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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Weihnachten – Am Tag
Lesejahr A–B–C
Gottesdienst II

Einführung
Wahrscheinlich wird es auch in diesem Jahr so sein wie in den vergangenen Jahren: Schon heute Nachmittag liegen auf dem Sammelplatz für die Christbäume die ersten abgeräumten Bäume. Wie jedes Jahr fahren die Nachbarn in den Skiurlaub – Weihnachten ist vorbei. Das Familienfest des Heiligen Abends mit den Geschenken war schön und jetzt klingt das Jahr aus in verschneiter Bergwelt. Jedem das Seine, möchte man sagen – uns und auch denen, die jetzt aufbrechen und fortfahren, ist gesagt: »Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein neuen Schein, es leucht uns mitten in der Nacht und uns zu Lichtes Kindern macht.« Das gilt auch bei Tag besehen und gilt hinein in ein neues Jahr. Es gilt für uns und unsere ganze Welt, in der es so viel Dunkelheit gibt. Deshalb rufen wir:

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, Bruder und Menschensohn, du verbindest Himmel und Erde, damit wir nicht verloren gehen.
Herr, erbarme dich.

Du schenkst uns göttliches Licht, das alle Dunkelheit erhellt.
Christus, erbarme dich.

In dir kommt uns Gottes Frieden entgegen in unserer Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Versöhnung.
Herr, erbarme dich.

Du bist uns geboren um unseres und der Menschen Heil willen. Wir stimmen ein in den großen Lobgesang, der dich und deine Menschenfreundlichkeit besingt.

Tagesgebet
Lebendiger und barmherziger Gott,
du hast uns Menschen mit einer Würde ausgestattet, die wir nie verlieren können. Du hältst uns in unserem Leben und schaffst uns immer neu. Wir leben aus deinem Leben.
Lass uns immer mehr erkennen, was du uns bist und wozu du uns berufen hast in der Menschwerdung deines Sohnes, unseres Bruders und Herrn Jesus Christus: zu Menschen deiner Gnade.
So beten wir heute und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit.

Schlussgebet
Wir danken dir, menschenfreundlicher Gott,
für dein Wort,
das du uns an diesem Tag schenkst.
Wir danken dir für Jesus Christus:
Er schenkt uns Licht und Leben, er ist unser Lebensbrot,
er zeigt uns, wem die Welt und wohin sie gehört,
er ist dein Wort, er sagt es uns.
Mit ihm ist deine Wahrheit
und deine Gnade in die Welt gekommen.
In ihm bleibst du uns nah.
Heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.
(nach: Eleonore Beck, in: Messbuch 2010)

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 130,1–4 »Gelobet seist du Jesus Christ«
Antwortgesang und Halleluja-Ruf
GL 268 »Singt dem Herrn ein neues Lied« und GL 155 »Christus ist geboren«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 141 »Ich steh an deiner Krippe hier«
Gesang zur Kommunion
GL 142 »In dulci jubilo«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 140 »Zu Betlehem geboren«

Fürbitten
Herr Jesus Christus, in den Sorgen und Nöten, in den Brüchen und Auseinandersetzungen unserer Tage kommst du uns entgegen. In dir spricht Gott aus, wonach wir uns sehnen und wonach wir rufen:

- Lass uns dich als den erkennen, der sein Leben mit denen teilt, die nach dem Leben hungern und dürsten.
- Lass uns dich als den erkennen, der sich zu denen beugt und sie aufrichtet, die vom Leben müde und belastet sind.
- Lass uns dich als den erkennen, der alle bestärken und ermutigen will, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, wo Gewalt und Hass die Menschen entzweit, besonders in den Krisengebieten unserer Welt.
- Lass uns dich erkennen als den, der die Kirche zu den Menschen führt, um für ihre Würde und ihre Unantastbarkeit einzutreten.
- Lass uns dich als den erkennen, der für unsere Verstorbenen Licht und Auferstehung ist.

Gloria sei dir gesungen, mit Menschen- und mit Engelszungen. Heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Die Welt erkannte ihn nicht und nahm ihn nicht auf

Vorüberlegungen
Zum Text: Joh 1,1–5.9–14 (Evangelium)

Der Stammbaum Jesu und die Geburt Jesu – so überschreibt Matthäus das erste Kapitel seines Evangeliums. Markus bringt die Vorbereitung des Wirkens Jesu und sein erstes Auftreten. Lukas schreibt eine ausführliche Vorgeschichte mit der Verheißung der Geburt Jesu und seiner Geburt. Bei Johannes steht über dem heutigen Tagesevangelium »Prolog«.
Und in diesem Prolog klingt schon die ganze johanneische Theologie an: der Kampf und die Auseinandersetzung zwischen Himmel und Erde, zwischen oben und unten, zwischen Leben und Tod, zwischen Licht und Finsternis, zwischen aufnehmen und ablehnen, zwischen erkennen und nicht erkennen, zwischen Glaube und Unglaube.
Die ganze Darstellung seines Evangeliums »soll den Glauben begründen, dass Jesus der Messias, der Sohn Gottes ist, durch den die Glaubenden ewiges Leben gewinnen« (Einführung in das Johannes-Evangelium in der Einheitsübersetzung).
Die Predigt entfaltet die Auseinandersetzung zwischen erkennen und nicht erkennen, zwischen aufnehmen und nicht aufnehmen und verknüpft damit die aktuellen Diskussionen über die gesellschaftlichen Spannungen, wie dem Fremden und den Fremden zu begegnen sei. Gott als der ganz andere kommt dorthin, wo er hingehört, in seine Welt, und als der Fremde will er erkannt werden als der, der dem Menschen so nahe ist, dass er selbst Mensch wird.

Predigt

Die Welt erkannte ihn nicht –

Und deshalb nahm sie ihn auch nicht auf. Hunderte Mal gesungen und vorgetragen in den letzten Stunden und Tagen im Spiel der Herbergssuche. Unmissverständlich wurde es ausgedrückt in der Frage: Wer klopfet an? Und in der Reaktion: Alles besetzt, kein Platz, geht nur fort. Die Welt, die Gesellschaft, die Menschen, Bürgerinnen und Bürger erkennen ihn nicht und deshalb kann er auch nicht ankommen und aufgenommen werden, deshalb gibt es keinen Raum für ihn. Dabei ist er ja gar nicht der Fremde, einer, der aus einer fremden Welt, aus einem fremden Kulturkreis mit fremder Sprache und fremdem Glauben kommt. Sondern er gehört zu ihnen, sie sind sein ein und alles, es sind die Seinen und deshalb kommt er in sein Eigentum, wie es der Evangelist Johannes sagt. Er kommt dorthin, wo er hingehört, wo es für ihn bestimmt ist seit immer und ewig. Er will dort zu Wort kommen, wo es dieses endgültigen Wortes bedurfte: in die Welt und zu den Menschen.

Was wir nicht kennen …

was uns fremd ist, löst oft Misstrauen und Angst aus. Was aus einer fremden Welt zu uns kommt, wer eine andere Sprache spricht, von anderer Kultur und anderem Glauben geprägt ist, wer Neues ansagt und Althergebrachtes verändert, der findet kein Gehör, der wird ausgegrenzt und hinausgeschickt.

Die Leute und Einwohner von Betlehem …

aus der vergangenen Nacht und die Hirten auf dem Feld sind beispielhafte Zeitgenossen für ein Verhaltensmuster, das sich in unseren Tagen dramatisch ereignet und Gemeinwesen, Gesellschaften, Nationen, die Politik und Religionen spaltet und gegeneinander aufbringt: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht und es schmeckt ihm nicht – wie das Sprichwort sagt. Was mir fremd ist, ist mir zunächst gefährlich, es bedroht meine gewohnte Umgebung und stört, besonders dann, wenn es mir zu nahe kommt.

In der Heiligen Nacht …

sind es die Hirten, Menschen die sich fürchten angesichts dieses himmlischen Einbruchs und Menschen in ihrem angestammten Zuhause, die Türen und Fenster, sich selbst zumachen wie die Menschen in Betlehem.
Und heute: Eine neu und heftig ausgebrochene Debatte, oft genug populistisch geführt, wie mit dem Fremden und hier insbesondere dem Islam umzugehen sei. Gehört er und die ihm angehören zu uns? Können die vielen, die zum Teil seit vielen Jahren unter uns leben, jetzt auch bei uns ankommen, nehmen wir sie auf als Mitbürgerinnen und Mitbürger und unter welchen Bedingungen? Oder sollen sie in ihren Kreisen, Zirkeln und Ghettos bleiben? Diese Frage wird besonders uns Christen gestellt, wenn der Papst heute um den Segen Gottes urbi et orbi, für die Stadt Rom und den ganzen Erdkreis bittet und eindrucksvoll zeigt, dass dieser weihnachtliche Segen für alle gilt, indem er in über hundert Sprachen diese Bitte ausspricht.

Sie erkannten ihn nicht –

wie auch, wenn der ersehnte Messias so daher kommt, wie dieser Jesus von Nazaret mit seinen armen Eltern Maria und Josef. Er widerspricht allen Vorstellungen von Gott, dem Ewigen im Himmel und den Erfahrungen, die Menschen mit sich und ihrer Welt in ihrer Zeitgeschichte machen. Er kommt nicht mit Glamour und im Scheinwerferlicht, sondern mitten in der Nacht und in den Dunkelheiten der Menschen. Er kommt und sucht Platz bei den Menschen, bittet um Aufnahme und kommt als Neugeborener zu den Neugeborenen, als Armer zu den Armen, als Bedürftiger zu den Bedürftigen und spricht das befreiende Wort: Ein Kind ist euch geboren, ein Sohn ist euch geschenkt. Und damit taucht er ein in die Geschichte der Menschen, würdigt menschliches Leben und heiligt es: Dich wahren Gott ich finde in meinem Fleisch und Blut. Er kommt in die Zerrissenheit und die Gewalt und wird angekündigt als der Friedensbringer für die Menschen auf Erden. Er kommt als die große Einladung gegen allen Zwang und Fanatismus auch in den Religionen als Heil-land: Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis.

Sie nahmen ihn nicht auf –

Von Anfang an widerstreiten sich Glaube und Unglaube, scheiden sich an ihm die Geister, weil er Gott ganz anders zu Wort bringt, als es menschliches Mit- und Gegeneinander zeigt. Gottes Absicht ist es, dass der mit Gottes Gnade geheiligte Mensch geheilt sei und so selbst Wunden heilt. Dass der mit Gottes Licht erhellte Mensch Licht und Hoffnung sei und so selbst Versöhnung stifte. Sie verstanden seine Botschaft nicht, warum er selbst, der Gott des Himmels, sich zu denen beugt, die gebeugt sind. Warum er sich mit denen versöhnt, die sich in Schuld verstrickt haben, warum er Leidender mit den Leid Tragenden wird und den Tod der Menschen stirbt.

Wie ihn erkennen, damit wir ihn aufnehmen können?

Wie ihn aufnehmen, damit wir ihn immer besser verstehen können? Ihn, der zusammenführt, was zusammengehört: Himmel und Erde; der verbindet, was nicht getrennt sein darf: Gott und Mensch; der in unser Heute und Morgen bringt, was nicht erst im Jenseits gilt: Ich lebe und auch ihr sollt leben.
Es wird nicht anders gelingen als schon damals: Die nach ihm suchen, finden ihn, der sich finden lässt. Die zu ihm aufbrechen, erfahren: Er kommt uns entgegen. Die nach ihm weinen und klagen, spüren: Er ist Trost und Heil.
Vielleicht geht es so, wie Rainer Maria Rilke es ausdrückte:
»Man muss Geduld haben gegen das Ungelöste im Herzen und versuchen die Frage selber lieb zu haben, wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Frage lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antwort.«
Und dann erfahren wir: Allen, die ihn aufnahmen, gab er die Gnade, Kinder Gottes zu sein, weil er unter uns bleiben und wohnen will. Kinder Gottes, als Gottverwandte und deshalb mit Leben und Frieden Beschenkte.

Wolfgang Tripp

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