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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Dritter Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr A
Einführung
Wir sind heute hier zusammengekommen, jeder für sich aus seiner Lebenswelt, aus seinem Alltag, um als Gemeinde vor Gott zu treten. Unsere Gemeinde ist aber mehr als die Summe aller einzelnen Gemeindemitglieder. Sie ist mehr als unsere Gemeinschaft hier. Sie ist mehr, weil sie einen Grund hat, der uns alle trägt. Im Namen Jesu sind wir versammelt, in seinem Namen sind wir verbunden mit den Christen auf der ganzen Welt – so unterschiedlich jeder Einzelne auch sein mag. Zu ihm wollen wir in dieser Stunde nun beten.
Was wirklich wichtig ist …

»Was wirklich wichtig ist ...«

Predigt

Zum Text: 1 Kor 1,10–13.17 (2. Lesung)

Gemeinde heute

Zu Beginn möchte ich Sie zu einer kleinen Gedankenreise einladen. Welches Bild haben Sie von unserer Kirchengemeinde? – Welche Gruppen und Aktivitäten kennen Sie? – Welche Menschen kommen Ihnen in den Sinn? – Welches Erlebnis fällt ihnen mit unserer Kirchengemeinde ein? – Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Pfarrer und den anderen hauptamtlichen Mitarbeitern gemacht? – Welche Aufgaben sind gerade besonders wichtig? – Welche sollten Ihrer Meinung nach in Angriff genommen werden? – Fühlen Sie sich wohl in unserer Kirchengemeinde?
Ich bin sicher, in jedem von Ihnen ist jetzt ein anderes Bild entstanden und jeder ist zu einer anderen Einschätzung über unsere Kirchengemeinde gekommen. Für den einen mag unsere Kirchengemeinde ein Ort sein, in dem man sich gut aufgehoben fühlen kann. Der andere hat vielleicht eher die Seiten gesehen, die mühsam und manchmal schwierig sind. Unsere Kirchengemeinde ist sicher nicht perfekt. Sie ist so gut und so schlecht wie die Menschen, die sie tragen, also wie wir alle. Und das kann manchmal sehr schön und aufbauend sein, manchmal könnte man sich aber auch ärgern oder gar verzweifeln.

Gemeinde damals

Vielleicht fand Paulus den Zustand der Gemeinde in Korinth auch zum Verzweifeln, als er ihr den ersten Brief schrieb. Nur wenige Jahre zuvor war Paulus selbst in Korinth gewesen und hatte die christliche Gemeinde gegründet. Nun, nach seinem Weggang, hatte sie sich heillos zerstritten. Es gab Gruppen und Grüppchen, die nicht miteinander, sondern gegeneinander arbeiteten. Jede Gruppierung berief sich auf jemand anderes. Andere große Verkündiger des Evangeliums waren nach Paulus ebenfalls in Korinth gewesen. Jeder hatte seinen eigenen Stil, seine eigene Art der Verkündigung – und jeder fand offensichtlich auch eigene Anhänger.
Paulus wurde von diesem Streit berichtet, als er gerade in Ephesus war. Dieser Streit war für ihn unter anderem der Auslöser, dass er den ersten Brief an die Gemeinde in Korinth verfasste. Mit diesem Brief mischt er sich ein und spricht ein Machtwort. Und er ruft alle Gruppen dazu auf, sich auf die gemeinsame Grundlage zu besinnen – das Evangelium!
Es geht nicht um Personenkult. Es geht auch nicht um theologische Strömungen und verschiedene Deutungen. Es geht um das Evangelium, das Jesus selbst verkündet hat. Das ist die Grundlage für alle, sei es nun für die Anhänger des Paulus, für die des Kephas, für die des Apollos oder für welche Gruppe auch immer. Damit hat die ganze Gemeinde eine gemeinsame Basis. Auf dieser Basis kann sie ihr Leben gestalten und diese Basis soll sie auch anderen weitergeben.

Viele Gruppen auf einer Basis?

Vielleicht passt die Beschreibung der Gemeinde von Korinth nicht unbedingt auf unsere eigene Gemeinde. Doch wenn wir die gesamte christliche Welt anschauen, dann können wir da eine ganze Menge von Gruppen und Gruppierungen erkennen, die nicht gerade miteinander arbeiten, sondern manchmal sogar eher gegeneinander. Da gibt es unsere großen christlichen Konfessionen, die zwar in vielen Punkten zusammenarbeiten, sich aber auch in vielen Punkten abgrenzen ohne einen Weg zueinander zu suchen. Da gibt es die Freikirchen und die Pfingstkirchen aller Couleur. Alle berufen sich auf Jesus Christus. Und alle meinen, sie hätten den einzig richtigen Weg des Glaubens gefunden. Auch innerhalb unserer katholischen Kirche gibt es unterschiedliche Gruppen. Die einen halten die Hinwendung zu den alten Formen und Traditionen für den richtigen Weg, die anderen möchten diese Dinge am liebsten über Bord werfen und betonen vor allem die soziale Kraft, welche die Botschaft Jesu enthält. Und auch hier scheint es zwischen beiden Seiten keine Brücke zu geben.

Was Paulus nicht sagt

Paulus spricht die Streitigkeiten in der Korinther Gemeinde offen an. Aber interessant ist, was er nicht sagt. Er ergreift keine Partei für eine bestimmte Gruppe und spricht keine Empfehlung aus. Er lässt die Gruppen einfach Gruppen sein und erinnert sie nur an ihre gemeinsame Basis: Das Evangelium Jesu Christi.
Verschiedene Strömungen dürfen bestehen, verschiedene Auslegungen sind möglich, doch über die gemeinsame Grundlage müssen sich alle einig sein. Das setzt von allen Gruppen zwei Dinge voraus: Zum einen die Überzeugung, dass der eigene Weg der ist, der für sie richtig ist, zum anderen die Toleranz, dass andere eben andere Wege gehen.
Es tut dem Miteinander der christlichen Kirchen gut, wenn sie sich zuerst auf die gemeinsame Basis besinnen und dann mit der notwendigen Toleranz den für sie richtigen Weg gehen. Wo dies gelingt kann Ökumene für beide Seiten sehr bereichernd sein.

Die gemeinsame Grundlage – auch für unsere Gemeinde

Der erste Brief an die Korinther kann für unsere Gemeinde heute etwas Tröstliches haben. Schon damals, bei den ersten Christen, waren die Gemeinden nicht perfekt. Auch damals waren sie so gut und so fehlerhaft wie die Menschen, die in dieser Gemeinde lebten. Auch wenn es bei uns nicht so extrem zugeht wie in Korinth, so erinnert uns Paulus doch daran, was wirklich wichtig ist für unsere Gemeindearbeit. Der Alltag in unserer Kirchengemeinde bringt viele Dinge mit, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Die Verwaltung des Geldes, die Sorge für die Gebäude, die Angebote für Senioren, Jugendliche, Familien und Kleinkinder, all das nimmt uns in Beschlag und beschäftigt uns. Auch wenn wir uns nicht durch Richtungsstreitigkeiten untereinander aufreiben, so können wir uns von Paulus doch von Neuem darauf aufmerksam machen lassen, um was es in unserer Gemeinde eigentlich geht. Es geht darum, dass wir das Evangelium Jesu Christi leben und es verkünden. Dazu sind wir als Gemeinde zusammengekommen. Das ist die Grundlage, auf der wir unser Gemeindeleben aufbauen sollen.
Allerdings sagt uns Paulus in der heutigen Lesung nicht, wie wir das konkret machen sollen. Das ist auch gar nicht so einfach. Eine pauschale Antwort kann es hier nicht geben. Wir sind aufgerufen, immer wieder das Evangelium in unsere Welt, in unsere Gemeinde hinein zu lesen, zu leben und zu verkünden. Das Evangelium kommt vor den Finanzen, vor den Verwaltungsaufgaben und vor den politischen Zwängen. Wir können in unserer Welt auf diese Dinge zwar nicht verzichten, doch dürfen sie nicht wichtiger werden als die Botschaft Jesu. Wenn wir uns das immer wieder ins Gedächtnis rufen, haben wir schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Fürbitten
Guter Gott, du bist der gute Hirte, der uns führt und uns vorangeht. Als deine Gemeinde treten wir vor dich und bitten dich:

- Stärke in unserer Kirche die Bereitschaft, auf andere Konfessionen zuzugehen und gemeinsam das Evangelium zu verkünden.
- Segne alle Menschen, die sich um die Einheit der gesamten Christenheit bemühen.
- Lass uns in unserer Gemeinde so zusammenleben, dass wir auch im Streit und bei Meinungsverschiedenheiten unsere gemeinsame Grundlage nicht vergessen.
- Begleite uns in unserem Alltag, damit wir bei allen Dingen, die auf uns einströmen, Dein Wort immer im Herzen tragen.

So bitten wir dich, Gott, unser guter Vater. Mache uns immer wieder stark im Glauben, treu in der Liebe und unerschütterlich in der Hoffnung, damit wir durch unser Leben deine Botschaft zu den Menschen bringen können. So bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Stefan Lepre

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