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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Siebter Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B
Die Heilung unseres gelähmten Glaubens

Beitrag zum Evangelium

Einführung
Jesus Christus lädt uns ein, ihm ganz nahe zu kommen. Doch immer wieder stoßen wir dabei auf Hindernisse wie der Gelähmte im heutigen Evangelium. Befürchtungen, Ängste und Sorgen und manchmal auch wir selbst stehen uns dabei im Weg. Gott sei Dank gibt es aber auch immer wieder andere Menschen, denen wir uns anvertrauen dürfen, die uns unterstützen und tragen. Gemeinsam wollen wir Jesus Christus darum bitten, dass er uns Kraft und Stärke gibt und uns hilft, den Weg in seine Nähe zu finden und zu gehen.

Kyrie-Ruf
Herr, Jesus Christus, du willst uns nahe sein, doch manchmal stehen wir uns selbst im Weg.
Herr, erbarme dich.
Du bist gekommen, um uns aus den Fesseln der Schuld zu befreien, doch wir tun uns schwer, unsere Schuld einzugestehen.
Christus, erbarme dich.
Um dir zu begegnen, sind manchmal neue Wege nötig, doch immer wieder fehlt uns dazu der Mut.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott unser Vater,
in Jesus Christus hast du dich auf den Weg gemacht, um uns Menschen zu begegnen und uns nahe zu sein. Du wartest darauf, dass auch wir uns auf den Weg machen zueinander und zu dir.
Wir bitten dich, gib uns den Mut, die Schritte des Glaubens zu gehen, und hilf uns, dass wir einander tragen, dort, wo wir allein den Weg nicht gehen können.
Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 261,1–3 »Den Herren will ich loben«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 746/1 »Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung« mit 746/3 (Psalm 116) und GL 530/3/Halleluja« oder
GL 903 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Lass uns in deinem Namen, Herr«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 291,1–3 »Wer unterm Schutz des Höchsten steht«
Gesang zur Kommunion
GL 644,1.4.6 »Sonne der Gerechtigkeit«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 268,1.3–4 »Singt dem Herrn ein neues Lied«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 2,1–12 (Evangelium)

Dass Gott erlösend und befreiend wirkt, wird durch die Worte und das Handeln Jesu erfahrbar. Das Evangelium dieses Sonntags verknüpft dabei die Heilung des Gelähmten mit dem Aufweis, dass Jesus als der Menschensohn auch die Vollmacht hat, Sünden zu vergeben. Ob nun Mk 2,5b–10 einen späteren Einschub darstellt oder nicht, kann ruhig einmal offen bleiben. Wenn es bei der erzählten Heilung des einen Gelähmten auch um einen Hinweis auf die Heilung geht, die an uns allen gewirkt werden soll, dann wird vielleicht deutlicher, warum beides, Heilung und Sündenvergebung, zusammengehört. Das Bild des Gelähmten, der auf seiner Tragbahre zu Jesus getragen wird, hat mich zum Nachdenken über unseren oft lahmen und begeisterungslosen Glauben inspiriert. Dafür war mir der Erfindungsreichtum und der Mut derer, die den Gelähmten zu Jesus tragen, ein aufschlussreicher Anlass. Dieses Bild vom Loch im Dach des Hauses und der Tragbahre, auf der der Gelähmte herabgelassen wird, gehört zu den eindrucksvollen Bildern der Evangelien, die sich bei vielen schon in Kindertagen im Gedächtnis festgesetzt haben.
Als Zeichen für unseren oft gelähmten Glauben versucht die vorliegende Predigt, dieses Geschehen zu deuten. So wird auch deutlich, warum beides, Heilung und Sündenvergebung, zusammengehört. Denn unser lahmer Glaube krankt nicht zuletzt auch an unserem mangelnden Wollen und unserem mangelnden Vertrauen. Das aber ist nicht nur Folge eines Verhängnisses, das uns unschuldig getroffen hat, sondern auch Folge einer Verweigerung, und manchmal auch etwas, was uns gar nicht so unlieb ist. Dieses »nicht wollen« muss Jesus genauso überwinden wie das »nicht können«, damit wir zu einem lebendigen Glauben finden und bereit werden, den Weg des Glaubens kraftvoll und entschieden zu gehen.

Predigt

Nach vorne drängen

Einen Massenauflauf, einen riesigen Menschenandrang, sodass kein Durchkommen mehr ist – so müssen wir uns die Szene des heutigen Evangeliums etwa vorstellen! So etwas gibt es heute vielleicht, wenn eine bekannte Musikgruppe auftritt oder bei einem großen Fußballspiel. Und alle drängen sich möglichst nach vorne, wollen ganz nah – hautnah – am Geschehen sein! Für die, die zu spät kommen oder nicht so beweglich sind, bleiben nur die schlechten Plätze, auf denen man nichts hört und nichts sieht – außer sie sind schlau und wagemutig, wie die, von denen wir im Evangelium gehört haben: Übers Dach, da gibt es noch eine Möglichkeit, da könnte man die Lehmdecke durchstoßen – und schon sind sie mitten im Geschehen, die vier, mit dem fünften auf der Tragbahre, jetzt haben sie den allerbesten Platz, ganz vorne, hautnah am Geschehen!

Einen Weg bahnen

Das ist nicht nur schmückendes Beiwerk der Geschichte, sondern das ist, glaube ich, schon ganz wesentlich: Die Energie, der Erfindungsreichtum, die Kraft, die von diesen Leuten aufgebracht wird, um wirklich in die Nähe Jesu zu kommen. Da können wir alle davon lernen, was echter und lebendiger Glaube ist! Und wenn ich ehrlich bin und meinen Glauben damit vergleiche, dann erkenne ich vielleicht immer wieder voll Erschrecken, wie lahm doch mein eigener Glaube ist. Ja, an dieser scheinbar relativ nebensächlichen Vorgeschichte der Heilung des Gelähmten, da geht mir, wenn ich sie richtig betrachte, erst auf, wie fußlahm mein eigener Glaube ist! Lahm an Begeisterung ist oft genug unser Glaube. Oder sind hier in der Kirche, wo wir Jesus am Altar doch ganz nahe kommen dürfen, etwa die vorderen Plätze heiß umkämpft? Nein, eher das Gegenteil scheint da manchmal der Fall zu sein, die hintersten Plätze, möglichst weit weg, sind die begehrtesten!
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, es geht mir gar nicht so sehr um die Sitzordnung, es geht mehr darum, dass uns unser lahmer Glaube gar nicht so richtig in die Nähe Jesu treibt, dass wir uns gar nicht so recht zu ihm hinziehen lassen.
Lahm an Begeisterung, an Engagement, an Spannkraft, Jesus tatsächlich im Leben zu folgen – das ist leider nur allzu oft eine zutreffende Beschreibung für unseren Glauben. Und dann erst, wenn Hindernisse zu überwinden sind oder Anstrengungen nötig wären? Unser Glaube ist verglichen mit dem, was wir heute im Evangelium gehört haben, oft genug auch arm an Erfindungsreichtum und fantasielos, wenn es darum geht, neue Wege zu Jesus zu ersinnen. Und wenn kein breiter und bequemer Weg zu Gott führt, dann ist uns das oft schon zu beschwerlich, dann meinen wir, es gäbe kein Durchkommen in seine Nähe, dann probieren wir erst gar nicht, ob es nicht auch andere Möglichkeiten gibt.

Unser Glaube liegt auf der Tragbahre

Von der Heilung eines Gelähmten haben wir heute im Evangelium gehört – und was auf den ersten Blick so aussah, als betreffe es uns gar nicht direkt, weil wir ja nicht gelähmt sind, das betrifft uns doch – vielleicht sogar mehr, als wir uns das eingestehen wollen.
Unser lahmer Glaube liegt auf der Tragbahre und wir sollten Jesus bitten, dass er ihn heilt! Wir sollten ihn darum bitten, sage ich, und frage mich, ob ich das denn wirklich und ehrlich will? Und wenn ich mich das so frage, dann tritt mir plötzlich das größte Hindernis für die Heilung meines lahmen Glaubens vor Augen. Und dieses größte Hindernis bin ich selbst, ist mein mangelnder Wille! Denn dass mein lahmer Glaube geheilt wird, das will ich nur halb und halb will ich es nicht! Wirklich richtig, von ganzem Herzen zu glauben, mit dem Evangelium ganz Ernst zu machen, mich ganz Gott zu überlassen, dem Feind zu vergeben, den Nächsten wirklich so zu lieben, wie mich selbst – das ist nicht bequem, da habe ich manchmal sogar Angst davor, wo mich das denn hinführen wird. Und darum ist es mir manchmal sogar ganz lieb, dass mein Glaube nicht so ohne weiteres Sprung bereit, nicht gar so schnell, nicht gar so eifrig und kräftig ist!
Mein lahmer Glaube – das ist nicht nur eine Krankheit, die mich ohne mein Zutun getroffen hat, sondern das hat auch mit meinem mangelnden Wollen zu tun. Mit meiner Furcht, mich ganz auf das Evangelium und auf Jesus Christus einzulassen. Das ist nicht nur eine Krankheit, sondern auch eine Folge meiner eigenen Verweigerung, meiner Sünde und Schuld. Und darum ist für die Heilung meines lahmen Glaubens beides nötig, was Jesus im Evangelium heute sagt und tut.

Vergebung und Heilung

Er muss zu mir sprechen: »Deine Sünde ist dir vergeben« und mir so ein neues Herz und ein neues Wollen schenken. Er muss sozusagen den Widerstand, mit dem ich mich vor einem allzu eifrigen Glauben und damit vor ihm selbst verschließe, überwinden. Und er muss zu mir sprechen: »Steh auf, nimm deine Bahre und geh umher«, d.h. er muss meine Füße und mehr noch mein Herz stärken, damit ich wirklich die Kraft bekommen, um ihm zu folgen.
Jedes einzelne Wunder an einem Menschen, von dem uns das Evangelium erzählt, verweist uns auf ein größeres Wunder, das Jesus an allen Menschen tun will. Die Heilung des einen Gelähmten, von der wir heute gehört haben, verweist uns auf die Heilung des lahmen Glaubens, die Jesus allen schenken will. Und nicht nur diese Heilung muss er uns schenken, sondern sogar noch, dass wir diese Heilung für unseren Glauben überhaupt wollen. Freilich, wir sind dabei nicht auf uns allein gestellt. Jesus Christus selbst ist es, der uns in seine Nähe zieht. Und wir Menschen sollen und dürfen uns dabei gegenseitig helfen und unterstützen, in seine Nähe zu kommen, ihm ganz nahe zu begegnen, hautnah. Der Gelähmte allein hätte es nie geschafft zu Jesus zu kommen, andere haben ihm geholfen, andere haben ihn getragen! Und so stehen auch wir als Christen nicht allein, sondern gehören zu einer Gemeinde, damit wir uns gegenseitig im Glauben tragen und einander helfen, zum echten, zum wahren, zu einem lebendigen Glauben zu finden. Zu einem Glauben, der nicht Fuß lahm bleibt, sondern Marsch und Sprung bereit, um Jesus auf seinem Weg zu folgen.

Fürbitten
Herr Jesus Christus, du schenkst uns die Vergebung der Schuld und Heilung für Leib und Seele. Dich bitten wir:

- Stärke du unsere müden Hände, dass sie immer mehr bereit werden, tatkräftig für das Wohl der Menschen zu arbeiten.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
- Lass uns Mauern und Hindernisse überwinden, die sich uns in den Weg stellen, und gib uns Fantasie, in unserem Glauben auch neue Wege zu beschreiten.
- Für alle, die durch Angst, Schuld oder schlechte Erfahrungen gelähmt sind: dass sie Menschen finden, die ihnen weiterhelfen.
- Für unser Herz: dass es nicht erlahmt, das Gute zu tun, und mit deiner Hilfe nicht müde wird, zu glauben und zu lieben.
- Für unsere Gemeinde: dass wir uns gegenseitig beistehen und helfen, dich und dein Reich zu suchen.
- Für die Kranken um Heilung, für die Sterbenden um Beistand und für unsere Verstorbenen um das ewige Heil.

Du heilbringender Gott, lass uns allezeit auf deine Hilfe vertrauen und mit deiner Kraft das wahre Leben erringen. Darum bitten wir dich, durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Martin Schniertshauer

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