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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Osternacht
Lesejahr A – B – C
Vorbemerkung
Um die Gottesdienstgemeinde gut in die vier Abschnitte der Osternachtliturgie (Lichtfeier – Wortgottesdienst – Tauffeier – Eucharistie) mitzunehmen, könnte vor jedem Abschnitt eine kleine Einführung stehen. Im Folgenden sind dazu Textbeispiele angeführt.

Einführung am Beginn der Lichtfeier
(Zu Beginn der Lichtfeier kann der erste Abschnitt der Schöpfungserzählung (Gen 1,1–3) gelesen werden. Dann wird das Osterfeuer entzündet.)
Es ist Osternacht geworden. Mitten im Dunkel leuchtet das Osterfeuer und kündigt das neue Leben an, das uns geschenkt ist. Wir sind eingeladen, unsere Herzen für das Licht dieser Nacht zu öffnen.

Einführung und Begrüßung am Beginn des Wortgottesdienstes

Aus Dunkel wird Licht, aus Furcht wird Hoffnung, aus Tod wird Leben. Dies feiern wir in dieser Osternacht. Es ist eine besondere Nacht. Sie ist voller Geheimnis und Wunder. Und so grüße ich Sie sehr herzlich, Sie alle, die Sie hier sind! Was immer Sie mitbringen in diesen Gottesdienst, mag es Glaube sein oder Zweifel, mag es Traurigkeit sein oder Freude, alles hat Platz in dieser Feier, die wie keine andere vom Leben in all seinen Schattierungen erzählt.
Und deshalb greifen wir in jeder Osternacht weit aus. Wir lassen uns erinnern an all das Gute, das Gott an uns getan hat. Wir lassen uns erzählen, wie Gott die Erde und alles, was auf ihr lebt, gemacht hat. Wir hören, wie Gott das Volk Israel aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hat. Und wir staunen über den großen Gott, der selbst noch den Tod in sein Licht holen kann.
(Je nach den ausgewählten Lesungen können hier weitere Sätze eingefügt werden.)

Einführung am Beginn der Tauffeier
Wir feiern Osternacht. Wir hören die Botschaft, dass Jesus Christus aus dem Tod ins neue Leben hinein auferstanden ist. Diese Botschaft wartet auf Antwort. Sie wartet darauf, dass wir uns zu dem Gott bekennen, der auch uns vom Tod ins neue Leben ruft. In der Tauffeier der Osternacht erneuern wir deshalb unser Taufversprechen und lassen uns besprengen mit dem Wasser, aus dem wir in der Taufe neu geboren sind.

Einführung am Beginn der Eucharistiefeier

Mitten in dieser Osternacht vereinen wir uns am Tisch, der das Brot des Lebens für uns bereithält. Hier wird unser Hunger gestillt. Hier kommt unsere Sehnsucht ans Ziel. Denn im Brot empfangen wir Jesus Christus selbst, der von den Toten auferstanden ist. Er lässt uns teilhaben am Leben, das nicht mehr endet. Lassen wir uns einladen von ihm zum österlichen Mahl.

Fürbitten
Barmherziger Gott, du hast durch den Engel am Grab die frohe Botschaft des Lebens verkündet. Dir tragen wir in dieser Osternacht unsere Bitten vor:

- Öffne die Herzen aller Traurigen und Hoffnungslosen für deine frohe Botschaft des Lebens. Gott unser Vater:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Schicke Botschafter des Friedens nach Israel, nach Afghanistan und in alle Krisengebiete dieser Erde und lass uns selbst nicht aufhören, uns um Frieden und Versöhnung zu mühen. Gott unser Vater:
- Stelle uns Menschen an die Seite, die uns beistehen, wenn wir Schmerz und Leid erfahren, wenn wir keinen Weg mehr sehen und verzweifelt sind. Gott unser Vater:
- Sende uns zu allen Menschen, die deine heilsame Botschaft besonders brauchen: zu den Behinderten, zu den Kranken, zu den Einsamen. Gott unser Vater:
- Führe die Toten in dein Reich des Friedens und der ewigen Freude. Lass sie teilhaben an der Auferstehung deines Sohnes. Gott unser Vater:

Denn du bist der Gott des Lebens. Du schenkst uns Hoffnung über allen Tod hinaus. Darum feiern wir in Freude das Fest deiner Auferstehung, der du lebst und bei uns bleibst heute und für alle Zeit bis in Ewigkeit. Amen.

Welcher Engel wird uns sagen, dass das Leben weitergeht?

Vorüberlegungen
Zum Text: Mt 28,1–10 (Evangelium)

Die vier Evangelisten erzählen auf sehr unterschiedliche Weise von den Ostererfahrungen der Jüngerinnen und Jünger. Bei der Ostererzählung des Matthäus fällt die gewichtige Rolle des Engels am Grab auf. Er wälzt den Stein weg, er bringt den Frauen die frohe Kunde von der Auferstehung.
In meiner Predigt greife ich dieses Motiv auf und führe es in die heutige Zeit weiter. Auch wir brauchen »Engel«, auch wir brauchen andere, die unsere Grabeserfahrungen aufbrechen und uns die Osterbotschaft vermitteln. Nur so kann der Glaube an das Leben, das allen Tod besiegt, in uns Platz greifen.
Der Text von Wilhelm Willms »Welcher Engel wird uns sagen, dass das Leben weitergeht« soll helfen, die Brücke zwischen der Ostererfahrung damals und heute zu finden. Er drückt in schöner Weise aus, wie wir einander zu Botschaftern des Lebens werden können.

Predigt

Es ist Osternacht geworden. Vielleicht überraschend und viel zu schnell. Aber wir sind hier, und das ist gut. Wir sind hier, um dem Tod das Leben entgegenzusetzen. Und irgendwie spielt dabei heute Nacht ein Engel eine große Rolle. Hören wir noch einmal in die Geschichte hinein.

Der Engel am Grab

Es ist Nacht. Zwei Frauen gehen zum Grab, um nach ihrem toten Freund zu sehen. Sie wollen ihrer Trauer Raum geben. Sie wollen den Toten noch einmal anschauen, um zu begreifen, was geschehen ist.
Eigentlich hören Geschichten so auf. Jemand ist tot. Damit ist zu Ende, was voller Hoffnung begann. Doch hier ist es anders. Das Eigentliche beginnt erst jetzt, und was da beginnt, verschlägt uns den Atem.
Es geht alles sehr schnell. Jener besagte Engel kommt aus heiterem Himmel und rückt den riesigen Stein weg, der das Grab des Todes verschließt. Es kracht und es bebt. Die Erde wankt. Selbst jenen Wächtern, die die Tatsache des Todes bewachen sollten, wird der Boden unter den Füßen buchstäblich weggezogen. Und dieser Engel nimmt einfach den Stein und setzt sich darauf. Was für ein Bild! Der Engel besetzt den Stein des Todes. Du wirst kein Grab mehr zuschließen, nie mehr, sagt diese Geste.
Und der Engel beginnt mit den beiden Frauen zu reden. »Fürchtet euch nicht!«, sagt er. »Habt keine Angst. Alles ist gut. Jesus ist auferstanden vom Tod.« Der Engel sagt jene Worte, die alles umkehren. Einfach so. Tot ist nicht mehr tot. Es gibt Auferstehung. Es gibt die Möglichkeit, aus jedem Tod auch wieder aufzustehen, seit heute gibt es sie, sagt der Engel. Und am Himmel zieht der Morgen herauf. Wo solche Worte verkündet werden, beginnt ein neuer Tag für die Menschheit.

Und heute?

Eine unglaubliche Geschichte. Eine Geschichte, die vor 2000 Jahren geschehen ist. Jedes Jahr hören wir sie an Ostern, und jedes Jahr bewegt uns dieselbe Frage: Wie kann es geschehen, dass diese Geschichte für uns wahr wird, für uns hier und heute? Und ich merke, dass das nicht einfach ist. Diesem Ostern steht so vieles in der weiten Welt, aber auch in unserer ganz persönlichen Lebensgeschichte entgegen.
Ostern. Und doch ist da ein Land wie Israel, das die Osterbotschaft als Erstes gehört hat. Und die Menschen dort schlagen sich die Köpfe ein, so lange, bis jede Hoffnung auf Frieden totgeschlagen ist.
Ostern. Und doch gibt es Länder wie Afghanistan, Pakistan oder den Irak, in denen der Hass und der Terror nicht enden wollen.
Ostern. Und doch bringen viele von uns Schweres und Belastendes mit hierher, Grabeserfahrungen, Nischen des Todes mitten in unserem Leben, Sackgassen, aus denen heraus es keinen Ausweg zu geben scheint. All das gibt es, und es fragt Ostern an, das müssen wir uns ehrlich eingestehen.
Welcher Engel wird uns sagen, dass das Leben weitergeht …?
Damals hat ein Engel die Osterbotschaft zu den Frauen gebracht. Und mir scheint, dass das auch heute die Spur ist, der wir nachgehen müssen. Wer ist für uns der Engel, der den Stein wegschiebt, der dem Leben die Pforten öffnet? Es gibt einen Text von Wilhelm Willms, der heißt so:»Welcher Engel wird uns sagen, dass das Leben weitergeht?

Welcher Engel wird wohl kommen, der den Stein vom Grabe hebt?
Welcher Engel wird uns zeigen, wie das Leben zu bestehn?
Welcher Engel schenkt uns Augen, die im Keim die Frucht schon sehn?
Welcher Engel öffnet Ohren, die Geheimnisse verstehn?
Welcher Engel leiht uns Flügel, unsern Himmel einzusehn?
Wirst du für mich, werd ich für dich der Engel sein?«

Engel für uns

Welcher Engel wird uns sagen, dass das Leben weitergeht …? Ich glaube, es ist die Frage dieser Nacht. Wir brauchen ihn so dringend, diesen Botschafter Gottes, diesen Botschafter des Lebens, der uns sagt: »Die Nacht ist zu Ende. Das Grab ist offen. Das Leben wird siegen. Dafür stehe ich ein.« Von einem solchen Engel könnte es abhängen, ob Gottes Botschaft des Lebens zu unseren Ohren und Herzen durchdringen kann.
Gibt es sie, diese Engel ohne Flügel? Gibt es sie, die Männer und Frauen, die uns vom Himmel geschickt sind, damit wir wieder leben können? Ich glaube, es gibt sie. Es sind Menschen, die den Faden wieder finden, den wir verloren haben. Es sind Menschen, die uns sagen: Das Leben geht weiter für dich, hier ist der Weg, ich gehe ihn mit dir. Es sind Menschen, die für die Gerechtigkeit einstehen mit all ihrer Kraft und all ihrem Mut. Es sind Menschen, die den Frieden nicht aufgeben, nicht um alles in der Welt, allen Sprengsätzen und allem Terror zum Trotz, und die uns damit glauben machen, dass es noch Hoffnung gibt für diese Welt.

Selbst Engel sein

Welcher Engel wird uns sagen, dass das Leben weitergeht? Es ist die Frage dieser Nacht. Aber es ist nicht nur eine Frage, es ist auch ein Auftrag.
Auch wir können zu Botschafterinnen und Botschaftern des Lebens werden, so wie die beiden Frauen damals, die den Jüngern weitererzählten, was sie erfahren hatten.
Einander Engel sein. Einander heilsam sein und Steine sprengen und Angst nehmen und vom Leben erzählen und nicht aufhören damit, niemals. Es hieße mithelfen, dass Ostern mitten in unserem Leben Recht bekommt.

Liedvorschläge
Lied zum Exultet
GL 208 »O Licht der wunderbaren Nacht«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 223,1–2.4 »Wir wollen alle fröhlich sein« oder
EH 219 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 220,1–3.5 »Das ist der Tag, den Gott gemacht«
Gesang zur Kommunion
GL 221,4.6.8–9 »Danket Gott, denn er ist gut«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 222,1–3 »Nun freue dich, du Christenheit« oder
GL 818,1–2.4 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Christus ist erstanden«

Claudia Schmidt

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