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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
21. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Begrüßung und Einführung
Ganz unterschiedlich ist der Alltag, aus dem wir hierher in den Gottesdienst kommen: Die einen haben eine ruhige Woche hinter sich, eine Zeit ohne besondere Ereignisse. Die anderen kommen abgehetzt aus Tagen voller Sorgen oder Stress. Wieder andere schauen dankbar auf eine Woche, die ihnen Erfolg und Freude beschert hat. Alle sind hier willkommen mit dem, was sie beschäftigt, dürfen ihre Lasten ablegen, ihre Freude mitbringen. Dass Gott uns neu mit Leben erfüllt und ausrüstet für alle Herausforderungen im Leben und im Glauben, dafür wollen wir uns nun öffnen.

Kyrie-Ruf
Herr und Bruder Jesus Christus, du forderst uns heraus mit deinem Wort.
Herr, erbarme dich.

Du bist für uns da, wenn wir erschöpft und mutlos sind.
Christus, erbarme dich.

Du mahnst uns, wenn wir träge und bequem werden.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Großer Gott,
du hast uns ins Leben gerufen und Tag für Tag rufst du uns von Neuem auf deinen Weg. Unser Leben ist deine Gabe und Aufgabe zugleich. Wir danken dir für deine Gaben.
Und wir bitten dich: Mach uns stark, dass wir nicht nur die Freuden, sondern auch die Herausforderungen unseres Lebens annehmen können. Lass uns niemals irre werden auf deinem Weg.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 268,1–3 »Singt dem Herrn ein neues Lied«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
EH 273 »Meine Hoffnung und meine Freude«, dazu Ps 27 oder
GL 521 »Herr, gib uns Mut zum Hören« und GL 530/3 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 304 »Zieh an die Macht« oder
EH 123 »Von guten Mächten«
Gesang zur Kommunion
GL 503 »O wunderbare Speise«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 637,1–3 »Lasst uns loben, freudig loben« oder
EH 277 »Keinen Tag soll es geben«

Fürbitten
Großer Gott, viele Menschen tragen schwer an den Lasten ihres Lebens. Wir vertrauen auf deine Verheißung: Du nimmst uns die Lasten nicht ab, aber du hilfst uns, sie zu tragen. So bitten wir dich:

- Für die Hungernden, für die Opfer von Krieg und Naturkatastrophen und für ihre Helfer:
(Erfülle sie mit deiner Kraft.)
- Für deine Kirche und alle Christen, die leiden an ihren Schwächen und die oft mutlos in die Zukunft schauen:
- Für alle, die nach einem schweren Schicksalsschlag wieder von vorn beginnen müssen:
- Für Kinder und Jugendliche, die durch ihre Familie keine Unterstützung haben und mit allem allein fertig werden müssen:
- Für unsere Schwerkranken und Sterbenden und für alle, die ihnen beistehen:

Gott, du bist die Quelle, die nie versiegt. Du weißt um unsere Schwächen und Grenzen. Wir danken dir, dass du uns damit nicht allein lässt. Immer und überall bist du an unserer Seite. Dafür bringen wir dir unseren Lobpreis, heute und zu aller Zeit. Amen.

Christsein kostet – denn was nichts kostet, ist nichts wert

Vorüberlegungen
Zum Text: Lk 13,22–30 (Evangelium)

In dieser Perikope sind verschiedene Worte nebeneinandergestellt, die das Bild von der Tür verwenden: das Bild von der engen Tür (hier fehlt allerdings die andernorts genannte Alternative der breiten Tür, die ins Verderben führt), das Bild des Hausherrn bei der Hochzeit, der die Tür zu einem bestimmten Zeitpunkt verschließt, sowie das Bild des Richters/Türhüters, der nicht die erwarteten Beurteilungsmaßstäbe anlegt. Allen ist gemeinsam, dass sie vor vorschneller Heilsgewissheit warnen und zu einem »rechten« Leben, zum Eifer in der Nachfolge Jesu mahnen. Dabei geht es nicht um eine Überforderung, sondern um die Aufforderung, das, was einer kann, auch zu tun.
Diese Mahnung zur Anstrengung, zum Bemühen um ein rechtes Leben steht im Kontrast zu einer Konsum-Erwartung, die viele Menschen heute an ihren Glauben haben: dass die Religion sie vor allem entlastet, ihnen zur Oase im gestressten Alltag wird, ihnen etwas gibt, statt etwas von ihnen zu fordern. Das Geheimnis unseres Glaubens liegt darin, dass in einem christlichen Leben beides zusammen gehört: das Geben und das Empfangen.
Die Predigt setzt an der genannten Konsum-Erwartung an und versucht Mut zu machen zum Geben, zur Anstrengung, um dann eine Glaubenserfahrung des Beschenktwerdens machen zu können, die mehr ist als passiver Konsum, als religiöse Wellness.

Predigt

Durch die »enge Tür« gegangen

War es anstrengend für Sie, heute Morgen/Abend hierher in den Gottesdienst zu kommen? Mussten Sie sich beeilen, schnell noch anderes erledigen, jemanden vertrösten? Liegt Ihnen der Gottesdiensttermin ungünstig, zu früh, zu spät? Mussten Sie den Gottesdienst in Ihrem Terminkalender einplanen? Mussten Sie Ihre Fahrt hierher organisieren? Oder haben Sie Familienmitglieder, die Ihnen wieder mal vorgejammert haben: »Schon wieder in die Kirche gehen …«?
Eine »enge Tür«, von der wir im Evangelium gehört haben, hat unsere Kirche nicht. Aber kleine oder auch größere Mühen sind schon erforderlich, um schließlich hier anzukommen. Ihnen sind es diese Mühen offensichtlich wert – deshalb sind Sie heute hier.

Glaube soll entlasten, nicht anstrengen

Der Blick auf die leeren Plätze neben uns zeigt: Das ist nicht selbstverständlich. Viele Menschen erwarten etwas anderes von ihrem Glauben. Er soll keine Mühe kosten, er soll gut tun, erfreuen, entspannen, entlasten, aufbauen! Das Leben ist schließlich schon schwer genug! Stress im Beruf, Konflikte in der Familie, eine durchgetaktete Woche, Streit mit den Nachbarn, finanzielle Sorgen, das reicht doch wohl. Da will ich durch den Glauben nicht auch noch gefordert werden. Bitte nicht noch ein Stressfaktor mehr! Glaube muss mir gut tun, muss eine Oase sein zum Durchschnaufen, muss mir gute, aufbauende Gedanken geben, die mich nicht auch noch zusätzlich belasten. Religion gehört zu meiner knapp bemessenen Freizeit, und da erwarte ich Wohltuendes. »Was gibt mir das?«, das ist die Frage, die viele zuerst an Glaube und Kirche stellen, und nicht: »Was muss ich dafür tun?«

Jesus fordert uns

Aber genau dahin zielen die Worte Jesu, die wir gerade eben gehört haben: »Bemüht euch nach allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen.« Anders, weniger bildhaft ausgedrückt: Meint nur nicht, dass Gott sich zufrieden gibt mit eurem: »Irgendwie gehöre ich dazu, das wird schon reichen.« Ob damals zum Volk Israel oder heute zur Kirche – Mitgliedschaft allein genügt nicht. Ihr müsst euch anstrengen, nach Gottes Geboten zu leben. Ihr dürft euch nicht mit Halbheiten zufrieden geben, müsst die Augen offen halten, wo ihr noch mehr in der Nachfolge Jesu tun könnt!
Diese Worte Jesu stoßen bestimmt nicht nur denen sauer auf, die ihren Glauben allein als Oase im rauen Alltag betrachten. Nein, auch wer sich durchaus müht, sein Leben nach Jesu Gebot zu gestalten, stellt da die Frage: Ja, ist es denn nie genug? Müssen wir denn wirklich immer noch Angst haben, dass es nicht reicht? Ist es denn so verwerflich, dass wir uns einen Gott wünschen, der auch einmal sagt: Es ist gut. Ruh dich aus, das genügt für heute! Warum dürfen wir uns den Gottesdienst nicht als Oase wünschen, zum Auftanken, zum Kraftschöpfen?

Jesus gibt beides: Entlastung und Herausforderung

Tatsächlich: In der Heiligen Schrift begegnen uns auch Texte, wo Jesus seinen Jüngern durchaus ihre Ruhe gönnt. »Kommt mit an einen einsamen Ort und ruht euch ein wenig aus«, sagt er zu den Jüngern. Und bei vielen Gelegenheiten nimmt er Menschen ihre Angst, nicht genügend geleistet zu haben. Zuwendung, Heilung gibt es bei Jesus ohne Vorleistung. Das Vertrauen auf ihn ist das Entscheidende, alles andere ist Gottes Geschenk. Und das heißt für uns: Wer erschöpft von harten Zeiten in seinem Leben vor Gott kommt, der darf auch erwarten, nicht wieder geben zu müssen, sondern neue Kraft zu finden bei Gott.
Wenn Jesus neben solche ermutigenden Zusagen auch mahnende, aufrüttelnde Worte stellt, dann wohl deshalb, weil es für ein gutes christliches Leben beides braucht: Ja, es braucht das Grundvertrauen, dass ich mit dem, was ich kann, bei Gott gut angesehen bin. Es braucht aber auch die heilsame Unruhe, dass ich mich nicht vorschnell mit meinem Leben zufrieden geben darf. Fehlt das Grundvertrauen, zerbrechen wir an den Erwartungen, die andere und wir selbst an uns stellen. Und fehlt die genannte Unruhe, dann droht Bequemlichkeit und Trägheit, dann geht die Bereitschaft verloren, für die entscheidenden Dinge im Leben auch einmal hinzustehen, sie sich etwas kosten zu lassen.

Was nichts kostet, ist auch nichts wert

»Was nichts kostet, ist auch nichts wert!« Diese unbequeme Lebensweisheit gilt auch und gerade im Glauben.
Sie gilt im Blick auf jeden einzelnen Christen: Wenn der Glaube gar keine Konsequenzen im eigenen Lebensalltag hat, dann wird er auch keine Kraft geben in schwierigen Zeiten. Vielleicht ist es vielen wirklich nicht möglich, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen. Wenn einer aber nur dann geht, wenn er beim besten Willen nichts anderes vorhat, dann wird er den Gottesdienst wohl kaum als Kraftquelle erleben. Die Gebete, Texte und Zeichen sind ihm fremd geworden. Und welche Kraft haben die Worte der Frohen Botschaft, wenn sie Worte bleiben und nicht zu Taten werden?
Und schauen wir auf die Gemeinschaft der Christen: Wie viel Unglaubwürdigkeit strahlt unsere Kirche in Mitteleuropa aus, weil im Leben so vieler Christen so wenig von ihrem Glauben sichtbar wird!

Jesus fordert, weil es sich lohnt zu geben

Lassen wir uns also fordern von der Botschaft Jesu! Nein, um Über-Forderung geht es dabei nicht. Es geht darum, dass wir entschlossen das tun, was wir können, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Jesu Botschaft heißt nicht: Es reicht nicht, was du tust! Seine Botschaft heißt: Es lohnt sich, zu tun, was du kannst! Denn du wirst merken: Wer im Glauben gibt, der empfängt. Wer gibt, empfängt Durchhaltevermögen, Zuversicht, Erfüllung und Zufriedenheit, Sinn im Leben, der spürt den Beistand Gottes. Das sind Gaben, die ganz tief hinein gut tun. Und deren Wirkung länger anhält als die Erholung, die eine ruhige Stunde in der Kirchenbank uns geben kann.
»Bemüht euch nach allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen«, sagt Jesus. Ja, auch diese Worte sind nicht Droh-Botschaft, sondern Frohe Botschaft für uns. Lassen wir uns hier und heute stärken und beschenken mit Gottes Kraft. Gehen wir dann wieder hinaus mit der Bereitschaft, etwas von dieser Kraft zu geben für die Menschen, denen wir begegnen. Damit sie und wir erfahren, wie gut gelebter christlicher Glaube tut.

Stefan Möhler

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