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Leseprobe 2
Fünfter Fastensonntag
Lesejahr B
Gottes neuer Bund

Beitrag zur Lesung

Einführung
Wir sind Menschen: wankelmütig, unzuverlässig, egoistisch. Wir wollen uns nicht gern festlegen, auf keinen Vorteil verzichten, möglichst alle Türen offenhalten – und vor allem: Wir tun uns schwer, zu vertrauen.
Wir sind eher schlechte Partner für einen Bund auf Dauer, wie ihn Gott für sein Volk wollte. Die Geschichte Israels erweist es: eine Kette aus Verweigerung, Unabhängigkeitsstreben, Verrat an Gott und den Menschen … Wer weiß, wie oft der erste Bund gebrochen worden war, als der Prophet, den wir heute in der Lesung hören, seinem Volk einen neuen Bund ankündigt, einen Bund der nicht auf Steine geschrieben ist, sondern in die Herzen.

Predigt

Zum Text: Jer 31,31–34 (1. Lesung)

Unsere Lesung aus der Schule des Propheten Jeremia …

verkündet einen anderen Bund. Nicht wie der alte soll er sein, sondern neu. Was ist das Neue?
Gott hatte einen Bund mit den Vätern geschlossen, als er sie bei der Hand nahm und aus Ägypten herausführte (Jer 31,32). Die Vorstellung dieses Bundes zwischen Gott und seinem Volk trägt die Züge der Bündnisse, die Israel erlebte. Wie anders sollte sich dieses Volk einen Bund vorstellen als gerade so, wie es ihn in seiner Welt sah.
Da gab es Vasallenbündnisse: Verträge zwischen ungleichen Partnern, wo der Mächtige dem Schwächeren seinen Schutz verspricht, während sich dieser zum Dienst verpflichtet. Ähnlich entschließt sich Jahwe, der Herr, der Starke, Israel, dem Volk, das seine Hilfe braucht, seinen Bund zu gewähren und diktiert selbstverständlich seine Bedingungen: »Mose legte ihnen alles vor, was der Herr ihm gesagt hatte. Und das ganze Volk erklärte: Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir tun« (Ex 19,7–8).
So entwickelt sich ein engmaschiges Netz von Anordnungen und Vorschriften, die genau zu erfüllen sind. Israel befindet sich in einem streng gesetzlich geregelten Bündnis mit seinem Gott. Es steht ständig am Scheidepunkt: Wenn es gehorcht, wird ihm der göttliche Segen zuteil, wenn es sein Wort bricht, liefert es sich selbst dem Fluch aus (Ex 23,20–33; Dtn 28; Lev 26).

Unter dieser Sichtweise des Bundes …

musste es im Grunde laufend zum Bruch kommen. Die vielen Gesetze, das ausgebaute und fortgeschriebene System von Verboten und Geboten, war für den Einzelnen kaum mehr lebbar in seiner konkreten Situation. Es musste zu Konflikten kommen und Verstößen. Was aber viel entscheidender war: Das Volk gehorcht nur. Es befolgt die Gesetze aus Angst und es erfüllt die Vorschriften mehr und mehr zwar peinlich genau, aber eben nur äußerlich, damit dem Gesetz genüge getan ist. Das ist der Fluch des Gesetzes, von dem Paulus spricht (Gal 3,13), oder besser der Fluch einer gesetzlich verengten Sicht Gottes und seines Bundes.

Propheten wie Jeremia erkannten dies sehr genau

Sie versuchen den Blick zu öffnen für eine tiefere Sicht des Bundes. Der will mehr sein als ein Vertrag. Um sich verständlich zu machen, suchen auch sie in der menschlichen Erfahrung nach Vergleichspunkten. Nicht der Vasallenvertrag mit seinem Gebieter steht ihnen vor Augen. Nein, Israel ist die Herde und Jahwe der Hirt. Das Volk ist der Sohn und Gott der Vater oder die Braut und der Herr der Bräutigam. Diese Bilder lassen den Bund als Liebes- und Sorgeverhältnis erscheinen: Gott kommt seinem Volk mit seiner Liebe entgegen und sucht wieder Liebe.
Das Eingehen auf den Bund erfolgt nicht aus der Not des Schwächeren, sondern in antwortender Liebe. Und das Brechen des Bundes geschieht weniger durch Vertragsverletzungen als durch die mangelnde Liebe des Volkes. Es hat ein störrisches, widerspenstiges, ein verhärtetes Herz, es ist vernagelt. Es ist falsch und versucht Gott durch schöne Worte und äußerlichen Kult zufriedenzustellen.

Aber Gott schaut nicht auf den äußeren Schein, …

er schaut auf das Herz (1 Sam 16,17). Und er möchte, dass die Menschen ihr Herz wagen (Jer 30,21), dass sie ihm entsprechend antworten und ihn aus ganzem Herzen lieben und mit ganzer Seele, mit allen Gedanken und aller Kraft (Dtn 6,5; Mk 12,30). Wir Menschen sollen nicht gehorchen aus Angst. Wir sind vielmehr umworben, eingeladen seine Liebe frei zu erwidern, aus freiem Herzen.

Haben wir Menschen das Herz dazu?

»Es kommen Tage …, spricht der Herr: Da lege ich mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz« (Jer 31,33). Darauf hofft unsere Lesung, dass Gott eines Tages mit seiner Liebe auch die frei antwortende Gegenliebe der Menschen ermöglichen wird.
Diese Tage sind für uns in Erfüllung gegangen: Gott wurde Mensch. In Jesus Christus hat er seine ganze Liebe gezeigt und die ganze Liebe, mit der Menschen antworten können. Gottes Liebe, die alles dran gibt, und die antwortende Liebe des Menschen sind wirklich auf dieser Erde gelebt, von Gott in diese Welt hineingelebt und in den Menschen hineingelebt. Jesus Christus, das heißt konkret:
Beide, Gott und Mensch sind lebendig und aus ganzem Herzen vereint.

Gott zieht nicht die üblichen Konsequenzen, …

die bei uns auf Vertragsbrüche folgen. Wir trennen uns normalerweise und suchen neue, verlässlichere Partner: Er will einen neuen Bund mit den gleichen Menschen, die ihn so enttäuscht haben. Wir haben für solche Fälle Sanktionen und Strafen: Er verzeiht die Schuld und denkt nicht mehr an die Brüche. Wir bauen Klauseln ein, die uns absichern gegen erneute Brüche, und schränken den Personenkreis ein: Er öffnet sich für alle Menschen, gibt sich rückhaltlos preis bis zum Kreuz. Gott gibt alles, gibt seinen Sohn preis: Dadurch sind wir nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Gott stellt seine ganze Liebe gegen das alte Bild des Vasallenkönigs, der er eben nicht ist. In seine Gemeinschaft sind wir gerufen, nicht unter seine Herrschaft, in seine Liebe, nicht unter sein Gesetz. Wir wurden seine Schicksalsgefährten, mit ihm auf Leben und Tod verbunden.

Wenn unser Gott sich so zeigt, …

dann macht es für sein Volk, für seine Kirche keinen Sinn, mit Drohgebärden und Gerichtsgemälden zum Gehorsam zu zwingen und keiner kann den anderen mehr mit erhobenem Zeigefinger belehren über Müssen und Sollen (Jer 31,34). Und die angemessene Haltung ihm gegenüber ist nicht der gekrümmte Rücken, sondern die aufgerichtete, aufrechte Begegnung freien Herzens und mit freiem Verstand. An seiner Liebe werden ihn alle erkennen und aus Liebe.
Und wenn wir diesen neuen Bund der Liebe und der Vergebung annehmen und erwidern, wenn wir uns diesen Bund ins Herz schreiben lassen, beherzigen, dann atmen wir nicht nur die freie Luft dieses Gottes, befreit vom Fluch des Gesetzgebers, dann werden wir auch unsere Bündnisse anders gestalten. So, dass auch darin Freiheit und Liebe und Vergebung spürbar werden: Sei es in der Ehe oder im Verhältnis zu den Kindern, aber auch in unseren Interessenverbänden.
Der erste Gedanke kann nicht dem Gesetz gelten. Der erste Weg darf nicht der zum Rechtsanwalt sein. Dieses lieblose »Das wirst du mir büßen!«, der erbarmungslose Schrei nach Urteil und Strafe kann nicht unser erstes und letztes Wort sein. Tief in unseren Herzen eingeschrieben haben wir doch ein anderes Gesetz: Unsere Herzen schlagen höher, wenn wir Liebe erfahren und Liebe schenken, Liebe, die Gesetze und Vorschriften überwindet zugunsten des Menschen. Zuneigung, die Brüche überbrückt zugunsten des gescheitert gebrochenen Menschen.
Unsere Liebe wäre die schönste Antwort, die menschlichste und göttlichste Antwort auf Gottes Liebeswerben. Er und wir warten sehnsüchtig darauf.

Fürbitten
Herr, unser Gott, dein Volk versammelt sich, um dir zu danken und dich zu loben. Wir versammeln uns, um zu dir zu beten und dich zu bitten für uns und viele Menschen in vielfältiger Not:

- In deinem Sohn Jesus Christus hast du den neuen und ewigen Bund mit uns geschlossen: Halte uns und alle auf deinen Namen Getauften in deinem Bund des Lebens. Herr, unser Gott:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Du trägst uns nicht nur Gebote auf, du schreibst es in unser Herz, dein Gebot der Liebe: Halte uns in der Liebe zu dir und zu unseren Nächsten, besonders zu jenen, die unserer Hilfe und Zuwendung bedürfen. Herr, unser Gott:
- Als Gott willst du dich zeigen, als unser Gott, der Mensch wird aus Liebe zu uns Menschen: Halte uns im Glauben an dich, den uns Menschen würdigenden Gott, und lass uns Glauben leuchten für die Menschen, die dich suchen. Herr, unser Gott:
- Du sammelst uns als dein Volk, du, der uns Menschen nahe Gott: Halte uns in der Hoffnung, dass unser Leben, das Leben aller Menschen, geborgen ist in dir, auch in Not, in Zweifel und Hoffnungslosigkeit getragen und gerettet von dir. Herr, unser Gott:
- Du verheißt, dass dich alle erkennen werden, dich, den Gott der Liebe, der Vergebung und Versöhnung: Halte uns und alle Menschen in der Erkenntnis deiner Gottheit und lass deine Versöhnung unter uns wirksam werden. Herr, unser Gott:

Gepriesen bist du, Herr unser Gott, du schenkst uns deine Nähe, deine Freundschaft und Liebe. Wir preisen dich für deinen Bund in Jesus Christus, deinem Sohn, in der Kraft des Heiligen Geistes. Amen.

Clemens Stroppel

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