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Leseprobe 2
Allerseelen
Lesejahr A – B – C
»Ein Festmahl vom Feinsten«

Vorbemerkung

Zum Text: Jes 25,6–9 (1. Lesung)

Für die Perikope wurde der Vers 6 gekürzt und damit wird den Predigthörern vorenthalten, dass zum Bild des Gastmahls auch ein »Gelage« mit erlesenen Weinen gehört. Schon wegen des Bezugs zur Eucharistie schlage ich vor, hier den Text im Lektionar zu ergänzen und die vollständige Bibelstelle zu Gehör zu bringen.

Predigt

Zärtlicher Trost

Die kleine Miriam sitzt auf der Bettkante und weint bitterlich. Ihre beste Freundin ist in eine andere Stadt weggezogen, weil der Papa dort eine neue Arbeit gefunden hat. Und nun mag Miriam gar nicht in die Schule gehen, weil der Platz neben ihr leer sein wird. Sie haben ausgemacht, dass sie aneinander denken und regelmäßig telefonieren werden. Und sie werden sich bestimmt einmal wieder sehen. Aber trotzdem ist Miriam so traurig, dass ihr dicke Tränen über die Backen kullern. Die Mutter nimmt sie liebevoll in den Arm und wischt ihr zärtlich die Tränen vom Gesicht.
Der Abschied von einem lieben Menschen tut immer weh, erst recht, wenn wir einen Menschen vermissen, weil er gestorben ist. Zur Trauer gehören Traurigkeit und Tränen. Und dafür muss sich niemand schämen, selbst wenn der Verlust schon Jahre her ist.
Auch Gott hat Verständnis für unsere Trauer. Wie eine liebevolle Mutter, so wischt er uns zärtlich die Tränen vom Gesicht. Mit einem solchen Bild beschreibt der Prophet Jesaja, wie Gott uns tröstet. Gott sagt nicht, du darfst nicht weinen. Er lässt die Tränen zu und tröstet uns. Weiter schreibt Jesaja: »Gott zerreißt die Hülle, die alle Nationen verhüllt, die Decke, die alle Völker bedeckt.« Damit ist die Trauer gemeint, die sich schwer wie eine dunkle Decke über das Leben legt, die alles verhüllt, so dass kein Sonnenstrahl mehr hindurchdringen kann.
Und Jesaja schreibt: Gott »beseitigt den Tod für immer«. Schon lange vor Jesus und seiner Auferstehung gab es also bereits die Hoffnung und das Vertrauen, dass Gott stärker ist als der Tod.

Neues Leben in Frieden

Und wie es aussehen wird, wenn Gott den Tod bezwungen hat, das beschreibt der Prophet Jesaja in einem schönen Bild: Gott lädt uns ein zu einem gigantischen Fest. Und zwar bei ihm zu Hause, denn dafür steht der Berg Zion. Der Berg Zion ist der Ort, an dem Gott gegenwärtig ist, praktisch die Wohnung Gottes. Dort findet das Festmahl statt. Eingeladen sind nicht nur irgendwelche auserwählten Gäste, sondern alle Völker sind geladen. Auch die, die bisher Feinde waren. Die Verschiedenheit ist nicht mehr bedrohlich. Alle sind gleichwertig. Das neue Leben bei Gott bedeutet Frieden.

Im Himmelreich bei Gott zu Tisch

Gott lädt uns ein zu einem üppigen Festmahl mit feinsten Speisen und edlem Wein und von allem reichlich. Ein fröhliches Fest wird es sein. Die Freude hat Vorrang, die Freude darüber, dass nun Gott alle Herrschaft hat und selbst der Tod besiegt ist.
Auch Jesus verspricht die künftige Mahlgemeinschaft, als er beim letzten Abendmahl zu seinen Jüngern sagt: »Darum vermache ich euch das Reich, wie es mein Vater mir vermacht hat. Ihr sollt in meinem Reich mit mir an meinem Tisch essen und trinken« (Lk 22,30). Und im Matthäus-Evangelium hören wir: »Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen« (Mt 8,11).

Wir sehen schon die Lichter

Einen Vorgeschmack darauf erleben wir in jeder Eucharistiefeier. Auch die Eucharistie ist ein Mahl der Freude und Dankbarkeit. Das Brot des Alltags und der Wein des Festmahls verbinden sich hier. So können wir aus der Eucharistie Kraft schöpfen, auch gerade am Festtag Allerseelen, wenn wir besonders an unsere verstorbenen Angehörigen denken und es uns wieder schwer ums Herz ist. In der Eucharistie feiern wir die Auferstehung Jesu. Und wir feiern die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch, zwischen dem irdischen Leben und dem künftigen Festmahl zuhause bei Gott.
So ist auch der Allerseelentag einerseits ein Tag der Trauer und Besinnung, aber er ist auch ein Feiertag: Wir feiern die Liebe Gottes, die stärker ist als der Tod, wir feiern das Geheimnis von Tod und Auferstehung, das uns Jesus gezeigt hat. Wenn wir am Friedhof ein Grablicht entzünden, dann erzählt auch das vom Licht der Auferstehung und von der Verbundenheit über den Tod hinaus. Oder wie es der Priester und Dichter Ernesto Cardenal gesagt hat: »Wir sind noch nicht im Festsaal angelangt, aber wir sind eingeladen. Wir sehen schon die Lichter und hören die Musik.«

Fürbitten
Gott, du bist ein Gott des Lebens und der Liebe. Zu dir bringen wir voll Vertrauen unsere Bitten:

- Wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben, dann kann es sein, dass sich die Trauer wie eine dunkle Decke über unser Leben legt. Nimm diese schwere Decke weg, damit unsere Seele wieder durchlässig wird, dein Licht zu empfangen.
- Wenn wir einen Menschen sehr plötzlich und unerwartet verloren haben, dann bleibt vieles offen, was wir noch hätten klären oder sagen wollen. Ergänze du, Gott, was bruchstückhaft geblieben ist, und lass uns Frieden und Versöhnung über den Tod hinaus spüren.
- Wenn Eltern ein Kind verloren haben, dann ist das wohl die schlimmste Erfahrung, die Eltern machen können. Schenke ihnen die Kraft, weiterzuleben in der Gewissheit des Wiedersehens.
- Wir denken an alle, deren Lebensweg sich dem Ende zuneigt. Schenke ihnen Frieden und Geborgenheit und lass sie zu Gast sein bei deinem großen Festmahl.

Du Gott des Lebens, wie ein Fest wird es sein, wenn wir zu dir heimkommen. In dieser Gewissheit vertrauen wir uns deiner tröstenden Hand an, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Irene Anic

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