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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Fest der Erscheinung des Herrn
Lesejahr A–B–C
Begrüßung und Einführung
Herzlich grüße ich Sie zu unserem Festgottesdienst!
Noch einmal feiern wir Weihnachten heute. Wenn manche ihren Christbaum schon weggestellt haben, wenn die Weihnachtsplätzchen nicht mehr recht schmecken wollen, dann feiern wir nochmals Weihnachten.
Denn die Weihnachtsbotschaft ist noch nicht zu Ende. Heute hören wir die Weihnachtsgeschichte des Matthäus. Er erzählt uns von Menschen, die aufgebrochen sind Gott zu suchen und zu finden.
Halten wir am Beginn dieses Gottesdienstes einen Augenblick inne. Wie sieht unser Weg gerade aus? Wonach sind wir auf der Suche? Was haben wir schon gefunden?

Kyrie-Ruf
Licht, das uns erschien, Kind, vor dem wir knien:
Herr, erbarme dich.
Dem sich der Himmel neigt, dem sich die Erde beugt:
Christus, erbarme dich.
Glanz der Herrlichkeit, König aller Zeit:
Herr, erbarme dich.
Oder gesungen: GL 129

Tagesgebet
Menschgewordener Gott,
vor dir stehen wir an diesem Festtag und bringen dir unser Leben. Große Geschenke haben wir nicht. Aber wir bringen dir unser Inneres, unsere Gedanken und Gefühle, unsere Freude, aber auch alles, was uns lähmt und am Leben hindert.
Nimm uns an, wie wir sind. Lass uns spüren, wie nahe du uns bist. Lass unser Leben in dir zum Ziel finden, du großer Gott im kleinen Kind.
Darum bitten wir dich heute und morgen und in Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 139,1–3 »Hört, es singt und klingt mit Schalle«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 153/1 »Werde licht, Jerusalem« mit 153/2 (Psalm 72B) und GL 531/2 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 135,1–2 »Singen wir mit Fröhlichkeit«
Gesang zur Danksagung
GL 141,1.3–4 »Ich steh an deiner Krippe hier«
Schlusslied
GL 143,1.3–4 »Nun freut euch, ihr Christen«

Fürbitten
Guter Gott, du bist der helle Stern über allen Wegen, die wir gehen. Manche Wege sind dunkel und beschwerlich. Darum bitten wir dich:

- Für alle Menschen, die auf der Suche sind nach lebendiger Gottesbegegnung. Du Licht für die Völker:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für alle Menschen, die sich mit dem Vordergründigen zufrieden geben, und für jene, die enttäuscht die Suche nach dem Sinn ihres Lebens aufgegeben haben. Du Licht für die Völker:
- Für die orthodoxen Christinnen und Christen, die heute ihr Weihnachtsfest feiern. Du Licht für die Völker:
- Für alle, die unter den Naturkatastrophen der letzten Monate leiden müssen und nur mit Mühe durch den Winter kommen. Du Licht für die Völker:
- Für alle, die sich nach Frieden und Gerechtigkeit sehnen. Du Licht für die Völker:

Guter Gott, du leuchtest hinein in alle Dunkelheit, die Menschen erfahren. Wir danken dir für deine Nähe und Treue, heute und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. Amen.

»Die Menschen mit den unendlichen Augen«

Vorüberlegungen
Zum Text: Mt 2,1–12 (Evangelium)

Das Evangelium von den Sterndeutern ist gut bekannt. Ich möchte in meiner Predigt einige Aspekte ihrer inneren Haltung aufgreifen. Dies tue ich mithilfe einer Weihnachtsmeditation von Alfred Delp. Seine Worte sind überzeugend und wie ein Leitfaden, mit dem der Duktus des Evangeliums erschlossen werden kann. Dabei kommen Grundformen des Lebens vor: der innere Hunger und Durst, der Aufbruch, wo und wie immer er uns entgegenkommt. Instinktiv spüren: Ja, hier ist er. An diesem Ort. In dieser Situation. Bei diesem Menschen.
Die Suche, das Finden, die Ehrfurcht, das Anbeten, das Schenken. Es fällt nicht schwer, diese Grundhaltungen auf das eigene Leben zu übertragen.
Die Gedanken von Alfred Delp sind entnommen aus: Alfred Delp, Das Fest der Menschenfreundlichkeit Gottes, hrsg. von Roman Bleistein, Frankfurt 1985.

Predigt

Alfred Delp, der Jesuitenpater und Widerstandskämpfer der NS-Zeit, schrieb wenige Wochen vor seiner Hinrichtung eine Weihnachtsmeditation. Er schrieb sie in seiner Gefängniszelle mit gefesselten Händen. Folgende Worte über die Weisen, die in den Stall von Betlehem kamen, können uns heute noch anrühren:
»Es ist ganz nebensächlich, ob es wirklich Könige waren oder irgendwelche Häuptlinge aus dem Osten oder angesehene Astronomen. Sie trugen die Weisheit und die Sehnsucht der Völker in ihrem königlichen Herzen (…)
Ähnlich wie bei den Hirten liegt das Geheimnis dieser Menschen offen und einfach geschichtet da. Es sind dies die Menschen mit den unendlichen Augen. Sie haben Hunger und Durst nach dem Endgültigen. Richtig Hunger und Durst. Was das heißt, weiß ich jetzt. (…) Suchende, fahrende Menschen sind sie geworden, weil sie dem inneren Ruf und dem äußeren Zeichen (…) mehr glaubten, als der sicheren und behaglichen Sesshaftigkeit. (…) Das ist ihr Geheimnis: dringender Ernst des Fragens, zähe Unerschütterlichkeit des Suchens, königliche Größe der Hingabe und Anbetung.«
Eindrücklich sind sie, diese Worte von Alfred Delp über die Könige des heutigen Festes. Es sind Worte, geschrieben mitten in der Nacht. Es sind Worte mit großer Kraft und Tiefe, die uns das Fest Dreikönig aufschließen können. Lassen wir uns heute von ihnen führen.

Menschen mit unendlichen Augen

Zunächst: Für Alfred Delp sind die Weisen Menschen mit unendlichen Augen. Wie das klingt: unendliche Augen. Gemeint sind wohl Augen, die über alle Grenzen hinweg sehen. Solche Augen haben die Sterndeuter gehabt. Nicht nur nach den Sternen schauten sie, nein, auch weit über den eigenen engen Horizont hinaus.
Und Delp nennt den Grund für diese Augen, die den Blick in die Ferne richten. Die Weisen aus dem Morgenland sind Menschen, die Hunger und Durst nach dem Endgültigen haben. Das heißt: Sie geben sich nicht ab mit dem Vordergründigen. Sie lassen sich nicht abspeisen mit dem, was unsere Welt an Befriedigung bietet. Sondern sie suchen nach dem, was den letztendlichen Sinn ihres Lebens ausmacht.
Und wir? Haben wir noch Hunger und Durst? Oder sind wir übersättigt mit so vielem, was Tag für Tag auf uns einströmt? Was uns in Beschlag nimmt und unsere Beschäftigung einfordert? Unendliche Augen haben - wenn auch uns das doch ab und zu gelänge. Weiter sehen, als unser Blick gerade reicht. Über die augenblickliche Not hinaus. Über all das hinweg, was so wichtig zu sein scheint. Den Stern sehen, der lockt und der den Weg weist zu Gott.

Menschen, die aufbrechen

Und dann: Die Weisen sind Menschen, die aufbrechen, die dem inneren Ruf und dem äußeren Zeichen mehr glauben, als ihrer inneren Sesshaftigkeit. Wenn es einen Stern gibt, der lockt, und einen Weg, der sich auftut, dann können wir nicht alles beim Alten lassen, nur weil es bequem ist, nein, dann müssen wir losgehen. Die Weisen machen es uns vor. Sie wagen sich in fernes, unbekanntes Land.
Lang wird der Weg, den sie gehen. So kann es auch mit unserem Weg sein. Manchmal denken wir, wir kommen nie an. Manchmal fürchten wir uns, weil das Ziel in unerreichbare Ferne rückt. Dann braucht es Geduld und einen langen Atem, durch alle Wüsten hindurch und über alle Gebirge hinweg.
Die Sterndeuter halten durch. Sie lassen sich nicht beirren, selbst dann nicht, als das erste Ziel, der Königshof in Jerusalem, sich als Trug erweist. Wenn man fehlgegangen ist, muss man weitergehen, so bitter das ist. Und neu suchen. Und nicht aufgeben. Irgendwann steht der Stern still und gibt sein Geheimnis preis.

Menschen, die anbeten

So ist es für die weisen Sterndeuter. Sie sind endlich am Ziel. Nach langen Tagen und kalten Nächten sind sie angekommen im Stall.
Wir wären vermutlich maßlos enttäuscht. Ein Stall und ein Kind? Dafür die lange Reise? Dafür die vielen Strapazen? Doch für die weisen Männer ist es anders. »Sie wurden von sehr großer Freude erfüllt«, heißt es bei Matthäus. Sie sehen und glauben. Sie wissen: Ja, hier sind wir richtig. Hier ist Ort Gottes. In diesem Kind kommt er selbst uns entgegen.
Haben wir das schon einmal erlebt? Den Augenblick, in dem wir plötzlich begreifen und verstehen. In dem wir Gott gefunden haben, wo und wie immer er uns entgegenkommt. In dem wir instinktiv spüren: Ja, hier ist er. An diesem Ort. In dieser Situation. Bei diesem Menschen. Und plötzlich wird klar, wohin der Weg mich geführt hat. Und plötzlich weiß ich, was mein Leben will in seiner letzten End-gültigkeit, jetzt und immer.
Wenn wir einen solchen Augenblick erleben, dann bleibt auch uns nichts, als betend auf die Knie zu fallen wie die Weisen. Knien. Das heißt staunen und danken und Ehrfurcht haben vor dem großen Gott, der sich so klein macht für uns.

Menschen, die schenken

Und am Ende? Die Weisen bleiben nicht beim Anbeten stehen. Sie holen ihre Schätze hervor. Sie geben alles, was sie von weither mitgebracht haben: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Es ist nicht so wichtig, was ein kleines Kind mit diesen Gaben anfängt. Was zählt ist das Geben mit großem Herzen.
Und was schenken wir? Was geben wir Gott von uns, von unserem Leben? Unsere Sehnsucht? Unsere Fragen? Unseren Dank? Unser Lob?
Es ist egal. Wir dürfen wissen: Er wird es annehmen, was immer es ist.

Claudia Schmidt

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