffen sich, um ihren Glauben zu feiern und sie stehen nach außen für die Botschaft Jesu, an die sie glauben. Sie schließen sich nicht ab von der Welt »da draußen«, sondern sie stehen in dieser Welt und leben mit ihr. Sie verstehen sich als Teil der Kirche Gottes auf ihrem Weg durch die Zeit. Und bei allem, was sie tun, sind sie getragen vom Heiligen Geist.
Das ist ein Idealbild, sicher, aber es gibt in jeder Gemeinde, auch in unserer, eine Menge Punkte, an denen wir sagen: Das ist doch bei uns schon so, dafür stehen wir doch schon. Es lassen sich aber auch in unserer Gemeinde noch Punkte finden, wo dieses Idealbild noch nicht verwirklicht ist, wo wir noch wachsen können mit der Hilfe des Heiligen Geistes.

Und unsere Probleme?

Am Anfang der Predigt haben wir eine Menge Probleme angesprochen, die wir in unserer Kirche haben. Sind diese Probleme dann alle gelöst? Das bestimmt nicht. Es wird auch nie eine Zeit geben, in der unsere Kirche frei von Problemen sein wird. Aber wenn wir wachsen im Heiligen Geist, dann können wir als mündige und verantwortungsvolle Christen diesen Problemen begegnen. Mit dem Heiligen Geist als Rückhalt können wir Wege finden, wie wir als christliche Gemeinde mit all diesen Widrigkeiten umgehen. Welche Wege uns der Heilige Geist führt, zu welchen Ergebnissen wir kommen werden, kann jetzt noch niemand sagen. Doch er wird uns nicht in die Irre führen.

Fürbitten
Guter Gott, als deine Gemeinde haben wir uns versammelt. Wir bitten dich:
- Führe die Kirche auf dem Weg durch die Zeit. Stehe ihr in ihren Problemen, Schwierigkeiten und Fragen bei. Zeige ihr Wege, die durch deinen Geist gewiesen sind.
- Gib den Verantwortlichen in dieser Welt ein offenes Ohr für deine Botschaft.
- Lass uns als Gemeinde im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe wachsen. Schenke uns bei all unserem Tun deinen Geist.
- Stehe den kranken und hilfsbedürftigen Menschen bei. Lass sie durch uns deine Liebe und Nähe erfahren.
- Führe unsere Verstorbenen zum ewigen Leben in deinem Reich.
Herr, unser Leben ist in deiner Hand. Wir vertrauen dir und bitten dich um deinen Beistand auf unserem Weg durch die Zeit. Sieh auf unsere Bitten und zeige dich als ein Gott, der mit den Menschen mitgeht. So bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

Stefan Lepre

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