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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Fünfter Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B
Gott und das Leid

Beitrag zur Lesung

Einführung
Sonntag feiern heißt Ostern feiern. Wir feiern den Sieg der göttlichen Liebe über Tod und Vernichtung. Wenn wir im Alltag auch etwas anderes zu erfahren meinen, so dürfen wir uns dennoch zu Beginn der neuen Woche gesagt sein lassen: Der Wille Gottes zum Leben ist ungebrochen. Seine Liebe zu uns ist das Vorzeichen unseres gesamten Lebens. Begrüßen wir den, der uns aufrichtet und zur Fülle des Lebens führt, Jesus unseren Kyrios.

Predigt

Zum Text: Ijob 7,1–4.6–7 (1. Lesung)

Hiobsbotschaften

Sagt Ihnen der Begriff »Hiobsbotschaft« etwas? Gemeint ist damit eine Katastrophennachricht, wie etwa die von dem Erdbeben und Tsunami in Japan und dem anschließenden Atomunfall in Fukushima, der uns in Angst und Schrecken versetzte, oder von der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika zusammen mit Bildern unbeschreibbaren Leids. Immer wieder vernehmen wir Hiobsbotschaften aus aller Welt, wenn Naturkatastrophen hunderte, ja tausende Menschen zum Opfer fallen oder Völker mit brutaler Gewalt und abscheulichem Anschlägen terrorisiert werden. Hiobsbotschaften treffen uns ins Mark, besonders wenn sie sich im persönlichen Bereich abspielen: Eltern die Todesnachricht ihres Kindes überbracht wird, die Krebsuntersuchung positiv ausfällt oder von jetzt auf nachher der Arbeitsplatz gekündigt wird.
In solchen oder ähnlichen Fällen mögen Menschen das Gefühl haben, ins Bodenlose zu versinken, und gleich wie Hiob ihr Leid klagen, ihrer Enttäuschung freien Lauf lassen, in den Abgrund starren und seufzen: »Nie mehr schaut mein Auge Glück.«

Alttestamentliche Gestalt

Der Name »Hiob« ist sprichwörtlich geworden. Mögen manche auch nicht wissen, wer Hiob war, in welchem Buch von ihm gehandelt wird und was ihm widerfuhr, so wissen doch alle, wenn von Hiob und Hiobsbotschaften die Rede ist, verheißt das nichts Gutes.
Wer war dieser Hiob? Es ist die Gestalt einer alttestamentlichen Dichtung, deren Rahmenhandlung schnell erzählt ist: Hiob lebte mit seiner Frau und zehn Kindern im Land Uz. Er war äußerst wohlhabend, vor allem war er rechtschaffen und fromm, er fürchtete Gott und mied das Böse. Doch dann wird sein Glaube aufgrund einer Wette zwischen Satan und Gott auf die Probe gestellt. Satan möchte beweisen, dass der Glaube Hiobs nur davon herrührt, dass Gott seine Hand segnend über ihn hält und seinen Besitz behütet. Durch Satan in die Enge getrieben, würde Hiob schon schwach werden. Doch Hiob bleibt standhaft und wird dafür von Gott reich belohnt. Zuvor aber nimmt das Unglück seinen Lauf und es kommt, wie es schlimmer kaum kommen kann. Hiob erleidet alles, was einem Menschen nur widerfahren kann. Zuerst verliert er seinen gesamten Besitz, anschließend kommen seine zehn Kinder durch einen Hauseinsturz ums Leben und noch immer nicht genug, wird er zuletzt selbst von einer schweren, äußerst schmerzhaften Krankheit heimgesucht.

Leidender Mensch schlechthin

Jedes Unglück, das einen Menschen treffen kann, findet sich bei Hiob wieder. Hiob, das ist der leidende Mensch schlechthin, dem das Leben zu einer einzigen Last geworden ist, in dessen Leben es nur noch Dunkelheit und Nacht zu geben scheint. In Hiobs Klage findet sich darum jeder Mensch wieder, gleich von welchem Leid er geplagt, von welchem Schmerz er gequält wird. »Nächte voller Mühsal teilte man mir zu.« Wer schon einmal eine Nacht aufgrund körperlicher oder seelischer Qualen durchwacht und durchlitten hat, weiß, was in Hiob vor sich geht, wie sich ein großer, fast unerträglicher Schmerz anfühlt.
Jeder einzelne Schicksalsschlag, den Hiob erleidet, wäre für sich allein schon furchtbar genug, am meisten aber quält ihn die Frage, wie Gott all dieses Leid zulassen konnte, da er sich doch keines Vergehens oder Unrechts bewusst ist. Genau hier sind wir beim Kern der Erzählung. Warum lässt Gott das zu? Ist Gott wirklich gerecht und gütig, warum dann so viel ungerechtes Leid? Und warum gerade ich? Wer von uns hat nicht schon solche Fragen gestellt? Hiob, das sind wir alle, wenn wir unseren Glauben ernstnehmen und dabei ins Grübeln geraten angesichts des Leids Unschuldiger.

Frage nach dem Leid

»Das Weinen eines jeden Kindes ist ein Fels des Atheimus«, schrieb einmal Georg Büchner. Hatte er nicht Recht? Wer ist dieser Gott, wenn er unschuldige Kinder leiden lässt? Ist nicht alles, was geschieht, sein Wille? Ist er dann nicht auch dafür verantwortlich, wenn der Gerechte zu Unrecht leidet? Müsste er in seiner Güte nicht das Leid verhindern und kraft seiner Allmacht es auch tun können?
Jetzt, da ihn das Leid mit voller Wucht trifft, drängen sich Hiob solche Fragen mit aller Macht auf. Diesen Gott, an den er bisher geglaubt und auf den er sein Leben gebaut hat, versteht er nicht mehr; er treibt ihn in die Verzweiflung. Hiob steht für alle Menschen, deren Glauben angesichts von Leid und Schmerz zu zerbrechen droht. Wenn schon alles um einen herum ins Bodenlose versinkt, sollte dann nicht wenigstens der Glaube Halt und Trost spenden? Doch welche Orientierung kann ein Gott schenken, bei dem es scheinbar keine Gerechtigkeit gibt? Um diese Frage entzündet sich im alttestamentlichen Hiobbuch eine lange Debatte.
Hiobs Freunde wollen ihm einreden, er habe gewiss etwas getan, was sein Unglück rechtfertige. Geh in dich, steh zu deinen unbewussten Sünden, dann ist dein Leiden gerechtfertigt und Gott wieder der Gerechte. Leid als gerechte Strafe Gottes. Hiob wehrt sich entschieden gegen eine solche Argumentation und am Ende wird ihm von Gott sogar Recht gegeben. Wir sind nicht für jedes Leid verantwortlich. Es gibt auch das unschuldige Leid. Wer dazu neigt, Leid wie die Aids-Epidemie oder Naturkatastrophen als göttliche Strafe zu deuten, sollte sich einmal das Hiobbuch vornehmen.

(An)Klage ist berechtigt

Wer darin liest, wie wir eben in der Lesung, wird zudem noch eines anderen belehrt: Mit Gott zu streiten, mit ihm zu hadern und ihm sein ganzes Leid zu klagen, ist kein Zeichen von Unglauben und darum Sünde. Stünde Hiobs Geschichte in der Heiligen Schrift, wenn es unerlaubt wäre, gegen Gott aufzubegehren, ihm nicht nur das Leid zu klagen, sondern ihn auch wegen des Leids anzuklagen?
Hiob schreit seinen ganzen Schmerz heraus: »Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners?« Ist nicht das ganze Leben eine Last, am Ende womöglich sinnlos? »Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin.«
Hiob rebelliert gegen Gott und doch möchte er ihn nicht einfach lassen. Gäbe er Gott preis, welche Hoffnung hätte er dann noch in seinem Leid? Nein, Hiob lässt von Gott nicht ab, doch er möchte, dass Gott ihm Antwort gibt auf all seine Fragen. Und tatsächlich, Gott ergreift das Wort. Doch die Antwort, die er gibt, bleibt rätselhaft. Statt auf Hiob einzugehen, verweist er auf seine machtvollen Taten in der Natur: Wenn schon die Schöpfung wohlgeordnet ist, welchen Grund hat dann Hiob, Gottes Ordnung und Gerechtigkeit in Frage zu stellen? Sind wir überhaupt fähig, Gottes gerechte Pläne zu verstehen? Haben vielleicht alle unsere Fragen nur etwas mit der Unbegreiflichkeit Gottes zu tun?

Hoffnung trotz offener Fragen

Wer das Hiobbuch ganz liest, ist beeindruckt von der tiefsinnigen Dichtung dieses Buches und doch womöglich eigenartig berührt wegen der unbefriedigenden Antwort. Was soll der Glaube an einen Gott, den wir gänzlich nicht verstehen? Natürlich reicht unser Verstand nicht aus, Gott zu begreifen. Doch welche Orientierung sollte er uns schenken, wenn uns seine Pläne vollkommen verschlossen bleiben?
Das Hiobbuch ist eine Dichtung und die Bibel ist bei deren Aussage nicht stehen geblieben. Das ganze Alte Testament zeugt nämlich davon, dass Gott mit seinem auserwählten Volk durchaus einen Plan verfolgt, der für die Israeliten auch einsichtig ist: ein Leben im Land der Verheißung. Im Neuen Testament steht dafür der Begriff Reich Gottes. Ausgerufen wird es durch Jesus von Nazaret. Auch er als der Gerechte erfährt ungerechtes Leid und trägt es durch bis ans Kreuz. In seinem Leiden und Sterben hat er uns gezeigt: Gott steht dem unverschuldeten Leid nicht teilnahmslos gegenüber, sondern er leidet mit dem geschundenen Menschen mit.
Unsere Fragen nach dem Leid sind auch damit nicht alle gelöst, doch es bleibt die begründete Hoffnung, dass sich Gott mit uns Leidenden identifiziert und einst alles Leid verwandeln wird, so dass »der Tod [...] nicht mehr sein [wird], keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen« (Offb 21,4).

Fürbitten
Angesichts unserer Schwachheit rufen wir voll Zuversicht zu Gott, der unsere Stärke ist:

- Für alle, die sich einsetzen für Frieden und die Würde eines jeden Menschen und die ihre Stimme erheben gegen Unrecht und Ungerechtigkeit.
- Für alle, die sich um ihren Glauben mühen und trotz Fragen und Anfechtungen an dir festhalten.
- Für die Menschen, die von Hiobsbotschaften heimgesucht werden und an ihrem Leben zu verzweifeln drohen.
- Für all jene, die uns immer wieder Trost und Hoffnung spenden, zu uns halten und denen wir vieles zu verdanken haben.
- Für unsere Verstorbenen, die in ihrem Leben auf die Verheißung der Auferstehung gesetzt haben.

Allmächtiger Gott, dein Sohn zeigt uns den Weg zu dir. Für ihn danken wir dir und preisen dich, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Christoph Böttigheimer

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