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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Dritter Sonntag der Osterzeit
Lesejahr A
Begrüßung und Einführung
Das Osterfest liegt hinter uns – wirklich? In der Urgemeinde war Ostern kein vergangenes Geschehen, sondern ein immerwährendes Ereignis. Die Evangelien berichten von Erscheinungen des Auferstandenen im Kreis seiner Jünger und auch nach seinem Heimgang zum Vater leben die Christengemeinden aus dem Bewusstsein der Gegenwart ihres Herrn. Können auch wir von solchen Christusbegegnungen berichten? Ereignet sich auch für uns Ostern immer wieder neu, mitten im Leben? Etwa, wenn ich im andern meinen Bruder oder meine Schwester erkenne? Wenn Hoffnung die Mutlosigkeit besiegt und Freude die Trauer überwindet? Wenn wir miteinander und füreinander das Brot brechen.

Kyrie-Ruf
GL 213 »Christus ist erstanden«

Tagesgebet
Gütiger Gott,
du bist das wahre Licht, das jede Dunkelheit vertreibt. Dein Sohn ist nach seiner Auferstehung den Jüngern erschienen und hat mit ihnen Mahl gehalten. Er sei nun auch mitten unter uns, wenn wir jetzt in seinem Namen das Brot brechen.
Erleuchte uns mit der Weisheit deines Geistes und stärke uns mit der Fülle deines Lebens, damit wir mit Christus hoffnungsvoll den Weg des Glaubens gehen, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 222 »Nun freue dich, du Christenheit«
Antwortgesang
GL 245,1–4 »Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 534 »Herr, wir bringen in Brot und Wein«
Gesang zur Kommunion
GL 539 »Wir alle essen von einem Brot«
Dankhymnus
GL 223,1–2 »Nun freut euch hier und überall«

Fürbitten
»Kommt her und esst«. Der auferstandene Herr lädt zur Mahlgemeinschaft ein und schafft unser Leben neu. Ihn bitten wir:

- Für alle, die in ihrem Glauben enttäuscht und müde sind und auf heilende und befreiende Erfahrungen hoffen. – Stille – Herr, Jesus Christus:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für alle, die unter Krieg, Terror oder Unterdrückung leiden und sich nach Freiheit und Frieden sehen. – Stille – Herr, Jesus Christus:
- Für alle, die mit Enttäuschungen ringen, in ihrem Innersten verletzt sind und auf Heilung und Gerechtigkeit hoffen.
– Stille – Herr, Jesus Christus:
- Für alle, die vor schwierigen Entscheidungen stehen und um Klarheit ringen – Stille – Herr, Jesus Christus:
- Für alle, die sich einsam und verlassen fühlen und sich menschliche Nähe wünschen. – Stille – Herr, Jesus Christus:
- Für alle, die um einen nahen Menschen trauern und getröstet werden wollen. – Stille – Herr, Jesus Christus:

Herr, Jesus Christus, du schenkst uns ein Leben, das dem Tod gestorben und jeder menschlichen Macht entrissen ist. Darum gebührt dir unser Dank und österlicher Lobpreis, in dieser Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Leere und gefüllte Hände

Vorüberlegungen
Zum Text: Joh 21,1–14 (Evangelium)

Die Erzählung von der Erscheinung des Auferstandenen am See von Tiberias im Nachtragskapitel zum Johannesevangelium ist gut bekannt, u. a. deshalb, weil sie auf Lk 5,1ff – die erste Berufung der Jünger und den zunächst erfolglosen, dann aber überreichen Fischfang – anspielt. In der Begegnung mit dem auferstandenen Herrn erleben die Jünger jetzt noch einmal, was sie schon mit dem irdischen Jesus erfahren haben: Auf sein Wort hin wird aus Misserfolg Gelingen. Wie sich die Netze füllen, so wird auch ihre Mission glücken, trotz ihres Kleinglaubens und all ihren Schwächen.

Predigt

Alles umsonst?

Lohnt es sich, was ich da tue? War diese Sitzung, dieses Gespräch, diese Diskussion nicht wieder einmal völlig umsonst? War dieser Unterredung wirklich der Mühe wert? Werden meine Argumente und Überlegungen überhaupt ernstgenommen? Wird sich durch meine Worte je etwas ändern?
Immer wieder die Frage nach dem Erfolg, immer wieder das dumpfe Gefühl, dass von der ganzen Anstrengung am Ende womöglich nicht viel übrigbleibt. Wer sich engagiert, sich reinhängt und anstrengt, der hört sie manchmal, die innere Stimme, die einem einzureden versucht, dass doch alles umsonst ist, dass es sich nicht lohnt, weil letztlich nichts herauskommen wird.

Blasphemie des Vaterunsers

Es gibt Augenblicke, da drängt sich der Sinnlosigkeitsverdacht geradezu auf. Der Schriftsteller Ernest Hemingway hat ihn einmal anschaulich ins Wort gebracht. Hemingways Erzählung handelt von einem kahlen, verlassenen Café nach 2 Uhr nachts. Ein älterer Kellner, der niemand mehr hat und an niemand und nichts mehr gebunden ist, spricht in einem Selbstgespräch eine Blasphemie des Vaterunsers: »Unser Nichts, der du bist im Nichts. Nichts ist dein Name. Dein Nichts komme. Dein Nichts geschehe wie im Nichts so im Nichts. Unser tägliches Nichts gib uns heute ... Erlöse uns von dem Nichts, denn dein ist das Nichts und das Nichts und das Nichts. Heil dem Nichts, voll von Nichts, Nicht ist mit Dir.« Der alte Kellner fasst die Sinnlosigkeit ins Wort. Ist am Ende nicht alles sinnlos, nichtig, umsonst?

Frustration

Das lateinische Wort für dieses Umsonst ist heute in aller Munde: frustra. Ich bin frustriert, weil meine Anstrengungen so wenig bewirken. Lehrer sind frustriert, weil Kinder sich vom Religionsunterricht abmelden. Eltern sind frustriert, weil ihre Kinder der Kirche den Rücken zukehren. Bischöfe, Pfarrer und pastorale Mitarbeiter sind frustriert, weil die Anziehungskraft der Kirche deutlich nachlässt.
Umsonst-Erfahrungen wiegen schwer, sie reißen zu Boden, rauben die Kräfte und sind durch billige Trostworte nicht einfach aus der Welt zu schaffen. In einer solch depressiven Verfassung müssen wohl die Jünger Jesu gewesen sei. »Aber in dieser Nacht fingen sie nichts«, heißt es lapidar. Doch der Satz hat es in sich. Ich stelle mir das furchtbar vor, als professioneller Fischer mit leeren Händen dazustehen und das auch noch vor anderen. Zum beruflichen Misserfolg kommt dann auch noch der bohrende Verdacht hinzu, womöglich jahrelang dem falschen Messias nachgefolgt zu sein. Für Jesus von Nazaret haben sie ihr Leben eingesetzt, der nun am Kreuz gestorben und gescheitert ist. Was bleibt da anderes übrig, als sich zurückzuziehen, sich auf das Frühere zu besinnen und wieder der alten Tätigkeit nachzugehen, zu fischen? Doch nun bleibt selbst da der Erfolg aus.
Ergeht es heute nicht vielen ähnlich? Arbeitslosen, die im Beruf überflüssig geworden sind und obendrein auch noch ins Gerede kommen, als »Hartzer« abgestempelt werden? Erschöpfte, Ausgebrannte, die es nach beruflichem Erfolg jetzt nicht mehr »bringen«? Geistliche, deren Begeisterung erlahmt ist?

Ausweg

Vor Misserfolgen und Rückschlägen ist niemand gefeit. Eines können wir jedoch tun: Uns neu orientieren und nach Hilfe Ausschau halten – schauen, wo rettendes Land in Sicht ist. »Und als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.« Er begegnet den Jüngern mitten in ihrem Alltag, inmitten aller Misserfolge und allen Versagens. Er nimmt sie ernst, geht über ihre Enttäuschung nicht hinweg, sondern spricht sie an: »Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?« Und als er die Jünger aussendet und sie auf sein Wort hin erneut auf den See hinausfahren, stellt sich der reiche Fang ein.
Als die Jünger auf Jesus blicken, sich an ihm orientieren, merken sie, wir sind nicht allein, und es beginnt ihnen zu dämmern: »Es ist der Herr.« Sie ahnen, dass die Gestaltung ihres Lebens mit dieser Gestalt zusammenhängt und dass er ihre leeren Hände füllen kann. Jesus lädt zur Mahlgemeinschaft ein, zur Lebensgemeinschaft. Sein Feuer brennt. Er ist schon da, der Tisch ist schon gedeckt.

Sendung

Die Jünger werden gestärkt, um allen Völkern das Evangelium zu bringen. Wie sie 153 Fische gefangen haben, alle damals bekannten Fischsorten, so sollen sie aus allen Völkern Menschen für Christus gewinnen. Den erfolglosen und niedergeschlagenen Jüngern traut Jesus zu, dass ihre Mission nicht umsonst sein wird. Ihr Tun wird von seiner Gegenwart gesegnet sein.

Christoph Böttigheimer

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